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Leonore Gewessler: Konsequente Umweltaktivistin und Grüne Klimaschutzministerin

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Leonore Gewessler

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Leonore Gewessler ist Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologien, sie leitet also das "Superministerium" in der Bundesregierung aus ÖVP und Grünen. Die gebürtige Grazerin ist ein Ökoprofi mit Durchhaltevermögen, sie gilt als konsequent und fokussiert. Was treibt sie an und was bewegt sie privat?

Steckbrief Leonore Gewessler

  • Name: Leonore Gewessler

  • Geboren am: 15. September 1977 in Graz, Österreich

  • Position: Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie

  • Ausbildung: Volksschule und Gymnasium in Graz, Bachelorstudium der Politikwissenschaft in Wien

  • Partei: Die Grünen

  • Familienstand: verheiratet mit Herbert Greisberger

  • Kinder: keine

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Leonore Gewessler von den Grünen

© imago images/ SEPA.Media

Leonore Gewesslers raketenhafter Aufstieg

Leonore Gewessler legte einen geradezu raketenhaften Aufstieg in Österreichs Politiklandschaft hin. Vor ihrem Amtsantritt als Klimaministerin war die gebürtige Grazerin nur Insidern bekannt, mit dem Klimaschutzministerium hat sie die Zügel eines der zentralsten Ressorts der türkis-grünen Bundesregierung in die Hand bekommen. Gewessler kommt aus der Ökoecke. Sie agiert seit ihrem Quereinstieg wie ein alter Politikhase.

Links zu Leonore Gewessler

Leonore Gewesslers Stationen in Brüssel und bei Global 2000

Ihren Überzeugungen entsprechend deklarierter "Nachtzug-Fan" war Gewessler vor ihrer Rekrutierung durch Grünen-Chef Werner Kogler im Juni fünf Jahre lang politische Geschäftsführerin der Umweltorganisation Global 2000. Dort verantwortete sie Kampagnen gegen die Handelsabkommen TTIP und CETA, für den Kohle-Ausstieg Österreichs und gegen den Bau der dritten Flughafen-Piste in Wien-Schwechat.

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Leonore Gewessler beim Start der Förderaktion Versorgungssicherheit im ländlichen Raum - Energieautarke Bauernhöfe

© IMAGO/ SEPA.Media

Die "Superministerin"

Selbstbewusstsein tankte sie davor von 2008 bis 2014 bei der Green European Foundation in Brüssel, einer vom Europaparlament finanzierten politischen Stiftung mit enger Verbindung zu den europäischen Grünen. Davor war sie Büroleiterin der Bezirksvorstehung in Wien-Neubau, einem grünen Kerngebiet, in dem die Ökopartei seit 2001 den Bezirksvorsteher stellt. Grünes Aushängeschild war dort Thomas Blimlinger, dessen Schwester Eva für die Grünen im Nationalrat sitzt.

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Als Politneuling in die erste Reihe der Grünen

Von Anfang an bekam Gewessler - die sich in der Vergangenheit öfters mit ihrem Gegenüber bei der ÖVP, der früheren Umweltministerin Elisabeth Köstinger gematcht hatte - einen Platz in der ersten Reihe der Grünen; wohl auch, um dem von Kogler gewählten Etikett als "Bündnispartei" Genüge zu tun. Gewessler übererfüllte aber auch die in sie gesetzten Erwartungen, zeigte sich mit allen politischen Wassern gewaschen und war in den Koalitionsverhandlungen eine der wichtigsten Akteurinnen der Grünen. Schon damals verhandelte sie für ihre Partei die das Klima und den Umweltschutz betreffenden Bereiche des türkis-grünen Regierungsprogramms aus.

