Rainer Pariasek: Der kultige ORF-Sportmoderator

Rainer Pariasek ist seit über 25 Jahren das Aushängeschild der ORF-Sportredaktion und hat fast schon Kultstatus erreicht. Wie geht er mit Kritik um? Was sagt er zu seiner Zusammenarbeit mit Herbert Prohaska? Und wie gelingt ihm der Spagat zwischen erfolgreichem Moderator und engagiertem Familienvater?

von Rainer Pariasek © Bild: Elke Mayr

Steckbrief Rainer Pariasek

  • Name: Rainer Pariasek
  • Geboren: am 19. August 1964 in Wien
  • Wohnt in: Hollenburg bei Krems, NÖ
  • Ausbildung: Jus-Studium (nicht beendet)
  • Beruf: Sportmoderator beim ORF
  • Familienstand: verheiratet mit Eva Pariasek
  • Kinder: 3 Töchter

Egal ob Sommersport oder Wintersport - ein Großereignis ohne Rainer Pariasek ist seit über 20 Jahren undenkbar. Dennoch mussten die Olympischen Winterspiele in Peking ohne ihn über die Bühne gehen. Der Grund: Corona. Er sei "niedergeschlagen und traurig" gewesen, "weil die Vorfreude schon sehr groß war, denn natürlich ist Olympia für einen Sportjournalisten etwas Besonderes", meint der ORF-Moderator im Gespräch mit News.at. Doch es half nichts, nach einem positiven Testergebnis zwei Tage vor dem geplanten Flug nach China musste Rainer Pariasek die Bewerbe statt vor Ort vor dem TV-Bildschirm in Österreich miterleben.

»Wenn ich ehrlich bin, tut es schon weh«
Rainer Pariasek
© Elke Mayr Rainer Pariasek beim News.at-Fotoshooting in Mauer bei Wien

Als Sport-Enthusiast hat Rainer Pariasek die Olympischen Spiele natürlich trotzdem verfolgt. "Für die Skirennen bin ich schon extra in der Nacht aufgestanden", verrät er. "In der Früh und am Vormittag habe ich mir Sportarten angeschaut, bei denen ich, wenn ich vor Ort gewesen wäre, gar nicht die Zeit gehabt hätte, sie anzuschauen", meint Rainer Pariasek, der aus Recherchegründen auch immer wieder zu den deutschen Kollegen zappte. Dennoch überwiegt die Trauer, nicht vor Ort gewesen zu sein und die Erfolge der Österreicher bei Olympia hautnah miterlebt haben zu können. "Wenn ich ehrlich bin, tut es schon weh", resümiert ein sichtlich niedergeschlagener Rainer Pariasek.

Rainer Pariasek beim Slalom in Schladming
© imago images/Sammy Minkoff Rainer Pariasek hätte die Ski-Bewerbe gerne vor Ort moderiert.

Rainer Pariaseks Vorfreude auf Fußball-WM

Umso größer ist nun die Vorfreude auf das nächste sportliche Großereignis, die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Diese wird aufgrund der hohen Temperaturen im Wüstenstaat diesmal nicht im Sommer, sondern von 21. November bis 18. Dezember 2022, über die Bühne gehen. Ob der ORF mit einem WM-Studio live vor Ort sein wird, ist fraglich, nachdem das österreichische Nationalteam mit der Niederlage gegen Wales die Qualifikation endgültig verpasst hat. Dabei hätte sich Rainer Pariasek so darauf gefreut: "Eine der ersten großen Sachen, die ich im Fernsehen gemacht habe, war die Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich 1998. Ich habe immer gesagt, ich möchte noch einmal mit einer österreichischen Nationalmannschaft zu einer WM fahren, und es wäre natürlich super, wenn das diesmal klappen würde."

Rainer Pariasek
© Elke Mayr Rainer Pariasek ist voller Vorfreude auf die Fußball-WM in Katar.

Die Anfänge beim ORF-Sport

Seit 1996 arbeitet Rainer Pariasek in der ORF-Sportredaktion, er wechselte von Ö3 ins Fernsehen. Als "Frischgfangter" moderierte er zunächst nicht viele Sendungen, sondern arbeitete vor allem als Redakteur, erinnert er sich an seine Anfänge zurück. Längere Zeit war er Sendungsverantwortlicher für den ZiB-Kurzsport um 20 Uhr, er kommentierte zudem Fußballspiele und Skirennen.

