Gernot Blümel: Vom Finanzminister zum Superfund-CEO

Gernot Blümel ist einer der jungen Männer, die in den vergangenen Jahren langsam aber sicher die Macht in der Volkspartei an sich zog - bis zum Finanzminister. Dann nahm er, wie auch sein Vertrauter Sebastian Kurz, den Hut und legte alle politischen Funktionen zurück. Als neue Aufgabe wird er die Führung der Superfund Group übernehmen.

von Gernot Blümel © Bild: APA/HANS PUNZ
  • Name: Gernot Blümel
  • Geboren: 24. Oktober 1981 in Wien, aufgewachsen in Moosbrunn
  • Ausbildung: Studium der Philosophie in Wien und Dijon (Frankreich), danach Studium an der Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien mit Abschluss Master of Business Administration
  • Position: CEO der Superfund Group ab März
  • Familienstand: liiert mit Cliva Treidl
  • Kinder: 1 Tochter und 1 Sohn

Gernot Blümel hat die vergangenen Jahre des öfteren wie der etwas weniger talentierte Zwilling von Sebastian Kurz gewirkt. Im Schatten des Altkanzlers ist er schließlich ebenfalls in den politischen Ruhestand gegangen. Auch der zweifache Familienvater führte familiäre Gründe an, aber ließ die Verbindung zum Ende der Ära Kurz nicht unerwähnt.

Rücktritt

»Ich habe mich dazu entschieden, die Politik zu verlassen«

"Ich habe mich dazu entschieden, die Politik zu verlassen", sagte Blümel in einem via Social Media verbreiteten Videostatement. Er tue dies vor allem für seine Familie, die aufgrund seiner politischen Tätigkeit immer wieder mit Morddrohungen konfrontiert gewesen sei.

"Es war mir eine Ehre"

Immer wieder habe er darüber mit seiner Frau gesprochen, aber nie eine endgültige Entscheidung getroffen. Die Geburt seines zweiten Kindes habe zu seinem Nachdenkprozess beigetragen, doch den Anstoß für seinen "endgültigen Beschluss" habe der nunmehrige Rücktritt Kurz' gegeben, so dessen langjähriger Weggefährte. "Es war mir eine Ehre", so sein Abschiedssatz.

Blümel, gegen den die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in der Causa Casinos ermittelt, geht auch als Wiener Landesparteichef. Wie der "Kurier" berichtete, wird der Nationalratsabgeordnete Karl Mahrer vorerst die Landespartei anführen.

(Un)freiwilliger Abgang?

Ob Blümel freiwillig gegangen ist, wird wohl unterschiedlich beantwortet werden. Offenkundig ist, dass die ÖVP einen Bruch zur türkisen Zeit will und der Finanzminister für diese steht wie außer Kurz kein anderer. Zudem ist Blümel beschädigt durch die Ermittlungen der Justiz im ÖVP-Umfeld und publik gewordene - freundlich ausgedrückt - saloppe Chats mit dem nun auch schon länger abgelösten ÖBAG-Chef Thomas Schmid.

© imago images / K.Piles Blümel und Intimus Kurz

Blümel wird CEO der Superfund Group

Nur wenige Wochen nach Blümels Rücktritt hat er eine neue Aufgabe gefunden: Er übernimmt die Führung der Superfund Group. Das Unternehmen bezeichnet sich als "Erster Hedgefonds für Privatanleger". Blümel trete den neuen Job im März an, teilte das Unternehmen mit. Als Chief Executive Officer (CEO) der Superfund Gruppe solle er vor allem die internationale Expansion forcieren. Die Superfund Gruppe wurde 1995 von Christian Baha in Wien gegründet und setzt auf vollautomatisierte Computer-Handelssysteme.

"In seiner künftigen Funktion wird Gernot Blümel zwischen den Unternehmensstandorten in Wien, Tokio, Hongkong, New York, Vaduz und Zürich pendeln", heißt es in der Aussendung. Superfund habe Niederlassungen in den USA, Europa und Asien.

"Superfund zählt zu den weltweit führenden Hochtechnologie-Unternehmen der modernen Finanzindustrie und bekommt mit Gernot Blümel einen CEO, der in der internationalen Finanzwelt exzellent vernetzt ist. Er wird sich mit frischer Energie als dynamischer wie auch umsichtiger Stratege bewähren", schreibt Superfund-Gründer Christian Baha in der Aussendung.

