Porträt von

Heinz-Christian Strache:
Großer Aufstieg, tiefer Fall

Sein Aufstieg, sein Wirken, sein Rücktritt

Strache © Bild: APA/Gindl

Seit Heinz-Christian Strache an der Seite von Sebastian Kurz an vorderster Regierungsfront stand, gab sich der einstige "wilde Hund" gerne als Staatsmann aus. Doch das Image hielt nicht lange. Ein folgenschwerer Trip nach Ibiza, bei dem er sich korrumpierbar gab, brachte ihn jäh zu Fall. Nach 14 Jahren an der FPÖ-Parteispitze ist der Traum für den nunmehrigen Ex-Vizekanzler ausgeträumt.

  • Name: Heinz-Christian Strache
  • Geboren: Am 12. Juni 1969 in Wien
  • Alter: 49
  • Größe: 186 cm
  • Ausbildung: Lehre zum Zahntechniker, Studium der Geschichtswissenschaften (nicht abgeschlossen)
  • Familienstand: verheiratet mit Philippa Strache (ehem. Beck)
  • Kinder: 3 (Heidi, geb. 2001 und Tristan, geb. 2003, mit Ex-Frau Daniela Plachutta, Hendrik (geb. 2019 mit Philippa Strache)
  • Partei: FPÖ
  • Funktion: Ehemaliger Bundesparteiobmann der FPÖ, Ex-Bundesminister für Sport und Ex-Vizekanzler (Rücktritt am 18 Mai 2019)
Strache Marion mama
© APA/Neubauer Strache mit seiner Mutter Marion

Heinz-Christian Strache (Spitzname: HC Strache) wurde 1969 in Wien als Sohn der Drogistin Marion Strache und Heinz-Roland Strache geboren. Der Vater verließ die Familie jedoch, um die Welt zu bereisen. Strache wuchs also bei seiner alleinerziehenden Mutter auf, die beiden wohnten im 3. Wiener Gemeindebezirk. Nach seiner Pflichtschulzeit (Strache brach die Handelsschule nach einem Jahr ab), absolvierte er eine Lehre zum Zahntechniker und machte sich nach einem abgebrochenen Studium der Geschichtswissenschaften selbständig und gründete 1993 das „Dental Labor Strache GmbH“, ein zahntechnisches Unternehmen.

Heinz-Christian Strache: Sein Werdegang
Jahr Funktion
1991-1996 FPÖ-Bezirksrat
seit 1993 FPÖ-Bezirksobmann des 3. Wiener Gemeindebezirks
1996-2006 Abgeordneter im Wiener Landtag
1997-1998 Geschäftsführender Landesobmann des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ)
seit 2004 Landesparteiobmann der Wiener FPÖ
seit 2005 Bundesparteiobmann der FPÖ
2006-2018 Nationalratsabgeordneter
seit 2017 Vizekanzler
seit 2018 Bundesminister für öffentlichen Dienst und Sport
seit 2018 Präsident der Österreichischen Sporthilfe

Erste Kontakte nach rechts

Noch davor, im zarten Alter von 15 Jahren kam Strache bereits in Kontakt zu Rechtsextremisten wie Gottfried Küssel als er Mitglied der schlagenden und deutschnationalen Schülerverbindung Vandalia wurde. Auch Norbert Burger lernte er dadurch kennen, mit dessen Tochter der spätere FPÖ-Chef liiert war und der für ihn wohl zu einer Art Vaterersatz wurde.

Strache Burschenschafter
© APA/Oczeret Burschenschafter Strache

In dieser Zeit nahm er auch an den vielzitierten „Waldspielen“ teil, die Strache stets als "Paintball" bezeichnete. Fotos von Waldspielen belegten, dass der heutige FPÖ-Chef früher zumindest wehrsportübungsähnlichen Beschäftigungen nachging.

Strache Wald
© APA/ORF/ZIB2 Strache bei "Waldspielen" in seiner Jugend

Anfänge bei der FPÖ

Zur Freiheitlichen Partei Österreich gelangte er durch den Zahnarzt Herbert Günter. 1991 wurde er mit 21 Jahren damals jüngster Bezirksrat in Wien, drei Jahre später wurde er FPÖ-Bezirksobmann des dritten Bezirks. 1996 wurde er Mitglied des Wiener Landtags (ist er heute noch) und zwischenzeitlich war er auch Geschäftsführender Landesobmann des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ). 2004 folge Strache auf Hilmar Kabas als Parteiobmann der Wiener FPÖ.