So wurde Rainer Pariasek zur Nummer 1

Nach einiger Zeit hätte ihm jedoch der damalige ORF-Sportchef Elmar Oberhauser geraten, sich auf ein Metier zu spezialisieren, um nicht länger "einer von vielen" zu sein. "Elmar Oberhauser meinte, er würde mich in der Moderation sehen. Er riet mir, mich zu spezialisieren, denn dann könnte ich die Nummer 1 werden", erinnert sich Rainer Pariasek. Der Prozess, bis es tatsächlich so weit war, sei ein schleichender gewesen, meint der Moderator heute. Bei den Olympischen Winterspielen in Nagano 1998 moderierte Rainer Pariasek erstmals ein Olympiastudio sowie mehrere Skirennen aus dem Zielbereich. Wenige Monate später folgte die Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich, wo er live vor Ort aus dem WM-Studio berichtete. Um das Jahr 2000 herum sei er dann wohl tatsächlich zur Nummer 1 unter den ORF-Sportmoderatoren aufgestiegen.

»Elmar Oberhauser meinte, er würde mich in der Moderation sehen. Er riet mir, mich zu spezialisieren, denn dann könnte ich die Nummer 1 werden«
Rainer Pariasek
© Elke Mayr Rainer Pariasek erinnert sich: Ex-ORF-Sportchef Elmar Oberhauser wies ihm den Weg an die Spitze.

Beliebtes Objekt der Satiriker

Mit seinem wachsenden Erfolg wurde Rainer Pariasek jedoch auch zum Objekt von Satire. Angriffspunkte sind seine vermeintliche Eitelkeit sowie diverse Versprecher oder andere kleine Hoppalas. Auch sein Englisch wird immer wieder auf die Schaufel genommen. Während er selbst nicht auf Social Media aktiv ist, gibt es auf Twitter einen Satire-Account mit dem Namen "Der schöne Rainer", auf Facebook ist er als Wayne Pawiasek vertreten. Auch das Satire-Portal "Die Tagespresse" widmet dem ORF-Sportmoderator immer wieder Artikel.

»Damit muss man rechnen, wenn man so in der Öffentlichkeit steht«

Wie geht Rainer Pariasek damit um? "Ich habe kein Problem damit, man muss damit rechnen, wenn man so in der Öffentlichkeit steht", versichert er. Auch negatives Feedback von Fernsehkritikern nehme er "recht sportlich". Was Rainer Pariasek kurzfristig jedoch durchaus verärgern kann, ist, "wenn Sachen geschrieben werden, die einfach nicht stimmen". Generell gehöre Kritik an seiner Person wohl zum Job, immerhin müsse er in seiner Funktion als Präsentator ebenso Kritik an Sportlern oder Mannschaften üben.

Rainer Pariasek
© Elke Mayr Negative Kommentare nimmt Rainer Pariasek sportlich.

Am wichtigsten sei ohnehin das Feedback der Zuschauer und dies sei "zu 99 Prozent positiv", meint Rainer Pariasek. "Aber es gibt halt auch Leute, denen etwas nicht passt, die ihren Grant loswerden wollen, und das gehört einfach dazu", so der Sportjournalist. Ihm sei bewusst, dass er auch privat unter Beobachtung stehe. "Du bist immer irgendwie in der Auslage und musst damit rechnen, dass vielleicht jemand ein Foto macht oder ein Video, von dem, was du tust. Das ist eben so - man muss sich nur dementsprechend benehmen", sagt Rainer Pariasek mit einem Lächeln auf den Lippen.

Rainer Pariasek über Herbert Prohaska

Egal ob Bundesliga, Champions League, Europa League oder ÖFB-Länderspiele - seit über 20 Jahren moderiert Rainer Pariasek im ORF Fußballmatches. Oftmals an seiner Seite ist dabei der ehemalige Fußballprofi und Trainer Herbert Prohaska. Es sei für ihn "eine Ehre" gewesen, als ihm der österreichische Jahrhundertfußballer als Analytiker zur Seite gestellt wurde, meint Pariasek. "Er ist ein großartiger Mensch, ein super Typ, er hat mich immer unterstützt und mir geholfen", gerät der ORF-Moderator ins Schwärmen, als die Sprache auf Prohaska kommt. "Was ich so liebe an ihm, ist, dass er, wenn ich mal eine Frage stelle, die vielleicht nicht so gescheit war, in einer Art und Weise darauf antwortet, dass die Frage im Nachhinein gar nicht mehr so deppert war", scherzt Pariasek.

