Wer ist Thomas Schmid?

ÖGAB-Vorstang gibt nach Debatten Posten doch mit sofortiger Wirkung im Juni 2021 ab

Seit Ende 2019 kommt Thomas Schmid nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus. Doch wer genau ist der ehemalige Vorstand der ÖBAG, der diesen Posten nach lang andauernder Kritik mit Juni 2021 abgeben musste? Ein Porträt.

von Porträt - Wer ist Thomas Schmid? © Bild: APA/Hans Punz
  • Name: Thomas Schmid
  • Geboren: 30. Oktober 1975
  • Sternzeichen: Skorpion
  • Beruf: Bundesbeamter und Manager, 2019-2021 Vorstand der ÖBAG

Für Thomas Schmid begann 2019 gut. Ende März wird der ÖVP-nahe, 45 Jahre alte Tiroler 2019 Alleinvorstand der Staatsholding ÖBAG, der Nachfolgegesellschaft von ÖBIB und ÖIAG, welche die Staatsbeteiligungen an wichtigen Unternehmen verwaltet. Seit die Korruptionsstaatsanwaltschaft am 12. November des selben Jahres sein Handy beschlagnahmte und gelöschte Nachrichten wiederherstellte, kommt Schmid nicht aus den Schlagzeilen. 2020 wurden ihm zwei Direktoren zur Seite gestellt. Im April 2021 wurde bekannt, dass Schmid diesen Posten mit 2022 abgibt, nach weiter andauernder Kritik legte er ihn aber schlussendlich doch schon mit Juni 2021 zurück.

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Schmid-Rücktritt früher wegen Dauer-Kritik

Schmid habe sich "nach ausführlicher Diskussion mit dem Aufsichtsrat dazu entschlossen, sein Dienstverhältnis zu beenden. Der Aufsichtsrat hat diese Entscheidung zustimmend zur Kenntnis genommen", hieß es in der Mitteilung der Staatsholding im April 2020. Doch da Schmid nicht aus den Schlagzeilen kam und die Kritik nicht abriss, entschied sich die ÖBAG doch schon im Juni 2021 die Reißleine zu ziehen. Am 8. Juni gab die Staatsholding bekannt, dass Schmid doch per sofort zurücktrete. "Nach intensiven Beratungen innerhalb des Aufsichtsrats ist der Aufsichtsrat gemeinsam mit MMag. Schmid zur Erkenntnis gekommen, dass die sofortige Beendigung der Vorstandstätigkeit von MMag. Thomas Schmid einen notwendigen Schritt für die ÖBAG darstellt", wurde in einer Aussendung bekannt gegeben

ÖBAG distanziert sich von Chats

In der Presseaussendung der der Österreichischen Beteiligungs AG (ÖBAG) heißt es weiters: "Der Aufsichtsrat bedankt sich bei Thomas Schmid für die ausgezeichnete inhaltliche Arbeit der letzten zwei Jahre, distanziert sich aber gleichzeitig von den Chatnachrichten."

Einer von einem guten Dutzend Beschuldigter

Schmids Abstsieg begann mit einer Hausdurchsuchung der WKStA rund um die Ermittlungen um die Vorstandsbestellung des FPÖ-Manns Peter Sidlo bei den Casinos Austria. Schmid ist einer von einem guten Dutzend prominenter Beschuldigter, von Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und Ex-ÖVP-Finanzminister Hartwig Löger abwärts. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Schmid soll auch für seine Schwester 2017 privat in einen Steuerakt geschaut haben. Abseits der strafrechtlichen Ermittlungen geben Schmids Chats auch ein Einblick, wie in Österreich wichtige Funktionen bestellt werden. Der Casinos-Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner etwa schrieb er: "Du wirst dort CEO!" und setzte nach: "Das MUSS klappen".

