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„Adolescence“-Star Stephen Graham: Was Väter ihren Söhnen mitgeben

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21 min
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Schauspieler Stephen Graham, 53, mit Sohn Alfie, 19©Getty Images

Der britische Schauspieler Stephen Graham hat mit seiner Erfolgsserie „Adolescence“ eine Debatte über toxische Männlichkeit ausgelöst. Nun lässt er in einem Buch Väter an ihre Söhne schreiben. Ihre Briefe erzählen von Liebe, Schuld, Versäumnissen und darüber, was heute alles bedeuten kann, ein Mann zu sein.

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Stephen Graham kennt sich aus mit Männern, die nicht über Gefühle sprechen und Unsicherheit hinter Härte verbergen. Der britische Schauspieler hat viele von ihnen dargestellt: den rassistischen Skinhead in „This Is England“, den brutalen Mafiaboss Al Capone in „Boardwalk Empire“, den überforderten Küchenchef in „Boiling Point“.

In der preisgekrönten Netflix-Serie „Adolescence“ hat der 53-Jährige seine Auseinandersetzung mit männlicher Härte vertieft. Die Serie stellt die Folgen eines toxischen Männlichkeitsbilds, das in sozialen Medien forciert wird, in den Mittelpunkt. Welche Auswirkungen kann eine zunehmend misogyne Gesellschaft auf heranwachsende Jungs haben?

Dieser Frage ging Graham als Co-Autor des Drehbuchs nach und übernahm auch die Hauptrolle des Vaters, dessen 13-jähriger Sohn wegen des Mordes an einer Mitschülerin angeklagt wird. Die Debatte, die „Adolescence“ anstieß, wurde weltweit geführt: Wie groß ist der Einfluss einer frauenfeindlichen Onlinewelt auf junge Männer? Wie viel bekommen Eltern über die Gedanken der Kinder überhaupt noch mit? Mit „Adolescence“ schuf Graham Raum für Gespräche über Männlichkeit.

Was bedeutet es, ein guter Mann zu sein?

Welche Rolle vor allem Väter von Söhnen dabei spielen, beschäftigte den zweifachen Vater – Tochter Grace ist 21, Sohn Alfie 19 Jahre alt – nachhaltig. Was können Männer ihren Söhnen mitgeben, damit diese einen guten Umgang mit ihren Gefühlen finden? Aus dieser Frage entstand die Briefesammlung „Letters to Our Sons“, die auf der Idee von Co-Autorin, Psychologin Orly Klein, basiert.

Gemeinsam riefen Klein und Graham Männer dazu auf, Briefe an ihre Söhne zu schreiben und Gedanken zu teilen, für die im Alltag oft die Worte fehlen.

Was bedeutet es, ein guter Mann zu sein? Welche Fehler hat der Vater gemacht? Wofür schämt er sich? Was hätte er sich vom eigenen Vater gewünscht? Es sind Antworten auf Frage wie diese und viele Liebesbekundungen, die sich auf den über 400 Seiten finden.

Letters to Our Sons: Was wir unseren Söhnen unbedingt sagen sollten - Vom Autor und Star des Netflix-Hits Adolescence - mit Briefen von Javier Bardem, Stephen Graham, Riz Ahmed, u.v.m.

Letters to Our Sons: Was wir unseren Söhnen unbedingt sagen sollten - Vom Autor und Star des Netflix-Hits Adolescence - mit Briefen von Javier Bardem, Stephen Graham, Riz Ahmed, u.v.m.

Goldmann

„Letters to Our Sons. Was wir unseren Söhnen unbedingt sagen sollten“ vom Autor und Star des Netflix-Hits „Adolescence“, Stephen Graham mit Psychologin Orly Klein, ist am 21. Oktober 2026 erschienen. 416 Seiten, Goldmann.

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Prominente Briefeschreiber

Die Idee dazu hatte Orly Klein, als ihr Sohn 13 Jahre alt wurde. Sie bat Männer aus ihrem Umfeld, für ihn aufzuschreiben, was ihrer Meinung nach einen guten Mann ausmacht. Gemeinsam mit Graham entstand daraus das Buchprojekt, an dem sich mehr als 1.600 Väter aus aller Welt beteiligten: Schauspieler, Sportler, Handwerker, Ärzte, auch Männer im Gefängnis.

Zu den prominenten Briefschreibern zählen die Schauspieler Javier Bardem und Riz Ahmed, Olympiasieger Tom Daley und Journalist Louis Theroux. News gibt hier Einblick in drei der Briefe: Stephen Grahams Gedanken für Sohn Alfie, 19. Musikproduzent Goldies Brief an seinen Sohn Jamie, 39, der 2010 wegen eines gang-bezogenen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Und ein anonymer Brief.

„Wir müssen Fehler nicht wiederholen“

Was einen guten Vater ausmacht, fragt sich Stephen Graham seit seiner Kindheit. Er wuchs die ersten zehn Lebensjahre mit seiner alleinerziehenden Mutter auf. Der Vater war selten da. Als prägend beschreibt er seinen Stiefvater „Pops“, der danach in sein Leben trat und ihm Zuneigung und Verlässlichkeit vorlebte. Auf seinen abwesenden Vater kann der Schauspieler heute ohne Bitterkeit blicken, weil er – wie er beschreibt – viel an sich selbst gearbeitet hat. Die Beschäftigung mit dem Thema half ihm zu akzeptieren, dass der Vater selbst vaterlos aufwuchs und vieles nie gelernt hatte. Und viel wichtiger: Es half ihm zu sehen, was der Vater später bei Grahams jüngeren Halbgeschwistern lernte und besser machen konnte.

Es wurde zur prägenden Erkenntnis, die „Letters to Our Sons“ beflügelt: „Ich habe daraus gelernt, dass wir nicht in Teufelskreisen gefangen sind, sie über die Generationen nicht wiederholen müssen“, sagt Graham.

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DJ, Musikproduzent und Graffitikünstler Goldie, 61, schrieb an Sohn Jamie, der wegen Mordes verurteilt wurde.

 © Gonzales Photo, Michael Hornbogen, www.imago-images.de

Steckbrief

Stephen Graham

geboren
03.08.1973

Stephen Graham, geboren 1973 in Kirkby bei Liverpool, ist ein britischer Film-, Fernseh- und Theaterschauspieler. Bekannt wurde er durch „Snatch“, „This Is England“, „Boardwalk Empire“, „The Irishman“ und „Yes, Chef!“.

Seinen bislang größten Erfolg feierte er als Hauptdarsteller, Co-Autor und Produzent der Miniserie „Adolescence“, für die er unter anderem drei Emmys, einen Golden Globe und zwei BAFTA TV Awards erhielt. 2023 wurde Graham für seine Verdienste um das Theater zum Officer des Order of the British Empire ernannt.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 43/2026 erschienen.

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