Klimaticket Now: Alle Infos zur neuen Öffi-Karte

Am 26. Oktober startete nach langen Verhandlungen das österreichweite Klimaticket für öffentliche Verkehrsmittel, Klimaticket Now, vormals 1-2-3-Ticket, an dem sich alle neun Bundesländer beteiligen. Doch wie funktioniert das Klimaticket nun genau, ab wann zahlt es sich aus und wo gibt es Extraregelungen? Alle Infos lesen Sie hier.

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THEMEN:

Was ist das Klimaticket?
Wieviel kostet es?
Wo kann man es kaufen?
Regionale Tickets und Preise für Bundesländer und Regionen
Wo gilt das Ticket nicht?
Gilt das Klimaticket für die Westbahn?
Ist eine Bezahlung auf Raten möglich?
Klimaticket mit Familie
Klimaticket und 1. Klasse
Ist eine Fahrradmitnahme gratis möglich?
Was passiert mit aktuell gültigen Jahreskarten?
Für ArbeitgeberInnen steuerfrei?
Was wird am Klimaticket kritisiert?

Was ist das Klimaticket Now?

Das Klimaticket Now, eigentlich als Öffi-Netzkarte mit drei Stufen als 1-2-3-Ticket geplant, gilt als Prestigeprojekt der Grünen in der Regierung. Mit dem Klimaticket Now kann man in Zukunft um 1.095 Euro im Jahr jeden Linienverkehr (öffentlicher und privater Schienenverkehr, Stadtverkehr und Verkehrsverbünde) in ganz Österreich benutzen. Auch regionale Tickets für einzelne gibt es, wenn auch nicht wie geplant um 385 Euro pro Jahr, außer in Wien.

Kimaticket Now Österreich
© APA/Schlager

Wieviel kostet es?

Die österreichweite Karte kostet 1.095 Euro (im Vorverkauf noch bis zum 26.10.2021 949 Euro) und sie gilt für ein Jahr ab Kauf.

Ermäßigungen: Das Klimaticket Spezial
Ermäßigungen in Form des "Klimaticket Spezial" gibt es für Menschen unter 26 Jahren, für SeniorInnen, sowie für Menschen mit Behinderung. Die vergünstigte Version kostet 821 Euro im Jahr (im Vorverkauf 699 Euro).

Wo kann man das Klimaticket kaufen?

Das Klimaticket ist online erhältlich oder bei den Servicestellen der Vertriebspartner, die wären:

  • Innsbrucker Verkehrsbetriebe und Stubaitalbahn GmbH
  • Kärnten Bus GmbH
  • ÖBB-Personenverkehr AG
  • OÖ Verkehrsverbund-Organisations GmbH Nfg. & Co KG
  • Österreichische Postbus AG
  • Salzburg AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation
  • Salzburger Verkehrsverbund GmbH
  • Verkehrsverbund Tirol GesmbH
  • Verkehrsverbund Vorarlberg GmbH
  • WESTbahn Management GmbH

Regionale Tickets für einzelne Bundesländer

Eigentlich war im 1-2-3-Ticket vorgesehen, zusätzlich zum Gesamt-Österreich-Ticket um zwei Euro am Tag, also 730 Euro im Jahr, in zwei Bundesländern fahren zu können und um einen Euro am Tag, also 365 Euro im Jahr, in einem Bundesland. Die Stufe zwei, also zwei Bundesländer für zwei Euro, kommt gar nicht, bei den 365 Euro im Monat macht nur Wien mit. Alle anderen Bundesländer haben andere Preise. Hier alle Regionaltickets:

  • Wien: 365 Euro
  • Vorarlberg: 385 Euro (ab 1. November)
  • Salzburg: 595 Euro
  • Tirol: 509,40 Euro
  • Oberösterreich: 695 Euro
  • Steiermark: 588 Euro (ab 1. Jänner 2022)
  • Burgenland und Niederösterreich gemeinsam: 550 Euro
  • Gesamte Ostregion (Wien, Burgenland, NÖ): 915 Euro
  • Kärnten: Für Anfang 2022 geplant

Vorarlberg

Das Vorarlberger „vmobil Klimaticket“ kostet in der günstigsten Variante 355 Euro (für alle Vollpreiszahler, die bis zum 12. Dezember kaufen wird ein Rabatt von 30 Euro abgezogen). Ansonsten kostet es 385 Euro im Jahr. Neben Bus und Bahn können mit der Jahreskarte auch Angebote wie Carsharing oder Radboxen genutzt werden

Steiermark

In der Steiermark wird das Klimaticket 588 Euro kosten. Es gibt hier auch die Variante mit 688 Euro, dann kann es auch übertragbar genutzt werden. Gültig ist es ab 1. Jänner 2022. Im Klimaticket enthalten sind alle steirischen Verkehrsverbundzonen für Züge, Tram und Busse, in Graz inklusive Schloßbergbahn. Dazu kommen die Tariferweiterungsgebiete, die nach Radstadt bzw. Tamsweg in Salzburg, nach Szentgotthárd in Ungarn und nach Oberwart im Burgenland führen. Alle anderen Tarifangebote bleiben bestehen, etwa die GrazCard der Graz Linien oder das Topticket für Studierende.
In diesem Jahr gekaufte Jahrestickets bleiben ab zwei Tarifzonen für die ganze Laufzeit bestehen werden automatisch zum Klimaticket.

