Peter Kaiser, ein untypischer "Landeskaiser"

Klassisch rot sozialisiert ist Landeshauptmann Peter Kaiser spätestens seit 2010 der Hoffnungsträger der Kärntner SPÖ. Der begnadete Marathonläufer verwandelte das einst tiefblaue Kärnten in den vergangenen Jahren in eine rote Hochburg.

von Peter Kaiser © Bild: imago images/Sammy Minkoff

Steckbrief Peter Kaiser

  • Name: Peter Kaiser
  • Geboren am: 4. Dezember 1958 in Klagenfurt
  • Wohnt in: Klagenfurt
  • Ausbildung: Studium der Soziologie und Pädagogik an der Uni Klagenfurt, 1993 Promotion zum Doktor der Philosophie
  • Partei: SPÖ
  • Position: seit März 2013 Kärntner Landeshauptmann, Landesparteivorsitzender der SPÖ in Kärnten und stellvertretender Parteivorsitzender der SPÖ
  • Familienstand: liiert mit Ulrike Wehr
  • Kinder: 1 Sohn aus erster Ehe
Peter Kaiser
© imago images/Rudolf Gigler

Früher Schicksalsschlag für Peter Kaiser

Der SPÖ-Politiker Peter Kaiser ist seit März 2013 Landeshauptmann von Kärnten. Seit 2010 ist er Landesparteiobmann der Kärntner SPÖ. Als solcher wurde er Mitte Juni 2022 mit 99,08 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Kaiser ist zudem stellvertretender Parteivorsitzender der Bundes-SPÖ.

Kaiser wurde 1958 in Klagenfurt geboren. Sein Vater, ein Polizist, verstarb an Krebs, als Peter Kaiser elf Jahre alt war. Seine Mutter schob Nachtschichten, um ihn und seinen Bruder mit ihrem Gehalt als Reinigungskraft alleine durchbringen.

Kaiser besuchte in Klagenfurt die Volksschule und später das Bundesrealgymnasium. Zum Unterricht kam er bis zur dritten Klasse Gymnasium zu Fuß, weil das Geld für den Bus fehlte. Von 1977 bis 1978 leistete er seinen Präsenzdienst ab, ab 1994 absolvierte er an der Universität Klagenfurt ein Studium der Soziologie und Pädagogik. 1988 schloss er dieses mit einer Arbeit über "Gesellschaftlich erforderliche Arbeit" als Magister der Philosophie ab. 1993 promovierte Kaiser an der Uni Klagenfurt mit einer Dissertation über "Universität und Religion".

Erster Kontakt mit der Landesregierung

Neben seinem Studium war Kaiser bereits als Vertragsbediensteter bei der Kärntner Landesregierung angestellt und dort für Buchhaltung und Kreditverwaltung in den Bereichen Hochbau und Straßenbau zuständig. 1987 wechselte er als Geschäftsführer zum Österreichischen Jugendherbergsverband "ÖJHV Kärnten", in dessen Vorstand er bereits 1981 gewählt wurde. 1997 wurde er zunächst Vize-, später dann Präsident der European Federation of Youth Hostel Associations (EUFED). Mit Beginn der 2000er – seine politische Karriere hatte hier längst Fahrt aufgenommen – übernahm Kaiser diverse Aufsichtsratsmandate, unter anderem bei der Landeskrankenanstalten-Betriebsgesellschaft KABEG oder der Kärntner Flughafen Betriebsgesellschaft. ÖJHV-Geschäftsführer blieb Kaiser bis 2008.

Klassisch rote Sozialisierung

Peter Kaisers politische Karriere kann als klassische SPÖ-Karriere beschrieben werden: von der Sozialistischen Jugend und der Jungen Generation, mit diversen Mandaten und Funktionärspositionen als Zwischenstationen, ins Spitzenfeld der Partei. Erstmals rote Luft durfte Kaiser bei der Kärntner Sozialistischen Jugend schnuppern, zu deren Landesvorsitzenden er 1981 gewählt wurde. 1985 wurde er stv. Verbandsvorsitzender der Sozialistischen Jugend Österreichs, 1989 Vorsitzender der Jungen Generation Kärnten und schließlich 1991 Vorsitzender der Sozialistischen Jungen Generation Kärnten.

Peter Kaiser
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Sein erstes politisches Mandat datiert auf das Jahr 1986 zurück. Damals zog er für die SPÖ in den Klagenfurter Gemeinderat ein. Drei Jahre später zog Kaiser als jüngster Abgeordneter in den Landtag ein. Zur selben Zeit wird Jörg Haider Landeshauptmann. 2008 wird Kaiser als Klubobmann Landesrat für Gesundheit, Krankenanstalten und Sport. Ab 2010 fungiert er als Landesparteivorsitzender und stv. Landeshauptmann. In dieser Funktion war er auch Gesundheits- und Krankenanstaltenreferent.

