Wer ist Sigi Maurer?

Die polarisierende Politikerin ist die Klubobfrau der Grünen

Sigrid Maurer schafft etwas, was vor ihr wohl noch niemandem gelungen war: Eine Politikerin, die nach einer Flugzettel-Aktion sogar Parlamentsverbot hatte, wird Klubobfrau - und das sogar einer Koalitionsfraktion.

von Sigi Maurer © Bild: APA/Hochmuth
  • Name: Sigrid Maurer
  • Spitzname: Sigi Maurer
  • Geboren: Am 19. März 1985 in Rum, Tirol
  • Wohnhaft in: Wien-Neubau
  • Ausbildung: Studium der Soziologie an der Universität Wien
  • Position: Ehemalige ÖH-Vorsitzende und Abgeordnete der Grünen im Nationalrat, Arbeitet bei Institut für Höhere Studien, Klubchefin der Grünen

„Das ist ausgeschlossen“ sagte ÖVP-Chef Sebastian Kurz mit amüsiertem Lächeln von FPÖ-Chef Norbert Hofer in einem TV-Wahlduell auf eine mögliche grüne Ministerin Sigrid Maurer in einer möglichen türkis-grünen Regierung angesprochen. Dennoch hat man zusammengefunden - und arbeitet ein paar Jahre danach immer noch miteinander in der türkis-grünen Koalition. Doch: Sigrid Maurer ist und bleibt eine streitbare Grüne.

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Aufgewachsen in Tirol

Geboren wurde Sigrid Maurer 1985 in Rum in Tirol. Nach der Matura an einer HBLA studierte sie an der Universität Innsbruck Musikwissenschaft und Politikwissenschaft, jedoch ohne einen Abschluss zu machen. 2011 wechselte sie nach Wien, wo sie ihr Soziologie-Studium begann und mit einem Bachelor abschloss. Bereits in ihrer Zeit an der Uni in Innsbruck engagierte sie sich in der Österreichischen Hochschülerschaft als Mitglied der Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS). Bis 2011 war sie auch ÖH-Vorsitzende.

Sigi Maurer
© APA/Fohringer Sigi Maurer 2003 im Parlament

Erster Skandal

Bereits in ihrer Zeit als ÖH-Vorsitzende sorgte sie für Aufregung. Während einer Budget-Debatte im Nationalrat im Jahr 2010 warf sie Flugzettel von der Besuchergalerie in den Plenarsaal des Nationalrates. Daraufhin bekam sie 18 Monate Hausverbot für das Parlament. Zuvor war sie auch während der #unibrennt-Besetzungen immer wieder in den Schlagzeilen, da die ÖH, deren Vorsitzende sie zu der Zeit war, ebenfalls eine Rolle spielte, allerdings eine untergeordnete.

Das Stinkefinger-Posting

Nach ihrer Zeit in der Hochschülerschaft kandidierte Maurer für die Grünen und zog 2013 für die Öko-Partei in den Nationalrat ein und war bis zum Ausscheiden der Grünen 2017 Abgeordnete. Zum Auszug aus dem Parlament provozierte sie erneut und zeigte ihren Hatern auf einem Bild, das sie auf Twitter postete, den Mittelfinger mit dem Titel Tot he haters with love“ (Für meine Hater, mit Liebe). Damit erntete sie viel Kritik.

Provokateurin

Doch auch mit anderen Bildern und Postings provozierte Maurer immer wieder. So schrieb sie einen Tag nach der Nationalratswahl 2017, man betrinke sich auf dem Balkon vom noch-grünen Parlamentsklub. Oder griff Peter Pilz nach den Vorwürfen gegen ihn der sexuellen Übergriffe an: „Peter Pilz ist ein erbärmlicher Sexist“ schrieb sie etwa auf Twitter.

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Der Bierwirt-Prozess

Einer noch breiteren Öffentlichkeit wurde Maurer nach ihrer Zeit als Abgeordnete durch den „Bierwirt-Prozess“ bekannt. Sie veröffentlichte am 30. Mai 2018, dass sie tags zuvor von einem Craft-Beer-Shop-Betreiber in Wien-Neubau über den Facebook- Nachrichtendienst Messenger obszöne Nachrichten bekommen habe. Der Geschäftsbesitzer wurde daraufhin von Usern mit Beschimpfungen überschwemmt, sein Lokal erhielt im Netz schlechte Bewertungen und der Mann wurde mehrfach bedroht. Der Mann selbst bestritt, der Verfasser dieser Nachrichten zu sein und klagte Maurer wegen übler Nachrede. Am 17. Februar 2021 zog der Bierwirt seine Klage zurück. Der Vertreter des Bierlokalbetreibers begründete den Rückzieher seines Mandanten damit, ein Gerichtssaal sei nicht der richtige Ort für eine "politische Entscheidung". "Die Überlegung war, dass auf so eine Frage von einem Richter keine Antwort zu erwarten ist", sagte Klammer. Und der Anwalt betonte: "Er hatte das Gefühl, dass er (der Bierwirt, Anm.) diesen Prozess nicht gewinnen kann, obwohl er recht hat." Maurer selbst zeigte sich "froh und erleichtert, dass dieses Verfahren endlich vorbei ist". Es habe sich um einen "Präzedenzfall" gehandelt, der eine öffentliche Debatte um "Hass im Netz" angestoßen habe.

Debatte um Hass im Netz

Allein die Tatsache, dass der Wirt Maurer klagte – und nicht umgekehrt, war sie es doch, die widerliche und obszöne Nachrichten erhielt, sorgte für eine hitzige und emotionale Debatte.

Crowdfunding für Präzedenzfälle

Maurer selbst rief nach gemeinsam mit dem Verein ZARA ein Crowdfunding ins Leben, um Hass im Internet zu bekämpfen. Das Ziel war es, mit dem gesammelten Geld Klagen zu finanzieren und Präzedenzfälle zu schaffen. Die Initiative erreichte mit 100.000 Euro auch ihr Ziel. Auf der Webseite von ZARA wird halbjährlich ein Bericht bereitgestellt, der eine Übersicht über die finanzierten Aktivitäten, Klagen und die gesamte Mittelverwendung bietet.

Klubchefin

Sigrid Maurer wurde im Jänner 2020 zur Klubchefin der Grünen gewählt und folgte damit auf Werner Kogler, der das Amt des Vizekanzlers übernahm.

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