Martin Ho, der vieldiskutierte Szenegastronom aus Wien

Der Name Martin Ho ist aus der Wiener High Society schon längst nicht mehr wegzudenken. In den Klatschspalten taucht er immer wieder auf, seine Kontakte in das Umfeld von Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz sorgten mancherorts für Stirnrunzeln. Eine Faktensammlung.

von Martin Ho © Bild: imago images/SKATA

Inhaltsverzeichnis

Wer ist Martin Ho?

Martin Ho heißt mit bürgerlichem Namen Anh Tuan Ho. Er ist ein Wiener Gastronom mit vietnamesischen Wurzeln. Er betreibt zahlreiche Restaurants und verschiedene Clubs. Medien beschreiben ihn gerne als "Szenegastronom". Tatsächlich hat Ho viele einflussreiche Bekanntschaften. So ist er mit dem ehemaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz freundschaftlich verbunden. Er ist mit seiner Frau Ivana verheiratet. Gemeinsam mit ihr hat er zwei Kinder. Mitte Juni 2022 verkündeten die beiden jedoch ihre Trennung.

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Wie wurde Martin Ho zum "Szenegastronom"?

Laut eigener Aussage durch Ehrgeiz, Disziplin und der Bereitschaft zu harter Arbeit. Sein erstes Restaurant eröffnete der damals 19-jährige Ho im Jahr 2005, kurz nachdem er an der privaten Vienna Business School maturiert hatte. Sein Medizinstudium hatte Ho zuvor abgebrochen, er habe sich im akademischen Umfeld nicht wohlgefühlt, wird Ho später in Medieninterviews immer wieder betonen. Das Startkapital für das erste Restaurant kam jedenfalls von seinen Eltern. Diese waren Einzelhändler und hatten zeitweise ein Geschäft für Fahrräder und Kinderwägen in Wien.

Welches gastronomische Konzept verfolgt Martin Ho?

Vielleicht kann es am besten als "experimentelle japanisch inspirierte Fusion Cuisine" beschrieben werden. Hos erstes Restaurant, das DOTS Establishment, wie es heute genannt wird, ist jedenfalls ein Sushi-Restaurant. Gereicht werden vielfältige Mehrgänge-Menus, die von den am Tisch sitzenden Gästen untereinander geteilt werden sollen. Auf der Speisekarte wird darauf verwiesen, dass die Küche für die Zubereitung der Mahlzeiten durchaus Zeit braucht – wir haben es hier eher mit Slow Food als mit schnellen Mahlzeiten zu tun.

Das Konzept ist kommerziell erfolgreich. Ho betreibt inzwischen zahlreiche Restaurants, auch außerhalb Wiens. Allerdings ist er kulinarisch nicht exklusiv bei der japanischen Küche stehengeblieben. Seine Restaurants bedienen unterschiedliche Geschmäcker: Von der Cocktail-Bar über die Wiener Küche bis hin zu Vietnamesischen Speisen. Eine Expansion in andere Länder, auch nach Vietnam, ist angestrebt. "Coming Soon" steht zu diesem Thema auf der Firmenhomepage. Laut eigenen Angaben beschäftigt die "DOTS Gruppe" derzeit 250 Mitarbeiter:innen.

Betreibt Martin Ho ausschließlich Restaurants?

Als Wirtschaftsstrategie setzt Martin Ho auf Vielseitigkeit. Auch Nachtclubs gehören zu seinen Unternehmen. Seit 2005 ist der Eigentümer des Wiener Techno-Tempels "Pratersauna". Den Hip-Hop-Bereich will er mit dem Club "Vie i Pee" abdecken. Ganz exklusiv und nur in Kenntnis geheimer Passwörter zugänglich sein soll der "Club X", der allerdings bereits während der Eröffnungsfeier aufgrund fehlender Genehmigungen wieder geschlossen werden musste. In Kitzbühel betreibt Martin Ho das Lokal "Take Five".

So viele trendige Locations. Da kennt Martin Ho sicher wichtige Leute?

Die kennt er. Allerdings bereiten diese Freundschaften nicht nur Vergnügen. Das ist besonders bei Martin Hos engem Hawara Sebastian Kurz der Fall. Für Ho handelt es sich hier um eine völlig unpolitische Beziehung. Treffen sich die beiden, gehe es hauptsächlich darum, wie es der Familie und den Kindern gehe, wie er gegenüber "Heute" betonte. Und doch stand gerade diese Freundschaft während der Amtszeit von Sebastian Kurz als Bundeskanzler immer wieder im Zentrum von Kontroversen. Ganz so unpolitisch, wie behauptet, war die Freundschaft übrigens nicht. So benannte Sebastian Kurz Martin Ho während seiner Zeit als Außenminister zum "Integrationsbotschafter".

