Porträt von

Wer ist Peter Filzmaier?

Peter Filzmaier © Bild: Silver Living GmbH/APA-Fotoservice/Schedl

Er ist der Experte des ORF, wenn es um Politik-Analysen geht. Es gibt fast kein österreichisches Medium, in dem seine Meinung zu aktuellen politischen Lage nicht schon einmal erschienen wäre. Privat weiß man kaum etwas über einen der wichtigsten Meinungsmacher Österreichs.

  • Name: Peter Filzmaier
  • Geboren am: 5. September 1967, Wien
  • Funktion: Politikwissenschaftler, Professor für Demokratiestudien und Politikforschung an der Donau-Universität Krems und für Politische Kommunikation an der Karl-Franzens-Universität Graz
  • Ausbildung: Studium der Politikwissenschaft, Publizistik und Rechtswissenschaft an der Universität Wien
  • Familienstand: verheiratet, Vater einer Tochter

Eigentlich wollte er einmal Sportreporter werden. Am Ende wurde sein tägliches Brot dann die Politik.

Von der Universität zum Fernsehen

Noch vor der Matura am Erich-Fried-Realgymnasium in Wien nahm er 1984 an einem Austauschprogramm in den USA (Oakland) teil. Seine Verbindung nach Amerika sollte später ein Mitgrund für seine Karriereanfänge beim Fernsehen bilden. Als Schüler siegte er bei einem Prosawettbewerb mit dem Titel "Worte statt Waffen". Während seines Studiums der Politikwissenschaft, Publizistik und Rechtswissenschaft an der Universität absolvierte er ein Praktikum beim "Kurier". 1997 schrieb er gemeinsam mit dem damals schon renommierten Politikwissenschaftler Fritz Plasser, der bis dato eines der Expertengesichter für den ORF war, das Buch "Die amerikanische Demokratie: Regierungssystem und politischer Wettbewerb in den USA". Als ein Jahr später der Skandal um US-Präsident Bill Clinton und die Praktikantin Monica Lewinsky aufkam, suchte der ORF nach einem frischen US-Politikexperten. Wie es der Zufall wollte, hatte zuvor ORF-Journalist Armin Wolf, der damals als Redaktionsleiter bei der "ZIB 3" arbeitete, ein Seminar von Filzmaier besucht und holte den Politikwissenschaftler an Bord. Von da an entwickelte der Universitätsprofessor sich zum neuen - und heute fest etablierten - Expertengesicht im öffentlich rechtlichen Fernsehen, wenn es um politische Analysen geht.

Auch im Zuge der Ibiza-Affäre glänzte Filzmaier an der Seite des ORF-Moderators Tobias Pötzelsberger mit seiner jahrelangen Erfahrung und seinem Wissensschatz. In der "Kronen-Zeitung" schreibt er regelmäßig einen Beitrag und analysiert die Welt der Politik. Etliche andere Medien verlassen sich ebenfalls auf seine Expertise. Damit hat der Politikwissenschaftler als Experte eine gewisse Monopolstellung in Österreich.

Auch interessant: Die Ibiza-Affäre rückte ORF-Moderator Tobias Pötzelsberger ins Rampenlicht. Er selbst mag es lieber bescheiden.

Auf Wahlfang - So kämpft die Politik um unsere Stimmen
© ORF Peter Filzmaier 2019 in der ORF-Sendung "Auf Wahlfang - So kämpft die Politik um unsere Stimmen"
» Die Frage lautet alljährlich: Ist der Umsatz sechs-oder siebenstellig?«

Nicht nur in der Medienlandschaft hat sich der Wiener eine gewisse Position erarbeitet. Teilzeit ist er als Professor für Demokratiestudien und Politikforschung an der Donau-Universität Krems und als Professor für Politische Kommunikation an der Karl-Franzens-Universität Graz tätig. Daneben betreibt er sehr erfolgreich seine "pf-plus forschung gmbh", die Dachgesellschaft seiner Firmen. 2007 wurde das Institut für Strategieanalysen (ISA) gegründet und er ist als Gesellschafter in der spanischen Firma "Brainrun S.L." tätig, die ihren Sitz auf Mallorca hat. Letztere bietet für ein internationales Publikum europaweit Seminare an, unter anderem zum Thema Wirtschaft und Medien.

