Michael Ritsch - Neuer Minusmann der SPÖ:
Vier Jahre zuvor galt er als Hoffnungsträger

2007: Jüngster SPÖ-Chef in Landespartei-Geschichte

Michael Ritsch - Neuer Minusmann der SPÖ:
Vier Jahre zuvor galt er als Hoffnungsträger © Bild: APA/Stiplovsek

Der Bregenzer Michael Ritsch (41) muss ab sofort mit dem Titel roter Minusmann leben. Seine Sozialdemokraten blieben bei der Vorarlberger Landtagswahl noch hinter allen ohnehin schon düsteren Prognosen zurück und wurden nur Vierte.

Dabei galt Ritsch noch vor vier Jahren als der große Hoffnungsträger der Sozialdemokratie. Bei der Gemeinderatswahl in Vorarlbergs Hauptstadt Bregenz rückte er dem amtierenden Stadtchef Markus Linhart (V) überraschend nahe, schaffte es letztlich aber doch nicht, das Bürgermeisteramt zu ergattern. 2010 plant er eigentlich einen neuen Anlauf, die hohen SP-Verluste geben aber kaum Hoffnung.

Nach dem Verzicht von Elke Sader auf Klub- und Parteivorsitz wurde Ritsch 2007 jüngster SPÖ-Chef in der Geschichte der Landespartei. Seinen Aufstieg dürfte er auch seinen Erfolgen bei den Gemeindewahlen 2005 zu verdanken haben. Einen Dämpfer musste die Bregenzer SPÖ unter Ritsch allerdings im März 2009 hinnehmen, als sich zwei Drittel der Bregenzer Bürger in einer von der SPÖ initiierten Volksabstimmung für das umstrittene neue Hafengebäude aussprachen.

"Wadlbeißer"-Image
Im Landtag, dem Ritsch seit Oktober 2004 angehört, startete der redegewandte Bregenzer in teils scharfem Ton gezielt Vorstöße gegen die Regierung, besonders gegen Landeshauptmann Herbert Sausgruber (V). Nachdem ihm daraufhin ein "Wadlbeißer"-Image anzuhängen begann, ging Ritsch - inzwischen auch Parteichef - zu einem gemäßigteren Ton über. Nach 35 Jahren in der Opposition strebt die SPÖ nun selbst in die Landesregierung, so sich die Möglichkeit biete, verkündete Ritsch im Vorfeld der Landtagswahlen. Dass es dazu kommt, gilt unter Beobachtern mittlerweile als so gut wie ausgeschlossen.

Sein Werdegang
Ritschs Parteikarriere verlief geradlinig: Er fing bereits mit 18 Jahren bei der SPÖ-Jugend an. 1990, vier Jahre später, fand sich sein Name auf der SPÖ-Liste bei Kommunalwahlen wieder. 1992 wurde der ehemalige Gendarm Gewerkschaftssekretär und galt bald als ehrgeiziges politisches Talent. 1995 machte er auf der Liste einen erheblichen Sprung nach vorne, er wurde Stadtrat in Bregenz, zuständig für Wohnungswesen und Jugend. Nach der Wahlniederlage 2000 blieb ihm noch das Wohnungswesen. Vier Jahre später zog Ritsch in den Landtag ein, im November 2007 übernahm er den Klubvorsitz.

Ritsch wurde am 9. Juli 1968 in Bregenz geboren. Er ist geschieden, Vater zweier Töchter im Alter von zehn und elf Jahren und lebt in einer Partnerschaft. Abstand von der Stadt- und Landespolitik gewinnt der SPÖ-Chef beim Joggen und auf Städtereisen.

(apa/red)