Erneuerbare Energien: Von Biomasse über Solarenergie bis zur Windkraft

Ziel der EU ist es, bis 2050 klimaneutral zu werden, also keine Nettoemissionen mehr zu verursachen. Ein wichtiger Schritt dahin ist es, den Anteil an erneuerbaren Energien zu erhöhen. Wie gut Windkraft, Wasserkraft und Co. in Österreich bereits etabliert sind und was man selbst zur Energiewende beitragen kann.

von Erneuerbare Energien: Windkraft © Bild: Elke Mayr

Inhaltsverzeichnis

  1. Was sind erneuerbare Energien?
  2. Welche unterschiedlichen Arten von erneuerbaren Energien gibt es?
  3. Was sind ihre Vor- und Nachteile?
  4. Wie groß ist der Anteil an erneuerbaren Energien in Österreich?
  5. Wie viel kosten nachhaltige Energiequellen?
  6. Was steht im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz?
  7. Energiewende: Was kann man selbst dazu beitragen?


Was sind erneuerbare Energien?

Erneuerbare Energien stehen praktisch unbegrenzt zur Verfügung beziehungsweise sind in der Lage sich entsprechend schnell wieder zu regenerieren. Sie sind umweltfreundlich und tragen zur Reduktion von CO2-Emissionen bei.

Zu den erneuerbaren Energien zählen:

  • Solarenergie
  • Windkraft
  • Wasserkraft
  • Bioenergie (feste Biomasse wie Holz, Biogas, Biodiesel, biogener Abfall)
  • Geothermie (Erdwärme)
  • Meeresenergie (z.B.: Wellenkraftwerke)

Im Gegensatz dazu stehen nicht erneuerbare Energien wie fossile Energieträger (Brennstoffe wie Erdgas, Erdöl oder Kohle). Sie tragen zu einem Großteil der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen bei. CO2 ist das am meisten freigesetzte Treibhausgas in der EU.

Treibhausgasemissionen in der EU nach Schadstoffen, Grafik
© News.at QUELLE: Europäische Umweltagentur (Stand 2019)*

* Werte zu Treibhausgasemissionen exkl. Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft

Die EU hat sich mit dem EU-Klimagesetz dazu verpflichtet, bis 2050 die Klimaneutralität zu erreichen. Das Zwischenziel der Europäischen Union bis 2030 lautet: Der Ausstoß von Treibhausgasen soll gegenüber dem Niveau von 1990 um mindestens 55 Prozent gesenkt werden. Der Anteil an erneuerbaren Energien soll bis 2030 zudem auf 32 Prozent und die Energieeffizienz bis dahin um 32,5 Prozent erhöht werden.

Welche unterschiedlichen Arten von erneuerbaren Energien gibt es?

Solarenergie

Mit Hilfe von Sonnenenergie kann sowohl Strom (Photovoltaik) als auch Wärme (Solarthermie) erzeugt werden.

Die Photovoltaik erzeugt durch Solarzellen elektrische Energie. Der daraus gewonnene Strom kann im Haushalt beliebig genutzt, in Stromspeichern gespeichert oder auch in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Um den Stromverbrauch eines durchschnittlichen 4-Personen-Haushaltes mit selbst erzeugtem Strom zu decken (ca. 5.000 kWh), benötigt man je nach Anbringung, Lage und Art der Solaranlage eine Nennleistung von 5 bis 7 kWp (5.000 bis 7.000 Wp) (Anm.: Kilowatt-Peak oder kurz kWp ist ein Maß für die Leistung einer Photovoltaikanlage) . Den höchsten Ertrag bringt eine Anlage, die komplett nach Süden ausgerichtet ist, wobei der optimale Neigungswinkel des Daches bei 30 bis 35 Grad liegt.

Bei der Solarthermie-Anlage wird die Sonneneinstrahlung in Wärme umgewandelt. Sie kann bis zu 70 Prozent des Warmwasserbedarfes eines durchschnittlichen Haushaltes liefern. Die Solarthermie ist eine gute umweltfreundliche Ergänzung zu anderen Heizungsarten, kann allerdings keine vollwertige Heizung ersetzen. In Österreich sind etwa 5,2 Millionen Quadratmeter Solarfläche verbaut – das entspricht der Fläche von 1.000 Fußballfeldern.

