Europäische Royals von

Das britische Königshaus

God save the Queen - Elizabeth denkt noch nicht ans Abdanken

Queen E.lizabeth II © Bild: 2014 Getty Images/Chris Watt

God save the queen – die Briten lieben ihre Monarchie. Allen voran die allseits beliebte Queen Elizabeth II., die schon jetzt der älteste Mensch ist, der jemals auf dem britischen Thron saß. Trotz ihres stattlichen Alters von 88 Jahren denkt sie aber nicht ans Abdanken. Ihr direkter Thronfolger wäre Prinz Charles - laut Umfrage sprechen sich aber viele dafür aus, eine Generation zu überspringen und Prinz William zum nächsten König zu machen.

THEMEN:

Wenn Elizabeth bis zum 9. September 2015 durchhält, wird sie ihre Ururgroßmutter Queen Victoria überholt haben und mit 63 Jahren, sieben Monaten und vier Tagen die Herrscherin mit der längsten Amtszeit in 1000 Jahren Monarchie sein. Der jüngste Royal ist mit einem Jahr der kleine Prinz George – der Sohn von Prinz William und Herzogin Kate. Der kleine Prinz wird in vielen Jahren einmal als 3. Thronfolger die Krone tragen - als 43. Herrscher nach William dem Eroberer.

Britische royale Familie
© Getty/AFP/LEON NEAL Die britischen Royals
  1. Die britische Thronfolge
  2. Prinz Charles (ältester Sohn der Queen)
  3. Prinz William (ältester Sohn von Charles)
  4. Prinz George (erstes Kind von William)
  5. Prinz Harry (zweitältester Sohn von Charles)
  6. Prinz Andrew (zweitältester Sohn der Queen)
  7. Prinzessin Beatrice (älteste Tochter von Andrew)
  8. Prinzessin Eugenie (zweitälteste Tochter von Andrew)
  9. Prinz Edward (drittältester Sohn der Queen)
  10. James Mountbatten-Windsor (ältester Sohn von Edward)
  11. Louise Mountbatten-Windsor (älteste Tochter von Edward)
Das britische Königshaus
© APA/Martin Hirsch Fehlt noch in der Grafik: Der kleine George, Sohn von William, und Kate

"Seht her, wir sind wie Ihr"

Die Windsors geben sich gerne volksnah: Diese Linie hatte bereits die große Königin Victoria vor mehr als 100 Jahren vorgegeben. Als erste Monarchin hatte sie Ereignisse bei Hofe zu öffentlichen Massenveranstaltungen werden lassen. Die Windsors gehen diesen Weg konsequent weiter. Die Queen gibt sich bürgerlich-burschikos, jubelt beim Pferderennen, macht Frühstück aus der Tupperdose. "Seht her, wir sind wie Ihr", lautet die Botschaft der Royals ans Volk.

Stammbaum der britischen Königsfamilie
© M.Gasteiger/mic Der Stammbaum der britischen Königsfamilie

Und die Menschen nehmen es dankbar auf. Eine königliche Familie, die für ihre Untertanen greifbar nah erscheint, deren Leiden, Schicksale und Freudentage auch der Arbeiter auf der Bohrinsel oder die Krankenschwester in der Klinik teilen kann. Die aber dennoch für viele Briten Würde und gelebte Werte wie Kontinuität und Fleiß vermittelt.

Hier geht's zum großen Windsors-Quiz

Die wilden 90er Jahre

Nach den Tiefs der 1990er-Jahre mit dem Rosenkrieg von Charles und Prinzessin Diana, und deren tragischem Unfalltod 1997, sind die Windsors heute so beliebt wie selten zuvor. Entschiedene Monarchie-Kritiker gibt es nur wenige. Selbst, wer sich nicht mit dem Königshaus identifizieren kann, argumentiert doch, dass die Royals gut für Tourismus und Wirtschaft sind.

Herzogin der Herzen

Herzogin Kate, die neue Mutter der Nation, passt wie angegossen in dieses filigrane Puzzle aus Moderne und Tradition. Strahlend schön, sportlich, modebewusst, aber dennoch irgendwie bodenständig, aus dem bürgerlichen Haus einer Familie von Selfmade-Millionären - so wurde sie zum Idol der Dreißigjährigen in Großbritannien, zur Lieblingsschwiegertochter und zum Männerschwarm. Für das Königshaus ist sie - und nun auch ihr Kind, der kleine George - der ideale Link zum Bürgertum.

Prinz William und Herzogin Kate
© Getty/AFP/SAEED KHAN Charles und Diana bei ihrer Hochzeit.

