Heinrich Staudinger: Eigentümer von GEA/Waldviertler - und Bundespräsident-Kandidat 2022

Vom Uni-Abbrecher zum erfolgreichen Geschäftsmann: Heinrich "Heini" Staudinger ist als Mann mit vielseitigen Projekten und Aspekten bekannt. Als Möbelhersteller, Eigentümer und Chef von GEA und den Waldviertler Werkstätten, sowie „brennstoff“-Herausgeber und Unterstützer diverser Sozial- und Hilfsprojekte mischt er die Unternehmerszene auf. Als neuesten Streich strebt der Freigeist derzeit die Bundespräsidentschaft an. Ein Porträt.

von Heinrich Staudinger, GEA-Gründer und Kandidat zur Präsidentenwahl 2022 © Bild: GEA

Steckbrief Heinrich Staudinger

  • Name: Heinrich Staudinger
  • Geboren am: 5. April 1953 in Vöcklabruck
  • Beruf: Geschäftsführer und Eigentümer von GEA / Waldviertler Werkstätten
  • Familienstand und Kinder: unbekannt

Kindheit

Heinrich „Heini“ Staudinger wächst in Schwanenstadt in Oberösterreich als Ältester von fünf Geschwistern auf. Er besucht die örtliche Volksschule, anschließend geht es ins katholische Internat Petrinum in Linz, wo Staudinger stark vom “68er-Geist“ geprägt wird, wie er selbst formuliert. Damit gemeint ist ein antiautoritärer Erziehungsstil, der ihn zum Hinterfragen von Verteilungsgerechtigkeit und sozialistischen Konzepten anregt.

»Das Leben selbst ist das Wichtigste und das Leben ist heilig«

Staudingers prägende Erfahrung

Ein Jahr nach der Matura kauft sich Staudinger ein Motorrad und reist damit erst mal nach Tansania, Afrika. Die Reise ist für ihn eine lehrreiche, prägende Erfahrung. „Auf dieser Reise habe ich gelernt, dass es im Leben nichts Wichtigeres gibt als das Leben. Nicht das Geld, nicht das Auto, nicht Haus oder Kinder, - das Leben selbst ist das Wichtigste und das Leben ist heilig“, wie er in einem Interview mit "kulturvision aktuell" erklärte.

Heinrich Staudingers unkonventioneller Karriereweg

In vorgegebenen Bahnen hat sich der Freigeist Staudinger nie wohlgefühlt. Sowohl sein Soziologie- als auch das Theologie- und später auch sein Medizinstudium bricht er ab. Die Professoren habe er als „Handlanger der Pharmaindustrie“ empfunden.

Nach Afrika setzt Staudinger sein Vertrauen in die GEA-Fabrik, ein Schuhgeschäft, mit dem er in Österreich als Unternehmer Fuß fasst. 2016 erscheint der Kinofilm „Das Leben ist keine Generalprobe“, der sich dem unkonventionellen Karriereweg des Geschäftsmannes widmet.

GEA: Waldviertler Schuhe und mehr

Staudinger blieb nicht „nur“ bei Lederschuhen. Über die Jahre kamen Matratzen, Möbel, eine hauseigene Zeitschrift, die GEA-Akademie, ein Seminarzentrum und die GEA Formel Z, angelehnt an die Formel 1, hinzu. „Ich sage immer „Mischwälder sind gesünder als Monokulturen“ und so praktizieren wir wirtschaftliche Vielfalt mit Überzeugung und Leidenschaft.“ Sein Unternehmen betreibt gemeinsam mit Partnerunternehmen rund 50 GEA-Geschäfte in Österreich, Deutschland und der Schweiz und beschäftigt rund 300 Mitarbeiter:nnen.

Bundespräsidentenwahl 2022

Bei der Bundespräsidentenwahl 2016 unterstützte Staudinger noch Alexander Van der Bellen, weil dieser „seine Stimme der Natur und den Armen gibt“. Diesmal tritt er gegen ihn an. Der 69-jährige "Schuhrebell" will nun als Kandidat 2022 die Themen Armut und Natur selbst in den Mittelpunkt seines Wahlkampfes rücken und als "Gewissen der Politik eine laute Stimme" sein.

»Wir brauchen die Wirte, die Metzger, die Bäcker (..) Wir sind nicht nur vom Öl und Gas abhängig.«

Zudem sollen die Rahmenbedingungen für Unternehmer und Unternehmerinnen verbessert werden. „In den letzten Jahrzehnten ist das Kleinunternehmertum nahezu ausgerottet worden. Früher hat es im Dorf praktisch alles gegeben, Wirte, Schneider, Greißler. Das ist alles kaputt. Wir brauchen die Wirte, die Metzger, die Bäcker (..) Wir sind nicht nur vom Öl und Gas abhängig.“

Gerald Grosz, Dominik Wlazny, Walter Rosenkranz, Tassilo Wallentin, Michael Brunner und Heinrich Staudinger (rechts) bei einer Diskussionsrunde der Herausforderer des aktuellen Bundespraesidenten
© IMAGO images/SEPA.Media Die Herausforderer bei der Bundespräsidentenwahl 2022: Gerald Grosz, Dominik Wlazny, Walter Rosenkranz, Tassilo Wallentin, Michael Brunner und Heinrich Staudinger

Staudinger und die Politik

Staudinger tritt ohne starken politischen Hintergrund an. Besonders macht ihn die Melange aus teilweise linken Themen und das gleichzeitige Teilen der Meinung rechter Kandidaten in der Coronafrage. Seine Ansichten dazu dürften durch Staudingers Rolle als Unternehmer stark beeinflusst sein. Im Zuge der Debatte um die Corona-Impfpflicht gehörte er zu jenen Prominenten, die die Regierung aufforderten, die Diskriminierung Ungeimpfter zu beenden.

