Michael Brunner: "Ich will und werde Unrecht nicht ertragen"

Mit der MFG Österreich schaffte es Michael Brunner aus dem Stand heraus in den oberösterreichischen Landtag. Dabei hatte er nie geplant, in die Politik zu gehen. Für welche Werte Brunner heute kämpft, welcher Devise er folgt und für welche Leidenschaft er abseits seiner Arbeit als Rechtsanwalt und Politiker brennt.

von Michael Brunner © Bild: Elke Mayr

Steckbrief Michael Brunner

  • Name: Michael Brunner
  • Geboren am: 12. November 1960 in Wien
  • Wohnt in: Pressbaum, NÖ
  • Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien
  • Beruf: Rechtsanwalt, Politiker
  • Familienstand: in Partnerschaft
  • Kinder: eine Tochter
Michael Brunner
© Elke Mayr

Im Jahre 1960 geboren, wuchs Michael Brunner in Wien Döbling auf. Nach der Matura am Bundesrealgymnasium Wien 19 entschloss er sich, Jus zu studieren. "Während der Schulzeit wollte ich eigentlich Schauspieler werden. Ich hatte vor, die Aufnahmeprüfung im Max Reinhardt Seminar zu machen. Daraus wurde letzten Endes nichts", erzählt Brunner im Gespräch mit News.at. Von Wehmut aber keine Spur. Schon bald entdeckte der junge Mann nämlich eine neue Leidenschaft: das Verfassungs- und Verwaltungsrecht. Anfangs verfolgte er die Idee, dieses Fach eines Tages selbst an der Universität zu lehren. Sein Weg sollte ihn aber in eine andere Richtung führen.

»Während der Schulzeit wollte ich eigentlich Schauspieler werden«

Während des Doktoratsstudiums absolvierte Brunner sein Gerichtsjahr, danach war er als Konzipient beschäftigt. Im Jahr 1992, genauer gesagt am 14. Juli 1992, wurde er schließlich als selbständiger Rechtsanwalt angelobt. "Da glauben Sie, es gehört Ihnen die ganze Welt", erinnert sich Brunner zurück. "Ich spielte bereits Anfang des Studiums mit dem Gedanken, Rechtsanwalt zu werden. Damals sah ich es aber als sehr schwierig an, eine eigene Kanzlei zu eröffnen. Heute bin ich sehr froh, dass ich nicht auf der Uni geblieben bin. Der Tätigkeitsbereich als Rechtsanwalt ist bei weitem umfangreicher, komplexer und vielfältiger."

Michael Brunner
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Das Erfolgsrezept des Rechtsanwalts

Seine bisherige berufliche Laufbahn beschreibt der Rechtsanwalt mit Sitz in der Wiener Wollzeile als fließend. "Ich verlasse mich auf mein Gefühl. Das war immer der richtige Weg." Negative Erfahrungen sieht er als wichtigen Teil des Lernprozesses. "Ich glaube daran, dass man alles zum Positiven wenden kann", gibt sich Brunner zuversichtlich. Woran er noch glaubt, ist, dass man als Rechtsanwalt Idealist sein sollte. Diesen Beruf des Ansehens und des Geldes wegen zu wählen, sei mit Sicherheit der falsche Zugang. Wer in Brunners Metier erfolgreich sein wolle, müsse hart arbeiten, wobei er es als Erfolg wertet, wenn man für andere etwas schafft. "Der schönste Dank ist es, anderen eine Freude zu bereiten." Das könne man mit Geld nicht aufwiegen.

»Ich verlasse mich auf mein Gefühl. Das war immer der richtige Weg«

Sein Kampf gegen das Unrecht

Am meisten bewegen Brunner, der Privatpersonen ebenso wie Unternehmen vertritt, nach wie vor Scheidungsfälle. Vor allem dann, "wenn um die Kinder gestritten wird". Es sei immer ein "schöner Erfolg", wenn hier ein Ausgleich zwischen den Parteien gefunden werden könne. Immerhin gehe es nicht darum, auf Biegen und Brechen Recht zu bekommen, sondern darum, eine optimale Lösung zu finden - für alle Beteiligten. Die Werte Ehrlichkeit, Wahrheit, Geradlinigkeit und Mut stehen für den Wiener Rechtsanwalt an oberster Stelle. Was er dagegen strikt ablehnt, sind Ignoranz, Selbstüberschätzung und Machtmissbrauch. "Deswegen bin ich ja auch Rechtsanwalt geworden. Ich kann und will Unrecht nicht ertragen und ich werde es nicht ertragen. Weder für mich noch für andere Menschen."