Strache wird Wiener FPÖ-Chef
© APA/Pfarrhofer Strache wird 2004 Parteiobmann der Wiener FPÖ

Strache und Haider

Einer, der diesen Aufstieg Argusaugen verfolge, war Jörg Haider. Dem langjährigen Obmann der Freiheitlichen war der Jungspund nicht ganz geheuer. So befürwortete Haider etwa EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, Strache lehnte diese ab und forderte eine Volksabstimmung. Bei Haiders orchestrierten legendären Delegiertentreffen von Knittelfeld, das Schwarz-Blau I zu einem zwischenzeitlichen Ende brachte, war Strache zwar noch dabei, doch bald darauf trennten sich die Wege der Alphatiere. 2005 gründete Haider das BZÖ und nahm den Großteil der Parteiprominenz mit. Dadurch stand Strache früher im ganz großen Rampenlicht als gewollt. Der eben erst installierte Wiener FPÖ-Chef war nun als Parteiobmann der letzte Strohhalm der FPÖ.

Haider Strache
© APA/Pfarrhofer Zwei Kontrahenten: Jörg Haider und sein Nachfolger Strache

Und der Burschenschafter schaffte es mit einer kleinen Gruppe Vertrauter, die FPÖ zu stabilisieren, während das BZÖ seinem Ende entgegenschritt. Nahezu bei allen Wahlen auf Bundes- und Landesebene konnte die FPÖ seit Beginn von Straches Obmannschaft zulegen.

Strache Bundesparteiobmann 2005
© APA/Techt 2005 übernahm Strache den Rest der FPÖ nach Haiders Abgang und BZÖ-Gründung

Viel kritisierte Plakate

Doch schon Straches erste Wahl, die Landtags- und Gemeinderatswahlen 2005 in Wien, sorgte für viel Kritik. So wurden schon damals die Wahlplakate der FPÖ als fremdenfeindlich („Wien darf nicht Istanbul werden!“) sowie als Diskriminierung Homosexueller („Die SPÖ macht keine Politik für die Ärmsten der Armen, sondern für die Wärmsten der Warmen“) eingestuft. Ebenso als rassistisch wurde die – bekannte – Plakatreihe aus Straches erstem Nationalratswahlkampf als FPÖ-Spitzenkandidat 2006 mit Slogans wie“Deutsch statt nix versteh’n“ und „Daham statt Islam“ eingestuft. Kopf hinter diesen Slogans war übrigens der heutige Innenminister Herbert Kickl.

Strache Plakat
© APa/Schlager Die Plakate der FPÖ sorgten oft für Aufregung
wien Istanbul plakat fpö
© APA/Tech Sie wurden als fremdenfeindlich eingestuft

Feindbild Islam und das "Bier"-Foto

Der Islam wurde überhaupt zum großen Feindbild des FPÖ-Chefs, der immer wieder von einem „Kulturkampf“ sprach und die Religion als „Faschismus des 21. Jahrhunderts“ bezeichnete. Ein Jahr später war es ein Bild von Strache selbst, dass zum Thema wurde. Das Foto von ihm aus dem Jahr 1989 zeigt Strache in Tracht sitzend mit drei erhobenen, gestreckten und gespreizten Fingern. Eine Geste, die als „Kühnengruß“, eine in Österreich nicht verbotene Variante des Hitlergrußes, ausgelegt wurde. Strache bestritt dies und erklärte zunächst, es sei ein „alter Gruß der Südtiroler Freiheitskämpfer“ gewesen, was er jedoch dann wieder revidierte und meinte, er könne sich nicht erinnern, verglich die Geste aber mit der Bestellung von „drei Bier“. Kurz darauf beraumte er eine Pressekonferenz ein, um sich vom Rechtsextremismus zu distanzieren.

