Gerald Grosz, der rechte Ritter wider das Establishment

Er will Österreich wieder „grosz“ machen, kandidiert bei der Bundespräsidentenwahl 2022 und bespielt dafür zahlreiche soziale Medien. Wer ist Gerald Grosz, und wofür steht er?

von Gerald Grosz, Kandidat zur Bundespräsidentenwahl 2022 © Bild: imago images/Future Image

Steckbrief Gerald Grosz

  • Name: Gerald Grosz
  • Geboren: Am 15. Februar 1977 in Graz
  • Partei: früher FPÖ, dann BZÖ
  • Beruf: Kolumnist, Autor, Politiker und Kandidat für die Bundespräsidentenwahl 2022
  • Familienstand: verheiratet mit Thomas Grosz-Rauchenberger
  • Kinder: keine

Wer ist Gerald Grosz?

Gerald Grosz wurde am 15. Februar 1977 in Graz geboren. Im Jahr 1992 trat er der FPÖ unter deren damaligen Vorsitzenden Jörg Haider bei. Nach der Parteispaltung im Jahr 2005 engagierte er sich beim BZÖ. Sowohl für die FPÖ als auch für das BZÖ führte Grosz verschiedene Funktionen aus. So war er von 2013 bis 2015 BZÖ-Bundesobmann, von 2008 bis 2013 war er Abgeordneter des Nationalrats. Sein neuestes politisches Projekt ist die Kandidatur zum Amt des Bundespräsidenten.

Gerald Grosz 2013 im Nationalrat
© imago images/Eibner Gerald Grosz im Jahr 2013 als Abgeordneter des BZÖ im Nationalrat

Gerald Grosz und sein Wahlkampfmotto

Grosz' Wahlkampfmotto lautet: „Make Austria Grosz Again“. Es ist offensichtlich eine Anspielung auf Donald Trumps „Make America Great Again“-Slogan. Zur Finanzierung seines Wahlkampfs hat Gerald Grosz auch einen eigenen Webshop. Dort gibt es für 29.90 Euro rote Baseballcaps mit dem aufgedruckten Sager zu kaufen. Sie ähneln verdächtig jenen, die von Anhängern Donald Trumps auf dessen Wahlkampftouren getragen wurden. Sogar der Schriftzug ist gleich.

Webshop von Gerald Grosz
© Screenshot shop.geraldgrosz.com Gerald Grosz verkauft Kappen im Donald-Trump-Stil

Gerald Grosz und Donald Trump

Es ist nicht die einzige Verbindung zwischen Gerald Grosz und Donald Trump. Grosz pflegt unter anderem gute Verbindungen zu Jason Miller, einem ehemaligen Trump-Berater. Miller ist CEO der Social Media Plattform GETTR, über welche Grosz sich selbst regelmäßig in Szene setzt.

Konkurrenz von Gerald Grosz bei der Präsidentschaftswahl unter anderem sind:
Bundespräsident Alexander Van der Bellen
Bierpartei-Obmann Marco Pogo
FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz

Sein Image, seine Inhalte

Tatsächlich pflegt Gerald Grosz dieses Image. Er präsentiert sich als Saubermann, der die korrupten Eliten hinwegfegen möchte. Grosz ist Autor verschiedener Bücher, die dieses Sujet bedienen. Im Wahlkampf will er „keinen Cent“ von Parteien annehmen. Als Bundespräsident will er sofort die Bundesregierung entlassen. Über seine Social Media Kanäle skandalisiert er die Preissteigerungen bei Strom und Gas und macht vor allem die EU-Sanktionen gegen Russland dafür verantwortlich. Ansonsten beackert er Themengebiete, die ihn für rechte Milieus interessant machen. Klimaschützer:innen sind für ihn „Klimahetzer“, die „Panikmache“ betreiben. Die Maskenpflicht in den Wiener Öffis lehnt er ab. Gegen die Impfpflicht zog er ebenfalls ins Feld und spricht regelmäßig von einer „Coronahysterie“, ein Sprachgebrauch, der ihn in die Nähe der Corona-Leugnerszene bringt. Ob Gerald Grosz aber tatsächlich ein „Mann des Volkes“ ist, liegt im Auge des Betrachters. Immerhin ist er Mitglied eines Ritterordens.

Mitglied elitärem St. Georgs-Orden

Eher passt es zum Grundwiderspruch vieler Rechtspopulist:innen. Sie präsentieren sich als Kämpfer:innen wider das Establishment, als Außenseiter:innen im Kampf für die Gerechtigkeit. Doch in Wirklichkeit handelt es sich oft um sehr arrivierte Persönlichkeiten mir sehr guten gesellschaftlichen Verbindungen. Gerald Grosz ist da keine Ausnahme. Er ist Mitglied des St. Georgs-Orden, dessen Protegé das Adelshaus Habsburg-Lothringen ist. Das Amt des Großmeisters des St. Georgs-Ordens hat derzeit Karl Habsburg-Lothringen inne.

