Porträt von

Wer ist Werner Kogler?

Porträt - Wer ist Werner Kogler? © Bild: APA/Gindl

Die Grünen sind in der Regierung. Zu verdanken haben sie das ihrem Parteichef Werner Kogler, der die manchmal abgehobene Partei wieder auf den Boden gebracht und damit offenkundig wieder wählbarer gemacht - und sogar in die erste türkis-grüne Regierung Österreichs geführt hat.

  • Name: Werner Kogler
  • Geboren am: 20. November 1961 in Hartberg, Österreich
  • Position: Parteichef der Grünen, Vizekanzler
  • Partei: Die Grünen
  • Familienstand: Lebensgemeinschaft
  • Kinder: keine

Erdig und hemdsärmelig waren nicht unbedingt die Attribute, die man bisherigen Grüne Leitfiguren zugebilligt hatte. Bei Kogler treffen sie umso mehr zu. Weg vom Image der Verbotspartei hin zur lebensfrohen Vernunftpartei ist jener Pfad, den der neue Frontmann eingeschlagen hat. Das ging so gut, dass der Steirer bei der Nationalratswahl mangels Alternativen gleich wieder als Spitzenmann ran musste.

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Ausbildung und Beruf

  • 1968 – 1972 Volksschule in St. Johann in der Haide
  • 1972 – 1980 Bundesrealgymnasium in Gleisdorf, Matura mit Auszeichnung
  • 1982 – 1994 Studium der Volkswirtschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz (Mag. rer. soc. oec.) sowie Studium der Rechtswissenschaften
  • 1988 – 1994 Mitarbeit bei verschiedenen Forschungsprojekten der theoretischen und angewandten Umweltökonomie
  • 1994 – 1999 Angestellter im Grünen Parlamentsklub und Mitglied der Klubgeschäftsführung
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Politische Meilensteine

  • 1981 Gründungsmitglied der Alternativen Liste Graz
  • 1982 Gründungsmitglied der Alternativen Liste Steiermark und Österreich
  • 1981 – 1988 Vorstandsmitglied der Alternativen Liste Graz
  • 1985 – 1988 Gemeinderat in Graz
  • 1988 – 1994 Mitarbeit bei Forschungsprojekten der theoretischen und angewandten Umweltökonomie
  • 1994 – 1999 Mitarbeiter im Grünen Klub im Parlament
  • seit 1998 Mitglied der Klubgeschäftsführung
  • 2009 stellvertretender Bundessprecher
  • seit 17. Oktober 2017 Bundessprecher der Grünen
  • Seit 7. Jänner 2020 - Vizekanzler, Minister für Sport und öffentlichen Dienst

Rudern statt Sudern

Noch vor zwei Jahren standen die Grünen vor dem Abgrund: Nach schweren internen Turbulenzen, dem Abgang von Eva Glawischnig und der Gründung einer konkurrierenden Liste durch Peter Pilz flogen sie unter dem Duo Ingrid Felipe und Ulrike Lunacek aus dem Nationalrat. Es folgte eine Abschiedswelle; übrig blieb nur Kogler, der sich bereit erklärte, den Kopf hinzuhalten und zu retten, was noch zu retten war.

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Unter dem Motto "Rudern statt Sudern" war der Volkswirt aus der Steiermark seither unermüdlich unterwegs, um die Grünen aus der Depression zu holen, die Parteifinanzen zu retten, neue (und vor allem jüngere) Köpfe an die Spitze zu bringen und die Partei auf die Kernthemen Ökologie und Gerechtigkeit zu fokussieren. Er sei "stolz darauf, ein Fundi zu sei", sagte Kogler jüngst und stellte sich damit nicht nur gegen die Rechtspopulisten in der Regierung, sondern auch gegen den Versuch der SPÖ, bisherige Grünwähler abzuwerben.

Vom Stellvertreter in die erste Reihe

An vorderster Front der Grünen zu stehen war für Kogler ziemlich neu. Zwar fungierte er als Landessprecher in der Steiermark, im Bund war er aber eher auf Stellvertreter-Positionen abonniert, sei es im Parlamentsklub oder in der Bundespartei. Besser gefiel er sich als einer der gewichtigsten Aufdecker der Grünen (neben Pilz und der vor verstorbenen Gabriela Moser), etwa in der Causa Hypo.

Im Nationalrat galt er als gewitzter und wortgewandter Mandatar mit großer Geschäftsordnungskenntnis, allerdings mit Hang zur Weitschweifigkeit. Legendär war seine 12 Stunden und 42 Minuten dauernde Filibusterrede gegen den Budgetvoranschlag der Regierung im Jahr 2010, die er mit den Worten "Das ist eigentlich schon alles, was ich sagen wollte" beendete.

