Wer ist Johanna Mikl-Leitner?

Ihre beruflichen Wurzeln liegen eigentlich nicht in der Politik. Trotzdem hat Johanna Mikl-Leitner eine beachtliche politische Karriere hingelegt und lenkt seit 2017 als Landeshauptfrau die Geschicke von Niederösterreich - und zählt als solche zu den mächtigsten ÖVP-Granden.

von Johanna Mikl-Leitner © Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER

Steckbrief Johanna Mikl-Leitner

  • Name: Johanna Mikl-Leitner
  • Geboren am: 9. Februar 1964 in Hollabrunn, Niederösterreich
  • Position: Landeshauptfrau von Niederösterreich
  • Ausbildung:Studium der Wirtschaftspädagogik an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU)
  • Partei: ÖVP
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
© Ricardo Herrgott/News Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner

Eine besondere Beziehung

Johanna Mikl-Leitner ist gebürtige Niederösterreicherin, aufgewachsen im Örtchen Großharras (Bezirk Mistelbach) gemeinsam mit drei Geschwistern, darunter auch ihre Zwillingsschwester Cornelia. Ihre Eltern, Rudolf und Johanna Leitner, gaben 2011 gegenüber ORF.at an, dass die Zwillinge sich äußerlich zwar sehr ähnlich sind, charakterlich aber immer schon unterschiedlich gewesen seien: Johanna, genannt Hanni, hätte den weicheren Charme gehabt und Cornelia den härteren.

Zu ihrer Zwillingsschwester hatte sie immer ein besonderes Verhältnis. Am 29. Juni 1992 fand eine Doppelhochzeit statt: Mikl-Leitner heiratete ihren Mann Andreas, gleichzeitig sagte ihre Zwillingsschwester ebenfalls "Ja".

Das Elternhaus von Mikl-Leitner war kein sehr politisch geprägtes, weshalb ihre Eltern sich früher nicht hätten ausmalen können, dass ihre Hanni einmal Spitzenpolitikerin wird. Zunächst schlug Mikl-Leitner auch eine andere Laufbahn ein: Nach ihrem Besuch des Realgymnasiums und der Handelsakademie in Laa an der Thaya studierte sie Wirtschaftspädagogik an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU). Danach war sie als Unternehmensberaterin tätig und unterrichtete bis 1989 bis 1990 an der Bundeshandelsakademie Laa an der Thaya. Später sammelte sie berufliche Erfahrungen als Trainee in der Industriellenvereinigung und war Stellvertreterin der Verlagsleitung Signum-Verlag.

Politische Erfolgsstory

Johanna Mikl-Leitner wurde im Alter von 34 Jahren zur NÖ-ÖVP-Landesgeschäftsführerin.
© APA/SCHNABL GERHARD 1998: Johanna Mikl-Leitner wurde im Alter von 34 Jahren zur NÖ-ÖVP-Landesgeschäftsführerin

1995 übertrug man ihr schließlich die Marketingleitung der Volkspartei Niederösterreich - der Anfang einer politischen Karriere. 1998 wurde sie Landesgeschäftsführerin der ÖVP Niederösterreich und ein Jahr später Abgeordnete zum Nationalrat.

Mikl-Leitner mit Jugendlichen bei der Streetparty 1998 der VP-Niederösterreich
© APA/Schnabl/HDS Mikl-Leitner mit Jugendlichen bei der Streetparty 1998 der VP-Niederösterreich

Von 2003 bis 2011 war sie als Landesrätin für Soziales, EU-Regionalpolitik, Arbeit und Familie Mitglied der Niederösterreichischen Landesregierung, bevor sie 2011 letztendlich zur Innenministerin aufstieg.

Ihre bisher größte Herausforderung

In ihre Zeit als Innenministerin fiel auch die große EU-Flüchtlingskrise von 2015. Für ihren Umgang mit der Krise erntete sie jede Menge Kritik: Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf ihr in Bezug auf das Asyl-Erstaufnahmezentrum Traiskirchen vor, dass Menschen dort unmenschlich behandelt worden seien. Auch die Österreichischen Kinderfreunde kritisierten die schlechten Zustände in dem Aufnahmezentrum, wie fehlende Schlafplätze und Lebensmittel und lasteten das der damaligen Innenministerin an. Von Seiten der Opposition wurden sogar Rufe nach einem Rücktritt laut.

© Ricardo Herrgott

Im Gespräch mit Ö3-"Frühstück bei mir" sagte sie 2015, dass das Jahr der Flüchtlingskrise "wohl das anstrengendste Jahr" in ihrer politischen Laufbahn gewesen sei. Jedes einzelne Schicksal gehe ihr "sehr zu Herzen", aber es sei ihre Aufgabe, "für Stabilität und Sicherheit in der dieser Republik zu sorgen", wie sie mitteilte.