Dazu interessant: Körpersprache-Experte Stefan Verra analyisert Heinz-Christian Strache:

© Video: News.at
Strache van der Bellen
© APA/Schlager Strache wird 2017 von Alexander Van der Bellen als Vizekanzler angelobt

Von der Opposition in die Regierung

Etwas, das der Ex-FPÖ-Chef auch zwölf Jahre später, im Jahr 2019 immer noch machen musste. auch wenn er es 2017 endlich in die Regierung geschafft hatte. Die Nationalratswahl in ebendiesem Jahr brachte der Freiheitlichen Partei den dritten Platz – und eine Koalition mit der ÖVP unter Sebastian Kurz. Kurz wurde Kanzler, Strache Vizekanzler und Bundesminister für öffentlichen Dienst und Sport. Ein Aufstieg von der ewigen Oppositionsrolle in die Gestalterrolle, der der FPÖ natürlich einiges kostete. So mussten sich die sonst so Europa-kritischen Blauen zur EU bekennen oder ihren Widerstand gegen das Handelsabkommen CETA einbremsen. Dafür verzichtete die ÖVP wiederum auf das bereits fixierte Rauchverbot in der Gastronomie.

Anpassung und neuerliche Distanzierung

Anpassen musste sich auch der früher manchmal jähzornige Heinz-Christian Strache, der in den letzten Jahren ruhiger auftrat, wie die APA (Austria Presseagentur) urteilt und auch „rhetorisch erstaunlich zugelegt hat.“ Und mit dieser angepassten Rhetorik musste sich der Ex-Vizekanzler auch 2019 vom Rechtsextremismus distanzieren, wie auch schon zwölf Jahre davor nach Veröffentlichtung des „Grußfotos“. Der Anlass war in jüngster Vergangenheit die unbestreitbare Verflechtung der rechtsextremen Bewegung der Identitären mit der FPÖ. Die FPÖ habe klare Beschlüsse: Jene, die Identitären-Mitglieder sind, können nicht bei der FPÖ sein, erklärte Strache Anfang April 2019 und weiter: „Wir haben eine klare Distanz zu jedwedem Extremismus, da kann er [Anm.: Kanzler Kurz] sich auf die FPÖ verlassen.“

© imago/SKATA Strache und seine Frau Philippa. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn, Hendrik

Privates

Privat ist Heinz-Christian Strache in zweiter Ehe mit der um 19 Jahre jüngeren Philippa Strache (geborene Beck) verheiratet. Die Hochzeit erfolgte standesamtlich im Oktober 2016 in Weißenkirchen in der Wachau. Das Paar hat seit 2019 einen gemeinsamen Sohn, der auf den Namen Hendrik hört. Strache nahm sich ein Papa-Monat.

Strache Ex-Frau DAniela
© APA/Schlager Strache mit seiner Ex-Frau Daniela

Davor war der FPÖ-Chef mit der Tochter des Restaurant-Besitzers Ewald Plachutta, Daniela Plachutta sieben Jahre verheiratet und hat mit ihr bereits zwei Kinder, Heidi (2001 geboren) und Tristan (2003 geboren). Die beiden Kinder leben seit der Trennung bei ihrer Mutter.

Strache Disco
© APA/Presslehner Frühere Disco-Touren im Wahlkampf

Vom "wilden Hund" zum "harmoniesüchtigen" "Romantiker"

Als persönliche Eigenschaft wird dem langjährigen Oppositionspolitiker – entgegen seinem Image – „Harmoniesucht“ zugeschrieben. Auch die wilden Zeiten der berühmten Disco-Touren in Wahlkämpfen oder musikalisch bestimmt nicht einwandfreien Wahlkampf-Raps waren vorbei. Speziell seit seiner Hochzeit mit der Tierschutzbeauftragten der FPÖ, Philippa Strache, gab der einstige „wilde Hund“ „lieber den Romantiker und lebt ein mehr oder weniger gemütliches Vorstadt-Leben ohne allzu viel Blitzlicht-Gewitter“, wie es die APA beschreibt.

Das Video, das Strache zu Fall brachte.

Der Fall

Das politische Blitzlichtgewitter schien der Ex-Vizekanzler eigentlich noch länger genießen zu wollen, denn immer wieder sprach er davon, sich 2020 erneut ins Rennen um den Posten des Wiener Bürgermeisters stürzen zu wollen. Doch daraus wird nichts mehr. Denn nach einem Video, dass den Ex-FPÖ-Chef auf Ibiza zeigt, wie er mit einer vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen über illegale Parteispenden, der Übernahme der "Kronen Zeitung" und dem Angebot von Staatsaufträgen spricht, musste er am 18. Mai 2019 seinen Rücktritt einreichen. Strache trat von allen Ämtern zurück und übergab diese an Norbert Hofer. Sebastian Kurz kündigte noch am selben Tag die Koalition auf und rief Neuwahlen aus.