Verena Altenberger: Schauspielerin mit klaren Standpunkten

Sie spricht sieben Sprachen, gendert leidenschaftlich und bezeichnet sich dennoch selbst wiederholt als „Landei“. Das schließt sich für Verena Altenberger nicht aus. Die Schauspielerin, an der man derzeit im Film, Fernsehen und Theater nicht vorbei kommt, lässt immer wieder mit progressiven wie reflektierten Standpunkten aufhorchen.

von Verena Altenberger © Bild: IMAGO images/Sven Simon

Steckbrief Verena Altenberger

  • Name: Verena Altenberger
  • Geboren am: 11. November 1987 in Schwarzach im Pongau
  • Wohnt in: Wien
  • Ausbildung: Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien und
    2011 bis 2015 Schauspiel Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien
  • Beruf: Schauspielerin
  • Familienstand: ledig

Verena Altenberger spielt auch 2022 wieder die „Buhlschaft“ im „Jedermann“. bei den Salzburger Festspielen Die Verkörperung der ultimativen Weiblichkeit an der Seite von Lars Eidinger bedeutet für die Mimin auch in gewisser Weise eine Rückkehr zu ihren Wurzeln, denn Altenberger ist selbst Salzburgerin und in Dorfgastein, Hallein und Oberalm aufgewachsen.

Verena Altenberger: Schwierige Anfänge

Inzwischen residiert sie in deutschsprachigen Metropolen und feiert international Erfolge. Dennoch fühlt sie sich gelegentlich immer noch als „Landei“, das in der Hochkultur nichts zu suchen hat, wie sie News.at im Gespräch verriet. Vielleicht mag es an ihren Anfängen liegen, denn ein erster ambitionierter Versuch in Richtung Schauspielerei sei „grandios gescheitert“, wie sie sagt: Sie wurde am renommierten Reinhardt-Seminar abgelehnt. „Ich war aber auch richtig schlecht!“ sagt sie heute. So studierte Altenberger zunächst Publizistik, bevor sie an der Musik und Kunst Privatuniversität Schauspiel absolvierte.

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Kein Plan B

Wenn auch mit Umwegen schien der Weg ins Schauspielfach vorgezeichnet. Mit drei oder vier Jahren habe sie schon gewusst, dass sie Schauspielerin werden wollte, sagt sie. Einen Plan B gab es auch später nie. Und vielleicht seien es auch gerade die Umwege gewesen, die sie zu dem gemacht haben, was sie heute sei, meint sie. Was bedeutet dieser von Kindesbeinen an erträumte Beruf für sie? „Für mich ist Schauspiel eine Kombination aus viel Handwerk, Persönlichkeit, Mut und unberechenbarer Magie.“

Verena Altenbergers erste Engagements

Erstmals aufmerksam wurde das Publikum auf die Salzburgerin dann in der Spielzeit 2010/11 als Teil des Jungen Burg Ensembles am Wiener Burgtheater. Hier gab sie unter anderem die Titelrolle in „Alice im Wunderland“, Blanche Barrow in „Bonnie und Clyde“ und die Isolde in „Tricky Love – Tristan und Isolde“.

Verena Altenberger in "Magda macht das schon"
© imago images/Future Image Verena Altenberger in der RTL-Sitcom "Magda macht das schon"

Die ersten Rollen im TV

Einem breiteren Publikum wurde sie von 2013 bis 2018 als Prostituierte Chantal in der Serie „CopStories“ im ORF bekannt, den Durchbruch brachte dann die Titelrolle in der RTL-Sitcom „Magda macht das schon!“, in der Altenberger eine lebenslustige polnische Pflegerin mimte.

» Ich denke an "Die beste aller Welten" nicht wie an die meisten andere Filme.«

"Die beste aller Welten"

Ganz an die Spitze auch die der Kritiker:innen katapultierte sie schlussendlich 2017 der Film „Die beste aller Welten“. Er brachte ihr den Schauspielpreis der Diagonale und eine Auszeichnung als beste Schauspielerin beim Internationalen Filmfestival Moskau ein. Auch abgesehen von den Erfolgen hat dieses Werk bis heute einen besonderen Platz in ihren Leben und Herzen, wie sie erzählt: Ich denke an "Die beste aller Welten" nicht wie an die meisten andere Filme. Also als "schöne Erinnerung, interessante Arbeit, tolle Menschen", sondern noch viel persönlicher. Fast, wie an ein schönes Erlebnis mit meiner Familie. Nur ganz wenige Projekte haben diesen Stellenwert in meinem Leben. Hoffentlich kommen aber noch viele dazu.“

Was macht Verena Altenberger so besonders?