Heinrich Staudinger in der "ZiB2"

Am 16. September war Staudinger zu Gast in der "ZiB2" des ORF und wurde von Moderator Martin Thür zu seinen Beweggründen zum Antritt sowie seine Konkurrenz zu Alexander Van der Bellen, den er früher unterstützte, befragt. Staudinger ließ durchblicken, dass er mit seiner Kandidatur vor allem Menschen zeigen möchte, dass man sehr wohl etwas tun könne und sich politisch engagieren, wenn man möchte. Der amtierende Amtsinhaber Van der Bellen habe sich seiner Meinung nach zu wenig für das Thema Ökologie eingesetzt. Und die Neutralität erachtet Staudinger als wertvolles Gut. Zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine meinte er, beide Parteien würden einen Schritt zurück machen müssen, um wieder Frieden herzustellen.

Staudinger vs. Finanzmarktaufsicht 2012

Mit dem Kreditfall Staudinger erhielt ebendieser 2012 internationale Aufmerksamkeit. Weil er von seiner Hausbank keinen Kredit bekam, lieh er mit einer Art Crowdfunding Geld von Freunden und Kunden. Daraufhin wurde von der österreichischen Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA ein Verwaltungsstrafverfahren gegen ihn eröffnet, da er durch die Aufnahme von Krediten sozusagen unerlaubt das Geschäft einer Bank betrieb.

Auf einer Demonstration vor dem Wiener Parlament am 7. Dezember 2012 bekräftigte Heini Staudinger seinen Entschluss, die von der FMA geforderte erste Strafe von 2000 Euro nicht zu zahlen und sich notfalls sogar einsperren zu lassen. Am 17. Jänner 2014 wird bekannt, dass auch eine letzte Gerichtsentscheidung gegen den Unternehmer ausging. Im Juni 2015 wurde der Exekutor zu Staudinger geschickt. "Die Strafe haben wir gut verkraftet. Ich glaube, dass die Republik mit diesen Spielchen das Wichtigste verliert: das Vertrauen der Bürger", sagte er dazu 2016 zur APA.

„Die „Waldviertler“ haben mit ihren Aktionen einiges bewirkt. Ihr Einsatz für die Legalisierung des eigenen Finanzierungsmodells hat sowohl in der Bevölkerung, als auch in der Politik ein Bewusstsein für die Problematik geschaffen. Dank des inzwischen neu verabschiedeten Crowdfunding-Gesetzes ist es heute einfacher, Geld von Privatpersonen zu leihen.

Soziales Engagement

Dem afrikanischen Kontinent bleibt Staudinger bis heute verbunden, unter anderem durch die Initiative „Heinrich Staudinger für Afrika“. Er engagiert sich in der Flüchtlingshilfe und in der Unterstützung von Sozial- und Hilfsprojekten im Inland. 2021 rief er beispielsweise eine Spendenaktion mit Schuhen zu Flohmarktpreisen für Bedürftige im Inland und in Flüchtlingslagern ins Leben. Gut 15.000 Paar Waldviertler-Schuhe gingen seither laut Staudinger mit einer Gesamthöhe von über 800.000 Euro an österreichische und internationale Sozialeinrichtungen.

»1. Scheiß di ned au! 2. Bitte, sei ned so deppat!«

Staudingers Grundsätze

Staudinger vertritt klare Grundsätze, nach denen er sein unternehmerisches Handeln richtet: “1. Scheiß di ned au! 2. Bitte, sei ned so deppat! (…) Nichts im Leben hindert uns mehr als die Angst. Dass es aber genug Situationen im Leben gibt, in denen Mut allein nicht genügt. Und drum ist unser zweiter Grundsatz auch sehr wichtig, nämlich nicht deppat zu sein, sondern klug.“

Vorhaben in Schrems

Staudingers Grundsätze treiben seine Vorhaben erfolgreich voran. Das zeigt auch sein neuestes Projekt: Mithilfe eines groß angelegten Bauvorhabens das sowohl Produktions- und Reparaturstätte, wie auch fünf moderne Mietwohnungen und Büroräumlichkeiten beherbergen wird, will Heini Staudinger, wie er gegenüber der NÖN erzählte, wieder mehr Leben ins Ortszentrum in Schrems bringen.

Heinrich Staudinger, der "Sturschädl"

Als "Christmensch und Kommunist" definiert sich Staudinger gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Dies spiegelt auch seine politischen Agenden und sein soziales Engagement wieder. Staudinger mischt jede Szene, in der er auftritt, mit seiner direkten Art und seinem „Sturschädel“ auf. Er stellt sich als erfolggekrönter Kleinunternehmer mit großen Visionen gegen Establishment oder eben Finanzmarktaufsicht.
Nun wagt er also den Schritt auf die politische Bühne. „Meine Aufgabe im Wahlkampf sehe ich darin, wichtigen Themen eine laute Stimme zu verleihen, die zu wenig debattiert werden: Armut, Klein- und Mittelbetriebe, Mutter Natur und Frieden brauchen neue Antworten und Wege. (…) Dafür will ich mit euch gemeinsam kämpfen", ist auf seiner Website heini-pradesident.at zu lesen.