Porträt von

Wer ist
Sebastian Kurz?

Politisches "Wunderkind" und "personifizierte Selbstkontrolle" mit großem Willen zur Macht

Sebastian Kurz © Bild: Getty/Gallup

Sebastian Kurz wurde mit nur 31 Jahren zum jüngsten Bundeskanzler Österreichs, bevor er im Mai 2019 durch ein Misstrauensvotum vom Parlament wieder abgewählt wurde. Er hauchte jedoch der zuvor bereits angegrauten Volkspartei wieder Leben ein, färbte sie von schwarz auf türkis und machte sie zum großen Wahlsieger. Er wird als "Wunderkind" oder auch "personifizierte Selbstkontrolle" bezeichnet. Doch wer ist Sebastian Kurz eigentlich?

  • Name: Sebastian Kurz
  • Geboren am: 27. August 1986 in Wien
  • Alter: 32
  • Größe: 1, 86 Meter
  • Wohnhaft in: Wien-Meidling
  • Familienstand: Liiert mit Susanne Thier
  • Studium: Studium der Rechtswissenschaften begonnen (kein Abschluss)

Sebastian Kurz wurde 1986 als Sohn der Lehrerin Elisabeth und des technischen Managers Josef geboren. Er wuchs in Wien-Meidling auf und wohnt auch immer noch dort, im selben Haus wie seine Eltern. Zu diesen hat er ein sehr enges Verhältnis, die ihrem Sohn wohl immer schon auf Augenhöhe begegneten und ihm viel Freiraum gaben. „Das ist das Fundament, auf dem die Person Kurz aufbaut“, erzählte eine Freundin, die namentlich nicht genannt werden wollte Nina Horaczek und Barbara Toth, den Autorinnen einer Biografie über Kurz. Viel mehr ist über Kurz engsten Familienkreis auch nicht bekannt und darauf ist der Jung-Kanzler auch erpicht.

Liebe bleibt privat

Ebenso versucht er, so gut wie möglich, seine Lebensgefährtin Susanne Thier aus der Öffentlichkeit fern zu halten. Mit ihr ist er seit seinem 18. Lebensjahr liiert und bewohnt gemeinsam die Wohnung in Wien-Meidling. Thier studierte Wirtschaftspädagogik und arbeitet in der Öffentlichkeitsabteilung des Finanzministeriums.

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Von ÖVP Meidling abgelehnt

Kurz selbst stammt aus keinem politischem Umfeld und erzählt gerne die Geschichte, dass er schon als Schüler bei der Jungen ÖVP in Meidling andocken wollte, man aber dort nichts mit ihm anzufangen wusste.

Erster wichtiger Förderer und Jugendsünden

Sein erster wichtiger Förderer war der damalige Wiener ÖVP-Obmann und heutige EU-Kommissar Johannes Hahn, der das Talent von Kurz erkannte und ihn so gut reihte, dass er es in den Wiener Landtag schaffte. Dort fiel Kurz weniger auf als in seiner Rolle als Chef der Jungen Wiener ÖVP, wo er eine "Geilomobil"-Kampagne anführte.

Sebastian Kurz
© APA/Pfarrhofer Kurz 2009 als Wiener JVP-Chef bei einer Pressekonferenz

Auch mit Sexismus-Vorwürfen sah sich Kurz konfrontiert zum Beispiel aufgrund von Plakaten, auf denen gut gebaute Blondinen in knappen Bikinis für die Sommertour der JVP warben, die in seinem Büro hingen. Beides lässt sich wohl mittlerweile in die Kategorie Jugendsünde einreihen.

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Beispiellose Zielstrebigkeit

Dennoch ging es für Kurz stetig bergauf mit einer – für österreichische Politik-Verhältnisse fast beispiellosen – Zielstrebigkeit. Diesen Machthunger beobachteten auch schon frühe Weggefährten. So erinnert sich in Horaczeks und Toths Biografie ein ehemaliger Parteiobmann, dass Kurz 2009 schon „unbedingt Chef der Jungen ÖVP werden wollte.“ „Das war ihm sehr, sehr wichtig und er hat alles dafür getan.“ „Kurz traut sich alles zu und tut das Nötige, das Gewünschte auch zu erreichen. Fehler macht er selten. Seine Wünsche bringt er durch, ohne jemandem zu fest auf die Füße zu steigen“, urteilt auch die APA.

