Porträt von

Der nette Blaue von nebenan:
Wer ist eigentlich Norbert Hofer?

Porträt - Der nette Blaue von nebenan:
Wer ist eigentlich Norbert Hofer? © Bild: APA/DPA/Sven Hoppe

Stets ein freundliches Lächeln auf den Lippen, lieferte sich Norbert Hofer ein knappes Rennen mit Alexander Van der Bellen um das Amt des Bundespräsidenten. Nachdem er sieglos aus der Wahl herausging, trat er das Amt des Infrastrukturministers an. Nun, da sich Heinz-Christian Strache mit seinem folgenschweren Trip nach Ibiza selbst zu Fall gebracht hat, übernimmt Hofer die Rolle des FPÖ-Chefs.

  • Name: Norbert Hofer
  • Geboren: 2. März 1971 in Vorau
  • Größe: 1,80 Meter
  • Wohnhaft in: Pinkafeld
  • Familienstand: in zweiter Ehe verheiratet mit Verena Hofer
  • Kinder: Anna-Sophie (aus zweiter Ehe), Vivien, Yanik und Jeremine (aus erster Ehe)
  • Ausbildung: gelernter Flugzeugtechniker
© APA/Helmut Fohringer

Der 47-jährige Familienvater gilt schon seit Jahren als jener Freiheitliche, mit dem sich auch Vertreter anderer Parteien ganz gerne zeigten. Sein Amt als Dritter Nationalratspräsident übte er fehlerlos und verbindlich aus. Seine Umgangsformen sind tagellos, quasi der Wunsch-Nachbar von nebenan - wenn man sich nicht daran stößt, dass jenseits des Gartenzauns die Schießeisen des Waffenfreundes in einem Schrank ruhen. Doch wer ist der Mann, der stets ein besonnenes Lächeln auf seinem Gesicht trägt, eigentlich?

© APA/Helmut Fohringer
Jahr Funktion
1995 Stadtparteiobmann von Eisenstadt
1996 Landesparteisekretär im Burgenland
1997 Gemeinderat in Eisenstadt
2005 stellvertretender Bundesparteiobmann
2006 - 2017 Nationalratsabgeordneter und FPÖ-Behindertensprecher
2013 - 2017 Dritter Nationalratspräsident
2017 - 2019 Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie
seit 2019 designierter Bundesparteiobmann


Schwerer Verlust in jungen Jahren

Norbert Hofer wurde am 2. März 1971 in der kleinen steirischen Marktgemeinde Vorau geboren. Aufgewachsen ist er zusammen mit seinen drei Geschwistern im burgenländischen Pinkafeld. Schon in jungen Jahren musste Hofer einen schweren Schlag hinnehmen: Im Alter von 16 Jahren verstarb seine Schwester an Krebs. Hofer selbst fröhnte dem Sport des Paragleitens. Hier kam es 2003 zu jeinem Unfall, der ihn an den Rollstuhl zu fesseln drohte. In Stubengerg am See stürzte Hofer aus mehreren Metern Höhe ab. In einer mehrmonatigen Rehabilitation kämpfte er gegen erfolgreich gegen die unfallbedingten Lähmungserscheinungen an. Seitdem ist er auf einen Gehstock angewiesen.

© APA/Helmut Forhinger Stets ein Lächeln auf den Lippen

Das politische Engagement scheint Norbert Hofer in die Wiege gelegt worden zu sein. Vater Gerwald Julius, Direktor der Pinkafelder E-Werke, war lange Zeit für die ÖVP aktiv. Später kandidierte er als Parteifreier für die FPÖ, ehe er die Funktion des FPÖ-Gemeinderats übernahm. In die Fußstapfen des Vaters trat der spätere FPÖ-Minister aber nicht nur in politischer Hinsicht. Nach seiner Matura an der Höheren Technischen Lehranstalt Eisenstadt in der Fachabteilung Flugtechnik arbeitete er vorerst als Einrichtungsberater und technischer Zeichner bei den Pinkafelder E-Werken.

