Es gibt noch 1,1 Millionen Tageszeitungs-Abos. Ihre Bezieher haben ein ähnlich hohes Durchschnittsalter wie das Nachrichtenpublikum des ORF. Deshalb soll ihre Papier-Zustellung gefördert werden. Für Umsonst-Titel „an einen Haushalt" mit minimalem Journalismus-Anteil ist das hingegen schwer nachvollziehbar.
Im Gegensatz zu ORF-Abgabe, -Skandalen und -Personalien ist Medienförderung ein schwer vermittelbares Thema. Deshalb sollte sie im Hintergrund neu geregelt werden, bevor die öffentlich-rechtliche Reform breit diskutiert wird. Die Vorab-Erledigung dieses sperrigen Vorhabens diente jedenfalls als Erklärung, warum Medienminister Andreas Babler nur einen ORF-Konvent und keine ganzheitliche Medien-Enquete veranstaltet.
Doch während für dieses Zukunftsforum die Online-Konsultation von 400 Experten wie vorgesehen am Montag begann, wurde der schon für Freitag geplante Sendetermin des Medienförderungspakets in der Regierung blockiert. Die SPÖ hatte geliefert, aber die ÖVP wollte die Adressaten erweitern, damit von den 25 Millionen Euro Zustellförderung für die Printmedien auch Gratistitel profitieren. Klingt einfach, ist aber so kompliziert, dass es zur Lösung wohl erst ein Vier-Augen-Gespräch mit Kanzler Christian Stocker braucht(e). Der Zeitungsverband VÖZ hoffte auf einen Durchbruch im Ministerrat am Mittwoch.
Boulevard soll draußen bleiben
Letztlich geht es darum, dass die SPÖ den Boulevard von Österreich und Heute keinesfalls fördern will. Das wirkt angesichts der früheren Nähe des roten Wiens zu den Kost-Nix-Blättern von Wolfgang Fellner und Eva Dichand als geradezu diametrale Kursänderung. Deshalb stand die ÖVP diesen Gazetten zumindest vor der Phase von Sebastian Kurz und seinem Rücktritt infolge der Inseratenaffäre kritisch gegenüber. Als in den Städten immer schwächere, aber auf dem Land weiterhin erfolgreiche Bürgermeisterpartei liegen ihr die dort verbreiteten Gratis-Wochenzeitungen nahe. Sie sind immer noch die besten traditionellen Auftrittsflächen für Gemeinde-Mandatare.
Ein Großteil dieser Postillen (rund 120 Ausgaben) gehört der RMA – dem Joint Venture von Styria und Moser Holding, die soeben von Russmedia übernommen wird. Zu den drei Häusern zählen aber auch fünf der noch zehn Kauf-Tageszeitungen. Diese im VÖZ vereinten Titel sind gegen Unterstützung der Gratis-Konkurrenz. Sie pochen darauf, nur namentlich adressierte Exemplare zu fördern. Ein weiteres Argument für ihre andere Kostenstruktur ist der für sie geltende Journalisten-Kollektivvertrag. Die Umsonst-Blätter für die Bezirke agieren jedoch nach dem Prinzip des redaktionellen Minimums.
Haupteinnahmequelle Papier
Babler & Co. geht es bei der Neuregelung vor allem um Journalismusförderung. Das bedeutet, dass auch immer mehr Start-ups sich um Subvention anstellen. Sie sehen die Unterstützung von Papiervertrieb grundsätzlich als gestrig. Für die aus Tageszeitungen entstandenen Medienhäuser ist Print aber noch lange die Haupteinnahmequelle. Denn ihre Abonnenten mögen größtenteils älter sein, aber es sind noch 1,1 Millionen (brutto). Ihrem Informationsbedürfnis muss ähnliches Augenmerk gelten wie dem ebenso betagten Publikum des ORF. Denn im Gegensatz zu ihm und den „an einen Haushalt“ gerichteten Gratisblättern war die Entscheidung für den Abo-Kauf einer Tageszeitung freiwillig.
Unabhängig davon sind die RMA-Postwurf-Titel mit ihrem Online-Auftritt schon einer der stärksten digitalen Nachrichtenanbieter. Da ihr Geschäftsmodell-Ansatz kontinuierlich den Inhaltsanspruch verdrängt hat, reicht die Konzentration auf diese Transformation.
