7 der 9 Kandidat:innen diskutierten am Montag bei der ORF-III-Sendung „ORF-Wahl 2026: Vor der Entscheidung“: Eva Schütz, Robert Altenburger, Lisa Totzauer, Markus Breitenecker, Johannes Larcher, Kathrin Zierhut-Kunz und Clemens Pig mit ORF-III-Chefredakteurin Lou Lorenz-Dittlbacher (Mi.).
©Thomas RamstorferMit Sonja Sagmeister und Petra Höfer sind zwei ehemalige ORF-Mitarbeiterinnen im Rennen, die in rechtliche Auseinandersetzungen mit ihrem früheren Arbeitgeber verwickelt waren.
Zwei Tage vor der ORF-Wahl sind mit Ex-ORF-Journalistin Sonja Sagmeister und Ex-ORF-Managerin Petra Höfer noch zwei weitere Personen für ein Hearing im ORF-Stiftungsrat eingeladen worden. Damit stehen in Summe neun Personen zur Wahl. Die übrigen sieben sind bereits länger nominiert und präsentierten am Montagabend ihre Ideen in der ORF III-Sendung „ORF-Wahl 2026: Vor der Entscheidung“. Im Schnitt 84.000 Personen vor den Fernsehschirmen machten sich ein Bild von ihnen.
Im Rennen um die Stimmen der ORF-Stiftungsrätinnen und -räte sind APA-CEO Clemens Pig, Ex-ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer, Ex-HBO-Manager Johannes Larcher, ORF III-Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz, Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz, Ex-ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger und nun auch Sagmeister und Höfer, die beide in Rechtsstreitigkeiten mit dem ORF verstrickt waren. Der Kurier berichtete zunächst über die Neuzugänge. ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer bestätigte die Nominierungen gegenüber der APA.
Clemens Pig


Der Tiroler ist Geschäftsführer der APA, die er ins digitale Zeitalter geführt hat. Er gilt als verbindend und kompetent, legt Wert auf seine Unabhängigkeit. Dass sich die ÖVP für seine Wahl ausgesprochen hat, beschädigt ihn und freut ihn wenig:. „Ich habe keine Zusage. Weder von der Kanzlerpartei noch vom lieben Gott.“
Markus Breitenecker


Der Wiener hat reichlich Erfahrung mit Privat-TV und Quotenjagd. Er hat die Sendergruppe ProSiebenSat.1Puls4 mit aufgebaut. „Ich gehe davon aus, dass ich sehr gute Chancen habe, die Mehrheit im Stiftungsrat zu bekommen, weil ich habe auch gute Gespräche geführt“, erklärte er vor Journalistinnen und Journalisten.
Lisa Totzauer


Seit 30 Jahren in verschiedenen Funktionen im ORF tätig, aktuell als TV-Magazinchefin. Die Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten unterstützen sie. Sie will einen Gegenakzent zur politischen Einflussnahme auf die ORF-Wahl setzen und eine neue Unternehmenskultur schaffen.
Johannes Larcher


Er gilt als der interessante Außenseiter im ORF-Rennen. Nach Anfängen in der ORF-Kultur machte er Karriere bei internationalen Streaming-Unternehmen wie Warner Bros Discovery, HBO und Hulu. Er verspricht u. a. radikale Einsparungen von 100 Mio. Euro, die Bundesregierung wird das gerne hören.
Kathrin Zierhut-Kunz


Die Co-Geschäftsführerin von ORF III ist seit 15 Jahren in diversen Funktionen im ORF tätig, etwa Finanzen und Personal. Sie verspricht einen „modernen, effizienten und glaubwürdigen“ öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Zierhut-Kunz war auch politisch engagiert, sie war vor 30 Jahren Bezirksrätin der FPÖ in Wien.
Eva Schütz


Die Gründerin des Online-Boulevardmediums Exxpress hat sich für die Führung des ebendort häufig kritisierten ORF beworben. Bevor sie in die Medienbranche wechselte war sie u. a. im Kabinett von ÖVP-Finanzminister Hartwig Löger tätig. Bei der Wien-Wahl 2015 bemühte sie sich um eine NEOS-Kandidatur.
Robert Altenburger


Der frühere Chefredakteur von ServusTV zählt zu den Außenseiterkandidaten für die ORF-Spitze. Altenburger war nach eigenen Angaben in den vergangenen zehn Jahren als freiberuflicher Konsulent für verschiedene Programmdirektionen der ARD tätig und bringt zudem rund 25 Jahre ORF-Erfahrung mit, unter anderem in der Programmentwicklung und Programmplanung.
Für den ORF fordert er einen stärkeren Fokus auf Inhalte aus den Bundesländern, den Ausbau digitaler Angebote sowie neue non-lineare Formate für ein Publikum unter 30 Jahren.
Sonja Sagmeister


Die Journalistin zählt zu den bekanntesten Außenseiterkandidatinnen im Rennen um die ORF-Spitze. Nachdem sie vor mehreren Jahren vom ORF gekündigt worden war, zog sie gegen das Medienhaus vor Gericht. Das Oberlandesgericht Wien stellte im Vorjahr fest, dass die Kündigung unrechtmäßig erfolgt war.
Sagmeister fordert mehr Informationsfreiheit, Unabhängigkeit und Transparenz innerhalb und außerhalb des ORF. Zudem spricht sie sich für eine Stärkung der Landesstudios, des Auslandskorrespondenten-Netzes und der investigativen Berichterstattung aus. Zuletzt machte sie mit scharfer Kritik am Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer, auf ihre Kandidatur aufmerksam.
Petra Höfer


Die ehemalige ORF-Managerin tritt trotz vergangener Rechtsstreitigkeiten erneut zur Wahl um die ORF-Spitze an. Höfer hatte nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung, Mobbing und Machtmissbrauch gegen ihren damaligen Vorgesetzten einen Gerichtsprozess gegen den ORF geführt und das Unternehmen verlassen.
Nun kandidiert sie, weil ihr der ORF „am Herzen liegt“. Sie fordert mehr Distanz zur Parteipolitik, eine neue Unternehmenskultur und will das Medienhaus „wieder in Schwung bringen“. Ihr Ziel: „Die Mitarbeiter sollen auf den ORF wieder stolz sein können.“
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Renate Kromp
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