Pamela Rendi-Wagner: Von der Ärztin zur Spitzenpolitikerin

Ihre Karriere hat SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner eigentlich als Medizinerin begonnen. Warum die Mutter von zwei Kindern letztendlich in der Spitzenpolitik gelandet ist und wie sie abseits der politischen Bühne tickt.

von Pamela Rendi-Wagner © Bild: Elke Mayr

Steckbrief Pamela Rendi-Wagner

  • Name: Joy Pamela Rendi-Wagner
  • Geboren am: 7. Mai 1971 in Wien
  • Ausbildung:1996 Promotion an der Medizinischen Universität Wien; 2008 Habilitation an der Med-Uni Wien; 8. März - 18. Dezember 2017: Gesundheits- und Frauenministerin; seit 24. November 2018 Bundesparteivorsitzende der SPÖ
  • Beruf: SPÖ-Bundesparteivorsitzende und SPÖ-Klubobfrau im Nationalrat
  • Wohnhaft in: Wien
  • Familienstand: verheiratet mit dem Diplomaten Michael Rendi, zwei Töchter

Aufgewachsen im Wiener Gemeindebau

Joy Pamela Rendi-Wagner ist in der Per-Albin-Hansson Siedlung, einem Gemeindebau in Wien-Favoriten, aufgewachsen. Dort lebte sie mit ihrer alleinerziehenden Mutter, die meist Vollzeit als Kindergärtnerin und Sekretärin arbeitete. Rendi-Wagners Vater, Sozialpsychologe und Gastprofessor an der Universität Tartu (Estland), lebte nicht bei der Familie. Unterstützung gab es indes von den Großeltern. „Weil es sich zeitlich nicht anders ausging, war ich immer eines der ersten Kinder, die in den Kindergarten gebracht wurden, und oft auch das letzte Kind, das abgeholt wurde“, schreibt die SPÖ-Chefin auf ihrer Homepage (www.pamelarendiwagner.at).

Werte fürs Leben

Von ihrem Elternhaus habe sie vor allem die Werte Fleiß, Anstand und Ehrlichkeit mit auf den Lebensweg bekommen, wie sie gegenüber News.at mitteilt. „Mit meiner alleinerziehenden Mutter habe ich auch gelernt, früh Verantwortung für mich selbst zu übernehmen. Und trotz Widerständen nie aufzugeben, für das Richtige einzustehen“, sagt Rendi-Wagner.

Pamela Rendi-Wagner
© Elke Mayr Joy Pamela Rendi-Wagner

Schon zu Schulzeiten - sie besuchte wie auch Sebastian Kurz das Gymnasium „GRG 12 Erlgasse“ - war sie bereits zielstrebig und ehrgeizig. Nach der Matura absolvierte sie erfolgreich ein Medizinstudium an der Universität Wien. Das Leben als Studentin finanzierte sich Rendi-Wagner mit familiärer Unterstützung und verschiedenen Nebenjobs. Nach dem Studium zog es sie für ein postgraduate Master-Studium an die Universität von London, wo sie ein klinisches Diplom in Tropenmedizin erwarb.

Privates Glück mit Ehemann Michael Rendi

Pamela Rendi-Wagner und Michael Rendi, 2019
© IMAGO / Viennareport Pamela Rendi-Wagner mit Ehemann Michael Rendi

Noch vor ihrer Zeit als Politikerin kehrte sie zunächst aus London zurück und forschte an der Medizinischen Universität Wien im Bereich der Impfprävention und Tropenmedizin. Damals hatte sie bereits ihr privates Glück mit Michael Rendi gefunden. Der ehemalige österreichische Diplomat leitete von 2002 bis 2007 das Büro des Generalsekretärs im österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten. Ihr Mann und die beiden gemeinsamen Töchter sind abseits der Politik und des Berufs ihre größte Leidenschaft, wie Rendi-Wagner verrät.