»Kriegst eh alles, was du willst«

Staatsholding nach Schmids Wünschen gestaltet

Sich selbst hatte Schmid in der türkis-blauen Regierungszeit die ÖBAG zurechtgezimmert. Wie die öffentlich gewordenen Nachrichten mit Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und dem damaligen Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) hervorgeht, wurde die Staatsholding, die ein Vermögen von über 26 Milliarden Euro verwaltet, nach Schmids Wünschen gestaltet. Kurz versicherte ihm: "Kriegst eh alles, was du willst." Blümel berichtete ihm: "Schmid AG fertig".

"Betriebsrat. Weg damit."

Im Juni waren neue Chats von Schmid bekannt geworden, deren Inhalt für heftige Kritik der Opposition sorgte. Laut den in mehreren Medien veröffentlichten Protokollen hatte Schmid mit einer Vertrauten unter anderem darüber diskutiert, in seiner neuen Funktion den Betriebsrat "abdrehen" zu wollen ("Und Betriebsrat. Weg damit."). "Das können wir nicht einfach so machen", soll ihm diese ausgerichtet haben, man müsse "auch andere Ideologien verstehen". Schmids Reaktion: "Andere Ideologien. Fu** that."

Auch über Flüchtlinge wurde den Berichten nach "gescherzt": Nach der Buchung eines Fluges nach Addis Abeba soll seine Assistentin Schmid gefragt haben, ob er auch einen Rückflug brauche. Auf seine Frage, ob sie ihn dort lassen möchte, soll sie geantwortet haben: "Ab Kairo gibt es Schlauchboote." Nachdem sie Schmid dann etwas später die Buchung bestätigt hatte, soll er zurückgefragt haben: "Mit den Flüchtlingen? Smiley."

Castata übernimmt interimistisch

Nach all dem Trubel um Schmid wurden in der ÖBAG im Oktober 2020 zwei Direktoren - Maximilian Schnödl und Christine Catasta - bestellt. Die offizielle Formulierung seitens der ÖBAG lautete, es würde damit das Führungsteam um Alleinvorstand Schmid verstärkt. Pikant dabei: Die Wirtschaftsprüferin Catasta, zuletzt Chefin des Unternehmensberaters PwC Österreich, war 2018 selbst im Gespräch für den ÖBAG-Chefposten - hatte gegen Schmid aber keine Chance gehabt. Nun übernimmt sie interimistisch.

Karrierestart in der Volkspartei

Die Karriereleiter erklomm Schmid in der Volkspartei. Der offiziell parteilose Doppel-Magister - er ist Jurist und Politikwissenschafter - war schon Büroleiter von Ex-Bundeskanzler und -ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel und in den Jahren 2004/2005 auch einmal Pressesprecher von Karl Heinz Grasser, als dieser Finanzminister war. Auch für die ÖVP-Minister Michael Spindelegger (Äußeres) und Elisabeth Gehrer (Unterricht) übernahm er wie auch für den ÖVP-Abgeordneten zum Europäischen Parlament, Paul Rübig, die Tätigkeit des Sprechers. Begonnen hat dieser Karriereabschnitt im ÖVP-Parlamentsklub.

Spindelegger, als dessen Adlatus Schmid jahrelang galt, machte diesen Ende 2013 als Finanzminister schließlich zum Kabinettschef im Finanzministerium. Unter dem späteren Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) wurde Schmid zum Generalsekretär des BMF bestellt.

Schon als das Gesetz zur Umfirmierung der ÖBIB zur ÖBAG in Begutachtung ging, schrieben Medien, Schmid gelte als fix für den Sessel des Geschäftsführers. "Die dafür relevanten Entscheidungsträger in der ÖVP haben ihr Okay gegeben", schrieb das Magazin "Trend" Ende September 2018. Schon damals mutmaßte das Magazin, dass sich Schmid bereits akribisch auf die Geschäftsführerarbeit vorbereitet hätte.

Medienscheu

Medien gegenüber zeigte sich der frühere Pressesprecher als ÖBAG-Chef auf das äußerste zurückhaltend. Er ging diesen aus dem Weg und schickte lieber einen Prokuristen vor, wenn es um Sachfragen ging. Auch in den Chats zeigt sich, dass es oft darum ging, eine Öffentlichkeit möglichst nicht stattfinden zu lassen.