Von der Flugzeugtechnik in die Politik

Von 1991 bis 1994 war Hofer als Flugtechniker und Vertragsverhandler bei Lauda Air tätig, bis er schließlich einen neuen Berufsweg einschlug: 1999 absolverte er eine Ausbildung zum Komunikations- und Verhaltenstrainer. Ein Jahr später legte er die Dienstprüfung für den Höheren Rechnungs- und Verwaltungsdienst für Beamte ab. Bereits 1994 war Hofer Mitglied des FPÖ-Landesparteivorstandes. Als sich im Jahr 2005 das BZÖ von der FPÖ abspaltete, blieb Hofer seiner Partei treu. Noch im selben Jahr wurde er einer der Stellvertreter des neuen Bundesparteiobmanns Heinz-Christian Strache.

© APA/Roland Schlager Hofer und Strache im Jahr 2005

2006 zog Hofer in den Nationalrat ein. 2013 löste er den Burschenschafter Martin Graf als freiheitlichen Nationalratspräsidenten ab. 2017 wurde er erneut zum Dritten Nationalratspräsidenten gewählt. Diesmal ging er als stimmstärkster Kandidat hervor. Nicht ganz so viel Erfolg wurde ihm bei der Bundespräsidentenwahl im Dezember 2016 zuteil. Dabei wollte er ursprünglich gar nicht antreten. Vielmehr wurde er von seinen Parteifreunden zur Kandidatur genötigt, bei der er plötzlich eine Seite, die man vormals an ihm nicht kannte, zeigte: In den TV-Duellen zeigte sich der sonst so sanftmütige Politiker ausgesprochen angrifflustig. Für Irritation sorgte er mit der Aussage: "Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist!".

Hofers bis dato unbekannte raue Seite

Seinen Kampfgeist demonstrierte der Präsidentschaftskandidat auch, als er aus der Stichwahl als Verlierer hervorging. Die Wahl wurde angefochten. Wegen formaler Mängel bei der Auszählung der Briefwahlstimmen. Doch ohne Erfolg. Auch bei der Wahlwiederholung musste sich Hofer gegen seinen Kontrahenten Alexander Van der Bellen geschlagen geben. Ein anderer Weg sollte vorerst für ihn bestimmt sein. So trat er im Dezember 2017 das Amt des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie in der Bundesregierung Sebastian Kurz an.

© APA/Herbert Pfarrhofer Hofer als Infrastrukturminister

Als Infrastrukturminister machte Hofer mit seinem Plan, Tempo 140 auf zwei Drittel der österreichischen Autobahnen einzuführen, einem vom Verkehrsministerium beauftragten Expertengremium, das sich für die Absenkung der Höchsggeschwindigkaut auf 100 km/h aussprach, einen Strich durch die Rechnung. Auch sein Pilotprojekt "Rechtsabbiegen bei Rot" stieß nicht allerorts auf Zuspruch. Nachdem die Freiheitlichen nach der Entlassung von Innenminister Herbert Kickl - Stichwort "Ibiza-Video" - geschlossen ihre Regierungsämter zurücklegten, ist auch Hofer nicht mehr länger Infrastrukturminister. Dafür tritt er als designierter FPÖ-Chef in Straches Fußstapfen.

FPÖ-Chefideologe und Familienvater

Inhaltlich gilt Hofer laut APA als einer der Chefideologen der FPÖ. Die Neuerstellung des Parteiprogramms 2011 passierte unter seiner Verantwortung. Hofer gilt als EU-Skeptiker und vertritt in der Flüchtlingspolitik einen äußerst restriktiven Kurs. Er umgibt sich mit schlagenden Burschenschaften, ist Ehrenmitglied der umstrittenen Schülerverbindung Marko-Germania Pinkafeld, betont selbst jedoch stets, kein Sympathisant rechtsextremer Ideologie zu sein.

© APA/Hans Klaus Techt Norbert mit Gattin Verena Hofer

Norbert Hofer ist mit Verena Hofer verheiratet. Er ist Vater von einem Sohn und drei Töchtern, deren jüngste, Anna-Sophie, aus seiner zweiten Ehe hervorging. Zusammen mit Frau Verena und Tochter Anna-Sophie lebt der Politiker und Familienvater in einem Haus in seiner Heimatgemeinde Pinkafeld im Burgenland.

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