Außenministerium: Zuständig für europäische und internationale Angelegenheiten

Das österreichische Außenministerium verfügt weltweit über 101 Vertretungsbehörden. Damit befindet sich rund die Hälfte der 1.125 Mitarbeiter:innen des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten, wie es vollständig heißt, im Ausland.

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Außenministerium © Bild: Elke Mayr

Inhaltsverzeichnis:

Welche Aufgaben hat das Außenministerium?

Das Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) ist das Außenministerium der Republik Österreich. Laut dem Bundesministeriengesetz ist das BMEIA damit zuständig für "auswärtige Angelegenheiten, soweit sie nicht in die Zuständigkeit eines anderen Bundesministeriums fallen". Dazu gehören u.a. sämtliche Angelegenheiten des Völkerrechts, die Verhandlung von Staatsverträgen, die Vertretung Österreichs in ausländischen Staaten und in internationalen Organisationen, Angelegenheiten ausländischer Vertretungsbehörden, der Schutz österreichischer Staatsbürger:innen im Ausland, Angelegenheiten der Europäischen Union sowie der Entwicklungspolitik. Sitz des Außenministeriums ist der Minoritenplatz 8 im ersten Wiener Bezirk.

Außenministerium
© Elke Mayr Das österreichische Außenministerium am Minoritenplatz

So ist das Außenministerium aufgebaut

An der Spitze der Hierarchie im Außenminister steht Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP), dessen Kabinett und die Stabsstelle für Strategie und Planung. Zwischen ihm und der Verwaltung ist mit Peter Launsky-Tieffenthal seit 7. Jänner 2020 ein Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten zwischengeschaltet. Launsky-Tieffenthal war 2017 Sprecher der österreichischen Bundesregierung und ab 2019 Leiter des Bundespressedienstes im Bundeskanzleramt.

Die Verwaltung des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten ist in sieben Sektionen unterteilt: Völkerrechtsbüro und Amtssitz, Politische Angelegenheiten, Europa und Wirtschaft, Konsularische Angelegenheiten, Internationale Kulturangelegenheiten, Management sowie Entwicklung. Diese gliedern sich wiederum in diverse Abteilungen und Referate auf. Einen Überblick über die Organisationsstruktur finden Sie hier.

Weltweit verfügt das Österreichische Außenministerium über 101 Vertretungsbehörden (Botschaften, Ständige Vertretungen bei Internationalen Organisationen, Konsulate und Kulturforen). Von den 1.125 Mitarbeiter:innen sind rund die Hälfte in der Zentrale in Wien, die andere Hälfte in den Vertretungsbehörden im Ausland tätig. Mitarbeiter:innen, österreichische Vertretungen im Ausland, Behörden und Staatsverträge können auf der BMEIA-Homepage gesucht werden.

Für Berufseinsteiger:innen ist das Außenministerium außerdem eine gute Anlaufstelle für Praktika. Angeboten werden Kurz-, Auslands- und Verwaltungspraktika. Ein Praktikum dauert zwischen einem Monat und sechs Monaten und wird – je nach Dauer und Qualifikation – mit bis zu 2.907,20 Euro brutto entlohnt. Näheres zu einem Praktikum im BMEIA finden Sie hier

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© Elke Mayr Österreichs Außenministerium

So entstand das Bundesministerium

Diplomatische Beziehungen zwischen Staaten oder Reichen bestehen bereits seit der Antike. Ständige Vertretungen gibt es seit den italienischen Stadtstaaten im 15. Jahrhundert. In Österreich bzw. in der Habsburgermonarchie war es Kaiser Karl VI., der im Jahr 1720 für die Verwaltung der ausländischen Beziehungen ein eigenes Ministerium schuf und dieses einem Minister überantwortete. Nach dem Zerfall der k.u.k-Monarchie nach Ende des Ersten Weltkriegs wanderten die Agenden für außenpolitische Beziehungen ins Kanzleramt. Erst 1959 wurde ein eigenes Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten geschaffen. Mit 1. März 2007 – unter der Regierung von Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Außenministerin Ursula Plassnik (ÖVP) – wurde das Ministerium in Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten unbenannt. Damit sollte die enge politische und diplomatische Bindung Österreichs an Europa und die EU betont werden – und Europa folglich nicht als "Ausland" bezeichnet werden.

