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Ski-WM: Fenninger auf Gold-Kurs

Überlegende Halbzeitführung vor Kirchgasser - Zettel 13., Brem ausgeschieden

Anna Fenninger © Bild: APA/HANS KLAUS TECHT

Nur das schnelle Aus für Eva-Maria Brem hat am Donnerstag den ersten Durchgang des WM-Damen-Riesentorlaufs in Beaver Creek getrübt. Während die Tirolerin schon nach 20 Sekunden ein Tor verpasste, sorgten die Zimmerkolleginnen Anna Fenninger und Michaela Kirchgasser (+0,81 Sek.) vor Jessica Lindell-Vikarby (SWE/+0,90) für eine ÖSV-Doppelführung. Die Slowenin Tina Maze ist Vierte (+1,10).

Brem war als Weltcup-Führende im Riesentorlauf und damit als Mitfavoritin in ihr erstes WM-Einzelrennen gegangen. Die 26-jährige Tirolerin wurde aber nach nicht einmal 20 Fahrsekunden gleich von der ersten Welle ausgehoben und sprang weit am nächsten Tor vorbei. Bis dahin, das ergaben ÖSV-Stoppungen, war sie sogar schneller als später Fenninger.

Schmerzhafter Brem-Ausfall

Brem hatte bei der Landung auf nur einem Ski sogar Glück. Entsetzt schlug sie danach aber ebenso die Hände vor das Gesicht wie ihre Eltern im Ziel.

© EPA/EXPA / JOHANN GRODER Eva-Maria Brem fällt aus.

In den vergangenen sieben Riesenslaloms war Brem nie schlechter gewesen als Vierte, dabei war ihr vergangenen Dezember in Aspen sogar ihr erster Weltcup-Sieg überhaupt gelungen. Zwei Tage nach Team-Gold hatte die Münsterin auf dem amerikanischen Schnee aber kein Glück mehr.

"Ich war machtlos"

"Ich war zu weit links, die Welle ist sehr markant", beschrieb Brem die Situation. "Ich hatte mir die Stelle zwar gut angeschaut, bin dann aber deutlich schneller hingekommen als erwartet. Dann wollte ich noch Richtung machen, bekam viel Druck und war machtlos", erklärte sie. "So etwas sollte eigentlich nicht passieren, aber bei so einem Rennen versucht man natürlich zu riskieren und alles rauszuholen."

Sie könne sich aber nicht viel vorwerfen, meinte Brem. "Vielleicht war es einen Tick zu viel, vielleicht auch nur Pech. Ich bin jedenfalls nicht mehr dabei und muss die Enttäuschung kurz zulassen", sagte die Tirolerin, die vor einem Jahr ihre Karriere nach der Nichtnominierung für Olympia fast beendet hätte.

© EPA/EXPA / JOHANN GRODER Enttäuschung bei Eva-Maria Brem

Seitdem ist sie aber zu einer Senkrechtstarterin geworden. "Dieses Rennen wäre sehr wichtig gewesen für mich. Ich ärgere mich nicht über die möglicherweise verpasste Medaille, sondern über den dummen Fehler", betonte Brem. "Aber ich bin gesund, es gibt schlimmere Dinge im Leben als ein verpatztes Rennen. Deshalb wird es mir gelingen, es bald abzuhaken. Das Leben geht weiter."

Fenninger gelang ein Traumlauf

Während der leicht erkrankten Kathrin Zettel ("Es ist ein bissl verzwickt derzeit") als 13. nur ein mittelmäßiger Lauf gelang, zeigte die Olympia-Zweite Fenninger, dass sie nicht zufällig seit mehr als einem Jahr die konstant beste Riesenslalomfahrerin der Welt ist. Ihr gelang ein wahrer Traumlauf.

Gefühlvoll wie keine zweite zog die Salzburgerin nicht nur butterweich über die gefährliche Kante, an der es mit Lara Gut und Federica Brignone auch zwei weitere Mitfavoritinnen erwischte. Sie zog alle ihre Schwünge perfekt und teilweise in Abfahrtshocke durch die vom Maze-Coach Valerio Ghirardi vielfach weit und schnell gesetzten Tore auf der "Birds of Prey". Das ergab am Ende überlegene Bestzeit.

© EPA/EXPA / JOHANN GRODER Anna Fenninger gibt Vollgas.

"Ich habe gar nicht das mega-gute Gefühl gehabt, war zwei drei Mal zu rund und auch die Linie war nicht so wie geplant", staunte Fenninger über sich selbst. "Aber offenbar war das schneller als gedacht. Das lag wohl daran, dass ich versucht habe zu pushen und dass vom Ski her richtig was weitergegangen ist", sagte die 25-Jährige.

Fenninger hat in Beaver Creek schon Gold im Super-G und Silber in der Abfahrt geholt und könnte Österreich bei der WM 2015 das bereits fünfte Gold bescheren. "Bei einer WM sollte man nicht taktieren", blickte Österreichs Sportlerin des Jahres auf Lauf zwei, der um 22.15 Uhr beginnt. "Es ist schwierig, die Wellen zu treffen. Das ist aber eine meiner großen Stärken, und die werde ich im zweiten Lauf ausspielen."

Kirchgasser rast auf zweiten Zwischenrang

Für die Überraschung des Tages sorgte danach Kirchgasser. Die ebenfalls schon bei zwei Medaillen haltende Team-Weltmeisterin und Kombi-Dritte nahm wie erhofft den Flow auch in den "Riesen" mit und zeigte nach der Abfahrt ihres Lebens und Bestzeit im Kombi-Slalom auch eine ihrer besten RTL-Leistungen ihrer Karriere. Und das trotz der hohen Startnummer 19.

© APA/EPA/HANS KLAUS TECHT Jubel bei Michaela Kirchgasser

"Ich hatte ein echt cooles Gefühl und einen Superzug auf dem Ski. Das Material ist abgegangen, auf diesem Schnee taugt's mir einfach", frohlockte die Salzburgerin, die sich bei der WM mit Fenninger ein Zimmer teilt und kürzlich ein Bild mit den vor dem Kamin hängenden Medaillen gepostet hat. "Jetzt noch ein Mal genau das gleiche", nahm sich Kirchgasser für Lauf zwei vor.

Enttäuschung bei Lindsey Vonn

Gleich 116 Damen waren in Lauf eins gegangen, 60 dürfen im Finale mitfahren inklusive "Leader's Applause" nach 30. Als eine der ersten an der Reihe ist Lindsey Vonn. Die US-Amerikanerin war bei ihrem ersten Riesentorlauf seit zwei Jahren lange gut unterwegs, wurde nach einem Steher aber auf Platz 27 durchgereicht. Freund Tiger Woods, der selbst gerade wegen seiner veritablen Golf-Krise pausiert, nahm den letzten Auftritt Vonns bei der Heim-WM im Ziel mit unbewegter Miene zur Kenntnis.

© APA/EPA/HANS KLAUS TECHT Tiger Woods und Lindsey Vonn

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