Udo Landbauer: FPÖ-Politiker mit Liederbuch-Vergangenheit

Udo Landbauer. Der Name wird vor allem mit der sogenannten Liederbuch-Affäre in Verbindung gebracht. Doch dem FPÖ-Politikers aus Niederösterreich gelang das Comeback. Bei der niederösterreichischen Landtagswahl 2023 fuhr er mit der FPÖ einen Triumph ein und erreichte Platz zwei vor der SPÖ. Wie tickt der Freiheitliche, der gern mit sprachlichen Provokationen auffällt und selbst Migrationshintergrund hat?

von Udo Landbauer: FPÖ-Politiker aus Niederösterreich © Bild: imago images/SEPA.Media

Steckbrief Udo Landbauer

  • Name: Udo Landbauer
  • Geboren: am 12. April 1986 in Neunkirchen, Niederösterreich
  • Ausbildung: Matura am Militärgymnasium Wiener Neustadt, Master an der FH Campus Wien (Management)
  • Partei: FPÖ
  • Funktion: Landesparteiobmann FPÖ Niederösterreich, stv. Bundesparteiobmann der FPÖ
  • Familienstand: verheiratet mit Frau Simone (seit 2022)
  • Kinder: Tochter Luise (*2022)

Udo Landbauer ist ein „rechtsextremer“ Politiker, ist auf Wikipedia zu über den Landesparteichef der FPÖ Niederösterreich zu lesen. Zur Freiheitlichen Partei verschlug es den Berufspolitiker schon recht früh: im Teenageralter von 14 Jahren trat Landbauer bereits dem „Ring Freiheitlicher Jugend“ , der Jugendorganisation der FPÖ, bei und folgte damit seinem Vater und seinem Bruder, die in der FPÖ aktiv waren. Da war Landbauer noch Schüler und besuchte gerade das Militärgymnasium in Wiener Neustadt. In diesen jungen Jahren fand er nicht nur bereits den Weg in die Politik, sondern auch zur Burschenschaft Germania, deren Mitgliedschaft bzw. spätere Vize-Obmannschaft seine Polit-Karriere fast 20 Jahre später beinahe zerstört hätte.

Karrierestationen

Dabei ging der Weg bis dahin, bis zur bekannten Liederbuch-Affäre, für Landbauer steil bergauf. 2003 stieg er in den Landesvorstand des RFJ Niederösterreichs auf, bis 2010 war er deren Landesobmann, ab 2011 Bundesobmann (2018 übergab er an Maximilian Krauss). 2005 wurde er Mitglied des Landesparteivorstands der FPÖ Niederösterreich, im Jahr 2009 wurde Landbauer Bezirksparteiobmann der FPÖ Wiener Neustadt und sein erstes politisches Mandat erhielt er im Jahr 2010 mit nur 23 Jahren als Stadtrat in Wiener Neustadt. 2013 wurde er Landtagsabgeordneter und 2018 trat er im Alter von erst 31 Jahren überraschend als FPÖ-Spitzenkandidat für die niederösterreichische Landtagswahl, anstelle des eigentlichen Kandidaten Walter Rosenkranz, der laut damaligem Parteiobmann Heinz-Christian Strache in Wien gebraucht wurde, an. Aufgefallen ist er in diesem Wahlkampf vor allem mit provokanten Aussagen rund um das Thema "Ausländer". So bezeichnete er etwa Landshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) als „Moslem-Mama“, was zu einer heftigen Debatte führte.

Udo Landbauer und die Liederbuch-Affäre

Soweit aber trotz hitziger Debatten im Wahlkampf der geradlinige Weg nach oben in der Karriere des Berufspolitikers. Wenige Tage vor der Wahl im Jänner 2018 aber kam es aber zum "großen Knall": Die Wiener Wochenzeitung "Der Falter“ veröffentlichte einen Bericht über ein mehr als fragwürdiges Liederbuch der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt; Jener Burschenschaft, in der Landbauer zu diesem Zeitpunkt als stellvertretender Vorsitzender fungierte. Das Liederbuch enthielt Texte mit antisemitischen, rassistischen und im Verdacht der Wiederbetätigung nach dem Verbotsgesetz stehende Inhalte. So lautete etwa eine Passage: „Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ‚Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million.“

Es fand eine Hausdurchsuchung der Polizei bei der Burschenschaft statt, auch die Staatsanwaltschaft begann mit Ermittlungen. Udo Landbauer wurde dabei als Zeuge geführt. Er selbst bekräftige mehrmals, die Texte weder gekannt noch gesungen zu haben. Es müsse sich um eine ältere Version handeln, die er nicht gekannt habe, so Landbauer. Seine Mitgliedschaft bei der Burschenschaft legte er aber umgehend nieder.

Udo Landbauers Rücktritt

Doch dieser Schritt genügte nicht. In der Öffentlichkeit gab es einen enormen Aufschrei; sogar Bundespräsident Alexander Van der Bellen meldete sich zu Wort und forderte Landbauers Rücktritt. Dieser blieb zunächst jedoch standhaft und widmete sich stur weiter dem Wahlkampf - mit dem Motto: „Jetzt erst recht.“ Doch neun Tage nach publik werden der Vorwürfe nahm der öffentliche Druck überhand und Landbauer verkündete am 1. Februar 2018 (wenige Tage nach der Wahl, die die FPÖ hinter den Umfrageergebnissen aber dennoch mit einem Plus von 8 Prozent abschloss) seinen Rücktritt von allen Ämtern. Sein Landtagsmandat nahm er nicht an (an seine Stelle rückte Gottfried Waldhäusl), ebenso trat er als Stadtrat in Wiener Neustadt zurück und stellte seine FPÖ-Mitgliedschaft ruhend.