Wie das Magazin "trend" (Nr. 25/2019) berichtete, hat er mit seiner Dachgesellschaft 2018 mehr als 5,3 Millionen Euro Bilanzgewinn erwirtschaftet, das ergibt einen Jahresgewinn von über 400.000 Euro. "Wir hatten nur gute oder sehr gute Jahre. Die Frage lautet alljährlich: Ist der Umsatz sechs-oder siebenstellig?", teilte Filzmaier dem Magazin mit. Was für ein Kleinunternehmen, das durchschnittlich rund fünf Leute, in Hoch-Zeiten bis zu zehn Mitarbeiter beschäftige, schon recht beeindruckend sei. Dass er so erfolgreich ist, darüber freut sich wohl heute besonders seine Mutter, eine Bank-Austria-Managerin. Sie hätte ihren Sohn zunächst lieber in der Betriebswirtschaft gesehen.

Er macht die Meinung

2018 wurde Filzmaier als erster Wissenschaftler seit 20 Jahren in der Kategorie "Information" für den Fernsehpreis "Romy" nominiert. "Ich bin selbstkritisch genug, um zu wissen: Nur wegen des Aussehens war es nicht", sagte er im Juni 2019 in einem Interview mit Manfred Rebhandl. Der Politologe ist bekannt für seine markigen Sager vor und hinter der Kamera. In Sachen Migration legte er Kurz einmal in den Mund: "Das eigentliche Problem bei Stau sind die Burka tragenden Frauen, die in zweiter Spur vor dem Islamkindergarten parken." Im Interview vom Juni meinte er außerdem zum Aufstieg von Kurz: "Ich hab schon im Fernsehen zwei hochrangigen ÖVP-Politikern gesagt, dass sie jetzt ganz stark sein müssen, denn: Auch Kurz kann nicht über Wasser gehen."

Dass er gerne auch einmal Politiker bei seiner Analyse in der Luft zerreißt und dabei mit seinen Formulierungen nicht hinter dem Berg hält. Laut eigenen Angaben absolvierte er nie ein Medientraining - quasi ein Naturtalent. Kritiker bemängeln, dass die Sachlichkeit der Analyse hier und da schon einmal für ein bisschen Zynismus auf der Strecke bleibt - nicht zuletzt, weil viele Zuschauer und Medien allein auf seine Meinung zählen. Trotzdem will sich Filzmaier seine Überparteilichkeit und Sachlichkeit bewahrt haben. Das hin und wieder persönliche Tendenzen einfließen, verleugnet er nicht: "Ich bemühe mich, professionell zu sein. Ab einem gewissen Lebensalter hat aber jeder Mensch ein gewisses Gesellschaftsbild, das er nicht an der Garderobe abgibt, und mit den Menschenrechten tu ich das schon gar nicht. In dieses Bild passen Extremisten nicht hinein", sagte er beispielsweise im Interview zum Thema Extremismus.

Genau seine scharfen Kommentare machen ihn wiederum bei den Zuschauern so bliebt. Seine Analyse der ORF-Sommergespräche wird laut Quoten mindestens ebenso gerne gesehen wie die Gespräche selbst.

Sportlicher Familienvater

Während sein berufliches Leben sehr transparent ist, hält Filzmaier sein Privatleben lieber unter Verschluss. Der Politikwissenschaftler wohnt im Norden von Wien, ist verheiratet und Vater einer Tochter. Bei einem Gespräch mit dem "Radio Niederösterreich" 2016 sagte er zum Thema Familie und Privatsphäre: "Wie kommen sie dazu, nur weil ich in der Öffentlichkeit stehe, Flankentreffer abzubekommen." Immerhin verriet er im Interview mit Manfred Rebhandl, dass er den US-Politsatiriker John Stewart mag und gerade an einem Buch über seine schönsten Sporterlebnisse bastelt. Das passt, den schließlich sportelt er gerne. Früher lief beim Halbmarathon mit, heute geht er lieber joggen.

Das Buch "Wie wir politisch ticken Öffentliche und veröffentliche Meinung in Österreich" von Peter Filzmaier finden Sie hier.

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