2005 wurde ihre erste Tochter geboren. Noch im gleichen Jahr schloss sie ihre Facharztausbildung in Spezifische Prophylaxe und Tropenhygiene ab.

Pamela Rendi-Wagners Aufbruch nach Tel Aviv

Aufgrund des Berufes ihres Mannes zog es die gesamte Familie sogar ins Ausland. 2008 wurde Michael Rendi österreichischer Botschafter in Tel Aviv und seine Frau folgte ihm gemeinsam mit der damals zweijährigen Tochter nach Israel. Rendi-Wagner selbst arbeitete dort als Gastprofessorin an der „University of Tel Aviv“. In dieser Zeit kam auch die zweite Tochter (2010) zur Welt. 2011 kehrte die Familie zurück nach Wien.

Von der Ärztin zur Politikerin

Mit dem Ortswechsel begann für Rendi-Wagner auch der Berufswechsel, denn zurück in Wien übernahm sie die Leitung der Sektion für Öffentliche Gesundheit und Medizinische Angelegenheiten im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen.

„Mein Weg in die Politik war kein typischer, sondern stark geprägt von meinen Erfahrungen in der Medizin. Schon als Ärztin habe ich gesehen, dass gewisse Krankheiten in wohlhabenden Regionen weniger oft vorkommen, als in nicht wohlhabenden Gegenden“, sagt Rendi-Wagner. Dasselbe sehe man bei der Lebenserwartung – und das mitten in Österreich. In ihrer Funktion als Ärztin habe sie jedoch das Gefühl gehabt, zu wenig ausrichten zu können. „Nur eine gerechte Politik kann dafür sorgen, dass die Menschen die gleichen Chancen haben, gesund aufzuwachsen und ein gutes und selbstbestimmtes Leben zu führen“, erklärt sie ihren Berufswechsel.

Steiler Karrierebeginn in der Politik

Nach dem frühzeitigen Tod von Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser wechselte Rendi-Wagner endgültig in die Spitzenpolitik: Am 8. März 2017 trat sie das Amt der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen an.

Pamela Rendi-Wagner
© Elke Mayr Pamela Rendi-Wagner folgte 2018 Ex-SPÖ-Parteichef Christian Kern nach

Der Start in die Spitzenpolitik war jedoch kein einfacher: Durch die von Sebastian Kurz eilig einberufenen Neuwahlen, blieb ihr als Gesundheitsministerin nur kurz Zeit sich einzuleben, bevor sie das Amt am 18. Dezember 2017 wieder abgeben musste. Eindruck schien die frisch gebackene SPÖlerin dennoch hinterlassen zu haben: Ex-SPÖ-Parteichef Christian Kern baute sie heimlich zu seiner Nachfolgerin auf. Nach seinem Rücktritt und Abschied aus der Politik wurde Rendi-Wagner im Oktober 2018 zur Klubvorsitzenden der Sozialdemokratischen Parlamentsfraktion und einen Monat später auf dem Parteitag in Wels mit fast 98 Prozent der Delegiertenstimmen zur ersten weiblichen SPÖ-Chefin gekürt.

Beruflicher Werdegang
1996 Doktoratsstudium der Medizin an der Universität Wien
2003 – 2007 Assistenzärztin in der Abteilung für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Medizinische Universität Wien
2008 Habilitation für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin an der Medizinischen Universtität Wien
2008 – 2011 Gastdozentur am Department of Epidemiology and Preventive Medicine, School of Public Health, Tel Aviv University, Israel
2011 – 2017 Leiterin der Sektion für Öffentliche Gesundheit und Medizinische Angelegenheiten, Bundesministerium für Gesundheit und Frauen
08.03.2017 – 18.12.2017 Bundesministerin für Gesundheit und Frauen
seit 8.10.2018 Klubvorsitzende der Sozialdemokratischen Parlamentsfraktion - Klub der sozialdemokratischen Abgeordneten zum Nationalrat, Bundesrat und Europäischen Parlament
seit 24.11.2018 Bundesparteivorsitzende der SPÖ

Historische Wahlniederlage

Seitdem muss sie sich nicht nur als Parteichefin beweisen, sondern die SPÖ auch in der für sie ungewohnten Rolle als Oppositionspartei aus der Krise führen – keine leichte Aufgabe für die Quereinsteigerin. Bei der Nationalratswahl 2019 erlitt die SPÖ unter ihrem Vorsitz mit 21 Prozent und dem historisch schwächsten Ergebnis der SPÖ eine herbe Niederlage.