Der kühlere Kurz

Blümel wirkte in seinem politischen Leben immer etwas kühler als Kurz, manche nannten es auch herablassender. Symbolisch dafür steht, als er einst in Socken durch den Plenarsaal schritt, für nicht wenige Abgeordnete Ausdruck der Respektlosigkeit. Andere schätzten ihn als intelligenten Gesprächspartner, selbst jene aus anderen Fraktionen, zudem war ihm politisches Geschick durchaus gegeben.

Kommunalpolitik stets nur als Beiwerk

Schließlich konnte Blümel sogar vor dem Wählervolk punkten, was dem stets etwas reservierten Wiener mit niederösterreichischen Wurzeln viele nicht zugetraut hätten. Mehr als 20 Prozent bei der Wien-Wahl holte die ÖVP unter Blümel. Ob wegen ihm lässt sich schwer beurteilen. Zumindest gestört hat er die Wähler offenbar nicht. Freilich, die Kommunalpolitik schien Blümel stets eher Beiwerk, wohler fühlte er sich im Bund - ob als relativ kurzzeitiger Generalsekretär der Bundespartei, als der er von Michael Spindelegger aus dem Hut gezaubert wurde, oder später unter Türkis-Blau als Minister im Kanzleramt oder zuletzt mit den Grünen als Finanzminister.

© imago images / SKATA

Blümel und die Corona-Pandemie

Dort hatte er sich vor allem anfangs in der Pandemie viel anhören müssen, zu spät die Hilfe, zu wenig und zu geizig. Diese Kritik hat sich mittlerweile abgeschwächt. Als Pluspunkt seiner Ära verbuchen kann Blümel den Einstieg in die CO2-Bepreisung bei gleichzeitiger Entlastung von Wirtschaft und Arbeitnehmern. Wohl am ärgerlichsten für ihn ist, dass der konsolidierte Staatshaushalt als Ziel in Corona-Zeiten bestenfalls ein Wunschtraum war.

Der Auftritt im U-Ausschuss

Unglücklicher agierte Blümel sowieso an Nebenfronten. Ein allgemein als präpotent empfundener Auftritt im U-Ausschuss hängt ihm bis heute nach. Das gilt umso mehr für eine Hausdurchsuchung bei ihm daheim im Zusammenhang mit Parteispenden-Vorwürfen.

So agiert er im persönlichen Umgang

Ungeachtet der professionellen Bissigkeit gilt der am 24. Oktober 1981 geborene Blümel im persönlichen Umgang als umgänglich und höflich. Er studierte Philosophie in Wien und Dijon (Frankreich) sowie an der Wiener Wirtschaftsuniversität. Während seiner Studienzeit in der Bundeshauptstadt trat er der JVP sowie der katholischen Studentenverbindung Norica bei.

Sein Privatleben

Persönlich ist der Blümel ein guter Smalltalker und zweifelsohne cleverer Karriere-Bastler. Über sein Privatleben hält sich der ÖAABler sehr bedeckt. Bekannt ist, dass er mit Clivia Treid liiert ist. Das sorgt durchaus für einen Hauch Glamour, denn die Moderatorin eines österreichischen Privatsenders hat einst die Hüllen für den Playboy fallen lassen. Im März 2020 bekamen Clivia Treidl und Gernot Blümel ihr erstes gemeinsames Kind, die kleine Josefine. Im September 2021 folgte ein Sohn.

Fußball, Schlagzeug und Tattoos

Als gesichert gilt auch, dass er Wert auf ein gepflegtes Äußeres legt, gerne Sport betreibt und inzwischen nicht mehr in Niederösterreich, sondern in Wien lebt. In seiner Heimatgemeinde Moosbrunn war er bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein (Fußball) und im Musikverein (Flügelhorn, Tenorhorn, Schlagzeug). In einem Interview gestand er zwei Tattoos.

Zukunft noch unkar

Was Blümel künftig macht, man weiß es nicht. Als Cartellbruder und durch seine vielfältige politischen Kontakte wird der studierte Philosoph und Flügelhornspieler wohl genug Verbindungen haben, um da oder dort einen Fuß in ein erfolgreiches Privatwirtschaftsleben setzen zu können. Mehr Zeit für die Familie wird da für den langjährigen Vielarbeiter auch abzuzwacken sein.