Porträt von

Prinz Charles: Der
ewige Thronfolger

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    Charles kommt am 14. November 1948 in London zur Welt. Mit der offiziellen Ernennung seiner Mutter Queen Elizabeth II. zur Thronfolgerin im Jahr 1952 wird der Prinz zum britischen Thronerben ernannt.

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    Posieren für das Familienalbum: Anne, Philip, Elizabeth und Charles.

Charles Philip Arthur George, Prince of Wales, ein zufriedener Thronfolger im Wartestand. Welcher Mensch verbirgt sich hinter Prinz Charles?

THEMEN:
  • Name: Charles Philip Arthur George Mountbatten-Windsor
  • Titel: Prinz von Wales, Herzog von Cornwall
  • Geburtstag: 14. November 1948
  • Geburtsort: London
  • Eltern: Queen Elizabeth II., Prinz Philip
  • Ehefrauen: Prinzessin Diana (1981 bis 1996), Herzogin Camilla (seit 2005)
  • Kinder: Prinz William, Prinz Harry
  • Geschwister: Prinzessin Anne, Prinz Andrew, Prinz Edward
  • Sternzeichen: Skorpion
© imago images / United Archives International Prinz Charles mit seiner Schwester Prinzessin Anne 1952

In Gummistiefeln durchs schottische Hochland, ein kleiner Plausch zwischendurch mit einer Pflanze: Prinz Charles ist irgendwie anders. Je älter der Thronfolger wird, umso zufriedener scheint er zu sein. Und ein "Öko-König" ist Charles ohnehin längst, hat er sich in den vergangenen Jahren doch zu Recht den Ruf eines engagierten Umweltschützers erarbeitet.

Ein "Öko-Bauer" wird König - vielleicht

Mit einem typisch englischen Garten haben die Beete in der offiziellen Residenz von Thronfolger Prinz Charles nichts zu tun. Ökologisch angebautes Gemüse in der einen Ecke des Anwesens Clarence House mitten in London, der Rasen von einigem Unkraut und kahlen Stellen durchsetzt. Charles wird wohl als erster Ökobauer den Thron des Vereinigten Königreichs besteigen. Noch aber ist Elizabeth II., seine Mutter, mit großer Ausdauer Königin.

Charles bleibt vorerst der Prinz im Wartestand - in einem Alter, in dem andere schon längst in Rente sind. Er ist ein in vielerlei Hinsicht ziemlich ungewöhnlicher Thronfolger: Charles setzt sich nicht nur für umweltfreundliche Landwirtschaft ein, sondern ist auch ein leidenschaftlicher Klimaschützer, ein Kämpfer für die Menschenrechte, ein Architektur-Freak, der mit seinem Sturkopf so manches moderne Bauprojekt verhinderte, und er malt gern Aquarelle. "Prinz Charles setzt sich auch stark in sozialen Bereichen ein", sagte ARD-Royal-Experte Rolf Seelmann-Eggebert. "Er ist kein Schönwetterprinz."

»Er ist kein Schönwetterprinz«

In die Politik einmischen darf sich Charles als König aber nicht mehr. Das wolle er später als Monarch auch beherzigen, betonte er in einer BBC-Dokumentation zu seinem 70. Geburtstag. Ihm sei völlig klar, dass er dann nicht mehr so agieren könne wie jetzt: "So dumm bin ich nicht", sagte Charles dem Sender. Es handle sich doch schließlich um zwei völlig verschiedene Rollen.

In der BBC-Dokumentation ist auch zu sehen, wie der Thronfolger mit Truthähnen spricht. Viele Briten finden Charles ein bisschen spleenig: Selbstfindung in der afrikanischen Kalahari-Wüste und in der Einöde abgelegener britischer Inseln mit einem Haufen Schafe um sich herum - was ist denn das für ein Thronfolger? Als er einmal mit einem Verband zu einer Museumseröffnung erschien, sagte er: "Wenn man sich schon seit so langer Zeit mit Bäumen unterhält, trifft man früher oder später zwangsläufig auf einen streitlustigen Erdbeerbaum oder eine mürrische Eiche." Auch die Queen und Prinz Philip fanden ihren Ältesten zeitweise sonderbar, wie aus Biografien hervorgeht.

© imago/United Archives International Prinz Charles sprach von einer "elenden Kindheit"

Prinz Charles, die Beziehung zu seinen Eltern

Prinz Charles und seine Eltern - ein weites Feld. In seiner offiziellen Biografie klagt der Thronfolger über seine "elende Kindheit". Er könne sich an keine einzige Geste der Zuneigung erinnern. Im Kindergartenalter wurde er nur zwei Mal am Tag zu einer kurzen Audienz bei seiner Mutter vorgelassen. Wenn er sich verabschiedete, machte er einen Diener.

Ein einziges Mal sei Elizabeth länger geblieben, um dabei zu sein, als er von einem Kindermädchen gebadet wurde: "Sie tauchte ihre Hände nicht in das Badewasser, aber zumindest schaute sie zu", erinnerte sich Charles. Seinem Vater wirft er vor, ihn auf ein Internat geschickt zu haben, auf dem er jahrelang schikaniert worden sei. Man muss nicht auf der in London ausgestellten Originalcouch von Sigmund Freud gelegen haben, um zu erkennen, dass all dies der Eltern-Kind-Beziehung wenig förderlich war.

