Wer ist Wilfried Haslauer junior?

Seit 2013 lenkt Wilfried Haslauer junior nun schon als Landeshauptmann die Geschicke des Landes Salzburg. Dabei hatte er ursprünglich eine andere Karriere eingeschlagen.

von Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer © Bild: APA/BARBARA GINDL

Steckbrief

  • Name: Wilfried Haslauer junior
  • Geboren am: 3. Mai 1956 in der Stadt Salzburg
  • Position: Landeshauptmann von Salzburg
  • Ausbildung: Jus-Studium in Salzburg und Wien mit Doktoratabschluss,Teilstudium der Volkswirtschaft
  • Partei: ÖVP
  • Familienstand: verheiratet, vier Kinder

Das Amt des Salzburger Landeshauptmannes hat bei Wilfried Haslauer junior fast schon Familientradition: Sein Vater, der ÖVP-Politiker Wilfried Haslauer senior († 23. Oktober 1992), war von von 1977 bis 1989 ebenfalls Salzburger Landeshauptmann. Sein Sohn ist in seine politischen Fußstapfen getreten und übt das Amt seit 19. Juni 2013 aus. Wilfried Haslauer junior löste damals Landeshauptfrau Gabi Burgstaller ab. Burgstaller hat sich sich im Mai 2013 nach dem Salzburger Finanzskandal und den darauf folgendend großen Verlusten der SPÖ bei der Landtagswahl aus der Politik zurückgezogen.

Wie sein Vater ist Haslauer sehr heimatverbunden: "Mein Platz ist Salzburg, und ich bleibe in Salzburg", antwortete er in einem Interview mit News, als es um die Frage ging, ob er als ÖVP-Chef in die Bundespolitik wechseln würde. Über seine parteipolitische Anschauung sagte er frei heraus: "Ich bin ein Bürgerlicher mit einem christlich-sozialen Wertegerüst. Dazu bekenne ich mich. Das ist meine Partei."

Juristische Wurzeln

Wilfried Haslauer 2004
© APA/FRANZ NEUMAYR Wilfried Haslauer 2004 - ddamals war er noch als Rechtsanwalt tätig

Auch wenn Haslauer durch seinen politisch sehr aktiven Vater geprägt wurde, entschied er sich nach der Matura zunächst für ein Studium der Rechtswissenschaften in Salzburg und Wien. Nach seinem Doktorat 1979 und einem Teilstudium in Volkswirtschaft war Haslauer von 1985 bis 2004 als selbständiger Rechtsanwalt in Salzburg tätig.

Erst danach trat er die politische Laufbahn an, wobei er aufgrund seiner wirtschaftlichen und politischen Kontakte rasch die Karriereleiter nach oben kletterte. Unter anderem ist Haslauer Mitglied in gleich mehreren Verbindungen: der ÖCV-Verbindungen Rheno-Juvavia Salzburg, Babenberg Wien und Rupertina Salzburg sowie der MKV-Verbindung K.ö.St.V. Almgau Salzburg. Außerdem war er Kuratur im Think-Tank der ÖVP.

Aufstieg an die politische Spitze

Nahtlos an seine juristische Laufbahn anknüpfend, gelangte er 2004 an die Spitze der Salzburger ÖVP und stieg in die Position des Landeshauptfrau-Stellvertreters von Salzburg auf, bis er 2013 selbst Landeshauptmann wurde. 2004 wurde er auch Mitglied des Aufsichtsrates der Salzburg AG (von 2004 - 2009), 2018 stieg er schließlich zum Aufsichtsratsvorsitzenden auf. Im selben Jahr wurde Haslauer nach dem Wahlsieg der ÖVP im Salzburger Landtag erneut als Landeshauptmann wiedergewählt. Er ging schließlich eine Koalition mit den Grünen und den Neos ein - die sogenannte Dirndl-Koalition.

Kaum Turbulenzen und grüne Tendenzen

Seine Amtszeit als Landeshauptmann verlief weitgehend ohne größere Turbulenzen. Selbst von Seiten der Opposition gab es keine große Kritik. In puncto Klimaschutz und öffentliche Verkehrsmittel hat sich Haslauer noch einiges vorgenommen. Er selbst fährt ein Hybridauto, "das ich bisher kaum betanken musste, weil ich es über Nacht aufladen kann. Das ist ideal. Als Dienstwagen habe ich ein reines Elektroauto. Gelegentlich fahre ich auch mit dem Bus, aber ich gebe zu, nicht rasend oft", wie er in einem Interview mit News vom Sommer 2021 verriet.

LH Wilfried Haslauser (ÖVP), Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) Erzbischof Franz Lackner, LR Hans Mayr (parteifrei)
© APA/BARBARA GINDL Wilfried Haslauser, Verkehrsminister Jörg Leichtfried, Erzbischof Franz Lackner, LR Hans Mayr (parteifrei) 2016 in Salzburg bei der Präsentation des ersten, selbstfahrenden Busses in Österreich
»Man darf nicht Leute benachteiligen, die am Land wohnen«

Haslauer setzt sich verstärkt für den Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln ein und hat zugesagt, keine Großhandelsflächen mehr an Ortsrändern genehmigen. Er stellt aber klar: "Es fährt nicht in jede Ortschaft eine Bahn. Zum Teil sind die Busverbindungen sehr gut, zum Teil sind die Leute aber einfach auf das Auto angewiesen. Ich habe oft den Eindruck, dass alles durch eine Gürtel-Wien-Sicht-Brille gesehen wird und man den Leuten in den ländlichen Regionen zumutet, so zu leben, wie das in der Großstadt ist. Nur sind da andere Lebensbedingungen. Man darf nicht Leute benachteiligen, die am Land wohnen."

