Porträt von

Wer ist Peter Pilz?

Porträt - Wer ist Peter Pilz? © Bild: APA/Georg Hochmuth

Peter Pilz, vom Aufdecker der Nation zum Journalisten seines eigenen Mediums.

THEMEN:
  • Name: Peter Pilz
  • Geboren am: 22. Jänner 1954 in Kapfenberg (Steiermark)
  • Partei: Liste Jetzt (von ihm gegründet, ehemals Liste Peter Pilz) - früher bei den Grünen
  • Funktion: Spitzenkandidat zur Nationalratswahl 2019 und bis 2019 Abgeordneter zum Nationalrat, Journalist und Betreiber von zack.zack
  • Ausbildung: Studium der Volkswirtschaft und Politikwissenschaft an der Universität Wien
  • Familienstand: verheiratet mit Gudrun Pilz

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Der Aufdecker der Nation

Das Image von Peter Pilz, von ihm selbst und zahlreichen publizistischen Unterstützern über Jahre aufgebaut, ist das des Aufdeckers. Vom Baukartell über Lucona bis zu den Eurofightern ließ er seit den späten 1980ern wenig aus, um der Aufklärung vermeintlicher Skandale nachzujagen. An die Öffentlichkeit brachte er tatsächlich immer wieder interessante Details, nur fehlten dann doch dort und da Beweise für die mit verschwörerischem Unterton vorgetragenen Verdachtsmomente.

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Von den sozialistischen Studenten vor die Tür gesetzt

Bei anderen Parteien gefürchtet ist er dennoch und das nicht nur, weil Unschuldsvermutung für ihn nicht höchste Priorität zu genießen scheint. Denn er schaffte als einer der wenigen Grünen Öffentlichkeit auch in den auflagestarken Boulevardmedien, und das obwohl er ursprünglich dem linken Flügel seiner Partei zugerechnet worden war. Bei den sozialistischen Studenten wurde er dereinst sogar vor die Türe gesetzt und gab daraufhin den Trotzkisten.

Pilz
© APA/Tesarek Peter Pilz 1996 (mit Christoph Chorherr)

Von den Grünen zur eigenen Liste

Diese Zeit hat Pilz, der aller Kritik wegen der niedrigen Mietkosten zum Trotz seit Jahrzehnten mit seiner Frau in einem Wiener Gemeindebau lebt, längst hinter sich gelassen. Vor einigen Jahren kam dem politischen Entdecker des heutigen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen die Idee, die Grünen, deren Chef er in den 1990er-Jahren kurzfristig war, zur linkspopulistischen Bewegung umzumodeln, Islam-Kritik inklusive. Des Pragmatikers Problem dabei: der Großteil der eigenen Partei wollte davon nichts hören. Pilz ließ nicht locker, machte der Parteispitze das Leben schwer und entschloss sich schließlich, nachdem ihm die Grünen nicht seinen bevorzugten Listenplatz zugewiesen hatten, es mit einer eigenen Liste bei der Nationalratswahl im vergangenen Jahr zu versuchen.

Pilz 1997
© APA/Pfarrhofer Pilz war ein Urgestein der Grünen bis er sich 2017 loslöste und seine eigene Liste gründete

Liste Pilz statt Grüne im Nationalrat

Die Übung gelang. Mit großem Einsatz zimmerte der als nicht gerade teamfähig geltende Pilz eine Truppe egostarker Persönlichkeiten und schaffte knapp aber doch den Einzug in den Nationalrat. Dass die Grünen auch durch seine Kandidatur nach über 30 Jahren aus dem Nationalrat flogen, dürfte dem Mitglied des ersten Parlamentsklubs der Partei nicht allzu großen Kummer bereitet haben.

Die Grapsch-Affäre

So süß der Erfolg am Wahlabend wohl geschmeckt hat, so sauer wurde das politische Leben des Peter Pilz wenige Wochen später, als Vorwürfe publik wurden, dass er Frauen gegen deren Willen nahe getreten sein soll. Unter Druck geraten verzichtete Pilz pathetisch auf sein Mandat, um es sich rasch anders zu überlegen. Als die Justiz die Ermittlungen in der Grapsch-Affäre einstellte, weil die vermeintlichen Vorfälle entweder verjährt waren oder sich die Betroffenen einem öffentlichen Verfahren nicht aussetzen wollten, feierte er einen Freispruch und wollte flott wieder in den Nationalrat eilen.

