Porträt von

Alma Zadic: Starke Kämpferin
für soziale Gerechtigkeit

"Meine Eltern wollten, dass wir glücklich sind und die gleichen Chancen bekommen, wie alle anderen"

Porträt - Alma Zadic: Starke Kämpferin
für soziale Gerechtigkeit © Bild: APA/HANS PUNZ

Für ihre Ziele zu kämpfen ist Alma Zadic gewohnt. Als 10-Jährige flüchtete sie mit ihrer Familie nach Österreich. Kein leichter Start. Doch über ihre persönliche Migrationsgeschichte will sie sich nicht definieren. Sie wurde Anwältin, um für Gerechtigkeit zu kämpfen. Nun kämpft sie gemeinsam mit den Grünen.

  • Name: Alma Zadic
  • Geboren am: 24.05.1984, in Tuzla (Bosnien und Herzegowina)
  • Position: Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat
  • Partei: Die Grünen
  • Familienstand: vergeben
  • Kinder: keine
© © Armin Muratovic Fotografie Alma Zadic ist im 10.Wiener Gemeindebezirk aufgewachsen

Eine bewegende Kindheit

Der Krieg begann als sie sieben Jahre alt war. Damit endete die Leichtigkeit im Leben, wie man sie als Kind erleben sollte. Als 10-jähriges Mädchen flüchtete Alma Zadic während des Krieges in Bosnien und Herzegowina nach Wien. Damals wie heute ist ihre Familie ihr größter Rückhalt. "Meine Eltern sind großartig. Sie haben alles dafür getan, dass ich und mein Bruder trotz der Umstände Kinder sein konnten", erzählt sie im Gespräch mit News.at.

Die größte Herausforderung ihres Lebens

Und das sei nicht selbstverständlich. Denn auch sie spürte damals, dass es ernst wurde und sie ihren Beitrag leisten musste. Dabei sei nicht das Lernen der neuen Sprache oder das Leben in Wien Favoriten ihre größte Herausforderung gewesen. Im Gegenteil: Mit ihrem Heimatbezirk verbinde sie viele schöne Momente und langjährige Freundschaften - die bis heute halten. Ihr Lieblingsort in Österreich ist immer noch das Erholungsgebiet Wienerberg. Schwieriger sei es gewesen zu akzeptieren, dass es in Ordnung ist, zwei Identitäten zu haben.

© APA/HANS PUNZ

"Kinder mit Migrationsgeschichte wachsen oft in dem Glauben auf, nicht dazu zu gehören. Das führt dazu, dass sie entweder versuchen sich der einen Identität loszusagen oder die andere sehr stark betonen. Diesen inneren Kampf sollten die Kinder nicht führen, denn es ist völlig Okay beides zu sein", beschreibt sie die Schwierigkeit.

Wissbegierige Vorzugsschülerin

Während die Suche nach der Identität Alma Zadic intensiv beschäftigte, war die Schule für sie keine Herausforderung. Zadic besuchte die Volksschule Ortnergasse und das Realgymnasium Ettenreichgasse und war stets eine Vorzugsschülerin. Druck von Zuhause gab es keinen, wie sie verrät. " Ich hatte das große Glück, dass mir die Schule wirklich leicht gefallen ist und ich ein sehr wissbegieriger Mensch bin", gibt sich Zadic bescheiden.

»Wenn du dich nicht doppelt so anstrengst, wirst du es hier nicht schaffen«
© APA/ROLAND SCHLAGER Zadic kennt die Sorgen der Familien mit Migrationshintergrund

Trotzdem weiß sie, dass sie Glück mit ihrer Begabung hatte. Denn bei bei vielen Familien mit Migrationsgeschichte, stehe die große Sorge im Vordergrund, Bürger zweiter Klasse zu sein. Mit dem Satz: „Wenn du dich nicht doppelt so anstrengst, wirst du es hier nicht schaffen“ seien viele Kinder wie sie aufgewachsen. Ihr bliebt der Druck von zuhause erspart.