Wo gilt das Ticket nicht?

Touristische Angebote wie die Waldviertelbahn, Wachaubahn, Schneebergbahn, Schafbergbahn, etc. sind im Klimaticket nicht inkludiert.

Gilt das Ticket auch für die Westbahn?

Ja, das Klimaticket gilt auch für die Westbahn und die Gäste erhalten, wenn sie mit Klimaticket reisen, weitere „Goodies“ wie ein kostenloses Upgrade in die nächsthöhere Klasse oder eine kostenlose Sitzplatz-Reservierung.

Ist eine Bezahlung in Raten möglich?

Das Klimaticket kann auch in Raten bezahlt werden und das ohne Aufschlag. Bei monatlicher Abbuchung sind die ersten zwei Monate sofort zu bezahlen. Mit SEPA-Lastschrift wird der Restbetrag monatlich abgebucht.

Klimaticket mit Familie

Gegen einen Aufpreis von 110 Euro im Jahr können bis zu vier Kinder zwischen 6 und 15 Jahren kostenlos mitreisen. Alleine können die Kinder damit jedoch nicht reisen. Sind sie alleine unterwegs, brauchen sie ein eigenes Ticket. Kinder bis 5 Jahre reisen nach wie vor gratis.

1. Klasse?

Es werden spezielle Packages zu Upgrades und 1. Klasse angeboten, diese sind aber von Verkehrsverbund zu Verkehrsverbund unterschiedlich.

Darf man das Fahrrad mit dem Klimaticket gratis mitnehmen?

Nein, eine kostenlose Mitnahmemöglichkeit ist derzeit noch nicht vorgesehen und wird in den Verkehrsverbünden unterschiedlich gehandhabt. Es wird aber an einer einheitlichen Lösung gearbeitet.

Umstieg: Was passiert mit aktuell gültigen Karten?

Was tun, wenn man bereits im Besitz einer gültigen Jahreskarte etwa ist? „Eine Kündigung bestehender Zeitkarten zu verbesserten Konditionen für den Kauf des Klimatickets wurde mit allen Verbünden bzw. Verkehrsunternehmen vereinbart“, ist auf klimaticket.at zu lesen. So bietet etwa die ÖBB allen BesitzerInnen einer ÖBB Österreichcard an, vor Gültigkeitsende auf das Klimaticket umzusteigen in Form eines außerordentlichen Kündigungsrechts, das jedoch nur in Kombination mit dem Kauf eines Klimatickets in Anspruch genommen werden kann. Rabattkarten wie die Vorteilscard fallen allerdings nicht unter diese Vereinbarung. In der Verkehrsverbund Ostregion etwa wird man per Brief verständigt, wenn das Klimaticket günstiger ist als die Karte, die man derzeit besitzt und diese wird automatisch umgestellt. Der Restwert wird gutgeschrieben (in bar ausbezahlen ist nicht möglich).

Steuerfrei für ArbeitgeberInnen?

ArbeitgeberInnen können ihren ArbeitnehmerInnen das Klimaticket steuerfrei zur Verfügung stellen bzw. die Kosten steuerfrei ersetzen. Weitere Infos dazu gibt es auf der Website des Finanzministeriums.

Kritik am Klimaticket

Überfüllte Strecken werden noch voller

Für das Klimaticket gab es viel Lob, aber auch Kritik, denn "auf den Hauptachsen sind die Züge zu den Haupt-Pendelzeiten bereits jetzt ausgelastet bzw. sogar überlastet. Das Klimaticket wird diesen Druck weiter erhöhen. Der Ausbaubedarf ist mehr als dringend" schrieb etwa die AK Niederösterreich in einer Aussendung. "Umfragen zeigen, dass das Klimaticket besonders dort gut funktionieren wird, wo das Angebot nicht nur für die Arbeitswege sondern auch in der Freizeit gut nutzbar ist. Je nach Region haben derzeit 20 bis 30 Prozent der EinwohnerInnen in der Ostregion keinen Zugang zum öffentlichen Verkehr", so die AK Wien.

Sozial nicht gerecht

Auch der Verkehrsexperte der Wirtschaftsuniversität Wien, Sebastian Kummer, schlägt in einem Interview mit "derstandard.at" in dieselbe Kerbe. Es fehle Rollmaterial auf jetzt schon überfüllten Strecken, sagt er und fügt hinzu, dass das System auch aus Sicht der sozialen Gerechtigkeit kritisch zu sehen sei: "Wir schütten relativ viel Geld für Bestandskunden aus, unterscheiden aber nicht nach Bedürftigkeit." Denn für das Pendeln zwischen ländlichen Bereichen würden das Klimaticket oft "wenig bis gar nichts" bringen.