Kanzler zollt "Respekt und Anerkennung":
Die Reden bei der Haider-Begräbnisfeier

Würdigung des Menschen Jörg Haider im Mittelpunkt Gusenbauer: "Gespür für das, was sich ändern muss"

Kanzler zollt "Respekt und Anerkennung":
Die Reden bei der Haider-Begräbnisfeier © Bild: APA/Eggenberger

Die Würdigung des Menschen Jörg Haider stand im Mittelpunkt der Trauerreden bei der Trauerfeier am Neuen Platz in Klagenfurt. Dass die Persönlichkeit des vor einer Woche bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Landeshauptmannes die Menschen bewegt habe, wurde von allen Rednern hervorgehoben. Vor allem Bundeskanzler Alfred Gusenbauer strich auch die Vielschichtigkeit der Persönlichkeit Haiders hervor und zollte ihm "Respekt und Anerkennung".

Gusenbauer appellierte, jetzt zu versöhnen, was im Leben nicht versöhnlich gewesen sei. Über alle politischen Grenzen hinweg müsse man Haider Respekt und Anerkennung zollen. Er sei immer vom Willen getragen gewesen, das Beste für seine Heimat zu tun. Haider habe vieles gewollt, nicht alles, aber sehr viel erreicht.

Die große Anteilnahme zeige, dass Haider die Menschen bewegt habe. Man müsse anerkennen, dass er ein Mensch gewesen sei, "der außergewöhnlich war". Er sei imstande gewesen, viele Menschen zu begeistern, aber auch Widerspruch auszulösen, sagte der scheidende Bundeskanzler. Haider habe niemanden kalt gelassen, im positiven wie im negativen Sinne.

Sensibilität
Haider habe auch ein "sehr feines Gespür für das, was sich ändern muss", gehabt, sagte Gusenbauer. Diese Sensibilität habe ihn von anderen herausgehoben, auch wenn seine Antworten nicht immer von allen anerkannt worden seien. Oft sei aber der Fehler gemacht worden, dass schon seine Kritik an Verhältnissen kritisiert worden sei. Das sei aber ein Fehler, weil Kritik sei das Salz der Demokratie, gab sich Gusenbauer versöhnlich.

Verbundenheit der Landeshauptleute
Der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber meinte, Jörg Haider sei für Veränderung und Tradition, für Bewegung und Polarisierung, aber auch für Lösungen gestanden. Gleichzeitig verwies der derzeitige Vorsitzende der Landeshauptleutekonferenz auch darauf, dass Haider zuletzt die "Kraft zum gemeinsamen Handeln" in den Vordergrund gestellt habe. Die Landeshauptleute seien gekommen, um Kärnten die Verbundenheit und die Wertschätzung für den verstorbenen Kollegen auszudrücken.

Dörfler würdigt Leistungen für Kärnten
Die Leistungen Haiders vor allem für Kärnten würdigte der amtsführende Landeshauptmann Gerhard Dörfle. Haider habe hinterlassen, dass alle Menschen gleich seien, es kein Oben und kein Unten gebe. Er habe das Land offener, jugendlicher, moderner und damit "sommerlicher" gemacht. Und er habe das Land sozialer gemacht. Haider sei davon beseelt gewesen, dass es allen Menschen bessergehe. Darüber hinaus habe er Kärnten Selbstbewusstsein gegeben. "Du wirst immer da sein, deine Spuren sind ewig", verabschiedete sich Dörfler.

Scheuch: "Passen auf dein Kärnten auf"
"Jörg, wir passen auf dein Kärnten auf", versprach der designierte Kärntner BZÖ-Obmann Landesrat Uwe Scheuch. Er appellierte an alle Menschen, das Erbe Haiders weiter zu tragen und Kärnten nach seinen Zielen weiter zu gestalten. "Wir sind es unserem Jörg schuldig, in seinem Sinne weiter zu machen." In sehr persönlichen Worten schilderte Scheuch, die Reaktion seines elfjährigen Sohnes auf die Todesnachricht Haiders: "Papa, das kann nicht sein, unser Landeshauptmann kann nicht sterben", habe der Bub geantwortet und er glaube, sein Sohn habe das richtig gesagt, meinte Scheuch.

"Ein ganz Großer"
Der Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher nannte Haider einen "ganz Großen", der als Politiker und als Freund neue Maßstäbe gesetzt habe. Er zog einen Vergleich mit einem Kartenspiel und sagte: "Der Herzkönig und das Trumpfass sind nicht mehr im Spiel." "Du bleibst unvergessen", verabschiedete sich der ÖVP-Politiker von seinem persönlichen Freund.
(apa/red)