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Papst Leo XIV. nach der Lungenkrebs-OP: Wer der erste US-Papst ist

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Papst Leo XIV. beim Angelus-Gebet am Sonntag
©Afp, APA, FILIPPO MONTEFORTE

Papst Leo XIV. erholt sich in Rom von der Entfernung eines Lungentumors. Der 71-jährige Augustiner aus Chicago führt seit Mai 2025 als erster US-Amerikaner die katholische Kirche. Herkunft, Werdegang und Pontifikat im Porträt.

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Papst Leo XIV. erholt sich in der Gemelli-Klinik in Rom von einer Lungenoperation. Am 13. Oktober 2026 entfernten Chirurgen dem 71-Jährigen den unteren Lappen der rechten Lunge, die Gewebeuntersuchung bestätigte nach Angaben des Vatikans ein Lungenadenokarzinom. Die Diözese Rom rief zu einem besonderen Gebet für seine Genesung auf.

Robert Francis Prevost, geboren am 14. September 1955 in Chicago, ist der erste Papst aus den Vereinigten Staaten und der erste aus dem Augustinerorden. Bevor ihn das Konklave am 8. Mai 2025 zum Nachfolger von Franziskus wählte, war er Missionar und Bischof in Peru, zwölf Jahre lang Generalprior seines Ordens und zuletzt als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe für Bischofsernennungen in aller Welt zuständig.

Die Lungenoperation in der Gemelli-Klinik

Seine Erkrankung machte der Papst selbst öffentlich. Beim Angelus-Gebet am Sonntag, 11. Oktober, sagte er: „Die Ärzte halten einen Eingriff für angebracht. Deshalb habe ich mich auf ihren Rat hin entschieden, mich operieren zu lassen, um den Knoten entfernen zu lassen.“ Der Knoten befinde sich „in einem sehr frühen und klar begrenzten Stadium“, so Leo XIV.

Zwei Tage später operierte ein Team um den Thoraxchirurgen Stefano Margaritora den Papst in der Gemelli-Klinik. Der videoassistierte Eingriff dauerte rund 90 Minuten. Laut dem Bulletin, das Margaritora und der vatikanische Gesundheitsdirektor Luigi Carbone unterzeichneten, verlief die Operation ohne Komplikationen. Die histologische Untersuchung bestätigte demnach die Diagnose eines Lungenadenokarzinoms, wie sie bereits aufgrund der Voruntersuchungen vermutet worden war.

In den Tagen danach meldete der Vatikan einen planmäßigen Heilungsverlauf. Am 15. Oktober zeigte ein Röntgenbild eine gute Erholung der operierten Lunge, der Papst nahm die Arbeit wieder auf und feierte im zehnten Stock der Klinik die Messe mit. Ob eine Chemotherapie, eine Strahlentherapie oder eine andere Nachbehandlung nötig ist, hängt vom endgültigen Befund der entfernten Lymphknoten ab. Der Spitalsaufenthalt ist auf rund eine Woche angelegt, alle Termine bis 20. Oktober sind abgesagt. Ob die für 6. bis 17. November geplante Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru stattfinden kann, hängt nach Worten von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin von der Genesung ab.

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Papst Leo XIV., mit bürgerlichem Namen Robert Francis Prevost.

 © Franco Origlia, Getty Images

Das Pontifikat: Armut, künstliche Intelligenz und viele Reisen

Leo XIV. ist der 267. Nachfolger des heiligen Petrus. Sein erstes großes Lehrschreiben war das Apostolische Schreiben „Dilexi te“ über die Liebe zu den Armen, datiert mit 4. Oktober 2025. Seine erste Auslandsreise führte ihn vom 27. November bis 2. Dezember 2025 in die Türkei und in den Libanon, verbunden mit einer Pilgerfahrt nach İznik zum 1.700. Jahrestag des Konzils von Nicäa.

Am 25. Mai 2026 wurde im Vatikan seine erste Enzyklika „Magnifica Humanitas“ vorgestellt. Sie befasst sich mit dem Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Bei der Präsentation sagte der Papst, künstliche Intelligenz müsse „entwaffnet“ und von Logiken befreit werden, die sie zu einem Werkzeug der Herrschaft und des Ausschlusses machen.