Sebastian Kurz: Stationen seiner Karriere
Jahr Alter Funktion
2003 17 In Junge Volkspartei als Mitglied eingetreten
2004 18 Matura
Ab 2008 22 Obmann der JVP Wien
Ab 2009 23 Bundesobmann der Jungen Volkspartei
2010 24 Abgeordneter des Wiener Gemeinderats und Landtags
Ab Juni 2011 24 Staatssekretär für Integration
Ab 2013 27 Bundesminister für Europa, Integration und Äußeres
Seit Juli 2017 30 Parteiobmann der ÖVP
Dezember 2017-Mai 2019 31-32 Bundeskanzler
27. 05. 2019 32 durch ein Misstrauensvotum als Kanzler abgewählt

Das Netzwerk Kurz

Doch tut und tat er das alles niemals alleine, vielmehr schart Kurz ein eingespieltes und inzwischen langjähriges Netzwerk um sich, das aus mehrheitlich Männern in ihren 30ern und frühen 40ern sind. Dazu zählen Gernot Blümel, Philipp Maderthaner (Kampagnenprofi), Gerald Fleischmann (Spindoctor), Stefan Steiner (strategischer Berater), Axel Melchior (Wahlkampfkoordinator) und Elisabeth Köstinger – alles Kinder der kurzen turbulenten Ära Josef Prölls in der ÖVP. Kurz‘ Managementstil soll auch hier, im engsten Kreis, zwar ruhig und freundlich, aber fordernd, extrem kontrolliert und delegationsfreudig“ sein, beschreiben die Biografie-Autorinnen. Sein Kabinett gelte als schwer zugänglich und „tough“.

Kurz Blümel
© APA/Jäger Sebastian Kurz und Gernot Blümel: Schon lange ein Team

Auf der Strecke gebliebene Weggefährten

Auf diesem Weg nach ganz oben kamen dem „Wunderkind“ jedoch auch ein paar langjährige Bekannte abhanden, wie etwa Dudu Kücükgöl, die Vorstandsmitglied der Muslimischen Jugend war, als Kurz die Junge ÖVP in Wien übernommen hatte. Gemeinsam waren sie in der »Bundesjugendvertretung«, einem Dachverband der Jugendorganisationen, aktiv. »Wir waren gemeinsam Pizza essen, haben gemeinsame Projekte ausgeheckt und haben uns wirklich gut verstanden.« Heute erkenne sie ihren Freund von damals nicht wieder, der im Kampf um Stimmen gezielt auf die Themen Islam und Flüchtlinge setze, erzählte sie Horaczek und Toth. Es sei wohl der Drang an die Macht, „die den offenen, interessierten ‚Basti‘ von damals zum kühl und strategisch kalkulierenden Messias von heute werden ließ.“

»Noch stärker als sein Wertekompass ist sein Wille zur Macht ausgeprägt.«

Der Wille zur Macht

Oder, wie es ein Regierungsmitglied, das nicht namentlich genannt werden wollte in dem Buch beschreibt: »Sebastian ist von seiner Haltung und seinen Überzeugungen im Grunde ein Rechtskonservativer. Aber noch stärker als sein Wertekompass ist sein Wille zur Macht ausgeprägt.« Auch die APA urteilt: „Große politische Visionen sind von ihm nicht überliefert.“ Auch sei er, so die heimische Presseagentur, zwar ein guter, aber kein überragender Redner.“

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Mit 24 zum Integrationsstaatssekretär

Umso mehr bewies Kurz Mut, als er mit 24 Jahren von Michael Spindelegger zum Integrationsstaatssekretär berufen wurde. Zunächst war er nicht die erste Wahl, der damalige ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger, ein enger Vertrauter Josef Prölls, hätte diesen Posten übernehmen sollen, doch dieser lehnte ab. Zudem stieß ein Integrationsstaatssekretär in diesem Alter nicht überall auf Zustimmung. Doch Kurz machte die Not der geringen Erwartung zur Tugend, umgab sich mit fähigem Personal, versachlichte die Debatte – und kletterte damit in den Politiker-Rankings stetig nach oben.

Kurz Fischer
© APA/Neubauer 2011: Kurz wird Integrationsstaatssekretär

Kurz als Außenminister

Somit war die Skepsis schon viel kleiner, als er 2013 Außenminister wurde. Und auch hier stolperte er nicht, sondern etablierte sich am internationalen Parkett. Fehler sind überhaupt etwas, dass sich Kurz abseits seiner Jugendsünden, kaum bis gar nicht erlaubt. In dieser Zeit schaffte er auch sein „Meisterstück“ in der Flüchtlingspolitik. Und zwar schloss er sich im Sommer 2015 nicht der „Refugee Welcome“-Stimmung an, sondern blieb skeptisch und warnte. Etwas, dass sich (in Hinsicht auf Wählerstimmen) auszahlte, als die Stimmung zu Ungunsten der Flüchtlinge kippte.