Diese Tatsache und andere Erlebnisse in ihrer Jugend verstärkten ihr starkes Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Der Berufswunsch Rechtsanwältin zu werden, überrascht in diesem Kontext wenig. "Ich bin Anwältin geworden, weil ich genau wissen wollte, welche Rechte und Pflichten jeder einzelne hat und wie man diese Rechte durchsetzt", sagt sie gegenüber News.at.

Die größte Erkenntnis ihres Lebens

Während des Studiums, das sie mit einem Doktortitel abschloss, zog es sie mehrfach ins Ausland. Sie studierte in Mailand und New York. Die wichtigste Erfahrung, die sie dort gemacht habe, war die Erkenntnis, dass man sich nicht für eine Identität entscheiden muss: "Gerade das vielfältige New York hat mir gezeigt, dass man durchaus Österreicherin, Bosnierin und Europäerin gleichzeitig sein kann."

© APA/HANS PUNZ Ihre Vision: für soziale Gerechtigkeit und gegen Ausgrenzung

Am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn als Rechtsanwältin lag ihr Fokus auf Völkerrecht und Menschenrecht. Zunächst habe sie dazu bei einigen internationalen Organisationen gearbeitet bis sie dann in eine größere Wirtschaftskanzlei im Bereich der internationalen Konfliktlösung wechselte.

Warum der Weg in die Politik?

Nach sechs Jahren in der Anwaltskanzlei folgte 2017 der Schritt in die Politik. Aber warum eigentlich? "Schon im Jahr 2015 habe ich gespürt, dass die Gesellschaft sich verändert. Hetze und Spaltung der Gesellschaft waren die Themen, mit denen Rechtspopulisten in den Wahlkampf gezogen sind. Als ich dann gefragt wurde, ob ich mich politisch engagieren will, war die Antwort für mich klar", erzählt Zadic, die heute als Abgeordnete der Grünen im österreichischen Nationalrat sitzt.

© APA/ROLAND SCHLAGER Werner Kogler und Alma Zadic feiern das Ergebnis der Grünen bei der NR-Wahl 2019

Alma Zadic: Ihre politische Vision

Mit ihrer ganzen Leidenschaft und ihrem Kampfgeist habe sie sich, von diesem Zeitpunkt an, der Politik verschrieben. "Ich wollte aufzeigen, dass uns Vielfalt und Zusammenhalt stark macht", sagt Zadic. Wie ihr politisches Vorbild, die Amerikanerin Alexandria Ocasio Cortez, kämpfe sie - gemeinsam mit den Grünen - für soziale Gerechtigkeit und gegen Ausgrenzung.

Bei der Nationalratswahl schafften die Grünen das historisch beste Ergebnis. Mit 14 Prozent und einem Plus von über zehn Prozent schafften sie den Wiedereinzug. Es läuft auch gut für Zadic: Von Parteichef Werner Kogler wurde sie jüngst dazu auserkoren im Sondierungsteam mitzuwirken und über mögliche Regierungsbeteiligung mit der ÖVP zu verhandeln.

Warum Sie die Liste Pilz/JETZT verließ

Ihre politische Karriere allerdings begann sie bei der Liste Pilz/JETZT. Doch sie kehrte der absteigenden Partei den Rücken . "Vieles hat sich verändert. Es ging oftmals um Einzelpersonen und weniger um eine gemeinsame Vision. Ich selbst, wie viele andere auch, haben uns in diesem neuen Team nicht mehr gesehen", erklärt sie den Wechsel.

© APA/HANS PUNZ Peter Pilz und Alma Zadic gehen getrennte Wege

Politik sei aber ein Teamsport und die gemeinsame Vision etwas zu verändern, sei für jede politische Bewegung notwendig. Bei den Grünen sei sie nun angekommen. Auch wenn das Wahlkampfthema 2019 Klimaschutz war, will sie dort mit vereinten Kräften vor allem gegen den Abbau des Sozialstaates und gegen Fremdenfeindlichkeit auftreten. Und wenn dann noch Kraft übrig bleibt, dann nützt die ausgebildete Fitness- und Aerobictrainerin diese für ihre liebste Freizeitbeschäftigung: Beachvolleyball spielen, auch im Winter - wie sie betont.