»Ui, jetzt rede ich irgendeinen Blödsinn«
Herbert Prohaska und Rainer Pariasek
© imago images/Hartenfelser Ein kongeniales Duo: Herbert Prohaska und Rainer Pariasek

Herbert Prohaska und Rainer Pariasek sind ein eingespieltes Team und seit vielen Jahren auch privat befreundet. Auf Sendung erkennt der Sportmoderator anhand Prohaskas Gesichtsausdruck sofort, wenn er einen Fehler gemacht hat: "Wenn ich einen Namen verwechsle oder eine Jahreszahl, dann merke ich ein kurzes Zucken an seinem Augenwinkel und weiß: 'Ui, jetzt rede ich irgendeinen Blödsinn.'"

Rainer Pariaseks Kindheit

Rainer Pariasek wurde am 19. August 1964 in Wien geboren. Er wuchs zusammen mit seinem elf Monate jüngeren Bruder Ralph, der heute als Osteopath arbeitet, im fünften Wiener Gemeindebezirk auf. Sein Vater war Bankbeamter, seine Mutter Dolmetscherin. Die Erziehung seiner Eltern bezeichnet er im Rückblick als "eher konservativ". "Ich würde sagen, dass ich auch christlich erzogen worden bin. Mein Bruder und ich waren Ministranten und später bei den Pfadfindern", erinnert sich der ORF-Präsentator. Es sei ein "klassisches Familienleben" mit klaren Regeln gewesen. Das tägliche gemeinsame Abendessen sowie am Sonntag zu Mittag zusammen bei Tisch zu sitzen, war im Hause Pariasek Pflicht.

»Mit 15, 16 war ich nicht mehr so brav, da habe ich das Gefühl gehabt, ich muss ein bisschen ausbrechen«
Rainer Pariasek
© Elke Mayr Rainer Pariasek erinnert sich mit einem Lächeln an seine Jugend zurück.

Er sei "eher streng erzogen" worden, meint Rainer Pariasek, "aber so mit 15, 16 war ich nicht mehr so brav, da habe ich das Gefühl gehabt, ich muss ein bisschen ausbrechen - mit Fortgehen und Freundinnen. Die Schulnoten sind dementsprechend schlechter geworden. Das war schon eine wilde Phase."

Journalismus statt Jus-Studium

Nach der Matura begann Rainer Pariasek, der ursprünglich den Plan verfolgte, Strafverteidiger zu werden, ein Jus-Studium an der Universität Wien. Dieses brach er jedoch aufgrund seiner Tätigkeit als Sportjournalist - zunächst bei der Austria Presse Agentur, dann bei der "Presse", später bei Ö3 und schließlich beim ORF - vorzeitig ab. Von Seiten der Eltern sei zunächst die besorgte Frage "Was wird jetzt aus dem Studium?" gestellt worden, doch als das erste Mal ein Artikel mit seinem Namen darunter erschien, seien sie "schon stolz" gewesen, erinnert sich Rainer Pariasek. Auch später, als er Radiosendungen moderierte und schließlich beim Fernsehen landete. "Vor allem meine Mutter, glaube ich, ist nach wie vor ein Fan mir", meint Pariasek lachend.

»Vor allem meine Mutter, glaube ich, ist nach wie vor ein Fan mir«
Rainer Pariasek
© Elke Mayr Beruflich gesehen sitzt Rainer Pariasek schon längst nicht mehr auf der Ersatzbank.

Rainer Pariasek privat: Hochzeit & Scheidung

Im Jahr 2001 heiratete Rainer Pariasek nach drei Jahren Beziehung seine erste Ehefrau Angela. Im Juli 2001 erblickte die gemeinsame Tochter Paula das Licht der Welt. Das Familienglück hielt jedoch nicht lange. Die Trennung bzw. Scheidung bezeichnet Rainer Pariasek noch heute als einschneidendste Erfahrung seines Lebens. "Da ist es mir nicht sehr gut gegangen damals", erinnert er sich. Seine Tochter war gerade erst ein Jahr alt und obwohl er versuchte, viel Zeit mit ihr zu verbringen, seien die Umstände "sehr schwierig" gewesen.

Rainer Pariasek mit seiner Tochter Paula
© imago images/SKATA Juni 2010: Rainer Pariasek mit seiner ältesten Tochter Paula bei der Premiere des Films "Hanni & Nanni"

Glücklich mit 2. Ehefrau Eva

Rainer Pariasek fand schließlich doch noch sein großes Glück. Obwohl er nach seiner Scheidung zunächst nicht noch einmal den "Bund fürs Leben" schließen wollte, durfte sich seine heutige Ehefrau Eva während einer New-York-Reise im Dezember 2008 über einen Heiratsantrag freuen, wie das "Seitenblicke Magazin" vor einigen Jahren berichtete. Die Hochzeit fand im Mai 2009 statt. Schon zuvor erblickten die gemeinsamen Töchter Emma (*2005) und Leni (*2007), die inzwischen Teenager sind, das Licht der Welt.