Pilz 2002 im Nationalrat
© APA/Jäger Peter Pilz: Seine Heimat ist der Nationalrat

Rückkehr in den Nationalrat

Die weitere Geschichte ist bekannt, keiner wollte weichen, bis Konsumentenschützer Peter Kolba den Hut drauf haute und sich die Frauensprecherin seiner Liste, Maria Stern, entschloss, dessen Mandat nicht anzunehmen. Sie wurde kurzerhand Parteichefin, Pilz profilierte sich im bewährten Stil als Wieder-Abgeordneter vor allem im Untersuchungsausschuss zum Bundesamt für Verfassungsschuss und Terrorismusbekämpfung.

Affäre im Rückblick

Zur Affäre selbst, für Pilz "ganz persönliche Erlebenisse", die "schon außerordentlich" waren, sagt er im News.at-Interview fast zwei Jahre danach, er würde es auch heute "wieder so machen", nämlich "möglichst respektvoll und sensibel damit umgehen und eine rechtsstaatliche Untersuchung unterstützen." Allerdings warnt er auch davor, "falsche Vorwürfe zu erheben", denn man müsse "einerseits aufpassen, dass die persönliche Integrität von Menschen nicht verletzt und zerstört wird", anderersiets aber auch "aufpassen, dass nicht alles doppelbödig ist."

Fast-Auflösung der Liste Jetzt

Die Abgeordneten-Karriere wurde aber wieder jäh beendet - Schuld war diesmal "Ibiza". Nach dem Auftauchen des inkriminierenden Videos, welches die türkis-blaue Koalition sprengte, war auch eine Neuwahl fix. So richtig etabliert hatte sich Pilz mit seiner Mannschaft im Nationalrat nicht. Noch dazu versagten ihm auch seine alten Freunde im Klub, die ehemaligen Grünen Wolfgang Zinggl und Bruno Rossmann die Freundschaft, insgesamt fünf von sieben Abgeordneten treten nun nicht mehr an.

»Mein Name wird, glaube ich, ein letztes Mal auf der Wahlliste stehen«

Der letzte politische Akt?

Auch wenn er bereits wieder Unterstützer gefunden hat, dürfte die Wahl 2019 der letzte politische Akt für Pilz sein. "Mein Name wird, glaube ich, ein letztes Mal auf der Wahlliste stehen", gab er bekannt. Laut Umfragen droht dem Langzeitabgeordneten ab 29. September aber die politische Pension.

Blick zurück

Dann war Peter Pilz über 30 Jahre - mit Unterbrechungen - im österreichischen Nationalrat vertreten. In dieser Zeit habe sich viel verändert, erzählte er im News.at-Interview. Früher wäre es undenkbar gewesen, "dass man versucht, sich mit möglichst vielen Details aus dem Privatleben fertig zu machen", sagte Pilz. Die größte Veränderung sei aber, dass heute "plötzlich wieder alles denkbar wird". Diese interessanten Zeiten würden zwar große Chancen bedeuten, "aber wir können auch in einem Maß verlieren, das wir uns alle nicht vorstellen können", teilte Pilz mit.

Peter Pilz, der Journalist

Liste JETZT-Spitzenkandidat und Langzeitmandatar Peter Pilz findet keinen Eingang mehr ins Hohe Haus. "Ich bin natürlich enttäuscht", sagte Pilz vor Journalisten nach der Nationalratswahl 2019. Man habe zuletzt zwar eine Aufholjagd gestartet, aber: "Wir haben letztlich etwas zu wenig Zeit gehabt".

Nun sei klar, dass kein Weg mehr ins Parlament führt, erklärte der Noch-Abgeordnete. Ob das Ergebnis auch das generelle Aus für die Liste JETZT bedeutet, wollte Pilz nicht beantworten. "Viele werden jetzt sagen, lass uns bei der Wien-Wahl antreten - aber das ist derzeit nicht meine Sorge", so Pilz. Und der Steirer kündigte an, nunmehr die Seiten zu wechseln und Journalist zu werden.

"Ich wechsle jetzt mal kurz die Seiten und werde ein Kollege von ihnen, ob ihnen das passt oder nicht", meinte Pilz zu den Medienvertretern. Künftig werde er sich um sein Online-Medium zack.zack kümmern. Erst einmal werde er einmal mit seiner Frau in den Süden, konkret Italien, fahren.

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