Alexander Van der Bellen, der gelassene Staatsmann

Aus der Ibiza-Krise ist in erster Linie ein Star hervorgegangen: Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Als gelassener Staatsmann hat er Österreich sicher durch diese turbulente Zeit sowie durch darauffolgende Krisen geführt. Dabei war der ehemalige Grüne eigentlich ein politischer Spätzünder. Bei der Bundespräsidentenwahl 2022 will er es erneut wissen und kandidiert ncoh einmal für das Amt des Bundespräsidenten.

von Porträt - Alexander Van der Bellen, der gelassene Staatsmann © Bild: APA/Lechner

Steckbrief Alexander Van der Bellen

  • Name: Alexander Van der Bellen
  • Geboren am: 18. Jänner 1944
  • Position: Bundespräsident
  • Ausbildung: Volksschule, Gymasium und Universität in Innsbruck
  • Partei: parteilos, davor Grüne, davor SPÖ
  • Familienstand:in zweiter Ehe verheiratet mit Doris Schmidauer
  • Kinder: zwei Söhne (aus geschiedener Ehe)

Seit 2016 ist Alexander Van der Bellen das österreichische Staatsoberhaupt und der achte gewählte Bundespräsident Österreichs. In einer turbulenten Marathon-Wahl setzte er sich schlussendlich gegen seinen Konkurrenten Norbert Hofer durch. Doch das ist eigentlich bereits Geschichte. Seit Van der Bellens Amtsantritt ist viel geschehen: Von der Ibiza-Affäre über den Ausbruch der Corona-Pandemie über den Rücktritt von Sebastian Kurz als Bundeskanzler bis zum Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Es gab schon weniger turbulente Zeiten als die bisherige Amtszeit von Van der Bellen.

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Alexander Van der Bellen als Bundespräsident

Doch es waren diese Krisen, die der väterlich anmutende Präsident stets gut meisterte und in denen er sich als moralische Autorität etablierte. Dabei legt Van der Bellen sein Amt gar nicht unähnlich jenem seines Vorgängers, Heinz Fischer an. Etwas weniger leutselig, dafür entspannter, wie etwa seine Spaziergänge vor seinem Amtssitz, der Hofburg, mit Hund Juli, zeigen. Auch hat Van der Bellen nicht den Drang, sich bei jeder Gelegenheit zu Wort zu melden, sondern nur, wenn es ihm wichtig erscheint. Die Anlässe waren jedoch seit seinem Amtsantritt - siehe oben - viele.

Auch musste der ehemalige Grüne (Van der Bellen trat mit seiner Kandidatur aus der Partei aus), im Jahr 2017 eine Regierung aus ÖVP und FPÖ angeloben. Verhindern konnte er dies ohne mittlere Staatskrise nicht, aber mit der Ablehnung von Harald Vilimsky und Johann Gudenus setzte das Europa- und Umweltthemen stark zugewandte Staatsoberhaupt dennoch ein Zeichen.

Alexander Van der Bellen: Größte Enttäuschung

Die Regierung hielt, wie bekannt, nicht lange, Ibiza zwang sie in die Knie. Nach den Neuwahlen lobte Alexander Van der Bellen dafür die erste Bundesregierung mit grüner Beteiligung in Österreich an. Etwas, das für ihn selbst wohl Erinnerungen an seine eigene größte Enttäuschung seiner parteipolitischen Karriere war: Nämlich dass es 2003 eben nicht dazu kam, zu einer Koalition aus ÖVP und Grünen. Van der Bellen verhandelte damals mit Wolfgang Schüssel, der sich letztlich aber mit den Freiheitlichen für den billigeren Partner entschied. Danach brauchte es einige Zeit, bis sich Van der Bellen wieder motiviert hatte.

Politische Anfänge

Doch von vorne: Alexander Van der Bellen, von seinen Freunden gerne "Sascha" genannt, war eigentlich ein politischer Spätzünder. Als Professor für Volkswirtschaftslehre lernte ihn das Grüne Urgestein Peter Pilz kennen und lockte das frühere SPÖ-Mitglied in seine Partei. Als Kandidat für den Rechnungshof-Präsidenten noch gescheitert, zog er wenig später 1994 als Abgeordneter in den Nationalrat ein.