Inzwischen wurde Altenberger mit unzähligen Preisen wie etwa dem Nestroy Preis oder dem Österreichischen Filmpreis sowie dem Bayrischen Filmpreis ausgezeichnet. In der deutschsprachigen Filmbranche gibt es derzeit kein Vorbeikommen an Verena Altenberger. Was macht sie eigentlich so besonders? Dass sie den eigenen Instinkten vertraue, den eigenen Gedanken zuhöre, etwas wage - und springe, erklärt sich Altenberger ihren Erfolg.

»Wir leben in Zeiten, wo es sich nicht mehr ausgeht, unpolitisch zu sein.«

Soziales und gesellschaftspolitisches Engagement

Zuhören, etwas wagen, das sind mitnichten auch Eigenschaften, die abseits der Schauspielerei zum Einsatz kommen. So schreitet sie als Schauspielerin zwar nicht oft über rote Teppiche, exponiert sich aber abseits dieser teils ganz bewusst mit klaren Standpunkten, etwa in den sozialen Medien, wo sie sich leidenschaftlich für Schwächere einsetzt. Man müsse einfach viel mehr miteinander reden findet sie: „Wir leben in Zeiten, wo es sich nicht mehr ausgeht, unpolitisch zu sein.“ Und wenn man, wie sie, eine Bühne geboten bekommt, sollte man diese auch nutzen, zeigt sie sich überzeugt.

Verena Altenberger mit kurzen Haaren
© imago images/Manfred Siebinger Verena Altenberger hat ganz klare Standpunkte

Dass sie sich damit durchaus auch angreifbar macht, ist ihr klar und das nimmt sie auch in Kauf: „Kontroverse Diskussionen mit echten Menschen (auch im Internet redet man ja mit echten Menschen) habe ich noch nie gescheut.“

Verena Altenberger: Volle Frauensolidarität

Ein zentrales Thema in ihrem Leben sowohl im Beruf als auch in ihren Engagements ist Frauensolidarität. „Ich bin eine junge Frau, geprägt von einer Familie voller inspirierender Frauen und habe mir erarbeitet, das Leben leben zu dürfen, von dem ich schon als Kind geträumt habe“ sagt sie. So ist sie auch durchaus stolz auf ihre Interpretation der Buhlschaft. Sieht sie die Zeit gekommen für eine grundlegende Überarbeitung des Klassikers in Salzburg? Ist es Zeit für eine „Jederfrau“? „Die Zeit wäre längst da gewesen“, findet Altenberger und ist auch sicher, dass es irgendwann soweit sein wird, gibt sich aber gelassen: “Irgendwann wird eine große Schauspielerin diese Rolle neu erfinden und bis dahin erleben wir inspirierende Kollegen als Jedermann.“

»Mit Verena zu spielen ist wie guter Sex [Lars Eidinger]«

Verena Altenberger und Lars Eidinger

Wie etwa ihr Kollege Lars Eidinger, mit dem sie die Zusammenarbeit sehr schätzt. „Ich war sehr glücklich über die Besetzung von Lars, weil ich dachte, das ist ein Kollege, den ich mit allem herausfordern kann, was ich habe. Der als Spieler damit umgehen wird. Und der ein verlässlicher Kollege ist. Und ganz genau so ist es auch gekommen“, sagt sie über ihn. Und er über sie? „Mit Verena zu spielen ist wie guter Sex“.

Verena Altenberger und Lars Eidinger im "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen
© imago images/Rudolf Gigler Verena Altenberger und Lars Eidinger im Salzburger "Jedermann"

Verena Altenberger privat

Eine Aussage, die natürlich sofort Munition für Gerüchte liefert. Diese kommentiert Altenberger jedoch nicht. Die Frage „Wer ist an Ihrer Seite?“ beantwortet sie mit: „Meine Freundinnen und meine Familie.“ Dazu zählt auch ihre Schwester Judith Altenberger, die für die Schauspielerin die wichtigste Person in ihrem Leben ist.

Aber auch der Rest der Familie ist ihr Dreh- und Angelpunkt. „Meine Mutter war sehr naturverbunden und mein wichtigster Anker im Leben. Mein Vater ist mein größter Rückhalt. Sie haben mir mitgegeben, wenig Angst im Leben zu haben.“

Schauspielerei, Aktivismus und Engagements in verschiedenen Städten prägen also das Leben der Schauspielerin. Und was macht sie, wenn ein, zwei Tage Freizeit hat, als erstes? „Meine Freundinnen treffen - und Mittagsschläfchen machen.“