Am 12. Oktober 2026 ist Kolumbustag: In den USA ein Bundesfeiertag, in Spanien Nationalfeiertag, für viele Indigene ein Tag der Trauer. Was Christoph Kolumbus 1492 tatsächlich tat, was die Forschung heute dazu sagt und wie indigene Amerikaner ihn sehen.
Kolumbustag 2026: Das ist am 12. Oktober los
In den USA fällt der Columbus Day 2026 auf Montag, den 12. Oktober, und ist weiterhin ein Bundesfeiertag. Präsident Donald Trump proklamierte den Tag 2025 am 9. Oktober und nannte Kolumbus darin „the original American hero“ (Weißes Haus). Sein Vorgänger Joe Biden hatte von 2021 bis 2024 stattdessen den Indigenous Peoples’ Day ausgerufen. Eine Proklamation für 2026 lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.
Laut Zählung der Wikipedia begehen neun Bundesstaaten sowie Puerto Rico und Washington D.C. am zweiten Montag im Oktober den Indigenous Peoples’ Day, mehrere Staaten feiern gar keinen Columbus Day. CNN en Español sprach 2024 von mehr als 100 Städten. Die Zahlen schwanken je nach Zählweise. Im März 2026 wurde in Washington eine Nachbildung der 2020 in Baltimore gestürzten Kolumbus-Statue aufgestellt (The Banner). In Spanien ist der 12. Oktober als Fiesta Nacional (Día de la Hispanidad) Nationalfeiertag. In Venezuela heißt der Tag seit 2002 Tag des indigenen Widerstands, in Argentinien seit 2010 Tag der Achtung der kulturellen Vielfalt.
Was indigene Amerikaner über Kolumbus sagen
In einem YouTube-Video von WatchCut Video (2015) wird deutlich: Für viele ist Kolumbus nicht der Held, als der er weltweit gefeiert wird. Mit einem Wort beschreiben hier Amerikaner indigener Abstammung, was ihnen zum „Entdecker Amerikas“ einfällt. „Das Böse, das pure Böse“, sagt eine Frau mit traurigen Augen, „seine Gräueltaten, die er beging, waren grotesk und die Narben davon, sind bis heute zu spüren.“ Ein andere Frau meint: „Eindringling - Er hat sich verirrt, als er zu uns kam und nannte uns Indianer, weil er dachte, er wäre in Indien. Er ist keine gute Figur für die einheimische Gemeinschaft.“
Kolumbus hat Amerika gestohlen.
„Mörder“, „Rassist“, „Vergewaltiger“ - Kolumbus erscheint plötzlich in einem völlig anderem Licht. „Fuck Kolumbus“ hört man noch. Und: „Er war der erste Terrorist Amerikas, so viel ist sicher“, meint ein Mann. „Kolumbus hat Amerika gestohlen“, sagt ein anderer. Das sind subjektive Aussagen der Befragten, keine historischen Befunde.
© Video: www.youtube.com/user/watchcut
Diskussionen um den „Kolumbus Day“ gibt es seit Langem - viele fordern, den Tag umzubenennen, in „Tag der indigenen Völker“. Mit dem Video wollten amerikanische Ureinwohner an die dunkle Seite des „Thanksgiving“-Fests erinnern.
Fakten zu Christoph Kolumbus
Schon als junger Mann war Kolumbus von der Idee besessen, über die Westroute nach Asien zu gelangen. Aus Indien und dem Kaiserreich China bezogen die Europäer Gewürze, Seide und andere Reichtümer, der Landweg war durch das Osmanische Reich erschwert. Dass die Erde eine Kugel ist, war gebildeten Europäern damals bekannt. Umstritten war ihre Größe: Kolumbus unterschätzte den Erdumfang erheblich und hielt die Route nach Asien für deutlich kürzer, als sie war. In Portugal, der wichtigsten Seemacht, legte er seinen Plan dem König dar. Die Portugiesen lehnten es aber ab, das Vorhaben zu finanzieren. Sie setzten darauf, über die Route um Afrika nach Asien zu gelangen. Auch die Spanier zögerten, aber Königin Isabella sagte nach längerem Hin und Her ihre Unterstützung zu.
Am 3. August 1492 stach Kolumbus mit drei Schiffen (Santa María, Pinta und Niña) von Palos de la Frontera in See. In der Nacht auf den 12. Oktober sichtete der Ausguck Rodrigo de Triana Land: Kolumbus ging auf einer Insel der Bahamas an Land, die die Taíno Guanahaní nannten und die Spanier San Salvador. Welche heutige Insel das war, ist unter Historikern umstritten, meist wird Watlings Island genannt, die 1925 in San Salvador umbenannt wurde. Wenig später erreichte er Kuba und Hispaniola (heute Haiti und Dominikanische Republik). An Weihnachten 1492 lief die Santa María vor Hispaniola auf Grund, aus ihrem Holz entstand die Siedlung La Navidad, die erste spanische Niederlassung der Neuen Welt. Sie wurde 1493 zerstört, später folgten La Isabela (1493) und Santo Domingo (1496). Bei seiner Rückkehr nach Spanien wurde Kolumbus begeistert gefeiert.