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Seine beste Zeit vor dem jetzigen zweiten Frühling erlebte Kogler rund um die Nationalratswahl 2013, als die Grünen mit ihrem Anti-Korruptionskurs noch punkten konnten. Mit dem "Hypo-Krimi" tingelte er durch Österreich, und im Ausschuss zu dieser Causa war er Fraktionsführer. Seine berühmten Schachtelsatztiraden widmete er auch dem Kampf gegen die transatlantischen Freihandelsabkommen CETA und TTIP.

Ein "pragmatischer Fundi"

Kogler galt trotz der Selbstcharakterisierung als Fundi immer als Pragmatiker, guter Verhandler und leutseliger Vielredner. Stammgast ist er im bei Journalisten und Fußballfans beliebten Wiener Cafe Anzengruber, wo er - nach Eigenangaben - am liebsten einen Espresso oder ein steirisches Puntigamer-Bier zu sich nimmt.

Grüner Superstar nach langem Anlauf

Kogler durchlüftete die strukturkonservativen Grünen und schickte im Frühling 2019 nicht nur sich, sondern mit der Köchin Sarah Wiener einen waschechten Promi ins Rennen um die EU-Mandate.

Der in dem Ausmaß überraschende Erfolg warf die Grünen wieder in die Bahn. Kogler saß so fest im Sattel, dass er es sich leisten konnte, für die Nationalratswahl Quereinsteiger um Quereinsteiger auf wählbare Listenplätze hieven zu lassen. Selbst eine Parteiwechslerin wie Alma Zadic wurde von der Basis ohne Murren durchgewinkt. Und er selbst sprang mangels Alternative selbst wieder in die Spitzenposition - und wahlkämpfte erneut.

Das Glück des Tüchtigen...

Freilich, da war Kogler und den Seinen das Glück zur Seite gesprungen. Ohne Heinz-Christian Straches verhängnisvolle Ibiza-Affäre hätte man noch drei Jahre auf der Oppositionsbank Platz nehmen müssen, Kogler hätte wie angekündigt auch an der Spitze der Partei eine Verjüngung durchgezogen und vielleicht hätten 2022 schon ganz andere Themen Konjunktur gehabt, die den Grünen weniger in die Karten gespielt hätten.

Fehlerloser Wahlkampf

Es kam jedoch bekanntlich anders, Kogler setzte seine grüne Brille auf und gab Gas. Sein Wahlkampf war annähernd fehlerlos, weder die linken noch die bürgerlichen Wähler wurden mit der Konzentration auf Öko- und Kontrollthemen verschreckt, das ein oder andere gehässige Wort über die ÖVP und ihren Obmann hätte er sich vielleicht lieber erspart gehabt, als Sebastian Kurz das Gründungsmitglied der Alternativen Liste Graz zu seinem bevorzugten Koalitionspartner erkor.

Angelobung
© APA/Schlager Werner Kogler ist seit 7.1.2020 erster grüner Vizekanzler Österreichs

Kogler tritt in Straches Fußstapfen

Und tatsächlich: Seit 7. Jänner ist Kogler erster grüner Vizekanzler Österreichs in einer türkis-grünen Regierung. Er erhält als Minister die Zuständigkeit für Sport, öffentlichen Dienst und Kunst und Kultur. Für letzteren Bereich hat er seine Parteifreundin Ulrike Lunacek als Staatssekretärin beigestellt. Zieht man die von Lunacek bearbeitete Kunst und Kultur ab, verantwortet Kogler somit ziemlich genau jenen Ressortbereich, den unter Türkis-Blau der damalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache übernommen hatte.

Die Meisterprüfung steht noch an

Koglers Meisterprüfung wird in den kommenden Monaten und Jahren wohl darin bestehen, einen Interessensausgleich zwischen eigener Basis und Koalitionspartner zu schaffen. Machbar ist das, leicht aber nicht.

Zur Person: Der am 20. November 1961 in Hartberg geborene Kogler studierte Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften und war in den 1980er Jahren Gründungsmitglied der Alternativen Liste Steiermark und Österreich. Von 1985 bis 1988 war der Gemeinderat in Graz. Seit 1999 saß er im Nationalrat, unter anderem als Leiter des Rechnungshofausschusses, Budget- und Finanzsprecher seiner Partei und Stellvertreter von Eva Glawischnig. Nach dem Debakel 2017 übernahm er zunächst interimistisch die Partei, seit Herbst 2018 ist er gewählter Bundessprecher.