»Spinner und Schwächling«

Umgekehrt treibt Charles seine Mutter auch nach Informationen monarchistischer Blätter wie des "Daily Telegraph" regelmäßig "zur Verzweiflung". Sie hält ihn demnach für wehleidig und exzentrisch, "wenn nicht gar für etwas verrückt". Noch schlechter ist sein Vater auf ihn zu sprechen. Philip soll seinen Ältesten als "Spinner" und "Schwächling" beschimpft haben. Öffentlich hat er gesagt, dass sie "sehr unterschiedliche Charaktere" seien.

© imago images / United Archives International Der Thronfolger als Schauspieler - Charles an der Cambridge Universität in der Theatergruppe

Lord Louis Mountbatten, ein Ersatzvater für Charles

Eine besondere Beziehung hatte Charles zu seinem Großonkel Lord Louis Mountbatten. Seinem Großneffen Charles war Mountbatten über viele Jahre hinweg Mentor, Freund und Ersatzvater. Auch Charles suchte in Beziehungsfragen Rat bei seinem Großonkel. Der soll ihm, bezüglich dieses Themas folgenden Rat übermittelt haben: "Ich glaube, in einem Fall wie dem deinen, sollte ein Mann seine Hörner abstoßen und so viele Liebschaften wie möglich haben." Wie viel Einfluss der Lord schlussendlich auf Charles und seine Damenwahl hatte, bleibt ungewiss. Es wird spekuliert, dass Louis Mountbatten, aktiv daran mitgewirkt hätte, dass die Ehe zwischen Prinz Charles und Camilla Shand nicht zustande kommt. Camilla Shand heiratete daraufhin Andrew Parker Bowles, bevor sie 2005 schlussendlich den Thronfolger Charles ehelichte.

Seine Ausbildung

Ende der 1960er-Jahre studiert Charles in Cambridge Archäologie, Geschichte und Anthropologie. Anschließend absolviert er eine Militärausbildung bei der Royal Air Force und der Royal Navy. 1976 quittiert er den aktiven Dienst in der Armee. Trotzdem wird er im Juni 2012 von seiner Mutter befördert - zum Feldmarschall der Armee, Flottenadmiral und General der Royal Air Force.

© imago stock&people Mama setzt ihm die Krone auf. 1969 wird Charles offiziell zum "Prinz of Wales"

Von der Märchenhochzeit zum Albtraum

Einen Tiefpunkt in der Popularitätskurve erreichte Charles, als pikante Details aus der Beziehung mit seiner Dauergeliebten Camilla an die Öffentlichkeit gelangten. Ein heimlich aufgenommenes Telefonat, in dem der Thronfolger den Wunsch äußerte, ein Tampon Camillas sein zu wollen, brachte für viele Briten das Fass zum Überlaufen: So einer kann doch nicht König werden! "Sie war seine Sucht, von der er nicht loskam; eine Besessenheit, von der er sich nicht befreien wollte", sagte sein Ex-Kammerdiener Stephen Barry.

Prinzessin Diana: "In diesem Moment brach mein Herz"

»Was auch immer Verliebtsein heißen mag«

Besonders übel nahmen ihm die Briten, wie Charles mit Diana umging, der Königin der Herzen. Schon kurz nach der Verlobung sorgte die Antwort des Paares, auf die Frage, ob es verliebt sei, für Stirnrunzeln: Sie platzte mit einem "Ja, natürlich!" heraus, er sagte: "Was auch immer Verliebtsein heißen mag."

Hässlich, brutal und reichlich geschmacklos war der Ehekrieg seinerzeit - dank der britischen Yellow Press wurde er zum globalen Medienevent. Da gab es freimütige Interviews über Ehebruch mit einem Reitlehrer, abgehörte Telefongespräche, von "Camilla-Gate" war die Rede, von einer jahrelangen heimlichen Affäre des Thronfolgers. Die Kreuzfrage dieser Tage war: Kann so jemand König werden?

© imago images / United Archives Diana und Charles - aus dem Traumpaar wurde ein Albtraum

In einem legendären Fernsehinterview Ende 1995 sagte "Lady Di", mehr gehaucht als gesprochen, über Camilla: "Sie war die dritte in der Ehe, und es wurde ein wenig eng." Aber es ging nicht nur um Camilla Parker Bowles, die Jugend- und Dauerliebe des Prinzen, den ganzen Palast nahm die junge, schöne Diana in die Kritik: "Kalt, schwach, egozentrisch und herzlos", sei das Königshaus - der Satz sollte lange nachwirken.

Doch Diana, damals 34, setzte noch eins drauf, geschickt brachte sie ihre beiden "Boys" ins Spiel, William und Harry, 13 und elf Jahre alt waren die beiden damals, ein Alter - und dennoch, plötzlich stand die Frage im Raum, ob die beiden nicht die besseren Könige wären als ihr Vater.

