Gernot Blümel: Vom Finanzminister zum Superfund-CEO

Gernot Blümel ist einer der Männer, die an der Seite von Sebastian Kurz einst langsam aber sicher die Macht in der ÖVP an sich zog - bis zum Finanzminister. Ende 2021 nahm er, wie auch sein Vertrauter Kurz, den Hut und legte alle politischen Funktionen zurück. Seit 2022 ist er CEO der Superfund Gruppe von Investmentunternehmen und lebt nun in der Schweiz.

von Gernot Blümel © Bild: APA/HANS PUNZ
  • Name:Gernot Blümel
  • Geboren: 24. Oktober 1981 in Wien, aufgewachsen in Moosbrunn, Niederösterreich
  • Wohnort: Zürich, Schweiz
  • Ausbildung: Studium der Philosophie in Wien und Dijon (Frankreich), danach Studium an der Executive Academy der Wirtschaftsuniversität Wien mit Abschluss Master of Business Administration
  • Position: CEO der Superfund Group (seit 2022), davor Politiker, Finanzminister der ÖVP
  • Familienstand:liiert mit Cliva Treidl
  • Kinder: 1 Tochter und 1 Sohn

Gernot Blümel hat einst wie der etwas weniger talentierte Zwilling von Sebastian Kurz gewirkt. Im Schatten des Ex-Kanzlers ist er Ende 2021 schließlich ebenfalls in den politischen Ruhestand gegangen. Auch der zweifache Familienvater führte bei seinem Abtritt familiäre Gründe an, aber ließ die Verbindung zum Ende der Ära Kurz nicht unerwähnt. Nun ist er CEO der Superfund Gruppe und lebt in der Schweiz.

Gernot Blümels Politik-Rücktritt 2021

»Ich habe mich dazu entschieden, die Politik zu verlassen«

"Ich habe mich dazu entschieden, die Politik zu verlassen", sagte Blümel in einem nur via Social Media verbreiteten Videostatement im Dezember 2021. Er tue dies vor allem für seine Familie, die aufgrund seiner politischen Tätigkeit immer wieder mit Morddrohungen konfrontiert gewesen sei.

"Es war mir eine Ehre"

Immer wieder habe er darüber mit seiner Lebensgefährtin Clivia Treidl gesprochen, aber nie eine endgültige Entscheidung getroffen. Die Geburt seines zweiten Kindes habe zu seinem Nachdenkprozess beigetragen, doch den Anstoß für seinen "endgültigen Beschluss" habe schlussendlich der Rücktritt Sebastian Kurz gegeben, so Blümel. "Es war mir eine Ehre", so Blümels letzter Satz in der österreichischen Innenpolitik.

Gegen Gernot Blümel ermittelt ebenfalls die die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in der Causa Casinos

© imago images / K.Piles Gernot Blümel und (ehemaliger?) Intimus Sebastian Kurz

Gernot Blümel, der "kühlere Kurz"

Gernot Blümel wirkte in seinem politischen Leben immer etwas kühler als sein Intimus Kurz, manche nannten es auch "herablassender". Symbolisch dafür steht, als er einst in Socken durch den Plenarsaal schritt, für nicht wenige Abgeordnete Ausdruck der Respektlosigkeit. Andere schätzten ihn als intelligenten Gesprächspartner, selbst jene aus anderen Fraktionen, zudem war ihm politisches Geschick durchaus gegeben.

Wien-Politik

Doch Blümel konnte auch beim Wählervolk punkten, was dem stets etwas reservierten Wiener mit niederösterreichischen Wurzeln viele lange nicht zugetraut hätten. Mehr als 20 Prozent holte die ÖVP unter Blümel bei der Wien-Wahl 2020. Ob wegen ihm lässt sich schwer beurteilen. Zumindest gestört hat er die Wähler damals offenbar nicht. Freilich, die Kommunalpolitik schien Blümel stets eher Beiwerk, wohler fühlte er sich im Bund - ob als relativ kurzzeitiger Generalsekretär der Bundespartei, als der er von Michael Spindelegger aus dem Hut gezaubert wurde, oder später unter Türkis-Blau als Minister im Kanzleramt oder zuletzt mit den Grünen als Finanzminister.

© imago images / SKATA

Gernot Blümel und die Corona-Pandemie

Dort hatte er sich vor allem anfangs in der Pandemie viel anhören müssen, zu spät die Hilfe, zu wenig und zu geizig. Als Pluspunkt seiner Ära verbuchen konnte Blümel den Einstieg in die CO2-Bepreisung bei gleichzeitiger Entlastung von Wirtschaft und Arbeitnehmern.

Der Auftritt im U-Ausschuss

Unglücklicher agierte Blümel an Nebenfronten. Ein allgemein als präpotent empfundener Auftritt im U-Ausschuss hängt ihm bis heute nach. Das gilt umso mehr für eine Hausdurchsuchung bei ihm daheim im Zusammenhang mit Parteispenden-Vorwürfen.

Gernot Blümel persönlich

Ungeachtet der professionellen Bissigkeit gilt der am 24. Oktober 1981 geborene Blümel im persönlichen Umgang als umgänglich und höflich. Außerdem gilt er als guter Smalltalker. Er studierte Philosophie in Wien und Dijon (Frankreich) sowie an der Wiener Wirtschaftsuniversität. Während seiner Studienzeit in der Bundeshauptstadt trat er der JVP sowie der katholischen Studentenverbindung Norica bei.

Gernot Blümel: CEO der Superfund Group

Nur wenige Wochen nach seinem Rücktritt hat Gernot Blümel jedoch eine neue Aufgabe gefunden: Er übernahm Anfang 2022 die Führung der Superfund Group als CEO. Das Unternehmen bezeichnet sich als "Erster Hedgefonds für Privatanleger". Die Superfund Gruppe wurde 1995 von Christian Baha in Wien gegründet und setzt auf vollautomatisierte Computer-Handelssysteme.

In seiner Funktion pendelt Blümel zwischen den Unternehmensstandorten in Wien, Tokio, Hongkong, New York, Vaduz und Zürich pendeln. Superfund hat Niederlassungen in den USA, Europa und Asien.

"Superfund zählt zu den weltweit führenden Hochtechnologie-Unternehmen der modernen Finanzindustrie und bekommt mit Gernot Blümel einen CEO, der in der internationalen Finanzwelt exzellent vernetzt ist. Er wird sich mit frischer Energie als dynamischer wie auch umsichtiger Stratege bewähren", schrieb Superfund-Gründer Christian Baha in der Aussendung zu Blümels Antritt.

Gernot Blümel privat: Frau und Kinder

Über sein Privatleben hielt sich Blümel stets bedeckt. Seine Freundin Clivia Treidl sorgte stets für einen Hauch Glamour, denn die Moderatorin hat einst die Hüllen für den Playboy fallen lassen. Im März 2020 bekamen Clivia Treidl und Gernot Blümel ihr erstes gemeinsames Kind, Josefine. Im September 2021 folgte ein Sohn.

Umzug in die Schweiz

Inzwischen soll das Paar mit seinen Kindern laut Medienberichten in die Schweiz umgezogen sein und dort die "Anonymität genießen".

Fußball, Schlagzeug und Tattoos

Gernot Blümel ist außerdem sportlich und war in seiner Heimatgemeinde Moosbrunn bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein (Fußball) und im Musikverein (Flügelhorn, Tenorhorn, Schlagzeug). In einem Interview gestand er zwei Tattoos.