Ein Anhänger von Kurz

Die Position von Haslauer innerhalb der ÖVP ist ungebrochen stark und gleichfalls stark ausgeprägt ist seine Bezhiehung zu Sebastian Kurz. Erst im Oktober 2021 wurde Haslauer mit 99,77 Prozent als Landesparteiobmann der Salzburger ÖVP bestätigt. Kurz gratulierte Haslauer zum Wahlergebnis: "Ich freue mich auf die Fortsetzung unserer Zusammenarbeit, denn dank seiner langjährigen Erfahrung ist Wilfried Haslauer stets ein kompetenter und verlässlicher Partner", teilte Kurz im Oktober 2021 via Presseaussendung mit.

Wilfried Haslauer, Mückstein und Sebastian Kurz
© APA/BKA/DRAGAN TATIC Haslauer, Mückstein und Kurz bei Beratungen zu Corona-Maßnahemn, September 2021

Der Landeshauptmann wiederum hält trotz der Inseraten-Affäre weiterhin zu dem Ex-Kanzler, den er immer wieder in Schutz nahm. Noch im August 2021 sagte Haslauer, er sehe keine Alternative zu Sebastian Kurz. "Er ist unser Parteiobmann, wir tragen ihn. Ich muss auch sagen, in dieser Pandemie haben wir die neue Qualitätserfahrung einer sehr, sehr intensiven Kommunikation mit der Bundesregierung gemacht, speziell auch mit Sebastian Kurz. Die Länder waren sehr gut einbezogen. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben, und ich bin schon 17 Jahre in der Landesregierung", sagte Haslauer damals. Er kritisiert zwar die Tonalität der Chats, bezeichnet es aber auch als Heuchelei, dass man empört sei über verwendete Kraftausdrücke.

Dass Kurz im Falle einer Anklageerhebung im Amt bleiben will, ist für Haslauer in Ordnung. Schließlich gelte die Unschuldsvermutung. Und wo käme man den hin, wenn es ein Staatsanwalt in der Hand hätte, "ob ein Bundeskanzler oder ein Minister zurücktreten muss oder nicht. Wo sind wir denn? Das ist eine Verlagerung im Rahmen der Gewaltentrennung, die nicht mehr akzeptabel ist. Etwas anderes wäre es im Falle einer Verurteilung, aber darüber muss ich jetzt nicht spekulieren, weil wir alle davon ausgehen, dass im Verfahren sowieso nichts herauskommt", sagte Haslauer im News-Interview.

Stolperfalle Corona

Wilfried Haslauer
© APA/FRANZ NEUMAYR

Haslauers Politik selbst ist bis vor kurzem noch wenig in Kritik geraten. Das hat sich mit der Corona-Pandemie geändert. Der Salzburger Landeshauptmann löste im Herbst 2021 mit seiner Aussage in der "ZiB2" über die Corona-Maßnahmen Kritik aus: "Ich übertreibe jetzt ein bisschen“, aber den Virologen wäre es am liebsten, "wenn jeder einzelne Salzburger und Österreicher in ein Zimmer eingesperrt ist, weil da kann er sich nicht anstecken und er kann niemanden infizieren. Er wird halt dann leider aus Depression sterben oder verhungern oder verdursten“, sagte Haslauer Anfang November 2021.

Vor allem Mediziner und Experten kritisierten die Aussagen des Landeshauptmannes. Haslauer, der sich anfangs noch gegen einen Locksdown für Ungeimpfte in Salzburg aussprach, lenkte nach Gesprächen mit der Bundesregierung letztendlich ein und stimmte einem österreichweiten Lockdown für Ungeimpfte zu. Einen generellen Lockdown wollte Haslauer für Salzburg vermeiden, um Geimpfte nicht vor den Kopf zu stoßen. Nachdem sich die Salzburger Landeskliniken aufgrund der Überbelastung durch Covid-19-Patienten bereits auf eine mögliche Triage vorbereiten, kündigte Haslauer schlussendlich einen kompletten Lockdown für Salzburg an.

Glücklich verheiratet

LH Wilfried Haslauer und seine Frau Christina
© APA/BARBARA GINDL Wilfried Haslauer und seine Frau Christina bei den Salzburger Festspielen 2020

Privat ist Wilfried Haslauer junior glücklich verheiratet und Vater von vier Kindern: Elisabeth, Marie-Theres, Wilfried und Leopold. Am 21. Juni 2017 heiratete er in dritter Ehe seine langjährige Lebensgefährtin, die Rechtsanwältin Christina Rößlhuber, die seinen Namen annahm. Die beiden haben zusammen Sohn Leopold.