Christian Kern: Von der Privatwirtschaft in die Politik und zurück

Journalist, ÖBB-Chef, Bundeskanzler, Manager – Christian Kern hat schon einige Stationen hinter sich. Nicht zuletzt ist er Schöpfer des Wortes des Jahres 2017. Der 1966 in Wien-Simmering geborene Ex-Kanzler ist seit seinem Abschied aus der Politik als Manager in der Privatwirtschaft tätig, meldet sich aber immer wieder gerne politisch zu Wort und auch die Gerüchte, er strebe mit einer eigenen Liste ein Polit-Comeback halten sich hartnäckig.

von Christian Kern © Bild: imago images/SEPA.Media

Steckbrief Christian Kern

  • Name: Christian Kern
  • Geboren: am 4. Jänner 1966 in Wien-Simmering
  • Ausbildung: Studium Publizistin und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien, postgraduale Ausbildung am Management-Zentrum St. Gallen
  • Beruf: Manager und ehemaliger Politiker und Bundeskanzler
  • Partei: SPÖ
  • Familienstand: getrennt, war zweimal verheiratet
  • Kinder: drei Söhne (aus erster Ehe), eine Tochter (aus zweiter Ehe)

Kindheit und erste Schritte in der Politik

Kern wuchs als Kind in Wien-Simmering auf, seine Mutter arbeitete als Sekretärin, sein Vater in einem Installationsbetrieb. Später eröffneten Kerns Eltern in Favoriten ein Milchgeschäft. Erste politische Orientierungsversuche unternahm Kern bereits während seiner Gymnasialzeit. Er fungierte als Mitbegründer der Alternativen Liste Simmering (einer Vorgängerorganisation der Grünen). Nach seiner Matura im Jahr 1984 studierte Kern Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien.

Von Grün zu Rot - Anfänge bei der SPÖ

Dort erfolgte auch der Wechsel von Grün auf Rot: Der spätere Bundeskanzler engagierte sich erstmals im Verband Sozialistischer Student:innen in Österreich (VSStÖ) und war Chefredakteur des VSStÖ-Magazins Rotpress. Bei der ÖH-Wahl 1989 war er Spitzenkandidat für den Wiener VSStÖ. Das Studium schloss er 1997 mit dem Magister-Teil ab. In seiner Diplomarbeit analysierte er die „innenpolitische Berichterstattung der österreichischen Tages- und Wochenzeitungen 1993“. Am Management-Zentrum St. Gallen absolvierte Kern anschließend eine postgraduale Ausbildung.

Christian Kern: Vom Journalismus über die Politik in die Wirtschaft

Beruflich Fuß fasste Kern 1989 zunächst im Wirtschaftsjournalismus, zunächst beim Wirtschaftspressedienst und bei Option – österreichisches Wirtschaftsmagazin. 1991 wurde er beruflich erstmals in der SPÖ vorstellig. Damals (während der Bundesregierung Vranitzky III) fungierte Kern als Pressesprecher des Staatssekretärs für öffentlichen Dienst im Bundeskanzleramt, Peter Kostelka. 1997 wechselte Kern zum Energiekonzern Verbund, bei welchem er in den darauffolgenden Jahren diverse weitere Managementfunktionen innerhalb des Verbund-Konzerns übernahm. Im Jahr 2007 wurde er Vorstandsmitglied der Verbund AG.

Berufliche Neuorientierung bei der ÖBB

Eine berufliche Neuorientierung erfolgte im Juni 2010. Kern wurde Vorstandsvorsitzender der ÖBB-Holding AG. Außerdem wurde er 2014 zum Vorsitzenden der Gemeinschaft der Europäischen Bahnen gewählt. Während dieser Zeit initiierte er auch die Ausstellung „Verdrängte Jahre“, die die Rolle der Bahn während der NS-Zeit kritisch beleuchtet. 2013 wurde ihm hierfür von der Israelischen Kultusgemeinde Wien die Marietta und Friedrich Torberg-Medaille verliehen.

Christian Kern
© imago images/photothek Christian Kern übernahm 2016 das Kanzleramt von Werner Faymann

Rückkehr zur Politik und Aufstieg zum Bundeskanzler

Doch Kerns Bahn-Karriere nahm ein jähes Ende. Nach dem Rücktritt seines Vorgängers Werner Faymann trat ein, was zuvor bereits medial gemunkelt wurde: Kern beerbte Faymann und wurde am 17. Mai 2016 im Amt des Bundeskanzlers der Republik Österreich angelobt. Noch ein Jahr zuvor beteuerte Kern öffentlich, für Spekulationen über seine politischen Ambitionen gebe es „absolut keinen Anlass“.

Kerns New Deal: Der Plan A

Nach der Übernahme des Bundeskanzleramts wurde Neu-Kanzler Kern bei einem außerordentlichen Parteitag mit 96,8 Prozent der Stimmen zum Parteivorsitzenden gewählt.

Sozialpolitisch stellte Kern – in Anlehnung an den ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt – einen New Deal für Österreich ins Zentrum seiner Arbeit. Mittels gezielter Investitionen sollte bis zum Jahr 2020 Vollbeschäftigung herrschen und die Reallöhne spürbar steigen. Weiterer zentraler Baustein der SPÖ während Kerns Zeit als Bundeskanzler war das als Plan A bezeichnete Grundsatzprogramm. Darin enthalten waren unter anderem die Forderung nach sicheren Arbeitsplätzen, die Ausbildung von 5.000 zusätzlichen Lehrer:innen und 2.500 Polizist:innen.