Ein Unternehmer, der mit einem Bundeskanzler befreundet ist: Wo ist das Problem?

Eine immer wieder geäußerte Fragestellung ist, ob Martin Hos DOTS Gruppe aus dem Bundeskanzleramt vorab mit Informationen über bevorstehende, die Gastro-Branche betreffende Entscheidungen versorgt wurde. So machte die DOTS Gruppe zu Pandemiebeginn ihre Lokale dicht und stellte auf kontaktlosen Lieferservice um, bevor der erste Covid-Lockdown durch die Regierung öffentlich verkündet wurde. Kritiker:innen sehen hier einen Beweis dafür, dass Martin Ho als Teil von Sebastian Kurz' engerem Zirkel Vorteile für sein Geschäftsmodell herausholen konnte. Ho selbst bestreitet das immer wieder, und begründet seine Entscheidung zur frühzeitigen Schließung mit unternehmerischem gesunden Menschenverstand.

Ein weiteres Beispiel: Im Mai 2020 fand in einem zur DOTS Gruppe gehörenden Lokal von Martin Ho eine Party statt, die damals aufgrund geltender Corona-Bestimmungen illegal war. Es kam zu einer Polizeirazzia, die Sache wurde zu einem öffentlichen Politikum. Das Magazin "ZackZack" veröffentlichte in der Folge Chatprotokolle, aus denen hervor gehen soll, dass Sebastian Kurz Martin Ho kurz darauf zu einer "Expertenrunde" einlud, um die Probleme der Nachtgastronomie während der Pandemie zu diskutieren. Laut einem Artikel des "Standard" vom 28. September 2021 wollte Martin Ho diese von ihm als "Verschwörungstheorien und Hirngespinste" bezeichneten Anschuldigungen nicht kommentieren.

Ein Skandal kommt selten allein. War Martin Ho sonst noch in den Negativschlagzeilen?

Ja. Im Juli 2021, die Nachtgastronomie war gerade wieder einige Tage aus dem Covid-Schlaf erwacht, berichteten verschiedene Medien über eine Beschwerde zweier junger Frauen. Türsteher hätten ihnen den Einlass zu Martin Hos "Vie i Pee" verweigert, mit dem Argument, diese seien zu dick. Das "Vie i Pee" konterte mit dem Argument von zu hoher Auslastung am fraglichen Abend.

Regelmäßig schlechte Publicity wurde Martin Ho durch das Onlinemagazin "ZackZack" beschert. Am 28. August 2021 veröffentlichte das Medium eine Reportage, für welche ein Reporter zu Martin Hos "Pratersauna" aufbricht, um dort Kokain zu kaufen – und zwar erfolgreich. Die Inspiration zu diesem Experiment kam unter anderem durch das so genannte "Ibiza-Video", im welchem die damaligen FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johannes Gudenus vor einer angeblichen russischen Oligarchennichte freimütig darüber plaudern, dass Martin Ho angeblich der "größte Drogendealer Wiens" sei. Martin Ho weist alle Anschuldigungen bis heute zurück und spricht auch im Interview mit "News" von einer "Hetzjagd gegen meine Person".

Bleibt bei all dem Stress überhaupt Zeit für ein Privatleben?

Tatsächlich betont Martin Ho immer wieder, wie wichtig ihm ein funktionierendes Familienleben sei. Gemeinsam mit seiner Frau Ivana hat er zwei Töchter. Gegenüber "News" bekundete Martin Ho seinen Stolz darüber, ohne Haushälterin oder Kindermädchen auszukommen. Seinen Kindern wolle er "ein stabiles Wertegerüst und den engen Zusammenhalt und die Geborgenheit der Familie" mitgeben.

Wer ist Ivana Ho, die Mutter der beiden Töchter von Martin Ho?

Ivana Ho kommt aus Wiens 19. Bezirk Döbling. Sie ist die Tochter eines Unternehmers und einer Balletttänzerin. Sie ist Geschäftsführerin von "Ivys Pho House", welches zur DOTS Gruppe gehört. Am 15. Juni 2022 wurde die Trennung von Ivana und Martin Ho öffentlich. Den Kindern wollen beide dennoch weiterhin einen sicheren familiären Hafen bieten. "Die gemeinsame Basis ist unerschütterlich und bleibt das Fundament unserer Familie", heißt es in einem gemeinsamen Statement auf Instagram.