Michael Brunners Weg in die Politik

Dieser Leitsatz war es schließlich auch, der ihn dazu bewogen hat, in die Politik zu gehen. "Als der Beschluss des Oster-Erlasses debattiert wurde, wusste ich: Der Rechtsstaat brennt! Wir müssen etwas tun!" Besagter Erlass sah vor, dass maximal fünf dem eigenen Haushalt fremde Personen ebendiesen betreten durften und die Polizei, um die Einhaltung der Maßnahme zu kontrollieren, in Privaträumlichkeiten eindringen durfte. In Absprache mit anderen Rechtsanwält:innen schrieb Brunner Beschwerden an den Verfassungsgerichtshof. "So war ich erst einmal Schreibtischtäter", erinnert er sich.

»Als der Beschluss des Oster-Erlasses debattiert wurde, wusste ich: Der Rechtsstaat brennt!«

Brunner trat den deutschen "Anwälten für Aufklärung" bei und gründete gemeinsam mit den Rechtsanwält:innen Michaela Hämmerle, Alexander Todor-Kostic und Gerold Beneder das österreichische Pendant, die "Rechtsanwälte für Grundrechte". Als er merkte, dass der rechtliche Weg alleine nicht reicht, um erfolgreich gegen derartige Maßnahmen anzukämpfen, schlug er den politischen ein. Er beschloss, eine Partei zu gründen. Am 14. Februar 2021 hob er gemeinsam mit einem Team von rund 20 Personen, allen voran Rechtsanwält:innen, die MFG aus der Taufe.

Michael Brunner
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Michael Brunners erster politischer Erfolg

Im September 2021 trat die Partei erstmals zur Wahl an. Mit 6,23 Prozent schaffte sie es aus dem Stand heraus in den oberösterreichischen Landtag. Die Freude war groß, Kritik blieb selbstverständlich nicht aus. Begriffe wie "Corona-Leugner" oder "Verschwörungstheoretiker" werden immer wieder in einem Atemzug mit der Partei und deren Mitgliedern genannt. Dazu Brunner: "Keiner von uns leugnet Corona. Corona ist eine ernstzunehmende Krankheit. Wir sind Kritiker der Maßnahmen." Man hätte die wirklich gefährdeten Personengruppen schützen, sie über die Gefährlichkeit der Erkrankung aufklären und sofort behandeln müssen, wenn sich Krankheitssymptome zeigen. Stattdessen habe man auf "nicht evidenzbasierte Maßnahmen" wie Lockdowns gesetzt.

»Keiner von uns leugnet Corona. Wir sind Kritiker der Maßnahmen«

"Fünf Lockdowns und über 40 Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofs, in denen maßgebliche Bestimmungen der Corona-Verordnungen aufgehoben wurden - und die Regierung macht so weiter. Im Normalfall hätte sie bereits nach den ersten Verfassungsgerichtshoferkenntnissen geschlossen zurücktreten müssen. Die gesamte österreichische Bevölkerung wurde für Wochen eingesperrt. Das war rechtswidrig, und darüber ist man einfach hinweggegangen." Seinen primären Auftrag als Politiker sieht Brunner folglich darin, den Rechtsstaat wieder herzustellen. "Dass das, was wir noch vor drei Jahren als völlig normal angesehen haben, nämlich dass sich die Regierung an die Gesetze hält, wieder zur Selbstverständlichkeit wird."