Er unternahm noch mehrere andere Reisen und starb in dem Glauben, den Seeweg westwärts nach Asien gefunden zu haben. Der Florentiner Seefahrer Amerigo Vespucci (1451-1512) erkannte, dass es sich in Wirklichkeit um einen neuen Kontinent handelte. Der Kartograf Martin Waldseemüller verwendete 1507 erstmals den Namen „America“ auf einer Weltkarte.
Neue Forschung: Was die DNA über Kolumbus verraten soll
Ein Team um den Gerichtsmediziner José Antonio Lorente (Universität Granada) gab am 11. Oktober 2024 bekannt, die Gebeine in der Kathedrale von Sevilla seien mit „absoluter Sicherheit“ jene von Kolumbus. Die Dominikanische Republik beansprucht seit 1877 ebenfalls sein Grab. Einer TVE-Dokumentation zufolge deuten die Analysen auf eine westeuropäische, womöglich sephardische Herkunft hin, nicht auf Genua. Das ist wissenschaftlich umstritten: Eine begutachtete Veröffentlichung liegt nicht vor, untersucht wurden nur Y-Chromosom und mitochondriale DNA, und der Genetiker Antonio Alonso kritisiert, die Doku zeige Kolumbus’ DNA nie. Das 2014 vor Haiti gefundene Wrack, das Barry Clifford für die Santa María hielt, datierte die UNESCO auf das späte 17. oder 18. Jahrhundert.
Völkermord? Die Debatte um Kolumbus’ Verantwortung
Der Dominikanermönch Bartolomé de Las Casas beschrieb in seiner Streitschrift „Kurzgefasster Bericht über die Verwüstung der Westindischen Länder“ (verfasst 1542, gedruckt 1552) wie die Spanier mit den Indigenen umgingen. Er spricht in diesem Zusammenhang von Massenmorden, Verbrennungen, Vergewaltigungen und Zerstückelungen, wobei auch Kinder, Schwangere oder Alte nicht verschont wurden.
Ob Kolumbus auch selbst für derartige Taten direkt verantwortlich war, ist unklar. Belegt ist, dass er Taíno versklaven ließ: 1495 wurden mehr als 1.500 Taíno gefangen genommen, rund 400 wurden nach Spanien verschifft, etwa die Hälfte überlebte die Überfahrt nicht. Ob man von „Völkermord“ sprechen kann, ist in der Forschung umstritten: Das Genocide Studies Program der Yale University stuft die Vernichtung der Taíno als Genozid ein, andere Fachleute gewichten eingeschleppte Seuchen stärker als gezielte Vernichtung.
Demografische Katastrophe
Zusammen mit anderen Ursachen, vor allem eingeschleppte Krankheiten, Zwangsarbeit und Gewalt, löste die von Kolumbus begonnene Kolonisation der Karibischen Inseln eine demografische Katastrophe aus. Auf Hispaniola brach die indigene Bevölkerung dramatisch ein: Die Schätzungen für 1492 reichen von 10.000 bis zu einer Million Menschen, 1514 wurden nur noch rund 32.000 gezählt, 1565 etwa 200. Der größte Teil des Rückgangs fiel in die ersten Jahrzehnte der Kolonisation. Die genauen Zahlen sind unsicher.
Kolumbus in Österreich: Denkmal, Gasse und Proteste
Auch in Wien erinnern ein Kolumbus-Denkmal, eine Kolumbusgasse und ein Kolumbusplatz an den Seefahrer. Das Kollektiv Trenza protestierte laut Mosaik am 12. Oktober 2017 vor der Statue an der Handelsakademie und 2019 beim Naturhistorischen Museum gegen die Ehrung. Eine aktuelle Debatte für 2026 ist nicht bekannt.
Quellen
Über die Autoren
Catharina Heindl
Catharina Gaissmaier-Heindl ist eine österreichische Redakteurin sowie Expertin für Digital Marketing und Social Strategy. Sie war von August 2010 bis Mai 2017 bei VGN Medien Holding beschäftigt.
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Martin Gamper ist ein Video-Producer und arbeitet als Head of Video beim unabhängigen Startup- und Tech-Medium Trending Topics; ehemals für News.at tätig
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