SPÖ-Skandal von

Wer ist eigentlich Tal Silberstein?

Er stürzte die SPÖ kurz vor der Wahl ins Chaos - doch wer ist der Wahlkampf-Guru?

Tal Silberstein © Bild: APA/AFP/JACK GUEZ

Die Affäre rund um die Anti-Kurz-Facebookseiten von Tal Silberstein wird laut Meinungsforschern Christian Kern den Kanzlerposten kosten sowie der SPÖ Platz eins in der kommenden Nationalratswahl. Doch wer ist der ehemalige SPÖ-Berater Tal Silberstein, dessen Name derzeit in einem Atemzug mit „Dirty Campaigning“ genannt wird, eigentlich?

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Tatsächlich wird Silberstein seit Jahren ein Hang zum "Negative Campaigning" nachgesagt. Wie viel davon Legendenbildung ist, ist unklar. News hat bereits Anfang des Jahres mit jemandem gesprochen, der mit ihm zusammengearbeitet hat und große Stücke auf ihn hält. Dieser Gesprächspartner sagte damals, Attacken auf das Privatleben eines Gegners habe er nicht erlebt, "professionelle Beobachtung des Mitbewerbs" freilich schon. Silberstein sei keiner jener Gurus, die nur die Strategie erstellen und sich dann nicht mehr um die Umsetzung kümmern. Er sei "straff strukturiert" und ein Profi darin, Zielgruppen mithilfe von Marktforschung auszuloten und entsprechende Wahlkampfbotschaften zu entwickeln.

Disziplin groß geschrieben

Mitunter arbeite er auch an Fragebogen-Designs mit. Disziplin sei großgeschrieben: sowohl in Bezug auf die "Botschaftsdisziplin" im Wahlkampf als auch auf die tägliche Arbeit. "Viel mehr als vier Stunden Schlaf sind bei ihm sicher nicht drin." Wohnsitz habe Silberstein in Österreich keinen. Er lebe in Tel Aviv, sei verheiratet und habe mehrere Kinder. Seine Arbeitssprache ist Englisch.

Von Häupl geholt

Nach Österreich geholt hat ihn offenbar Michael Häupl für den Wien-Wahlkampf 2001. 2006 war Silberstein für Alfred Gusenbauer tätig, mit dem er befreundet sein soll. Mit Werner Faymann dürfte er wiederum überhaupt nicht zurechtgekommen sein. In dieser Zeit beriet er auch einmal die Neos.

Mitbegründer israelischer Friedensbewegung

Silberstein ist studierter Industrieingenieur. Seine Sporen verdiente er sich jedoch in den 1990er-Jahren als Mitbegründer der israelischen Friedensbewegung "Dor Shalom". Später arbeitete er in der Beratungsfirma GCS3 des legendären Kampagnen-Gurus Stanley Greenberg. Unter anderem beriet er auch Politiker in Rumänien. 2014 arbeitete er im ukrainischen Präsidentschaftswahlkampf für Julija Tymoschenko. Politikberatung schien zuletzt jedoch nur mehr ein Teil seiner Tätigkeit zu sein. Sein Bekannter wusste von einer Start-up-Firma in Amerika und einer Trading-App in Israel. In den vergangenen Jahren war Silberstein auch mit Gusenbauer geschäftlich verbandelt.

Am 14. August wurde Tal Silberstein in Israel festgenommen, aufgrund von Vorgängen in Guinea und Rumänien rund um fiktive Geschäfte und Geldwäsche, woraufhin sich die SPÖ umgehend von ihm trennte. Diese hatte er – offiziell - vor allem in Sachen Umfragen und Motivforschung beraten.