Ich hab Zeit, aber das Klima nicht

Auch privat lieber mit dem Rad

Auch privat bleibt die Ministerin ihrer Verantwortung für den Klimaschutz treu: Sie besitzt keinen Dienstwagen, keinen Chauffeur. Wenn sie nicht mit den Öffis ins Büro fährt, ist sie mit Zug und Rad unterwegs. Auf der UN-Klimakonferenz für die EU hat sie 2021 den Bereich Emissionshandel verhandelt. Gegenüber News verriet sie, dass bei diesem Klimagipfel wieder einmal um jedes Wort und jeden Beistrich gerungen worden sei: Dabei gibt es Momente, wo man denkt, man hat einen starken Text für den weiteren Kampf gegen die Klimakrise, man hat viel gearbeitet, und dann gibt es in der letzten Runde auf einmal noch eine Abschwächung beim Kohleausstieg. Natürlich fragt man sich da: 'Hat das jetzt sein müssen?' Aber: Dieser Text wird nie mehr weg sein. Das ist die Basis für den Kampf gegen die Klimakrise ab heute. Aufstehen, weitermachen - Aufgeben ist keine Option. Dafür geht es um zu viel beim Klimaschutz."

Aufgeben ist keine Option

Das hat Leonore Gewessler als Ministerin umgesetzt

Mit dieser Einstellung hat die engagierte Klimaschutz-Verfechterin schon einige Projekte auf ihrer To-do-Liste umgesetzt: die ökosoziale Steuerreform, das Klimaticket, den Pfand auf Plastikflaschen, eine verpflichtende Einwegquote im Handel, die Erhöhung der Normverbrauchsabgabe Nova, den Klimabonus, die CO2-Abgabe und das Ausbaugesetz für Erneuerbare Energien. Und sie macht unbeirrt weiter. Dass das nicht jedem gefällt, ist für sie kein Hindernis. "Ich bin ja in die Politik gegangen, um die Klimakrise zu bekämpfen", sagt Gewessler gegenüber "profil.at"

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Klimaministerin Leonore Gewessler präsentiert stolz das Klimaticket

© imago images/SKATA

Im News-Interview erzählt Gewessler über ihr Vorzeigeprojekt, das Klimaticket: "Da haben viele Leute am Anfang gesagt: 'Das kommt nie, wie soll das gelingen?' Und wenn ich die Zahl der Aktenordner und der Verhandlungsrunden Revue passieren lasse, ist es gar nicht so überraschend, dass manche vorher dieses Ticket zwar in ihren Regierungsprogrammen stehen hatten, aber nie umgesetzt haben. 15 Jahre lang wurde davon geredet. Mir war klar, ich will das haben, daher drehen wir so lange unsere Runden, bis das Ding steht."

Es geht um die Frage des Überlebens auf diesem Planeten und wie wir es schaffen, dass wir auch in Zukunft ein gutes Leben darauf haben

ÖVP-Umfeld über Leonore Gewessler: "Sie schafft extrem viel"

Dieses Durchhaltevermögen verschafft ihr sogar Anerkennung aus dem Umfeld der ÖVP: "Sie schafft politisch extrem viel", sagt ein Insider. Sie selbst sagt über ihre Hartnäckigkeit in Sachen Verhandlungen: "Ich würde mich eher als unbeirrbar bezeichnen. Ich kenne das Ziel, weiß, warum ich das mache, warum ich ringe und Überzeugungsarbeit leiste und warum ich bei Verhandlungen noch die Extrarunde drehe: weil wichtig ist, dass das Ergebnis stimmt. Es geht ja um viel - die Frage des Überlebens auf diesem Planeten und wie wir es schaffen, dass wir auch in Zukunft ein gutes Leben darauf haben. Dieses Ziel zu haben, verleiht mir eine ziemliche Hartnäckigkeit."

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Leonore Gewessler hat sich dem Klimaschutz verschrieben

© IMAGO/SEPA.Media

Leonore Gewesslers Wurzeln in der Steiermark

Ihre Wurzeln hat Gewessler in der Steiermark. Sie ist in Sankt Marein bei Graz aufgewachsen. Ihr Vater arbeitete als Gemeindearzt, ihre Mutter, ausgebildete Krankenschwester, war in seiner Ordination tätig. Die Leidenschaft zur Politik hat sie von ihrem Vater. Er "war ein sehr politischer Mensch. Das war eine gute Diskussionsschule", sagt Gewessler. Zum Mülltrennen habe sie hingegen ihre Mutter angehalten. Sie war es auch, die viel Wert darauf legte, dass Leonore Gewessler und ihre Schwester eine gute Ausbildung machen und Eigenständigkeit erlangen.