Die Kritik – auch an ihr – war enorm. So wurde ihr unter anderem ein zu großbürgerlich anmutendes Auftreten unterstellt und sie musste sich etwa dafür verteidigen, dass ihre beiden Töchter eine Privatschule besuchen. Sie habe keine andere Alternative gehabt, wie sie 2018 in einem Interview mit „derStandard.at“ schilderte: „Ich war ein paar Jahre in Israel und musste binnen drei Monaten einen Volksschulplatz für meine Tochter finden“, rechtfertigte sie die Entscheidung vor Wähler:innen und Kritiker:innnen.

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Innerparteilicher Gegenwind von Doskozil und Co.

Auch die innerparteilichen Gegenstimmen wuchsen mit der Wahlniederlage rasch an. Zu ihren ersten Skeptikern zählten Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig.

Doskozil stellte sich immer wieder gegen die Linie der Bundes-SPÖ. Regelmäßig lieferten sich Rendi-Wagner und der Landeshauptmann deshalb einen Schlagabtausch. So bezeichnete Rendi-Wagner Doskozil beim Puls4-Sommergespräch 2021 als „inkonsequent und unehrlich“, was Doskozil wiederum als „Kindergartenniveau“ abtat. Im November 2021 sprach sich Doskozil zudem - entgegen den Ansichten der Bundespartei - für eine Neuwahl aus. Wen er dafür als Spitzenkandidaten/Spitzenkandidatin der SPÖ sieht, ließ er offen. Ein harter Affront gegen Rendi-Wagner.

Unbestritten ist, dass auch abseits von Doskozils Angriffen das innerparteiliche Vertrauen in die SPÖ-Chefin gesunken ist. Im Juni 2021 erhielt sie bei ihrer Wiederwahl am SPÖ-Parteitag nur 75 Prozent der Stimmen. Dabei hat die Partei seit der Wahlniederlage 2019 zumindest laut Umfragewerten (die zwischen 23 und 27 Prozent liegen) wieder aufgeholt.

Pamela Rendi-Wagner und ihre politische Zukunftsvision

Trotz des teils stürmischen Gegenwinds kommt Aufgeben für die rote Spitzenpolitikern jedoch nicht in Frage. Aber wie sieht sie aus, die politische Vision der Chefin der Sozialdemokratie? Rendi-Wagner ist fest davon überzeugt, dass die Politik den Blick für das große Ganze haben muss. „Für mich ist klar: das Ziel muss ein sozial gefestigtes und wirtschaftliches starkes, ökologisches Österreich sein. Dafür müssen aber jetzt die richtigen Weichenstellungen getroffen werden“, fordert Rendi-Wagner, denn die großen Zukunftsthemen wie soziale Sicherheit oder die Energiewende würden sich nicht von alleine bewältigen lassen.

»Wir müssen die Kräfte der öffentlichen Hand und der Wirtschaft bündeln«

Dazu brauche es einen aktiven Staat als Unterstützer und Impulsgeber. Um diese großen Aufgaben zu lösen, sei eine neue Wirtschaftspolitik notwendig, die noch enger als bisher mit der Wirtschaft zusammenarbeite. „Wir müssen die Kräfte der öffentlichen Hand und der Wirtschaft bündeln, damit Österreich vorangebracht werden kann - sozial, wirtschaftlich und ökologisch“, lautet der Appell der SPÖ-Chefin.