Peter Kaisers "Klinkenputz-Gewaltleistung"

Nach den Landtagswahlen vom 3. März 2013, welche die SPÖ mit 37 Prozent erstmals seit 1994 wieder für sich entschied (+ 8,4 Prozentpunkte), wurde Spitzenkandidat Kaiser am 2. April 2013 als Kärntner Landeshauptmann angelobt. Wirklich gerechnet hatte damit niemand, in und außerhalb der Partei galt Kaiser eher als untauglich für eine Spitzenkandidatur, zu farblos und distanziert, zu akademisch. Heute wird ihm nachgesagt, er habe es damals als einziger geschafft, Ruhe in die heillos zerstrittene Kärntner SPÖ zu bringen.

Im Wahlkampf besuchten er und seine Parteifunktionäre mehr 120.000 der 240.000 Kärntner Haushalte persönlich an der Haustür, eine "Klinkenputz-Gewaltleistung" nannte das das Wochenmagazin Profil damals. Und eine, die sich lohnte: Kaiser löste damit seinen FPÖ-Vorgänger Gerhard Dörfler ab und ging daraufhin eine Koalition mit der ÖVP und den Grünen ein. In seiner Antrittsrede sprach Kaiser auch erstmals einige Worte in der zweiten Landessprache Slowenisch.

Peter Kaiser
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Mit einem Stimmenzuwachs von knapp 11 Prozentpunkten wurde Kaiser bei den Landtagswahlen 2018 erneut im Amt bestätigt. Damit verfehlten er und seine Partei nur knapp die absolute Mehrheit. Spätestens von da an gilt das einst tiefblaue Kärnten als rote Hochburg. Die Kronen Zeitung ernannte ihn nach den Wahlen zum "Landeskaiser".

Rote Forderungen, rote Inhalte

Die ZEIT taufte Kaiser einst den "wohl untypischsten Landeshauptmann, den es in Kärnten je gab". Auch im (öffentlich ausgetragenen) Zwist zwischen Parteiobfrau Pamela Rendi-Wagner und dem burgenländischen Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil war es Kaiser, der intervenierte und zwischen den beiden vermittelte, um noch mehr Streitereien zu verhindern.

In Interviews betont Kaiser regelmäßig die Wichtigkeit des österreichischen Sozialstaats. Dabei fordert er, nicht nur menschliche Arbeit zu besteuern, sondern auch die Wertschöpfung durch Maschinen. Nur so habe der Sozialstaat laut Kaiser eine Zukunft. Unter anderem fordert der langjährige Landeshauptmann eine Grundsicherung für alle Menschen in Österreich von 1.200 Euro netto monatlich. Außerdem pocht er langfristig auf eine Absenkung der Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden und die Einführung einer Viertagewoche. Vermögen und Kapital will er stärker besteuern.

Am SPÖ-Landesparteitag im Juni 2022 betonte Kaiser bei seiner Rede, "Fortschritt" dürfe heute nicht mehr einfach "mehr" bedeuten, sondern "qualitatives Wachstum und Daseinsvorsorge". Er spielte damit auf die sich radikalisierende Klimakrise an, angesichts derer man laut Kaiser "mehr tun muss als jemals zuvor".

Peter Kaisers aufstrebender Nachwuchs

Peter Kaiser wurde am 4. Dezember 1958 in Klagenfurt geboren. Er hat mit Luca Kaiser einen Sohn, ist geschieden und lebt in einer Lebenspartnerschaft mit Ulrike Wehr. Sein Sohn Luca ist parlamentarischer Mitarbeiter der SPÖ und sollte als Spitzenkandidat der Kärntner SPÖ zur EU-Wahl 2019 kandidieren. Nachdem öffentlich wurde, dass Luca Kaiser den damaligen Innenminister Herbert Kickl in den Sozialen Medien als "scheiß Innenminister" und ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka als "größte Krätzn" bezeichnete, wurde er auf den aussichtslosen neunten Platz der EU-Wahlliste zurückgereiht.

Trotz naturgemäß vollem Terminkalender bestritt Kaiser bis 2013 laut eigenen Angaben insgesamt 23 Marathons und fünf Ironman (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer Laufen). Noch heute radelt oder joggt er nach eigenen Angaben jeden Tag eine Stunde.