Das Aufwachsen in der ländlichen Gegend hat Leonore Gewessler bis heute geprägt. "Ich komme aus einem kleinen Ort mit 1.000 Einwohnern, und die bestimmende Erinnerung meiner Schulzeit ist: auf den Bus warten. Wie schafft man es, dass es auch auf dem Land ein gutes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln gibt? Man wird ja nicht überall U-Bahnen bauen können. Diese Fragen treiben mich genauso um wie jene nach einem guten Umfeld und mehr Lebensqualität in der Stadt", sagt sie.

Leonore Gewesslers Weg in die Politik

Mit 18 Jahren ging es für Gewessler dann nach Wien, wo sie sich dem Politik-Studium widmete. Ihr Interesse galt dabei dem Völkerrecht und der Außenpolitik, ihre große Leidenschaft war die Musik. Sie sang im "Jazz-Chor Wien" und spielte mit dem Gedanken, das Singen zum Beruf zu machen. Es sollte anders kommen. Ihre damalige Chor-Freundin und Bezirksrätin Lise Smidth wies ihr den Weg in die regionale Politik. Ob Gewessler nicht auch Bezirksrätin werden wolle, fragte sie sie damals. "Das sei nichts für sie, sie bleibe lieber im Hintergrund", erinnert sich Smidth im Gespräch mit "profil.at".

Dabei zeigten sich Gewesslers Führungsqualitäten schon früh. "Leo ist eine Checkerin", verrät ihre Trauzeugin Eva Ruppnig gegenüber "profil.at". Die beiden lernten wich während des Jus-Studiums kennen und teilten sich eine Zeitlang eine Wohnung. Ob Bergtour oder Städtetrip - Gewessler übernahm die Planung und wusste stets, wo es langgeht. "Wir konnten ihr immer getrost hinterhertrotten." Das Jus-Studium wurde abgebrochen, die Freundschaft blieb. Ruppnig, heute Kommunikationsberaterin bei einer Agentur, beschreibt ihre damalige Mitbewohnerin als "superordentlich". "Auf der Couch durfte man nichts essen." Gewessler sei liebenswürdig, verlässlich und ruhig, ihre einzige Schwäche der Perfektionismus. Wandern geht sie übrigens auch heute noch leidenschaftlich gerne.

Ein weiterer Wegbegleiter zu Gewesslers Studienzeiten war Peter Filzmaier. Mit ihm und Gerhard Mangott schrieb sie die gut 300 Seiten starke Einführung in die Politikwissenschaft "Internationale Politik"*. Gegenüber "profil.at" verrät Filzmaier: "Gewessler hat das Buchprojekt zusammengehalten. Sie war kompetent und hatte einen hohen Grad an Organisationsfähigkeit. (...) Wir waren während des gesamten Buchprojekts kein einziges Mal auf ein Bier." Ihre Konsequenz, Durchsetzungskraft und Zielstrebigkeit, gepaart mit ihrer ruhigen, unaufgeregten, optimistischen Art, zeichnen die umsetzungsstarke Ministerin nach wie vor aus.

Leonore Gewessler privat: Verliebt über den Wolken

Die Politikerin ist seit 2014 glücklich verheiratet und lebt in einer 80 Quadratmeter großen Dachwohnung in Wien-Ottakring. Ihr Mann, Herbert Greisberger, ist Geschäftsführer der Energie- und Umweltagentur des Landes Niederösterreichs. Wie sie im "Ö3-Frühstück bei mir" verriet, lernte sie ihn im Flugzeug kennen. Damals war sie beruflich nach Brüssel unterwegs. Genauer gesagt zum Bewerbungsgespräch bei der Green European Foundation. "Ich habe vor allem die Erinnerung daran, dass wir es sehr lustig gehabt haben. Er ist ein großartiger Mann und ein großartiger Teil meines Lebens. Für mich war schnell klar, dass das bleibt", so Gewessler.

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