2016 gab sie schließlich bekannt, das Amt als Innenministerin aufzugeben und wieder in ihre Heimat Niederösterreich zu wechseln. Dort übernahm sie den Posten als Landeshauptmann-Stellvertreterin, um als Nachfolgerin für den damaligen niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll aufgebaut zu werden. Am 19. April 2017 wurde Mikl-Leitner vom Niederösterreichischen Landtag zur ersten Landeshauptfrau von Niederösterreich gewählt und trat damit das Erbe von Erwin Pröll an. Wer ihm nachfolge, "muss in große Fußstapfen treten", sagte Mikl-Leitner nach ihrem Amtsantritt. Bei der Landtagswahl 2018 konnte die ÖVP mit Spitzenkandidatin Mikl-Leitner 49,6 Prozent der Stimmen für sich gewinnen - ein weiterer Erfolg für die versierte Politikerin.

Unliebsame Chats und eine "Kanzlermacherin"

In Bezug auf die ÖVP-Inseratenaffäre hoben sich Mikl-Leitners Aussagen nicht von denen der restlichen ÖVP-Granden ab: Sie begrüßte den Rücktritt von Sebastian Kurz als Kanzler, damit die Regierung weiterarbeiten kann. Setzte sich aber davor vehement für Kurz ein. Sie galt als seine Förderin und politische Ziehmutter. Erst nach der Angelobung von Alexander Schallenberg als Bundeskanzler machte sie in einer Stellungnahme per Video deutlich: "Klar ist, dass die Vorwürfe aufgeklärt werden müssen. Die Chats zeichnen ein Bild, das wir so nicht stehen lassen wollen und können."

Zum vollständigen Rückzug von Sebastian Kurz aus der Politik sagte sie: Es sei eine "höchstpersönliche", aber auch "richtige Entscheidung, um in der ÖVP wieder geordnete Verhältnisse herzustellen". Dem ehemaligen Bundeskanzler gebühre "großer Respekt für diesen wohlüberlegten Schritt".

Mit dem Abschied von Kurz und dem Rücktritt von Schallenberg als Kanzler wurde Mikl-Leitners Position als Chefin der mächtigsten Landespartei noch gestärkt. Bei der anschließenden Wahl des neuen Bundeskanzlers soll sie eine maßgebliche Rolle gespielt haben - als geheime "Kanzlermacherin". Offiziell zeigte sie sich mit Karl Nehammer als neuen Bundeskanzler sehr zufrieden: Nehammer sei eine "Persönlichkeit mit Format und Erfahrung" und sorge für Stabilität in der Regierung, teilte die Landeshauptfrau mit. "Und das ist in diesen herausfordernden Zeiten besonders wichtig", sagte sie.

Familiärer Zusammenhalt

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Ehemann Andreas Mikl am Sonntag, 26. Jänner 2020
© APA/NLK/REINBERGER Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Ehemann Andreas Mikl mit Hund Milou

Gemeinsam mit ihrer Familie lebt Johanna Mikl-Leitner in Klosterneuburg. Ihren Mann Andreas bezeichnete die politische Karrierefrau immer wieder als Manager der Familie. In stressigen Wahlkampfzeiten - und auch sonst - kann sich Mikl-Leitner ganz auf ihn verlassen: "Meine Familie ist meine Kraftquelle. Ich danke vor allem meinem Mann Andreas, der das Familien-Management übernommen hat. Anders würde es gar nicht funktionieren", sagte sie nach dem erfolgreichen Wahlkampf 2018 in einem Interview mit den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN).

Gemeinsame Urlaube mit ihrem Mann und den zwei Töchtern Larissa und Anna sind für sie ein wichtiger Ausgleich zum politischen Alltag. 2018 verbrachte die Familie die Semesterferien für einen Skiurlaub am Großglockner in Kals-Matrei. "Ich bin eine Skifahrerin aus Leidenschaft", teilte die sportliche Landeshauptfrau mit. Seit 2016 gehört auch ein Hund zur Familie: "Wir sind auf den Hund gekommen - und unsere Tochter ist überglücklich. Sie hat sie Milou getauft. Milou kommt aus dem Tierheim - über die großartige Initiative Animalhope Nitra", schrieb Mikl-Leitner anlässlich der Adoption auf Facebook.

Dass es sie einst in die Politik verschlagen hat, "habe ich aber noch nie bereut. Es macht mir eine Riesenfreude, mit Menschen in Kontakt zu sein und für das Land zu arbeiten", sagte die Landeshauptfrau.