Neben dem ORF mit Clemens Pig haben auch die APA mit Maria Scholl und vor allem der VÖZ mit Rainer Nowak einen neuen Chef. Den VÖP übernahm schon zu Jahresbeginn Christian Stögmüller. Auch für die Medienpolitik bedeutet das andere Gegenüber. So eröffnen sich Möglichkeiten zum konstruktiven Neustart.
Nie zuvor wurde in der hiesigen Medienbranche so verdichtet umgerührt wie vor dieser Sonnwende. Doch wie die Übernahme der Moser Holding durch Russmedia – der größte Merger des Jahrzehnts – unterbelichtet blieb, widerfuhr es dem dreifachen Spielerwechsel vom 11. bis 18. Juni. Im Schatten der Generalsbestellung für den ORF ging unter, dass sie eine neue APA-Führung bewirkt und der Zeitungsverband einen überraschenden neuen Präsidenten hat.
Die Tragweite dieser Personalien erklärt sich am besten per Rückblick: Noch vor vier Monaten galt Roland Weißmann als hoher Favorit zur Wiederwahl als ORF-General, Clemens Pig als APA-Erfolgsmanager ohne Ablaufdatum und Maximilian Dasch als Glücksfall an der Spitze des Zeitungsverbands VÖZ (Verband Österreichischer Zeitungen). Nur der VÖP, das Pendant der Privatsender hatte seit Jahresbeginn einen neuen Vorsitzenden – Christian Stögmüller. Dass er nun der dienstälteste Branchenvertreter ist, hätte damals niemand geglaubt.
Nowaks Auferstehung
Die Zurücktretung von Weißmann ließ im ORF multiple Personalskandale folgen. Doch diese Nachbeben auf dem Küniglberg sind nur ein Teil der seismischen Wellen aus dem öffentlich-rechtlichen Tollhaus. Während infolge der Pig-Bestellung die international gefragte Maria Scholl geradezu logisch von der Chefredakteurin zur Vorständin wurde, war die Auferstehung von Rainer Nowak zum VÖZ-Präsidenten eine Sensation. Er hatte 2022 wegen geleakter Chats mit Thomas Schmid, Ex-General des Finanzministeriums, als Chefredakteur, Herausgeber und Geschäftsführer der Presse zurücktreten müssen.
Dabei ging es u. a. um Nowaks Avancen zum ORF-Chef. 2024 wurde er Super-Ressortleiter für Politik und Wirtschaft der Krone und als ihr künftiger Chefredakteur gehandelt. Doch ein Jahr später kehrte er als Geschäftsführer zur Presse zurück. Im Renommierblatt der Styria forcierte er intern das Zusammenwachsen ihres Politik- und Wirtschaftsressorts mit der ertragreicheren Kleinen. Extern fiel er durch harten Kurs gegen den ORF auf und seine Abgrenzung von allfällig neuen Marktteilnehmern wie der neuen Digitalen Allianz.
Pigs Widerpart und Partner
Vorgänger Dasch war das pragmatischer und kooperativer angegangen als Strippenzieher Nowak im Hintergrund. Dessen zwar einstimmige, aber durchaus umstrittene Kür zur VÖZ-Galionsfigur neben dem operativen Geschäftsführer Gerald Grünberger wirkt als Signal an ORF und Politik. Vizekanzler Andreas Babler und seine medienkompetenten Mitarbeiter Answer Lang und Evelyn Hemmer haben nun aber mehr einschlägige Erfahrung als ihre formalen Stakeholder-Gegenüber. Das kann eine Chance für alle sein. Denn zuletzt schien die rote Medienpolitik etwas festgefahren in einer Überbewertung der journalistischen und Neulingsförderung auf vermutete Kosten der großen traditionellen Arbeitgeber.
Die neuen Gegen- und Schlüsselspieler Nowak und Pig haben beide Tiroler Wurzeln und kennen einander seit Jahrzehnten. Ihre persönlichen Soft Skills wirken sehr unterschiedlich. So wie es öffentlich-rechtliche und private Medien in vieler Hinsicht sind. Sie müssen zu komplementärer Koexistenz finden, um die Medienlandschaft Österreich abzusichern. Das sollte ihnen immer wichtiger sein als allfällig kurzfristige Vorteile für VÖZ und ORF.
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Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 26/2026 erschienen.