Queen verlangt Scheidung

Damit war die Ehekrise zur Krise der Monarchie geworden. Queen Elizabeth II., bisher Zuschauerin des Dramas, wurde aktiv - sie soll es gewesen sein, die dem Sohn zur Scheidung riet. 15 Jahre dauerte die Ehe.

Mit wachsender Skepsis, ja Ablehnung begegneten die Briten ihrer Monarchie. Bereits 1997, noch vor dem tragischen Unfalltod Dianas in Paris, hielten laut einer Umfrage des "Guardian" nur noch 48 Prozent die Monarchie für unverzichtbar - zehn Jahre zuvor seien es 77 Prozent gewesen.

Doch es sollte schlimmer kommen. Im Nachhinein erscheinen Ehekrach, Rosenkrieg und Scheidung eher als Vorspiel des wahren Dramas: Es ist Ende August 1997, es ist dunkle Nacht in Paris, die schöne Diana und der Playboy Dodi Al-Fayed rasen den Paparazzi davon. Immer schneller beschleunigt der Wagen mit dem Paar, die Paparazzi jagen auf Motorrädern hinterher.

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Als Prinzessin Diana 1997 - ein Jahr nach der Scheidung von Charles - bei einem Unfall mit ihrem Geliebten in Paris starb, mischten sich beim Volk Trauer und Wut. Camilla wurde als Rottweiler verspottet. Und heute? Sie findet inzwischen viel Anerkennung und scheint Charles gutzutun. Er wirkt ausgeglichener als früher, lächelt mehr. "Er ist zur Ruhe gekommen", sagte Seelmann-Eggebert. Allerdings ist der Thronfolger - im Gegensatz zu seinen Söhnen William und Harry - irgendwie unnahbar. "Da hat er sich nicht geändert."

Viele Briten zollen Prinz Charles inzwischen Respekt. Mit seinem Engagement in der ökologischen Landwirtschaft - einst belächelt - leistete er zum Beispiel Pionierarbeit. Geld bringen seine Initiativen auch noch ein. Und wegen seines Einsatzes im Naturschutz wurde sogar ein bedrohter Laubfrosch in Ecuador nach ihm benannt: Hyloscirtus princecharlesi. Charles gilt als sehr fleißiger Royal, der seiner betagten Mutter viele Termine abnimmt. Fast 100 Länder besuchte er bereits.

© imago images / PA Images Charles mit Ehefrau Herzogin Camilla

Prinz-Charles-Biografie beschreibt Intrigen und Konfusion

Prinz Charles soll laut einer 2015 erschienenen Biografie zufolge in einem Haifischbecken voller Intrigen und Hinterhalte. Die US-Journalistin Catherine Mayer hat das Buch vorgelegt, aus dem Auszüge verbreitet wurden und in der Zeitung "The Times" erschienen. Das Buch mit dem Titel "Charles, The Heart of a King" ("Charles, Herz eines Königs")* sorgte für Diskussion.

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Die Autorin vergleicht Clarence House, das Londoner Büro des Thronfolgers, mit dem Intrigen-Geflecht aus dem Buch "Wolf Hall" von Hilary Mantel. Die Bestseller-Autorin Mantel hatte in ihrem Werk den Aufstieg von Thomas Chromwell unter König Heinrich VIII. beschrieben.

Mayer hatte nach eigenen Angaben von Charles für die Recherche Zugang zu seinem Umfeld erhalten. So konnte sie mit Vertrauten und Helfern des Prinzen persönliche Gespräche führen. Clarence House erklärte am Samstag jedoch, die Biografie sei nicht autorisiert. Deswegen werde sie von Charles auch nicht kommentiert.

»Charles, der Boss«

Das Bild, das Mayer vom künftigen König Großbritanniens zeichnet, ist das einer stark ambivalenten Persönlichkeit. Der Umgang mit seinen Bediensteten, die ihn der Biografin zufolge "Boss" nennen sei schwierig. Einerseits werde dem überzeugten Bio-Landwirt ein ausgezeichnetes unternehmerisches Gespür attestiert. Andererseits schaffe er Konfusion, wenn er seinen Gefolgsleuten ständig neue Zuständigkeiten gebe und so Neid und Missgunst schüre.

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Fraglich ist, ob Charles nach jahrzehntelangem Warten noch Lust hat, im hohen Alter König zu werden. Kein anderer hat so lange darauf gewartet, britischer Monarch zu werden. "Ich glaube, er akzeptiert das göttliche Gebot, dass er Thronfolger ist", sagte Seelmann-Eggebert. Viele Briten möchten lieber Prinz William - er ist der Zweite in der Thronfolge - zum König haben. Seelmann-Eggebert ist überzeugt: "William wird seinen Vater auf keinen Fall an die Seite drängen."

Mit dem Ausruhen in Clarence House dürfte es also nichts werden. Ohnehin bevorzugt Prinz Charles für seine Freizeit einen ganz anderen Ort - nicht das laute London, sondern die schottischen Highlands hoch oben im Norden. Besonders gern streift der leidenschaftliche Jäger dann mit seiner Liebsten Camilla in Gummistiefeln durch die Natur.

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