Michael Brunner
© Elke Mayr

Widerstand, aber friedlich

Selbstverständlich ist für ihn auch der gewaltfreie Weg. Widerstand müsse friedlich geleistet werden. Ganz im Sinne von Mahatma Gandhi, Brunners politischem Vorbild, der übrigens ebenfalls Rechtsanwalt war. Brunners Lebensdevise lautet: Man soll sich immer in den Spiegel schauen können und nach Möglichkeit nichts bereuen müssen. Ein Vorbild abseits der Politik ist für ihn Buddha. "Weil er ein Mensch war, der mit so gut wie gar nichts ausgekommen ist", sagt Brunner und ergänzt: "In Wahrheit brauchen wir so wenig, um glücklich zu sein." Glücklich sein, das bedeutet für den Rechtsanwalt und Politiker frei von sich selbst zu sein, "unabhängig von den eigenen Bedürfnissen". Vor allem aber versteht er Glück "in der Gemeinschaft mit Menschen. Mit der Familie, mit Kindern."

Berufliche Meilensteine
1990 Abschluss des Doktoratsstudiums in Jus
1992 Angelobung zum Rechtsanwalt
Okt. 2020 Gründung der "Rechtsanwälte für Grundrechte"
Nov. 2020 Gründung des "Außerparlamentarischen Corona-Untersuchungsausschusses ACU-A"
Febr. 2021 Gründung der "MFG Österreich"
Sept. 2021 Einzug der MFG in den OÖ Landtag


Michael Brunners privates Glück

Auf Brunners Schreibtisch findet sich ein Foto einer jungen hübschen Dame, seiner Tochter. 1994 führte ihn das Schicksal mit seiner heutigen Lebenspartnerin zusammen. Sie arbeitete damals in einem Reisebüro und war sehr darum bemüht, dem jungen Mann ein kostengünstiges Angebot zu erstellen. Als sich über eine andere Agentur bessere Konditionen auftaten, ließ Brunner ihr Angebot kurzerhand links liegen. Im Nachhinein war ihm das so unangenehm, dass er sie als Entschuldigung auf ein Abendessen einlud. Aus der Wiedergutmachung wurde der Beginn einer gemeinsamen Lebensreise.

Michael Brunner
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Seine Liebe zur Musik

Neben der Familie nimmt die Literatur einen ganz besonderen Stellenwert in Brunners Leben ein. Über 600 Gedichte schrieb er in seiner Jugendzeit, ebenso Erzählungen. Später veröffentlichte er sogar einen Gedichtband. Und dann ist da noch die Musik. "Ich bin ein ganz großer Opernliebhaber", gesteht der Rechtsanwalt und Politiker. Im jungen Alter von neun Jahren erwarb er seine erste Richard-Wagner-Platte. "Seitdem ist Wagner mein großes Vorbild in der Musik. Hätte ich eine schöne Stimme gehabt, ich hätte gerne Wagner-Opern gesungen", schwärmt er. Bis vor der Pandemie gehörten zwei Opernbesuche pro Monat zu Brunners Fixprogramm.

»Hätte ich eine schöne Stimme gehabt, ich hätte gerne Wagner-Opern gesungen«

Zuhause hat sich der begeisterte Musikliebhaber - schon vor Corona - "ein kleines Opernkino" eingerichtet. Mit einem großen Fernsehbildschirm und sehr, sehr vielen DVDs. Wenngleich in Zeiten wie diesen nicht allzu viel, um nicht zu sagen, keine Freizeit bleibt. "Ich habe eine Kanzlei zu führen, arbeite bei den 'Rechtsanwälten für Grundrechte' und natürlich ist die MFG sehr arbeitsintensiv", verdeutlicht Brunner. Zeit zum Entspannen findet er dennoch: "Ich meditiere fast täglich. Mindestens 20, 30 Minuten." Die Meditation ist für den vielbeschäftigten Mann eine wichtige Kraftquelle.

Michael Brunner
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Ganz und gar nicht vorstellen könne er sich heute einen Beruf in einem Angestelltenverhältnis. "Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch", sagt der seit 1992 als Selbständiger Tätige. Macht dagegen war ihm nie wichtig. "Geben Sie einem Menschen Macht, und Sie lernen seinen wahren Charakter kennen", gibt er zu bedenken. Die Freiheit ist es nun auch, für die er sich in seiner Arbeit als Politiker einsetzt. "Nach 29 Jahren Anwaltei bin ich über die 'Anwälte für Grundrechte' und die MFG nun doch wieder zum Verfassungs- und Verwaltungsrecht zurückgekehrt", jenem Bereich, für den er schon während seines Studiums brannte. "So schließt sich der Kreis", resümiert der Rechtsanwalt und Politiker.