„Der Orden ist elitär“, heißt es auf dessen Homepage, also eigentlich das Gegenteil von volksnah. Mitgliedschaft erfolgt nur auf Einladung. Zu den Ordensbrüdern von Georg Grosz zählen zahlreiche Mitglieder der von ihm so arg geschmähten Parteienlandschaft. Mit dabei sind zum Beispiel der ehemalige niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), oder auch der ehemalige NATO-Generalsekretär George Robertson. Der britische Sozialdemokrat war außerdem einst Verteidigungsminister seines Landes. Karl Schlögel, ehemals österreichischer Innenminister (SPÖ) ist ebenso Teil des Ordens, wie auch Josef Pühringer, Landeshauptmann Oberösterreichs, (ÖVP). Daneben wird der Orden von zahlreichen FPÖ-Granden bevölkert, allen voran Norbert Hofer (FPÖ).

Die Ziele der Ritter der Tafelrunde rund um Gerald Grosz

Es geht um Ritterlichkeit und eine ritterliche Lebensauffassung, die Verbreitung christlicher und konservativer Werte sowie die Unterstützung des „multinationalen altösterreichischen Staatsgedankens“, womit wohl die Monarchie gemeint ist. Im Orden gilt klare Geschlechtertrennung. Männer machen Politik, die Frauen sind für das emotionale zuständig. Oder, wie es auf der Ordens-Homepage heißt: „Die Damen des St. Georgs-Orden unterstützen die Ritter bei der Erfüllung der in den Ordensprinzipien festgehaltenen karitativen Aufgaben“. So steht es in der Selbstdarstellung des Ordens. Dabei unterstehen sie wiederum einem Mann, nämlich dem Großmeister Karl von Habsburg.

Gerald Grosz privat

Am 13. Mai 2013 ging Gerald Grosz eine eingetragene Partnerschaft mit seinem Lebensgefährten Thomas ein. Grosz ist damit der erste Politiker des „dritten Lagers“, der sich offen zu seiner Homosexualität bekannt hat.

Gerald Grosz und sein Mann Thomas
© Ian Ehm Gerald Grosz mit seinem Mann Thomas

Vereinbareit mit politischen Auffassungen

Wie geht das mit den sonstigen politischen Auffassungen von Gerald Grosz zusammen? Laut seinen eigenen Aussagen geht das hervorragend, auch wenn Gerald Grosz das Thema weitgehend aus der Öffentlichkeit heraushalten möchte. In einem NEWS-Interview kurz nach seiner Verpartnerung sagte Grosz aber auch, dass ein Outing als Homosexueller in der FPÖ unter Haider einfacher möglich gewesen sei als unter Strache. Grosz wörtlich: „Denn Haiders FPÖ war gesellschaftspolitisch viel offener. Beim Herrn Strache will ja nicht einmal der rechte Rand der katholischen Kirche anstreifen.“ Der österreichischen Familienpolitik, die „von klassischen Vater-Mutter-Kind-Konstellationen“ ausgehe, bescheinigte Gerald Grosz im selben Interview, hinter der Realität „weit hinterher“ zu hinken.

»Kinder, nein, das würde nicht in unsere Lebensplanung passen.«

Familienplanung

Auf die Frage: „Wollen Sie nun auch eine Familie gründen?“ antwortete Grosz: „Der Thomas und ich, wir sind uns selbst unsere kleine Familie. Überall wo Liebe ist, ist Familie. Aber Kinder, nein, das würde nicht in unsere Lebensplanung passen.“

Netzwerke

Zurück zur Politik. Da sind Netzwerke wie der St. Georgs Orden sicher nützlich? Zumindest ist Wolfgang Dvorak-Stocker, der Verleger der Bücher von Gerald Grosz, auch ein Ritter des St. Georgs-Ordens. Als Grosz im Juli 2021 sein neues Buch in Graz vorstellte, prankte an beider Herren Revers stolz das Kreuz des St. Georgs-Ordens. Grosz publiziert übrigens im Stocker-Verlag, beziehungsweise dessen Tochterunternehmen, dem Ares-Verlag. Es handelt sich hier um eines der führenden rechtsextremen Verlagshäuser im deutschsprachigen Raum. Zahlreiche Protagonist:innen der so genannten „neuen Rechten“ werden hier veröffentlicht, darunter auch der französische rechtsextreme Vordenker Alain de Benoist. Grosz ist einer der Erfolgsautoren des Verlags. Seine Bücher liegen in den österreichischen Sachbuch-Bestsellerlisten ganz weit vorne.

Gerald Grosz: Selbstvermarktung und Verbindung zu Fellner

Woher kommt der Bekanntheitsgrad von Gerald Grosz? Einerseits ist es sicher ein Talent für Selbstvermarktung über verschiedenste soziale Medien. Aber Grosz wird auch medial gefördert, vor allem durch Wolfgang Fellners Fernsehsender Ö24. Dort tritt Grosz regelmäßig als Talkshowgast auf, zum Beispiel in Streitgesprächen mit Sebastian Bohrn Mena. Für die guten Einschaltquoten bedankte sich Gerald Grosz am 5. Juli auf Twitter bei seinen Fans: „Für Eure Unterstützung im Rahmen der nahenden Bundespräsidentenwahl. Für Euer Interesse an meinen TV-Auftritten“.