Den Rückzug wollte Landbauer aber nicht als Schuldeingeständnis interpretiert wissen, vielmehr habe er aus Rücksicht auf seine Familie gehandelt, wie er damals bekannt gab. Diese habe unter der „Medienhatz“ gelitten, sogar sein Haus in Wiener Neustadt sei „belagert“ worden.

Doch im selben Atemzug wurde bereits schon von einer Rehabilitierung Landbauers vonseiten der FPÖ gesprochen.

Politische Rückkehr

Im Mai 2018, drei Monate nach der Affäre, äußerte sich Landbauer am Landesparteitag der FPÖ Niederösterreich auch selbst dazu, wieder politisch aktiv zu werden und nachdem im August die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eingestellt wurden, kehrte Landbauer im September 2018 als Landtagsabgeordneter und geschäftsführender Klubobmann der FPÖ in den niederösterreichischen Landtag zurück, wo er seitdem unter anderem etwa mit Anträgen zum gemeinnützigen Wohnbau auffällt (ein Thema, dem er sich auch in seiner Masterarbeit 2017 an der FH Campus Wien widmete). Seit 2019 ist Landbauer Landesparteichef der niederösterreichischen Freiheitlichen und seit 2021 auch einer der Stellvertreter von FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl.

Udo Landbauer und FPÖ-Parteichef Herbert Kickl
© IMAGO images/SEPA.Media Udo Landbauer ist ein Stellvertreter von FPÖ-Chef Herbert Kickl

Landbauer: Familie, Mutter und Vereinbarkeit mit FPÖ

Im Wahlkampf zur Landtagswahl 2023, in den Udo Landbauer als Spitzenkandidat für die FPÖ geht, setzt er auf typische FPÖ-Themen wie Asyl und fordert „Null-Zuwanderung“. Dabei hat der Politiker selbst migrantische Wurzeln, seine Mutter kommt aus dem Iran. Anfang der 70er-Jahre sei sie in Österreich auf Urlaub gewesen und habe hier seinen Vater kennengelernt, wie Landbauer 2018 dem ORF NÖ erzählte. Wie sich das mit der Politik seiner Partei vereinbaren lasse? „Wunderbar“ meinte Landbauer, der seine Mutter als gelungenes Integrationsbeispiel sieht. „Man passt sich an. Man nimmt die Gepflogenheiten und die Gebräuche auf und man ist nicht hier, um den Staat und seine Leute auszunutzen“,so Landbauer in dem Interview und fügte damals hinzu, er kritisiere ja nicht die Zuwanderer selbst, sondern die Politik, die es möglich mache, dass diese kommen und „hier vom Staat leben“. Die Heimat seiner Mutter habe er selbst nie besucht und auch persisch spreche er nicht.

Udo Landbauers Rhetorik

Überspitzte Aussagen und sprachliche Provokationen wie etwa „Moslem-Mama“ sind ein Markenzeichen von Udo Landbauer. Laut Ida Metzger, Politik-Expertin der „Krone“ eine Schwäche, wie sie für orf.at analysierte. Landbauer überziehe sprachlich komplett, habe da zu wenig Feingefühl und wisse nicht, wo die Grenzen sind, lautet ihr Urteil.

Landbauer selbst weiß, dass er damit aber am Radar der Journalisten lande. Das fände er zwar nicht gut, es sei aber „halt eine Gegebenheit“, sagte er zum Standard, darauf angesprochen. Man müsse sich eben "mit der Ellbogentaktik ein bisschen nach vorne kämpfen, um gesehen zu werden".

Udo Landbauer privat: Frau und Kind

Hat Udo Landbauer, der als Kind LKW-Fahrer werden wollte, Vorbilder? Er suche sich von jedem Menschen die guten Seiten und nehme das als Vorbild, sagt er.
Privat ist Udo Landbauer, der früher auch als Skilehrer am Semmering tätig war, ansonsten aber keine Berufserfahrung außerhalb der Politik hat, seit 2022 mit seiner Frau Simone verheiratet. Das Paar, das sich im August 2022 das Ja-Wort in der Wachau gab, eine ebenfalls in diesem Jahr geborene Tochter.

Udo Landbauer und die FPÖ bei der Landtagswahl 2023

Nach der Landtagswahl möchte der geborene Niederösterreicher auf der Karriereleiter noch etwas weiter nach oben: Er stellte Anspruch auf den Landeshauptmann und will „das System Mikl-Leitner brechen“ und die Landeshauptfrau vom Thron stoßen. Und er triumphierte - im Ergebnis. Die FPÖ überholte die SPÖ bei weitem und erreichte unter Landbauer erstmals Platz zwei in Niederösterreich. Die ÖVP unter Mikl-Leitner fuhr indes das historisch schlechteste Ergebnis der Landespartei ein. Eine Koalition mit Landbauers FPÖ schloss Mikl-Leiter im Gegensatz zu 2018 dieses Mal nicht mehr aus. Im Gegensatz zu den Freiheitlichen, die dieses Mal eine mögliche Zusammenarbeit mit Mikl-Leitner verneinten.