Windkraft

Die Windkraft nutzt die Bewegung der Luft, um erneuerbare Energie zu erzeugen: Dabei nimmt ein Windrand dem Wind über die Rotorblätter sozusagen die Energie. Durch die Drehbewegung wird mit Hilfe eines Generators (ähnlich wie beim guten alten Fahrraddynamo) Strom erzeugt. Vom Generator wird der Strom anschließend in der Regel ins Stromnetz eingespeist. Je höher ein Windrad und je größer die Flügellänge umso effizienter ist die Anlage.

Moderne Windkraftanlagen mit fünf Megawatt Leistung erzeugen pro Jahr Strom für bis zu 4.000 Haushalte. Ein einziges Windrad kann eine ganze Gemeinde mit Strom versorgen. Mittlerweile gibt es sogar Windräder, die auch Sonnenenergie ausnutzen, indem auf den hohen Türmen Photovoltaik-Module angebracht werden – ein doppelter Nutzen sozusagen.

Ausführlichere Informationen finden Sie hier:
Was Windkraftanlagen zur Energiewende beitragen können

Wasserkraft

Wasserkraft ist in Österreich eine populäre Methode, um Ökostrom zu erzeugen: Dabei wird durch den Fluss des Wassers eine Turbine in Bewegung gesetzt, die wiederum einen Generator antreibt. Dieser erzeugt dann den Strom. Beim Wasserkraftwerk hängt der Energiegewinn davon ab, wie viel Wasser wie schnell bewegt wird. Aus diesem Grund verfügen die meisten Wasserkraftwerke auch über eine Stauanlage.

Es gibt unterschiedliche Arten von Wasserkraftwerken wie beispielsweise Kleinwasserkraftwerke (Speicher- oder Laufkraftwerke mit geringer Leistung), Speicherkraftwerke(decken die elektrische Grundlast ab und werden für den Spitzenlastbetrieb eingesetzt) oder Laufwasserkraftwerke (stark schwankende Wassermengen; zur Deckung der elektrischen Grundlast).

Ende 2021 waren laut Bericht des Klimaschutzministeriums in Österreich 3.107 Wasserkraftwerke mit einer installierten Gesamtleistung von rund 14,7 GW in Betrieb (davon 2.992 Laufkraftwerke und 115 Speicherkraftwerke).

Geothermie und Umgebungswärme

Diese Form der erneuerbaren Energie nutzt die in der Erde gespeicherte Wärme. Die Erdwärme geht teilweise auf die Entstehung der Erde (Restwärme) zurück, zu einem Großteil spielen jedoch radioaktive Zerfallsprozesse in den Gesteinen im Erdinneren eine Rolle. Sie sorgen für ständigen Wärmenachschub. In Mitteleuropa nimmt die Temperatur in der äußeren Erdkruste um rund 3 °C pro 100 Meter Tiefe zu. In bis 400 Meter Tiefe herrschen im Durchschnitt etwa 8°C bis 15°C. Die durchschnittliche Temperatur in 5.000 Metern Tiefe liegt bei 160°C.

Durch Geothermie können ganze Gebäude geheizt und gekühlt werden. Ein Großteil der Energie kommt bei dieser Methode aus dem Erdreich, der Rest wird in Form von Strom benötigt. Erdwärme kann außerdem zur Erzeugung von Strom oder in der Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden. Prinzipiell kann man zwischen der Tiefen Geothermie (Bohrungen tiefer als 400 Meter) und der Oberflächennahen Geothermie (nicht tiefer als 400 Meter) unterschieden werden. Letztere wird vor allem für die Heizung von Gebäuden mittels Wärmepumpe genutzt - zumeist kommen dafür Erdwärmekollektoren oder Erdwärmesonden zum Einsatz.

Erdwärme wird hauptsächlich durch Kollektoren oder Sonden nutzbar gemacht: Kollektoren bestehen aus einem horizontal und mäanderförmig im Boden (in ca. 1 bis 1,5 Metern Tiefe) verlegten, geschlossenen Rohrsystem, das aufgrund der Nähe zur Oberfläche stark von den Jahreszeiten abhängig ist und hauptsächlich für Wärmepumpenheizungen eingesetzt wird. Durch die Kunststoffrohre zirkuliert ein Wasser-Glykol-Gemisch, das als Wärmeträger fungiert. Regen und Sonne erwärmen das Erdreich, diese Wärme wird schließlich über den Wärmeträger entnommen und gelangt zur Wärmepumpe. Erdwärmekollektoren benötigen im Vergleich zu Sonden eine wesentlich größere Fläche.