Rainer Pariasek mit seiner Ehefrau Eva
© imago images/SKATA August 2005: Rainer Pariasek mit seiner Ehefrau Eva beim NÖ Weinherbst in Baden

Seit über 18 Jahren lebt der gebürtige Wiener Rainer Pariasek mit seiner Familie in Hollenburg bei Krems. "Meine Frau ist von hier und es war relativ rasch klar, dass ich herziehe, denn es ist sehr schön hier und das Leben am Land hat viele Vorzüge", meint der ORF-Sportjournalist. Dass er von seinem Job am Küniglberg rund eine Stunde nach Hause braucht, sieht er nicht als Nachteil. Im Gegenteil, die Autofahrt helfe ihm, nach einem langem Arbeitstag abzuschalten und runterzukommen.

Rainer Pariasek über ...

... sein Lieblingsbuch
"Ich habe 5 oder 6 Bücher, die sich am Nachtkastl stapeln. Ich habe aber kein Buch, das mich durch mein ganzes Leben begleitet."

... seine Lieblingsserie(n)
"Ich bin eigentlich nicht so der Serienschauer. Meine Frau lacht immer über mich, denn wenn eine Serie hochgelobt wird, schaue ich mir oft die erste Folge an und dann lasse ich es wieder bleiben. Einen Film schaue ich mir eher an als Serien, weil das ist mir einfach zu mühsam."

... seine Lieblingsmusik
"Die ist sehr breit gefächert. Das kann gehen von Deutschrap bis zu eher ruhigerer, langsamerer Musik. Nur Hardrock kann ich nicht hören und Free Jazz. Das sind zwei Richtungen, mit denen werde ich nicht warm, aber sonst höre ich eigentlich alles quer durch den Gemüsegarten."

Rainer Pariasek über seine Töchter

Wie wirkt sich die Tätigkeit beim ORF auf das Familienleben aus? Als Sportjournalist ist Rainer Pariasek viel unterwegs, seine Töchter sieht er bestimmt seltener als ein Vater, der einem "normalen" Job nachgeht, meint er. Ein großes Manko sei, dass er fast jedes Wochenende arbeite. "Ich habe dafür oft unter der Woche frei und habe nach der Schule relativ viel mit ihnen unternehmen können. Das können andere, die erst am Abend nach Hause kommen, nicht", erinnert sich Rainer Pariasek an die Zeit, als seine Töchter noch jünger waren. Die gemeinsam verbrachte Zeit beschreibt er als "intensiv" und ergänzt: "Ich hoffe, dass ihnen nichts abgegangen ist".

»Meine Frau hat mir den Rücken freigehalten, war sehr viel da und hat vielleicht auch einiges kompensiert«

Würden das seine Töchter auch so sehen? "Also die würden wahrscheinlich, weil sie brav und gut erzogen sind, sagen, dass ich ein sehr guter Papa bin", meint Rainer Pariasek lachend. "Nein, ernsthaft, ich habe eine sehr gute Beziehung zu den Kindern und ich glaube nicht, dass sie darunter gelitten haben, dass ich weniger da war als andere. Ich muss natürlich auch sagen, dass mir meine Frau den Rücken freigehalten hat. Sie war sehr viel da und hat vielleicht auch einiges kompensiert", meint der Sportmoderator.

Rainer Pariasek
© Elke Mayr Nachdenklicher Blick: Rainer Pariasek beim News.at-Fotoshooting

Rainer Pariaseks Erfolgsgeheimnis

Was können sich junge Kolleg:innen von Rainer Pariasek abschauen, was ist sein Erfolgsgeheimnis? "Wichtig ist, dass man nicht in den Vordergrund stellen sollte, dass man aus dem Fernsehkastl lacht. Das Journalistische ist wichtiger", meint er, denn "irgendwann merken die Zuschauer, ob du dich wirklich auskennst oder nicht". Ein/e Sportjournalist:in müsse "immer top vorbereitet und hungrig" sein und "immer versuchen, am Ball zu bleiben, auch abseits vom Job": Er selbst lese etwa viele Fachzeitschriften und sehe sich auch privat Sportsendungen an. "Man sollte nicht unterschätzen, wie gut sich die Konsumenten auskennen. Wenn einer ein totaler Fußballfreak ist, kann er wahrscheinlich von allen Premier-League-Klubs in England 10, 12 oder 15 Spieler aufzählen - und er erwartet auch von dir, dass du so viel weißt und dich wirklich gut auskennst", meint Rainer Pariasek.