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Alexander Van der Bellen: Aufstieg zum Star der Grünen

Ein bisschen fremdelte die Basis mit dem Volkswirtschafter, der ideologisch in kein fixes Kästchen einzuordnen war, stets. Dennoch dauerte es nicht lange, bis der fachkundige Professor mit guter Rhetorik, stets verstehen mit einem Schuss Humor, zum Star der Grünen aufstieg und schließlich setzte man den den Sohn estnischer Einwanderer, der im Tiroler Kaunertal aufgewachsen war, 1997 an die Parteispitze; Van der Bellen wurde Bundessprecher und Klubobmann.

Launiger Redner mit gutem Image

Elf Jahre sollte er dort verweilen, für die Grünen eine bis zu Van der Bellen undenkbar lange Zeitspanne. Das Image des sehr guten, oft auch launigen Redners war über die Parteigrenzen hinweg und auch in der Bevölkerung ein gutes. Die Wahlergebnisse waren mal so, mal so. Jedenfalls gelang es in seiner Ära, die Grünen zur stabilen staatstragenden Partei umzumodeln.

© APA/Lechner Alexander Van der Bellen: Seit 2016 Bundespräsident Österreichs

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Van der Bellens Abschied und die Image-Delle

Nach besagter Niederlage, als sich Schüssel für die FPÖ entschied, wirkte Van der Bellen deutlich weniger motiviert. Als die Wahl 2008 nicht so gut lief wie erhofft, übergab er die Staffel an seine langjährige Kronprinzessin Eva Glawischnig. Er selbst blieb zunächst im Nationalrat, wurde von den Wienern mit Vorzugsstimmen in den Landtag gewählt und holte sich eine Image-Delle, als er das direkt vergebene Mandat erst nach über einem Jahr Schreckstarre annahm. Keinen allzu schlanken Fuß machte zudem, dass er sich dann auch noch den "Weißen-Elefanten-Posten" des Wiener Universitätsbeauftragten umschnallen ließ.

Van der Bellen: Zweiter Frühling

Doch der Wähler bescherte Van der Bellen mit über 70 einen zweiten Frühling. Ins vom Frust über Rot-Schwarz entstandene Wähler-Vakuum stieß er mit seiner cleveren Präsidentschaftskandidatur, die ganz neue Seiten des Hundefreunds präsentierte. Van der Bellen zeigte sich einerseits als Heimat-Politiker, verblüffte andererseits mit einem wenig staatstragenden Scheibenwischer in einer TV-Konfrontation mit seinem Kontrahenten Norbert Hofer von der FPÖ, den er schließlich im dritten Anlauf einer epischen Wahlschlacht recht knapp bezwingen konnte.

Zweite Amtszeit als Präsident für Van der Bellen?

Am 22. Mai 2022 gab Alexander Van der Bellen bekannt, erneut für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren und kündigte sein Antreten bei der Bundespräsidentenwahl im Herbst an. Nach den herausfordernden Zeiten aufgrund der Corona-Pandemie, dem Krieg in der Ukraine und die damit verbundene Wirtschaftskrise sowie der Klimakrise wolle er seine Erfahrung "weiterhin in den Dienst für unser Land stellen und nach bestem Wissen und Gewissen dazu beitragen, dass Österreich in eine gute Zukunft geht", schrieb Van der Bellen in einem knappen Statement in den sozialen Medien und plädierte für einen kurzen Wahlkampf.

Alexander Van der Bellen privat

Privat ist Alexander Van der Bellen in zweiter Ehe mit der früheren Grünen-Mitarbeiterin Doris Schmidauer verheiratet. Das erste Mal heiratete er bereits mit 18 Jahren. Die Ehe mit Brigitte Van der Bellen hielt über fünf Jahrzehnte und wurde 2018 einvernehmlich geschieden. Das Ex-Paar hat zwei Söhne, Nicolai und Florian.