Erdsonden werden in vertikal oder schräg verlaufende Bohrlöcher eingeführt und können dem Erdreich sodann Wärme entziehen.

Bei geschlossenen Sondensystemen (U-Sonden oder Doppel-U-Sonden) wird die geothermische Energie - ähnlich wie bei den Kollektoren - über ein Wärmeträgermedium (Sole aus Wasser und Frostschutzmittel wie Glykol/oder alternativ Wasser und CO2) und eine Wärmepumpe nach oben befördert. Beim offenen Sondensystem werden dem Erdreich bereits vorhande Fluide (Wasser/Dampf) über eine Sonde entzogen (Förderbohrung) und anschließend werden die abgekühlten Fluide mit einer anderen Sonde wieder ins Erdreich zurückgeführt (Injektionsbohrung). So wird dem Boden nichts auf Dauer entzogen und der Kreislauf kann wieder von vorne beginnen.

Geothermie: offenes System an Erdwärmesonden
© iStockphoto.com/Dmytro Bosnak Grafik-Beispiel für ein System mit offenen Sonden

Ausführlichere Informationen finden Sie hier:
Geothermie: Der Wärmeschatz aus der Tiefe

Umgebungswärme umfasst einerseits jene Wärme, die durch Speicherung der Sonnenenergie aus der Umwelt gewonnen werden kann (bodennahe Luftschichten, Oberflächengewässer) und andererseits die oberflächennahe Geothermie (bis 400 Meter Tiefe). Umgebungswärme wird beispielsweise durch Wärmepumpen genutzt.

Bioenergie

Wenn Biomasse beziehungsweise biogene Stoffe in elektrische Energie, Wärme oder Kraftstoff umgewandelt wird, spricht man von Bioenergie. Unter Biomasse versteht man biogene Stoffe, die Energie speichern können, wie Holz, biogene Abfälle, Biodiesel oder Biogas. Diese chemisch gespeicherte solare Strahlungsenergie wird durch Oxidation, häufig durch Verbrennung, wieder freigesetzt.

Im industriellen Maßstab wird Bioenegie in der Regel durch Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in Anlagen erzeugt. Beispiele hierfür sind: Biomasseheizkraftwerke, Biogasanlagen mit Blockheizkraftwerk und Biomassevergaser mit Blockheizkraftwerk. Biokraftstoffe wie Bio-Ethanol (aus Getreide) und Bio-Diesel (aus Raps) finden meist in Gasturbinen oder Verbrennungsmotoren Verwendung. Auch Fernwärme nutzt zum Teil Bioenergie aus Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, um ihren Kunden und Kundinnen eine umweltfreundliche Wärmeversorgung zu bieten.

Gewonnen werden biogene Stoffe unter anderem in der Landwirtschaft (Mais, Raps, etc.), in der Forstwirtschaft (Holz) oder aus organischen Abfallprodukten in der Industrie oder von Haushalten.

Meeresenergie

Bei der Meeresenergie werden Formen von kinetischer Energie (Bewegungsenergie), potenzieller Energie (Lageenergie) und eine Kombinationen aus beiden genutzt, um erneuerbare Energie zu erzeugen.

Folgende Methoden zur Gewinnung von Meeresenergie stehen zur Verfügung:

  • Gezeitenkraftwerk: Sie stehen meist in Buchten oder nutzen die durch Ebbe und Flut entstandene Meeresströmung. Die Strömung treibt Wasserturbinen an, die über einen Generator Strom erzeugen. Je größer der Tidenhub (Unterschied zwischen dem Wasserstand bei Ebbe und Flut) desto mehr Energie kann umgesetzt werden.
  • Meeresströmungskraftwerk: Hier wird aus der natürlichen Meeresströmung Strom erzeugt, wobei durch die Strömung eine Turbine angetrieben wird, die über einen Generator Strom erzeugt.
  • Meereswärmekraftwerk: Dieses Kraftwerk nutzt den Temperaturunterschied zwischen warmen Wasser an der Meeresoberfläche und kalten Wasserschichten in der Tiefe. Der Unterschied muss mehr als 20°C betragen, damit die Methode funktioniert. Das warme Wasser bringt ein bei niedrigen Temperaturen siedendes Arbeitsmedium (wie Ammoniak oder Propan) zum Verdampfen, der Dampf treibt eine Turbine an, die mittels Generator Strom erzeugt. Das Arbeitsmedium wird mit dem kalten aus der Tiefe gepumpten Meereswasser abgekühlt bis es kondensiert bzw. sich wieder verflüssigt und steht dann erneut zur Verdampfung zur Verfügung. Alternativ kann das Oberflächenwasser auch selbst im Vakuum und ohne weitere Temperaturzuführung verdampft werden.
  • Osmosekraftwerk: Es nutzt den unterschiedlichen Salzgehalt zwischen Süßwasser und Meerwasser zur Energiegewinnung - deshalb wird es auch Salzgradientenkraftwerk genannt. Bei der Osmose werden zwei Lösungen mit einem Unterschied in der Salzkonzentration über eine semipermeable (halbdurchlässige) Membran in Kontakt gebracht. Die Membran lässt nur das Wasser und nicht die gelösten Salze durch. Um einen Konzentrationsausgleich zu erreichen, strömt das Wasser mit der niedrigen Salzkonzentration in die Lösung mit der höheren Salzkonzentration. Auf einer Seite wird so ein Druck aufgebaut, der wiederum genutzt wird, um eine Turbine anzutreiben.
Osmose
© News.at Funktionsprinzip eines Osmosekraftwerks
  • Wellenenergie/Wellenkraftwerk: Hier wird die kontinuierliche Wellenbewegung genutzt, um Energie zu erzeugen. Das kann über unter anderem über die Bewegung von Auftriebs- oder Schwimmkörpern passieren oder über Luftströmungen in einer pneumatischen Kammer.

Was sind ihre Vor- und Nachteile?

Erneuerbare Energien sind grundsätzlich nachhaltige und umweltfreundliche Methoden der Energiegewinnung, dennoch haben sie nicht nur Vorteile:

Solarenergie: Vorteile Nachteile
saubere Energie (kein CO2-Ausstoß bei der Erzeugung) abhänig vom Wetter/Sonnenlicht
gut privat nutzbar: größere Unabhängigkeit von Energieanbietern Ausstoß von CO2-Emissionen bei Herstellung einer Photovoltaik- oder Solaranlage
Entlastung der Stromnetze teurer in der Anschaffung
Solarthermie gut kombinierbar mit anderen umweltfreundlichen Heizungsarten
staatliche Förderungen
lange Lebensdauer (bis zu rund 30 Jahre)
E-Autos können mit Solarstrom betankt werden

Windkraft: Vorteile Nachteile
saubere Energie (kein CO2-Ausstoß bei der Produktion) abhängig von Windverhältnissen, nicht konstant verfügbar
relativ lange Lebensdauer (rund 20 Jahre) keine verlustfreie Speicherung von Strom möglich
in Österreich gut verfügbar (trägt zur Unabhängigkeit von Importen bei) Tiere (z.B.: Vögel) können durch Rotoren in ihrem Lebensraum gestört werden
hohe Effizienz Mindestabstand zu Wohngebieten nötig
Errichtung von Kleinwindkraftanlagen möglich hohe Baukosten

Wasserkraft: Vorteile Nachteile
hoher Wirkungsgrad teure Baukosten
saubere Energie (kein CO2-Ausstoß bei der Produktion) relativ hoher baulicher Aufwand
in Österreich gut verfügbar (zwischen 55 und 67 Prozent des erzeugten Stroms werden durch Wasserkraft gedeckt) Stauung von Gewässern kann sich negativ auf Umwelt auswirken (Verschlammung, Zerstörung von Laichplätzen etc.)
ideale Partner für Windkraftanlagen
Errichtung eines privaten Wasserkraftwerkes möglich
E-Autos können mit Solarstrom betankt werden

Geothermie: Vorteile Nachteile
saubere Energie (geringerer CO2-Ausstoß als bei fossilen Energieträgern) teurer Bau von Geothermie-Kraftwerken/hohe Anschaffungskosten
wetterunabhängig behördliche Genehmigung für Tiefenbohrung nötig
stabile Versorgungslage ausreichend Fläche muss vorhanden sein
(staatliche) Förderungen
kühlen und heizen möglich
Unabhängigkeit von Rohstoffpreisen