Neuwahlen durch Sebastian Kurz

Doch Kerns Zeit an der Spitze der Republik weilte nur kurz. Am 10. Mai 2017, nur ein Jahr nach Kerns Angelobung, erklärte der damalige ÖVP-Chef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner überraschend seinen Rücktritt. Dessen Nachfolger Sebastian Kurz ließ kurze Zeit später die Koalition platzen und es kam im Herbst 2017 zu Neuwahlen.

Wahlkampf und Nationalratswahl 2017

Neben klassischen sozialdemokratischen Themen, wie der Forderung nach einer Erbschaftssteuer, war der Wahlkampf durch mehrere Pannen des roten Wahlkampfteams geprägt – was schließlich noch vor der Wahl zum Rücktritt des roten Wahlkampfleiters führte. Gipfel dieses in Teilen missglückten Wahlkampfs war die sogenannte Silberstein-Affäre, die nur zwei Wochen vor dem Wahltermin durch Berichte der Tageszeitung Presse und dem Wochenmagazin Profil publik wurden. Der von der SPÖ engagierte Wahlkampfberater Tal Silberstein soll mit einem Team Facebook-Seiten betrieben haben, die die ÖVP und deren Spitzenkandidaten Kurz in ein schlechtes Licht rücken. Die ÖVP bezeichnete dies als „Dirty Campaigning“. Nur zwei Wochen vor der Nationalratswahl trat SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler zurück.

Aus roter Sicht ging die Sache glimpflich aus. Mit knapp 27 Prozent der Stimmen konnte sie im Vergleich zu 2013 sogar leicht hinzugewinnen und landete vor der FPÖ auf Platz 2. Die ÖVP ging mit 31,47 Prozent als Sieger hervor und bildete mit der FPÖ eine Koalition. Mit 18. Dezember 2017 endete offiziell Kerns Zeit als Österreichischer Bundeskanzler.

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Kern und Kurz

In Erinnerung bleibt auch Kerns Kritik am damaligen ÖVP-Spitzenkandidaten Sebastian Kurz. Dessen populistische Forderung, die Mittelmeerroute schließen zu wollen, sei ein „Vollholler“, behauptete Kern in einem Hintergrundgespräch mit Journalist:innen. Der Ausdruck wurde 2017 zum Wort des Jahres gekürt. „Vollholler“ bedeutet so viel wie großer oder völliger Unsinn.

Christian Kerns Rücktritt und Abschied aus der Politik

Kern nahm nach den Wahlen im Herbst 2017 als Klubobmann auf der Oppositionsbank Platz, konnte hier aber mit seiner Partei wenig Akzente setzen. Im Herbst 2018 kündigte Kern schließlich seinen Rücktritt von der SPÖ-Spitze an. Auf ihn folgte Pamela Rendi-Wagner als erste Frau als SPÖ-Vorsitzende.

Zurück in die Wirtschaft: Start-ups und grüne Technologien

Nach seinem Abstecher in die Politik ging es für den Ex-Kanzler zurück in gewohntes Terrain. Im Juli 2019 wurde er in den Aufsichtsrat der russischen Staatsbahn RŽD gewählt. Das Amt legte er am 24. Februar 2022, am Tag des russischen Einmarschs in die Ukraine, zurück. Derzeit leitet Kern mit seiner Ex-Frau Eveline Steinberger-Kern, Bernhard Raberger und Axel Mader die „Blue Minds Company“, ein Unternehmen, das in nachhaltige Technologien investiert. Außerdem ist er Aufsichtsrat und Berater mehrerer israelischer Start-ups und europäischer Bahntechnologie-Firmen und Präsident der Austrian Chinese Business Association.

Christian Kern: Rückkehr in die Politik mit eigener Liste?

Von einer "Liste der besten Köpfe" ist im Sommer 2022 immer wieder die Rede, die Christian Kern angeblich gründen möchte, um bei der nächsten Nationalratswahl anzutreten. Sogar mit Namen wie Reinhold Mitterlehner oder Eva Glawischnig wurde schon spekuliert, die auf besagter Liste zu finden sein könnten. In einem Interview mit der "Kronen Zeitung" verneinte Kern jedoch jegliche Vorhaben in diese Richtung und sagte: "Das Ganze ist wohl Ausdruck der Besorgnis über die enormen Probleme, vor denen wir stehen. [...] Allerdings kann ich Ihnen versichern, dass ich keine Partei gründen werde." sowie: "Es kann sich keiner vorstellen, dass jemand ein inhaltliches Anliegen hat und nichts werden will - was für mich ausdrücklich gilt. Weder in einer neuen Partei noch in der SPÖ." Die Spekulationen halten sich trotzdem, auch weil eine "Liste Kern" laut Umfragen gute Chancen hätte. Und immerhin wollte Kern auch schon als ÖBB-Chef niemals SPÖ-Chef werden. Dennoch sind es bis dato nicht mehr als bloße Spekulationen.

Christian Kern und Ex-Frau Eveline Steinberger-Kern
© imago images/SKATA Christian Kern mit seiner Ex-Frau Eveline Steinberger-Kern. Sie trennten sich nach 20 Jahren, leiten aber noch gemeinsam die "Blue Minds Company".

Christian Kern privat

Christian Kern wurde am 4. Jänner 1966 in Wien-Simmering geboren. Er wurde mit 22 Jahren das erste Mal Vater und zog seinen ersten Sohn einige Jahre lang allein auf. Insgesamt hat er drei Söhne aus seiner Ehe mit Karin Wessely, einer Scheidungsanwältin und eine Tochter aus seiner zweiten Ehe mit Eveline Steinberger-Kern, von der er sich 2022 nach 20 Jahren trennte. Kern ist bis heute glühender Anhänger des Fußballvereins Austria Wien, wo er auch im Vereins-Kuratorium sitzt – wie auch seine Parteikollegen Michael Häupl und Hans Niessl.