Wer ist Karl Nehammer?

Der ÖVP-Innenminster wird Bundeskanzler und ÖVP-Chef

Karl Nehammer führte Sebastian Kurz als Parteimanager nach dessen Abwahl zurück ins Kanzleramt, auch wenn er nicht als das Mastermind des türkisen Erfolgs, dafür als treuer und folgsamer Gefährte gilt. Nehammer selbst wurde Innenminister. Vorerst. Nach dem Rückzug von Kurz folgt er Alexander Schallenberg schließlich als Kanzler.

von Porträt - Wer ist Karl Nehammer? © Bild: Getty Images
  • Name: Karl Nehammer
  • Geboren am: 18. Oktober 1972 in Wien
  • Wohnhaft in: Wien
  • Position: Innenminister, designierter Bundeskanzler und ÖVP-Chef
  • Ausbildung: Gymnasium Amerlingstraße (Matura 1992),
    Universitätslehrgang an der Donauuniversität Krems bei Peter Filzmaier "Politische Kommunikation"
  • Karriere: Einjährig-Freiwilliger beim Bundesheer mit Weiterverpflichtung bis 1996. Lehrtrainer für Informationsoffiziere für das Verteidigungsministerium für Landesverteidigun, Trainer für strategische Kommunikation für verschiedene Einrichtungen, 2016-2018 Generalsekretär des ÖAAB, seit 2017 Abgeordneter zum Nationalrat, seit 2018 Generalsekretär der ÖVP
  • Partei: ÖVP
  • Familienstand: verheiratet
  • Kinder: zwei

Karl Nehammer soll es also für die ÖVP richten. Der Innenminister, der bisher nicht viel falsch gemacht hat, ist auserkoren, die Wahlerfolge für die Volkspartei fortzusetzen und ihr das Kanzleramt abzusichern. Nehammer gehörte durchaus zum Umfeld des ausgeschiedenen VP-Chefs Sebastian Kurz, aber nicht zum engsten Kreis.

Genug Erfahrung in der Parteiarbeit hat der Wiener, der politisch aber in der stramm organisierten niederösterreichischen Volkspartei sozialisiert wurde, etwa durch seinen Job als Generalsekretär der ÖVP. Bündisch ist seine Heimat der ÖAAB, dessen Management eine Zeit lang seine Aufgabe war. Verbunden ist der vormalige Berufssoldat und Leutnant Nehammer dem Bundesheer, doch auch mit der Polizei kam der meist freundliche, aber auch ein wenig hölzerne Innenminister gut zurecht.

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Das Ressort hatte Nehammer ganz gut im Griff. Die Pannen im Vorfeld des Terroranschlags ihm umzuhängen, versucht die Opposition. Doch Nehammer war zu dem Zeitpunkt wohl noch zu kurz im Amt, um wirklich in die Verantwortung für die Problembehörde BVT genommen zu werden. Reagiert hat er jedenfalls flott mit der Einsetzung der Zerbes-Kommission. Die Reform des Staatsschutzes gemeinsam mit Rot und Blau durch das Parlament zu bekommen, war jetzt auch keine schwache Leistung.

Restriktiver Kurs in der Zuwanderungspolitik

In der Zuwanderungspolitik exekutiert Nehammer den restriktiven Kurs, den die ÖVP seit vielen Jahren fährt, bemüht sich aber um einen vergleichsweise moderaten Ton. Der Fokus ist trotzdem klar Abschottung. Auch bei medial hoch gekochten Fällen wie der Abschiebung von Schülerinnen nach Georgien und Armenien blieb der Innenminister eisern seiner Linie treu.

Hart und zart versuchte es Nehammer beim Pandemie-Management. Bitten ans Volk wechselten mit grimmigen Warnungen und Wortbildern wie der Polizei als Flex. Tatsächlich recht sauer dürfte der Innenminister auf die FPÖ gewesen sein, weil diese Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen auch noch befeuert und so der Polizei unangenehme (und auch teure) Arbeit macht.

Verbindlich und loyal

Dass Nehammer VP-Chef und Kanzler kann, kann schon sein. Der Schwiegersohn von TV-Legende Peter Nidetzky und zweifache Vater gilt als verbindlich und loyal. Telegen ist er durchaus auch, rhetorisch nicht brillant, aber ausreichend geschult. So kann er möglicherweise an vorderster Front den Wähler durchaus überzeugen.

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Als Regisseur tat er sich ja zunächst schwer. Der von ihm gemanagte Präsidentschaftswahlkampf von Andreas Khol endete nämlich in einem Desaster. Immerhin war er mitverantwortlich für Sebastian Kurz' Triumphzug bei der vergangenen Nationalratswahl, wenn auch mit enormem finanziellen Aufwand.

Statt türkis wieder schwarz?

Interessant wird, ob Nehammer seine Partei rückfärbt. Denn zumindest seine parteinternen Förderer gelten eher als schwarz, denn als türkis. Dass Gerhard Karner sein Nachfolger im Innenressort wird, passt jedenfalls eher zur alten Schule der ÖVP.