Bioenergie: Vorteile Nachteile
das Verbrennen von Biomasse gilt als CO2-neutral niedriger Wirkungsrad (ineffiziente Herstellung)
Bioenergie kann in fester, flüssiger oder gasförmiger Form zur Verfügung stehen große Anbauflächen für Biomasse wie Holz, Raps oder Mais notwendig
wetterunabhängig und gut speicherbar verstärkte Nachfrage kann Rohstoffpreise erhöhen
kann Wärme und Strom erzeugen
kann Kraftstoffe ersetzen (Biodiesel)
Verwertung von biogenen Abfällen
(staatliche) Förderungen

Meeresenergie: Vorteile Nachteile
saubere Energie (kein CO2-Ausstoß bei der Produktion) stark standortgebunden/Nutzung nur am Meer möglich
in der Regel wetterunabhängig hohe Entwicklungs- und Baukosten
geringe Wahrscheinlichkeit von negativen Auswirkungen auf im Meer lebende Organismen neue Technologie, die noch weiterentwickelt werden muss
relativ konstante Energiegewinnung
gute Speichermöglichkeiten

Wie groß ist der Anteil an erneuerbaren Energien in Österreich?

Laut Daten des Klimaschutzministeriums (BMK) aus dem Bericht "Energie in Österreich" (2022) hat die Nutzung von erneuerbaren Energien in Österreich stark zugenommen. 85 Prozent der inländischen Primärenergieerzeugung setzen sich aus erneuerbaren Energien zusammen (Stand 2021). Zudem ist der Anteil an fossilen Energieträgern zur Energieerzeugung deutlich zurückgegangen. International gesehen liegt der Anteil Österreichs an der gesamten EU-Primärenergieerzeugung bei 2,2 Prozent, an der Erzeugung erneuerbarer Energien bei 4,5 Prozent.

Primärenergieerzeugung in Österreich (2019) nach Energieträgern
© News.at

Auch der Bruttoinlandsverbrauch an Energien verzeichnet Zuwächse auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Der Anteil an erneuerbarer Energie am Bruttoinlandsverbrauch ist laut BMK in Österreich fast doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt. Dennoch kann sich Österreich auf diesen Zahlen nicht ausruhen, denn laut Klimaschutz-Ziel soll dieser Anteil bis 2040 auf nahezu 100 Prozent steigen.

Vorreiter in Sachen erneuerbare Energien sind die Sektoren Bioenergie und Wasserkraft. Vor allem die österreichische Stromerzeugung wird von der Wasserkraft mit einem Anteil zwischen 55 und 67 Prozent (je nach Wasserangebot) dominiert. Der Beitrag der Windkraft zur Stromerzeugung ist zwischen 2005 und 2021 von rund 2 Prozent (2005) auf etwa 10 Prozent (2021) gestiegen. Bei der Fernwärmeerzeugung hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien (wie biogene Energien) in diesem Zeitraum fast verdreifacht.

Derzeit importiert Österreich aufgrund unzureichender heimischer Vorkommen einen Großteil der fossilen Energien.

Wie viel kosten nachhaltige Energiequellen?

Wie teuer erneuerbare Energien beziehungsweise die Verbraucherpreise sind, hängt unter anderem von den sogenannten Stromgestehungskosten ab, also jenem finanziellen Aufwand, um eine Energieform in elektrischen Strom umzuwandeln.

Laut einer Studie des deutschen Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) aus dem Jahr 2021 wird ersichtlich, dass die Stromerzeugungskosten für Windkraft- und Photovoltaikanlagen mittlerweile günstiger sind als jene für fossile Kraftwerke (Kohle, Erdgas). Auch Atomstrom wird in früheren Studien als wesentlich teurer eingeschätzt. Wasserkraft und Geothermie kommen in der Regel ebenfalls günstiger wie die US-amerikanische Behörde "Energy Information Administration" berichtete.

Was steht im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz?

Das im Juli 2021 beschlossene Erneuerbare-Ausbau-Gesetz (EAG) - welches das Ökostromgesetz abgelöst hat - stellt die Weichen für die energie- und klimapolitischen Ziele Österreichs: Die Stromversorgung soll bis 2030 auf 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energieträgern umgestellt werden, bis 2040 soll Österreich klimaneutral sein.

