Fortschritt zeigt sich nicht nur in neuen Technologien, sondern auch darin, ob Menschen dadurch länger gesund, aktiv und leistungsfähig bleiben. Welche zentrale Rolle das Hören spielt, erläutert Lukas Schinko, CEO der Neuroth-Gruppe, in seinem Gastkommentar.
Wenn wir über Fortschritt sprechen, denken viele zuerst an Künstliche Intelligenz, Digitalisierung oder neue Technologien. Das ist richtig. Aber echter Fortschritt zeigt sich nicht nur darin, was technisch möglich ist. Sondern vor allem auch darin, ob Menschen dadurch länger gesund, selbstbestimmt und aktiv leben können. Gerade in einer älter werdenden Gesellschaft wird das zu einer entscheidenden Frage – auch für die Wirtschaft und Unternehmen.
Wir erleben derzeit einen tiefgreifenden Wandel: Menschen bleiben länger im Berufsleben, Teams werden altersdiverser und gleichzeitig steigen die Anforderungen an Kommunikation, Konzentration und geistige Leistungsfähigkeit. Dabei wird ein Thema oft unterschätzt, obwohl es für Teilhabe und Leistungsfähigkeit zentral ist: das Hören.
Hören bedeutet Kommunikation
Hören ist weit mehr als das Wahrnehmen von Geräuschen. Hören bedeutet Kommunikation, Sicherheit und Zugehörigkeit. Wer gut hört, bleibt im Gespräch – und damit im Leben. Das gilt privat genauso wie beruflich. Denn Missverständnisse in Meetings, Unsicherheit in Gesprächen oder der Rückzug aus sozialen Situationen beginnen oft schleichend. Viele Menschen bemerken Hörveränderungen erst spät – und warten dann Jahre, bevor sie handeln.
Dabei zeigen Studien sehr klar: Ein unbehandelter Hörverlust hat nicht nur persönliche, sondern auch wirtschaftliche Folgen. Er steht unter anderem mit höherer psychischer Belastung, sozialem Rückzug, häufigeren Krankenständen und früherem Ausscheiden aus dem Berufsleben in Zusammenhang. Laut WHO beträgt der volkswirtschaftliche Schaden durch unbehandelte Hörminderungen in Österreich rund 3,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Gleichzeitig wissen wir: Prävention und frühe Versorgung wirken. Die WHO geht davon aus, dass jeder in die Hörgesundheit investierte Euro innerhalb von zehn Jahren einen volkswirtschaftlichen Nutzen von 31 Euro erzeugen kann.
Neue Technologien, neue Stärke
Verantwortungsvoller Fortschritt bedeutet heute nicht nur, neue Technologien zu schaffen. Es bedeutet auch, Technologien so einzusetzen, dass sie Menschen stärken. Gerade die Hörakustik zeigt, wie das gelingen kann: Moderne Hörgeräte arbeiten heute mit Künstlicher Intelligenz, analysieren Hörsituationen in Echtzeit und unterstützen Menschen dabei, Gespräche auch in anspruchsvollen Umgebungen besser zu verstehen. Aber entscheidend ist nicht die Technik allein. Entscheidend ist, dass Hörgeräte bestmöglich von top ausgebildeten Fachkräften individuell angepasst werden. Um am Ende mehr Lebensqualität zu schaffen.
In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel wird gesundes Altern zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. Wer die Leistungsfähigkeit von Menschen erhalten möchte, muss Gesundheit ganzheitlicher denken – und Hören stärker miteinbeziehen. Denn gutes Hören unterstützt die Konzentration, stärkt die Teilhabe und hilft Menschen, länger aktiv im Berufsleben zu bleiben.
Fortschritt mit Verantwortung bedeutet deshalb auch, Prävention ernster zu nehmen. Regelmäßige Hörtests sollten so selbstverständlich werden wie zum Beispiel der Blick auf die eigene Sehstärke. Denn am Ende geht es nicht nur um besseres Hören. Es geht darum, dass Menschen miteinander verbunden bleiben – mit ihrem Umfeld, ihrem Beruf und ihrer Lebensfreude.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 23/2026 erschienen.