Herausforderungen als Frau in der Spitzenpolitik

Auf Länder- und Gemeindeebene sind Frauen in der Politik in Österreich immer noch unterrepräsentiert. Für Rendi-Wagner ist der Fall klar: „Ich kann mit starren Rollenbildern nichts anfangen - in der Politik nicht, als Mutter nicht, als Mensch nicht. Aber was mich wirklich auf die Palme bringt, ist, dass es noch immer 20 Prozent Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen im 21. Jahrhundert gibt für die gleiche Arbeit“, sagt sie.

Schnell beantwortet:

• Ihre größte Leidenschaft ist …? Mein Mann und meine Kinder abseits der Politik und meines Berufs.

• Macht bedeutet für mich …? Handeln, machen, tun.

• Unbedingt erreichen möchte ich in meinem Leben noch …? Auf den Großglockner gehen und Bundeskanzlerin werden.

Pamela Rendi-Wagner: ein bodenständiger Familienmensch

Pamela Rendi-Wagner
© Elke Mayr Ihre Familie ist neben ihrem Beruf das Wichtigste für Pamela Rendi-Wagner

Auch wenn die Spitzenpolitikerin dauerhaft im Rampenlicht steht, ist sie abseits ihres Berufes bodenständig geblieben: So erden sie in stressigen Zeiten einfache Dinge, wie gemeinsam mit der Familie zu kochen und essen, oder einen Film zu schauen. „Die Familie ist das wichtigste. Für ihre Unterstützung bin ich jeden Tag dankbar“, sagt Rendi-Wagner. Die Geburt ihrer Kinder zählt für sie zu den prägendsten Ereignissen in ihrem Leben, denn danach sehe man vieles anders.

Zur Familie gehört neben Kindern und Mann auch Hündin „Button“. „Als wir unsere Button zum ersten Mal gesehen haben, wussten wir gleich, dass sie zu uns gehört“, erzählt die SPÖ-Chefin. Die gebürtige Wienerin bezeichnet sich selbst als Stadtmensch, „aber die jährliche Wanderwoche mit der Familie und unserem Hund in der Steiermark darf nicht fehlen“, fügt sie hinzu.

Alltag mit Corona

Der Alltag der letzten zwei Jahre war jedoch, wie bei allen anderen Menschen, auch bei Rendi-Wagner stark von der Corona-Pandemie geprägt. „Corona hat uns allen vor Augen geführt, dass nichts im Leben selbstverständlich ist, weder Gesundheit noch funktionierende Spitäler noch offene Geschäfte“, sagt sie dazu. Beruflich und politisch sei seit zwei Jahren das allermeiste von der Pandemie geprägt: von epidemiologisch notwendigen Maßnahmen zur Virus-Eindämmung bis hin zur Abschwächung der Folgen für Betriebe und den Arbeitsmarkt, aber auch für Schülerinnen und Schüler.

Privat seien Lockdowns und Homeschooling mit zwei Schulkindern für sie ebenfalls eine Herausforderung gewesen, aber „gemeinsam haben wir das als Familie ganz gut organisiert“, zeigt sie sich dankbar.

Zeit für Privates

Und wie viel wird im Haushalt einer Spitzenpolitikerin politisiert? „Natürlich wird bei uns gelegentlich diskutiert am Esstisch, aber ich schaue drauf, dass es nicht zu viel ist und dass ich Beruf und Familie auseinanderhalte“, sagt die SPÖlerin und erzählt weiters: „Wenn wir am Abend alle zuhause sind, soll es um Themen der Kinder gehen, um die nächste Schularbeit, den Geburtstag der Freundin, das Geschenk für die Oma.“

Sollte es ihre Töchter auch einmal in die Politik verschlagen, würde sie ihnen vor allem einen Ratschlag mit auf den Weg geben, nämlich ihren Überzeugungen immer treu zu bleiben und sich nicht beirren zu lassen.

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