Dazu soll laut Gesetz unter anderem die Erzeugung von erneuerbarer Energie gefördert werden und zwar durch:

  • Marktprämien zur Förderung der Erzeugung von Strom aus Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik, fester Biomasse und Biogas
  • Investitionszuschüsse für die Errichtung und Erweiterung von Photovoltaikanlagen, Stromspeichern und Windkraftanlagen
  • die Möglichkeit der Gründung einer Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft oder Bürgerenergiegemeinschaft, die selbst Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugt, diese verbraucht, speichert oder verkauft

Ziele des EAG sind laut Gesetzestext:

  1. die Erzeugung von Strom und Gas aus erneuerbaren Quellen gemäß den Grundsätzen des Unionsrechts zu fördern;
  2. die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen anteils- und mengenmäßig entsprechend den Zielwerten zu erhöhen;
  3. die energieeffiziente, ressourcenschonende, marktkonforme und wettbewerbsfähige Erzeugung von Strom und Gas aus erneuerbaren Quellen sicherzustellen und die Mittel zur Förderung von Strom und Gas aus erneuerbaren Quellen effizient einzusetzen;
  4. die Marktintegration und die Systemverantwortung von erneuerbaren Energien zu steigern;
  5. die Investitionssicherheit für bestehende und zukünftige Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen zu gewährleisten;
  6. den Anteil von national produziertem erneuerbarem Gas am österreichischen Gasabsatz bis 2030 auf 5 TWh zu erhöhen;
  7. den Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern mit lokalen Behörden, kleinen und mittleren Unternehmen zu Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften zu ermöglichen und die gemeinsame Nutzung der in der Gemeinschaft produzierten Energie zu fördern;
  8. die Errichtung und Modernisierung der erforderlichen Infrastruktur durch integrierte Planung zu unterstützen;
  9. die Anwendung von erneuerbarem Wasserstoff als Schlüsselelement zur Sektorkopplung und –integration zu forcieren.

Außerdem soll der Gesamtstromverbrauch ab dem Jahr 2030 zu 100% national bilanziell aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden und zur Erreichung dieses Zielwertes soll ausgehend von der Produktion im Jahr 2020 die jährliche Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen bis zum Jahr 2030 um 27 TWh gesteigert werden. Davon sollen 11 TWh auf Photovoltaik (eine Million Dächer sollen mit Photovoltaik ausgestattet werden), 10 TWh auf Wind, 5 TWh auf Wasserkraft und 1 TWh auf Biomasse entfallen. Der Beitrag der Photovoltaik soll insbesondere durch das Ziel, eine Million Dächer mit Photovoltaik auszustatten, erreicht werden.

Energiewende: Was kann man selbst dazu beitragen?

Wer selbst etwas zur Energiewende beitragen möchte, kann das im Kleinen oder Großen tun. Wie man durch aktives Energiesparen und Energieeffizienz das Klima schützen kann:

  • Wechsel zu einem Ökostromanbieter. Das Österreichische Umweltzeichen kennzeichnet Anbieter, die zu 100 Prozent frei von Atomstrom oder Strom aus fossilen Quellen sind. Eine Liste der aktuellen Umweltzeichenträger findet man unter www.umweltzeichen.at.
  • Fahrradfahren statt Autofahren auf kurzen Strecken
  • Wenn möglich, auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.
  • Elektrische Haushaltsgeräte wie ein Kühl- oder Gefrierschrank können eine niedrigere Energieeffizienz haben, wenn sie zu alt sind - ein Austausch kann sich lohnen.
  • Programmierbare Thermostate können helfen Heizkosten zu sparen.

Weitere Tipps, wie man den "Umweltschweinehund" überwindet, lesen Sie hier:
Aktiv gegen den Klimawandel

  • Ein Haushalt in Österreich verbraucht laut Statistik Austria (Stand 2019/2020) im Jahr durchschnittlich rund 4.860 Kilowattstunden. Es ist wichtig einen Überblick über den eigenen Energieverbrauch zu haben, um effizient Energie sparen zu können. Der Energiespar-Check von E-Control kann dabei helfen.
  • Abschaltbare Steckdosen/Steckdosenleisten können Strom sparen.
  • Warmwasser zählt im Haushalt zu den größten Energieverbrauchsposten. Daher lohnt es sich hier zu sparen: Duschen verbraucht weniger Energie als Baden. Helfen können auch wassersparende Duschköpfe oder Durchflussbegrenzer.
  • Für Einfamilienhäuser zahlt sich in puncto Energiesparen eine gute Gebäudedämmung aus - Stichwort Energieausweis.
  • Erneuerbare Energiequellen wie Photovoltaikanlagen oder Balkonkraftwerke können zusätzlich zur Energieversorgung eines Haushaltes beitragen.