Traumehen und Katastrophen

Charles und Diana, Andrew und Fergie, Anne und Mark: Die Scheidungsrate der Royals ist hoch. Prinz William und Kate aber wirken zum dritten Hochzeitstag fast langweilig harmonisch. So viel Harmonie die beiden derzeit ausstrahlen, so turbulent verliefen die Beziehungen in der Generation zuvor: Die Ehe von Williams Eltern Charles und Diana ging ebenso in die Brüche wie die Ehen von Charles' Geschwistern. Prinz Andrew und seine Frau Sarah Ferguson ließen sich 1996 scheiden. Anne hatte sich 1992 von ihrem Mann Mark Phillips geschieden.

Elisabeth und Philip: "The Queen is not amused", in etwa: Der Königin missfällt das, ist ein oft zitierter Satz im Zusammenhang mit Europas dienstältester Königin Elisabeth II. Auch wenn sie als streng, kritisch und leicht unterkühlt gilt - über Prinz Philip Mountbatten war sie schon als Teenager "very amused". Später heiratete sie ihren Jugendschwarm. Seit mehr als 60 Jahren ist er nun schon der Mann an ihrer Seite, selbst wenn er mit seinen staubtrockenen Kommentaren kaum ein Fettnäpfchen auslässt. Als Geheimnis einer langen Ehe nennt er: unterschiedliche Interessen behalten.

Charles und Diana: Die Traumhochzeit von Thronfolger Charles mit der Kindergärtnerin Lady Diana Spencer ist im Juli 1981 ein Ereignis für Millionen. Was die junge Braut damals nicht ahnt: Es wird eine Ehe zu dritt. Denn Charles pflegt gegenüber seiner großen Liebe Camilla Parker-Bowles mehr als nur Freundschaft. Charles und Dianas Ehe endet in einem Desaster und einem öffentlichen Rosenkrieg. Nach der Scheidung 1996 stirbt Diana ein Jahr später bei einem Autounfall in Paris. Charles heiratet 2005 die Liebe seines Lebens - Camilla.

Charles und Diana bei ihrer Hochzeit.
© APA/EPA Charles und Diana bei ihrer Hochzeit.
Prinz Charles und Camilla Koala
© Getty Images Charles und seine Camilla

Vermögen

Das geschätzte Vermögen der Queen beläuft sich auf 310 Millionen Pfund (knapp 370 Millionen Euro). Die Kosten für das Königshaus werden von den von den Steuerzahlern getragen. Die Queen muss ihre Ausgaben aus einem jährlichen Staatszuschuss von rund 30 Millionen Pfund (35,37 Mio. Euro) nach neuen Regelungen vor einem Parlamentsausschuss offenlegen. 2013 lagen die Ausgaben der Royals bei 33,3 Millionen Pfund.

Buckingham Palace in London
© AFP/Getty Images Sitz der britischen Royals: Der Buckingham Palace

Die politische Macht der Windsors

Nach allgemeinem Verständnis mischt sich die britische Königin nicht in die Tagespolitik ein, die "königliche Zustimmung" gilt bei Gesetzen aber als Formalität. Ausnahme stellen nur Gesetze dar, die in den persönlichen Besitz des Königshauses hineinreichen, etwa in den Herzogtümern Lancaster und Cornwall. In solchen Fällen kann etwa auch Thronfolger Prinz Charles ein Veto einlegen. Ein Veto hat die Queen auch bei Gesetzen, die die traditionellen Prärogativrechte des Monarchen berühren, darunter das Recht, Premierminister zu ernennen und Kriegseinsätze zu autorisieren.

Monarchie mit Zukunft

Auch wenn einige sich darüber aufregen, dass der Palast jedes Jahr mit 32 Millionen Pfund (38 Millionen Euro) aus Steuergeldern gesponsert wird: Republikanische Tendenzen haben derzeit nicht nur auf der Insel keine Chance. Die Monarchie ist mit der Demokratie längst so verwoben, dass beide nicht mehr voneinander zu trennen sind. Auch in den 15 Commonwealth-Staaten von Australien bis Tuvalu, in denen die Queen noch Staatsoberhaupt ist, tun sich Anti-Royalisten schwer. Der Commonwealth hat für Elizabeth stets eine besondere Bedeutung gehabt.

Die Chancen stehen derzeit hervorragend, dass die Monarchie mit einem gekonnten Mix aus Moderne und Althergebrachtem auch noch dann hoch im Kurs steht, wenn der kleine Prinz einmal König ist. Derzeit sehen sich in Großbritannien 77 Prozent der Menschen als Monarchisten - zwar drei Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr, aber ein immer noch fast historisch hoher Zustimmungswert.

Die britische Königsfamilie
© Chris Jackson/Getty Images Die britische Königsfamilie

Kommentare