Die Fortschritte bei der Geschlechtergleichheit geraten weltweit ins Stocken. Laut WEF dürfte es bei unverändertem Tempo noch 120 Jahre bis zur vollständigen Gleichstellung dauern – Österreich machte in der Rangliste hingegen 16 Plätze gut.
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Die schwer erkämpften Fortschritte in Richtung Geschlechtergleichheit in Führungspositionen sind nach einem Bericht der Stiftung Weltwirtschaftsforum (WEF) in Gefahr. Die Zahl der Frauen in politischen Ämtern liege nach Jahren der positiven Entwicklung inzwischen wieder niedriger als 2006, heißt es im jährlichen WEF-Bericht über die Geschlechterkluft.
Die Coronapandemie war nach WEF-Angaben eine Zäsur, danach habe es Rückschritte gegeben. Wenn das Tempo der Bemühungen nicht erhöht werde, dürfte es 120 Jahre dauern, bis Geschlechtergleichheit erreicht sei. „Gleichstellung ist eine Grundlage für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit, aber sie ist kein Selbstläufer“, sagte WEF-Geschäftsführerin Saadia Zahidi. Eine neue Wirtschaft erfordere einen neuen Ansatz im Umgang mit Talenten.
Luft für Frauen an der Vorstandsspitze weiter dünn
In einer Stichprobe von 39 Volkswirtschaften waren auf der Spitzenposition in Vorstand oder Geschäftsführung von Unternehmen nur rund 19 Prozent Frauen. Weltweit sei die Zahl der Ministerien in Frauenhand gesunken, und seit 2008 habe sich der Anteil der von Frauen geführten Ministerien, die als einflussreich gelten, nicht verändert. Er liege nur bei rund zehn Prozent.
In der relativ neuen Industriebranche Künstliche Intelligenz seien Frauen in der Führungsetage und entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette noch stärker unterrepräsentiert als in anderen Branchen, so das WEF. Das gelte von der Infrastruktur über die Entwicklung von Basismodellen bis hin zu Anwendungen.
Deutschland weiter unter Top 10
Unter den 97 Ländern, die seit Beginn der Erhebungen dabei sind, beziffert das WEF die Geschlechtergleichheit aktuell auf 69,4 Prozent. Island erreicht 93 Prozent und steht zum 17. Mal in Folge auf Platz 1, gefolgt von Finnland und Norwegen. Dahinter kommt Namibia, das vier Plätze gut gemacht hat, Großbritannien, Neuseeland, Schweden und Australien, das fünf Plätze nach oben rutschte. Deutschland liegt in der Rangliste der Geschlechtergleichheit wie im vergangenen Jahr auf Platz 9, mit einem leicht verbesserten Wert von 81,7 Prozent.
Die USA sind um fünf Stellen auf Platz 47 zurückgefallen. Österreich machte hingegen 16 Plätze gut und ist nun auf Platz 40 hinaufgerückt. Es liegt zwischen Serbien und Panama mit einem Wert 75,3 Prozent. Ein Wert von 100 Prozent wäre vollständige Gleichheit.
Berücksichtigt für die Rangliste werden unter anderem Bildung, Gesundheit, die Chancen von Frauen auf Führungspositionen und politische Teilhabe. Das WEF hat sich insgesamt 145 Volkswirtschaften angeschaut.