Alexander Schallenberg, der amtierende Außenminister

Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten ist seit 6. Dezember 2021 Alexander Schallenberg (ÖVP). Erstmals zum Außenminister ernannt wurde Schallenberg im Juni 2019. Nach einer Regierungskrise und dem Rücktritt seines Vorgängers Sebastian Kurz übernahm er am 11. Oktober 2021 das Amt des Bundeskanzlers der Republik Österreich – und kehrte nur zwei Monate später in seine ursprüngliche Position als Außenminister zurück. Im Zuge einer weiteren Regierungsrochade wechselte nämlich Innenminister Karl Nehammer vom Innenministerium ins Bundeskanzleramt.

Alexander Schallenberg
© Hannibal Hanschke-Pool/Getty Images Österreichs amtierender Außenminister Alexander Schallenberg

Alexander Georg Nicolas Schallenberg wurde am 20. Juni 1969 in Bern (Schweiz) geboren. Aufgewachsen ist Schallenberg in Indien, Spanien und Frankreich, den Botschafterstationen seines Vaters. Danach studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Wien und an der Université Paris II Panthéon-Assas. Anschließend absolvierte er ein Studium des Europäischen Rechts am Collège d’Europe in Brügge. 1997 folgte der Eintritt in den diplomatischen Dienst, zunächst im Außenministerium, dann als EU-Rechtsexperte in der Ständigen Vertretung Österreichs bei der Europäischen Union in Brüssel. Nach seiner Rückkehr nach Wien fungierte Schallenberg zunächst einige Jahre als Pressesprecher der damaligen Außenministerin Ursula Plassnik sowie ihres Nachfolgers Michael Spindelegger (beide ÖVP). Schallenbergs Fokus galt jedoch weiterhin dem diplomatischen Dienst. So übernahm er u.a. die Leitung der Stabstelle für strategische außenpolitische Planung und die Leitung der Sektion Europa. Ab März 2018 leitete er die EU-Koordinationssektion im Bundeskanzleramt.

Die österreichischen Außenminister:innen der Zweiten Republik

  • Karl Gruber (ÖVP) 26.09.1945 - 26.11.1953
  • Leopold Figl (ÖVP) 26.11.1953 - 10.06.1959
  • Julius Raab* (ÖVP) 10.06.1959 - 16.07.1959
  • Bruno Kreisky (SPÖ) 16.07.1959 - 19.04.1966
  • Lujo Tončić-Sorinj (ÖVP) 19.04.1966 - 19.01.1968
  • Kurt Waldheim (ÖVP) 19.01.1968 - 21.04.1970
  • Rudolf Kirchschläger (parteilos) 21.04.1970 - 23.06.1974
  • Erich Bielka-Karltreu (parteilos) 23.06.1974 - 30.09.1976
  • Willibald Pahr (parteilos) 01.10.1976 - 24.05.1983
  • Erwin Lanc (SPÖ) 24.05.1983 - 10.09.1984
  • Leopold Gratz (SPÖ) 10.09.1984 - 16.06.1986
  • Peter Jankowitsch (SPÖ) 16.06.1986 - 21.01.1987
  • Alois Mock (ÖVP) 21.01.1987 - 04.05.1995
  • Wolfgang Schüssel (ÖVP) 04.05.1995 - 04.02.2000
  • Benita M. Ferrero-Waldner (ÖVP) 04.02.2000 - 20.10.2004
  • Ursula Plassnik (ÖVP) 20.10.2004 - 2.12.2008
  • Michael Spindelegger (ÖVP) 2.12.2008 - 16.12.2013
  • Sebastian Kurz (ÖVP) 16.12.2013 - 18.12.2017
  • Karin Kneissl (parteilos) 18.12.2017 - 03.06.2019
  • Alexander Schallenberg (ÖVP) 03.06.2019 - 11.10.2021
  • Michael Linhart (ÖVP) 11.10.2021 - 06.12.2021
  • Alexander Schallenberg (ÖVP) seit 06.12.2021

Der Auslandsservice des BMEIA

Die Homepage des BMEIA kann vor allem im Ausland eine nützliche Adresse sein. Dort finden sich sämtliche österreichischen Vertretungen und beispielsweise auch deren Vertrauensanwält:innen und Vertrauensärzt:innen. Zudem können Sie sich hier bei Reisen vorab über Einreisebestimmungen, die jeweiligen COVID-Bestimmungen und etwaige Reisewarnungen informieren. Bei Fragen finden Sie hier ein entsprechendes Kontaktformular und eine Auflistung sämtlicher (auch im Ausland) relevanter Telefonnummern.