Kurz Mitterlehner
© APA/Dostal Mitterlehners Abgang machte den Weg frei für Kurz' Aufstieg

Die Machtübernahme in der ÖVP

Aus dieser Position heraus passierte dann seine Machtübernahme der ÖVP. Doch „passiert“ ist dabei eigentlich gar nichts rein zufällig, vielmehr war diese perfekt orchestriert und ganz und gar nicht so spontan, wie Kurz es gerne nach außen wirken lässt. Sie war im Vorfeld genau abgesprochen, denn bereits zwei Tage vor der entscheidenden Bundesparteivorstandssitzung verständigten sich Bauern-, Senioren-, Frauen-, Wirtschafts- und Arbeitnehmerbund auf Kurz als neuen Chef, ist in der Biografie zu lesen. „Er hatte zu jedem Einzelnen direkten Kontakt, und wir waren alle in seine Pläne eingebunden“, berichtet ein Insider aus diesem Kreis. Die wichtigsten Länderchefs waren überhaupt schon fünf Monate zuvor involviert gewesen. Es gab auch schon weit vor der Übernahme (im Juni 2016, mehr als ein Jahr vor dem Wahlsieg) Kurz‘ Strategiepapiere dazu unter den Titeln „Projekt Ballhausplatz“ beziehungsweise „Projekt BPO (Bundesparteiobmann)“. Diese beinhalteten nicht nur den Weg an die Spitze – sondern auch den für das nächste Halbjahr danach. In diesen Papieren legte Kurz seine Rolle als „höflicherer Strache“ fest.

Kurz Türkis
© APA/ÖVP Kurz übernimmt im Mai 2017 das Ruder der ÖVP - und färbt die Partei von schwarz auf türkis um

Fehlerarmer Wahlkampf

Ebenso perfekt organisiert wie die Umfärbung der eigenen Partei von Schwarz auf Türkis gelang Kurz auch der fehlerarme Wahlkampf, der seine Konkurrenz am Wahltag alt aussehen ließ. Damit war der Weg zur Neuauflage von Schwarz/Türkis-Blau geebnet – und auch dieser verlief schnörkellos.

Kurz kern
© APA/Hochmuth Im Gegensatz zu seinem Konkurrenten und damaligem Bundeskanzler Christian Kern leistete sich Kurz so gut wie keine Fehler im Wahlkampf 2017 - und gewinnt diesen auch

Kanzler mit 31

Die von Sebastian Kurz angeführte ÖVP-FPÖ-Regierungstartete wurde im Dezember 2017 angelobt, Sebastian Kurz war 31 als er Kanzler wurde. Durch sein „Message Control“-System (Während früher jedes Ministerium selbst für die Vermarktung „seiner“ Themen zuständig war, liefen unter ihm die Fäden nun im Kanzleramt zusammen) war für fast eineinhalb Jahre der Schein der einheitlichen Regierungslinie nach außen gewahrt. Konflikte wurden meist intern geregelt, nach außen drangen sie für diese Zeit sie kaum. Dieses Schweigen von Kurz auch zu diversen Austritten seines Koalitionspartners, brachte ihm den Titel „Schweigekanzler 2.0“ ein.

© APA/ROLAND SCHLAGER Am 18. Dezember 2017 wird die Regierung Kurz angelobt

Die Reißleine: Kurz ruft beendet Türkis-Blau

Bis zum 18. Mai 2019. An diesem Tag musste Kurz die Reißleine ziehen. Nach Bekanntwerden eines Videos, das seinen Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf Ibiza zeigte, wie er einer vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen Staatsaufträge versprach, über illegale Parteifinanzierungen sowie der Demontage der freien Medienlandschaft sprach, beendete Kurz die Koalition mit der FPÖ und rief Neuwahlen aus, die im September 2019 stattfinden sollen. Nach Straches Rücktritt als Vizekanzler und Kurz' darauffolgende Entlassung des Innenministers Herbert Kickl verließ die gesamte FPÖ-Ministerriege die Regierung. Die vaktenten Posten besetzte Kurz umgehend mit Experten.

Kurz wird abgewählt

Dies reichte jedoch nicht, um wieder Ruhe in die österreichische Innenpolitik zu bringen und so wurde gegen die gesamte Regierung Kurz ein Misstrauensvotum im Nationalrat von der SPÖ eingebracht. Dieses wurde am 27. Mai 2019 durch die Stimmen der SPÖ, der FPÖ und der Liste Jetzt von einer Mehrheit besiegelt und damit wurde Sebastian Kurz als Kanzler und seine gesamte Regierung abgewählt.

© Video: News.at

Ob sich die Mütchen bis zum Herbst abgekühlt haben, wird man dann sehen. Flexibel genug wäre Kurz jedenfalls, sich auf alle möglichen Partner einzustellen.

Kurz Bures
© APA/AFP/Halada Kurz verabschiedet sich von der 2. Nationalratspräsidentin Doris Bures nachdem er abgewählt wurde

Kurz' Reformen

Auf den Weg gebracht hat die Regierung unter Kurz‘ Ägide vor der Auflösung vor allem zwei große Reformen: Die von Wirtschaft und Industrie geforderte Arbeitszeitflexibilisierung („12-Stunden-Tag“) sowie die Fusion der Gebietskrankenkassen. Ebenso wurde das Rauchverbot in der Gastronomie wieder aufgehoben und der Karfreitag als Feiertag für Evangelische abgeschafft.

Literaturtipps:

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