Heuer folgten Reisen nach Monaco (28. März), nach Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea (13. bis 23. April), nach Spanien (6. bis 12. Juni) und nach Frankreich mit einem Besuch des UNESCO-Hauptsitzes (25. bis 28. September). In Italien besuchte er unter anderem Pompeji und Neapel, Lampedusa und Assisi. In Kamerun kritisierte er öffentlich die Korruption und rief die Regierung auf, dem Gemeinwohl zu dienen und die Menschenrechte zu achten. In Bamenda, wo seit rund einem Jahrzehnt ein Konflikt zwischen Regierungstruppen und Separatisten herrscht, wich er bei einem interreligiösen Friedenstreffen vom Redetext ab und verurteilte „Kriegsherren“, die vom Krieg profitieren.

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Papst Leo XIV. bei seiner Ankunft in der Stadt Bamenda in Kamerun während seiner Afrikareise im April 2026.

 © Abacapress

Kritische Töne in Richtung Washington

Schon in den Monaten vor seiner Wahl zeigte sich Prevost kritisch gegenüber US-Präsident Donald Trump und Vizepräsident JD Vance. Auf X teilte er Beiträge, die sich kritisch mit den beiden US-Politikern auseinandersetzten. „JD Vance irrt sich: Jesus verlangt nicht von uns, dass wir unsere Liebe für andere Menschen in eine Rangordnung bringen“, hieß es etwa in einem Kommentar, den Prevost am 3. Februar 2025 teilte. Der Vatikan bestätigte am Tag der Wahl, dass der X-Account echt ist.

Der geteilte Kommentar kritisierte, dass Vance sich auf die katholische Lehre berief, um die massive Streichung von Auslandshilfen nach der Amtsübernahme Trumps zu rechtfertigen. Der 2019 zum Katholizismus konvertierte Vizepräsident hatte argumentiert, dass Christen zuerst ihre Familie lieben sollten, bevor sie sich um den Rest der Welt kümmern, und sich dabei auf Thomas von Aquin berufen. Als letzte Aktivität vor seiner Wahl teilte der Kardinal den Beitrag eines Nutzers, der die irrtümliche Abschiebung eines Migranten nach El Salvador durch die US-Regierung kritisierte.

Trump nannte die Wahl des ersten amerikanischen Papstes eine „große Ehre“ für die Vereinigten Staaten, Vance schrieb: „Möge Gott ihn segnen!“ Im Pontifikat wurde der Ton des Papstes deutlicher. Auf dem Flug nach Algier sagte er im April 2026 vor Journalistinnen und Journalisten, er habe keine Angst vor der US-Regierung. Nach seiner Operation wünschte ihm Trump eine rasche Genesung.

Der erste Papst aus den USA

Mit Robert Francis Prevost wurde erstmals ein Kardinal aus den USA Papst. Vor seiner Wahl leitete er die Vatikanbehörde für Bischöfe, die quasi die Personalabteilung der katholischen Weltkirche ist. In dieser Funktion war er rund zwei Jahre lang für Bischofsernennungen weltweit zuständig. Wie sein Vorgänger gilt er als Kirchenmann mit bescheidenem, menschennahem Stil.

Er ist nicht nur der erste Papst aus den Vereinigten Staaten, sondern auch der erste aus dem Orden der Augustiner, einem traditionsreichen katholischen Bettelorden mit mehr als 750-jähriger Geschichte. Der „Ordo Fratrum Sancti Augustini“ (OSA) geht in seiner geistlichen Ausrichtung auf den Kirchenvater Augustinus von Hippo (354-430) zurück, der eine Ordensregel verfasste, die als älteste der westlichen Kirche gilt. Die eigentliche Gründung des heutigen Ordens erfolgte 1256 durch Papst Alexander IV. mit der Bulle „Licet Ecclesiae“, in der mehrere Eremitenverbände, die bereits nach der Regel des heiligen Augustinus lebten, vereinigt wurden. Auch Martin Luther gehörte einst dem Augustinerorden an.

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Kardinal Robert Francis Prevost ist seit seiner Wahl am 8. Mai 2025 Papst Leo XIV.

