Die „Krone“ beklagt, das Rennen um den Küniglberg sei längst parteipolitisch ausgemacht. Denn ihr Hauskandidat hat sich nicht einmal mehr beworben. Also beschädigt sie den unabhängigen Favoriten Clemens Pig, indem sie ihm Vereinnahmung durch Kanzler Christian Stocker und die ÖVP unterstellt
Der ORF ist eine kleine Welt, in der Österreich seine Probe hält. Solch holpriges Abwandeln von Friedrich Hebbels viel zitiertem Satz hat bei jeder Kür auf dem Küniglberg Hochsaison.
Aktuell aber beschreibt es das Ende einer Ära in den urbanen Tiefen des Wiener Beckens: Der Boulevard führt eine Schlacht gegen seinen Bedeutungsverlust. Das gilt insgesamt wie gegeneinander. Und manch Parteipolitiker spielt dazu Kanonenfutter – als nützlicher Idiot.
Das Trauerspiel und der Message-Kontroller
Begonnen hat das Trauerspiel mit einem angeblichen Duell von Kronehit-Geschäftsführer Philipp König und ORF-NÖ-Direktor Alexander Hofer um die Gunst der ÖVP. Denn sie hat laut uneingestandenem Koalitionspakt die Generalswahl – und 13 der 35 wahlberechtigten Stiftungsräte in ihrem Einflussbereich. Dann kam rund um den unsäglichen Abgang von Roland Weißmann der unabhängige APA-Chef Clemens Pig ins Spiel und wurde ebenso über Avancen von Puls-4-Pionier Markus Breitenecker orakelt.
Die Krone blieb dennoch selbstsicher ruhig dazu, weil sie mittlerweile den Message-Kontrollor von Sebastian Kurz an Bord hat: Der inzwischen selbstständige Gerald Fleischmann führt für sie TV-Interviews mit linear regelmäßig weniger als 3.000 Zuschauern, hat aber Kanzler Christian Stocker als „Hauptkunden“. Kritiker sehen in dieser Zweigleisigkeit einen „Verbindungsmann“.
Der misslungene Doppelpass
Dass König ebenfalls aus dem Kurz-Kabinett kommt, erleichtert das wechselseitige Verständnis. Doch vor lauter dezentem Doppelpass geriet das Tor außer Augen. In ihm stand mittlerweile ÖVP-General Nico Marchetti, der sich von türkisen Wegbegleitern entfernt, aber Stockers Vertrauen gewonnen hat.
Als die Krone den Tiroler Pig erstmals am 18. April als ORF-Chef-Anwärter erwähnte, war dies relativ neutral in Zusammenhang mit einer angeblichen Empfehlung durch Landeshauptmann Anton Mattle an den Kanzler. Dem Schuss vor den Bug folgten verzögert immer heftigere Artikel gegen Stocker und Pig. Doch Marchetti wünschte per Interview in der Presse eine Bewerbung des APA-Chefs.
Das Machtspiel der „Krone“
Seit diesem Gipfel politischer Unprofessionalität gerät die ORF-Wahl weniger zum allseits scheinheilig beklagten politischen Ränkespiel der Parteien als zum versuchten Muskelspiel des Boulevards. Da König nicht einmal mehr angetreten ist, will die Krone zumindest Pig verhindern.
Das hat weder persönliche noch Sach-, sondern nur Machtgründe. Und mit der Logik eines ewigen Rivalen sucht Oe24 Schwächen bei Breitenecker. Dabei spielt mit, dass die Krone als einziges großes österreichisches Kauf-Zeitungshaus kein Genossenschafter der APA ist, aber eine TV-Kooperation mit der Breitenecker-Gründung Puls 4 pflegt.
Regierung unter Druck
Die Koalition gerät dadurch stärker unter Druck, als sie bei Nachgeben aushalten kann. Das gilt nicht nur für die seltsam stille SPÖ und ihren Medienminister Andreas Babler, sondern auch die massiv Breitenecker unterstützenden NEOS.
Schon wenn der Anschein entsteht, die ORF-Wahl wäre vom Boulevard (mit)entschieden worden, sind die Tage der Regierung gezählt. Sie kann sich nur retten, indem sie dem wahren Wahlorgan Stiftungsrat offensiv jene Wahlfreiheit gewährt, die er laut Gesetz hat. Weder Pig noch Breitenecker hätten das zu fürchten. Alle anderen Kandidaten auch nicht. Doch ihre Chancen sind objektiv gering.
Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 24/2026 erschienen.