 © Catholicpressphoto

Herkunft und Ausbildung in Chicago und Rom

Prevost wurde am 14. September 1955 in Chicago geboren, als Sohn von Louis Marius Prevost und Mildred Agnes Martínez, mit französisch-italienischen sowie spanischen Wurzeln. Er besuchte die Saint Mary School of the Assumption und das kleine Seminar der Augustiner in Holland im Bundesstaat Michigan, das er 1973 abschloss. Anschließend studierte er Mathematik an der Villanova University und trat nach dem Abschluss 1977 dem Augustinerorden bei.

Nach seiner ersten Profess 1978 legte er 1981 die Ewige Profess ab. Er studierte Theologie an der Catholic Theological Union in Chicago und wurde am 19. Juni 1982 in Rom zum Priester geweiht. An der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin in Rom erwarb er 1984 das Lizentiat in Kirchenrecht und verteidigte 1985 seine Doktorarbeit.

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Von Peru über Chicago nach Rom

Anschließend entsandte ihn sein Orden als Missionar nach Peru, dessen Staatsbürgerschaft er seit 2015 neben der US-amerikanischen besitzt. Dort war er ab 1985 in der Mission von Chulucanas tätig und leitete nach einem Zwischenaufenthalt in den USA ab 1988 das Augustinerseminar in Trujillo. Neben der Ausbildung junger Ordensmänner war er Dozent für Kirchenrecht, Gerichtsvikar, Mitglied des Konsultorenkollegiums der Erzdiözese Trujillo und Gemeindeseelsorger.

1998 wurde Prevost zum Provinzial der Augustiner in Chicago gewählt, 2001 zum Generalprior des Ordens mit Sitz in Rom. Dieses Amt übte er bis 2013 über zwei Amtszeiten aus. Danach war er wieder in den USA tätig, unter anderem als Ausbildungsleiter und Provinzvikar in Chicago.

Von Papst Franziskus zum Kardinal ernannt

2014 wurde Prevost von Papst Franziskus zum Titularbischof von Sufar und Apostolischen Administrator von Chiclayo ernannt. Die Bischofsweihe empfing er am 12. Dezember 2014, ein Jahr später wurde er regulärer Bischof von Chiclayo. Von 2018 bis 2023 war er zweiter Vizepräsident der peruanischen Bischofskonferenz, 2020 übernahm er zusätzlich als Apostolischer Administrator die Leitung der Diözese Callao. In der Bischofskonferenz war er Mitglied des Ständigen Rates und Präsident der Kommission für Bildung und Kultur, außerdem arbeitete er im Leitungsgremium von Caritas Peru mit.

2020 wurde Prevost in die Kongregation für die Bischöfe berufen. Am 30. Jänner 2023 ernannte ihn Papst Franziskus zum Präfekten des nun in „Dikasterium für die Bischöfe“ umbenannten Amtes und zum Präsidenten der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika. Am 30. September 2023 wurde er zum Kardinal erhoben (Titelkirche: Santa Monica degli Agostiniani), am 6. Februar 2025 folgte die Erhebung zum Kardinalbischof von Albano.

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Die Südamerika-Connection

In Peru lernte ihn Papst Franziskus kennen, der ihn in die römische Kurie holte. Aufgrund seiner führenden Positionen und seiner Nähe zu Franziskus galt er bereits seit Längerem als papabile. Da über seine Behörde auch die sogenannten Ad-limina-Besuche der Bischöfe aus aller Welt liefen, war er eines der bekanntesten Gesichter im Kardinalskollegium.

Prevost spricht neben seiner Muttersprache Englisch auch Spanisch, Italienisch, Französisch und Portugiesisch und hat Grundkenntnisse in Deutsch.

Bezug zu Österreich: Besuch in Wien im November 2024

In Österreich war Prevost zuletzt im November 2024. In Wien feierte er den Festgottesdienst zum 675. Weihetag der Augustinerkirche. Sein bischöflicher Wahlspruch ist einer Predigt des heiligen Augustinus entnommen: „nos multi in illo uno unum“ (dt.: „In diesem einen [Christus] sind wir vielen eins“).

Laut Kardinal Christoph Schönborn liebt Leo XIV. Österreich und Wien. „Offensichtlich hat er eine Sympathie für Österreich, für Wien und auch für seine Mitbrüder“, sagte Schönborn am 9. Mai 2025 bei einer Pressekonferenz. Er hatte Prevost als Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe bei der Suche nach einem Nachfolger für die Erzdiözese Wien mehrmals getroffen. „Er ist ein sehr ruhiger, sehr klarer, sehr herzlicher, aber durchaus bestimmter Mensch“, beschrieb Schönborn seine Eindrücke. „Er ist sehr zuhörend, aufmerksam. Ich habe mich ausgesprochen willkommen gefühlt.“

Nach Skifahrer Johannes Paul II. jetzt Tennis-Papst

Zum ersten Mal seit den frühen Jahren von Johannes Paul II. gibt es mit Leo XIV. wieder einen Papst, der auch in fortgeschrittenem Alter gerne selbst Sport treibt. Seine Leidenschaft ist Tennis.

In einem im September 2023 von seinem Augustinerorden veröffentlichten Interview bezeichnete sich Prevost bescheiden als ziemlichen Amateur-Tennisspieler. Er klagte aber zugleich über mangelnde Möglichkeiten zu spielen. „Seit ich Peru verlassen habe, hatte ich nur wenige Gelegenheiten zum Üben, deshalb freue ich mich darauf, wieder auf den Platz zu gehen“, sagte er damals, kurz nach seinem Wechsel aus Peru in den Vatikan.

Kritik von Missbrauchsopfern

Kritik an Leo XIV. kam unmittelbar nach seiner Wahl vom internationalen „Survivors Network of those Abused by Priests“ (SNAP). In einem offenen Brief stellte die Organisation einige unbequeme Fragen. „Wir waren einmal die Kinder der Kirche“, beginnt das Schreiben. „Der Täter im Priestergewand begeht zwei Verbrechen: eines am Körper und eines an der Stimme.“ Die feierliche Inszenierung des Konklaves sei eine bittere Erinnerung daran, „dass das Wort der Überlebenden weniger zählt als das der Männer in Weiß“, heißt es weiter. Gemeint sind Überlebende von sexuellem Missbrauch.

Die Kritik richtete sich nicht nur an Leo XIV., sondern auch an das Kardinalskollegium, das ihn gewählt hat. Viele von ihnen hätten Missbrauchstäter gedeckt oder seien selbst Teil eines kirchlichen Systems, das Transparenz vermeide und Verantwortliche schütze, schreibt SNAP. Die Organisation dokumentiert weltweit Hinweise auf Vertuschung unter ConclaveWatch.org und kündigte an, die Berufungen in die Kurie weiter kritisch zu begleiten, insbesondere jene mit Zuständigkeit für Missbrauchsfälle.

Auch Prevost selbst steht wegen seines Umgangs mit Missbrauchsvorwürfen in der Kritik. Als Provinzial der Augustiner ließ er laut SNAP im Jahr 2000 einen wegen Kindesmissbrauchs beschuldigten Priester in unmittelbarer Nähe einer katholischen Volksschule wohnen. Später, als Bischof von Chiclayo in Peru, soll er nach Darstellung von SNAP trotz Anzeigen dreier Betroffener weder ordnungsgemäß ermittelt noch den Täter vom Amt suspendiert haben. SNAP reichte am 25. März 2025 offiziell Beschwerde gegen ihn ein, auf Basis des von Papst Franziskus erlassenen Dekrets „Vos estis lux mundi“.

Für die ersten 100 Tage seines Pontifikats forderten die Überlebenden eine internationale Wahrheitskommission mit voller Kooperation des Vatikans, ein universelles kirchliches Null-Toleranz-Gesetz, rechtlich verbindliche Transparenzabkommen, einen Entschädigungsfonds auf Basis kirchlichen Vermögens und einen globalen Überlebendenrat mit echter Durchsetzungskompetenz. „Sie können die Missbrauchskrise beenden“, schließt der offene Brief. „Die einzige Frage ist: Wollen Sie es auch?“

Auf den Spuren von Papst Franziskus

Mit seinem Lehrschreiben über die Armen knüpfte Leo XIV. an zentrale Anliegen seines Vorgängers an. Franziskus hatte kurz vor seinem Tod den Weg zu einer Kirche mit mehr Teilhabe aller Gläubigen nochmals verlängert, indem er eine „kirchliche Generalversammlung“ für Oktober 2028 anberaumte. Sie fällt in das Pontifikat seines Nachfolgers.

(kap/as/apa)

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