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Pius Strobl: Der freigestellte „Mann fürs Grobe“ im ORF wird 70

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Pius Strobl

©K. Piles, IMAGO

Der Niederösterreicher managte den ESC 2015 und die Sanierung des ORF-Zentrums. Er gehört zu den Spitzenverdienern im ORF und stand zuletzt wegen umstrittener Pensionsvereinbarung im Rampenlicht.

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Zuletzt war die Aufregung wieder groß um ORF-Manager Pius Strobl — oder besser gesagt über seine umstrittene Pensionsregelung, die wohl ein Fall für die Gerichte wird. Seit wenigen Wochen ist er zudem wegen Hinweisen zu einem möglichen, nicht näher konkretisierten Fehlverhalten vom ORF freigestellt. Dabei hätte er nur noch ein halbes Jahr bis zu seinem Abschied Ende 2026 im öffentlich-rechtlichen Medienhaus verbracht. Am Sonntag (28. Juni) feiert Strobl seinen 70. Geburtstag.

Nie so richtig ruhig

So richtig ruhig war es in Strobls Leben nie. Auch seine nahende Pension ändert daran wohl nichts. Denn Strobl hat bereits angekündigt, seine Pensionsregelung – mit der sich mittlerweile schon drei ORF-Chefs befassten – einklagen zu wollen. Diese hatte ihm einst der damalige ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz vertraglich zugesichert. Der folgende ORF-Chef Roland Weißmann ließ sie prüfen und teilte Strobl daraufhin mit, sie nicht umsetzen zu wollen – sehr zu dessen Ärgernis. Gemunkelt wurde, dass Strobl seine Finger im Spiel hatte, als Weißmann nach Vorwürfen einer ORF-Mitarbeiterin als Generaldirektor zurücktrat. Er bestätigte, dass er denselben Anwalt wie die Frau habe, dementierte jedoch, sie zum Publikmachen der Vorwürfe motiviert zu haben.

ORF-Stiftungsrat Leonhard Dobusch empfahl der gegenwärtigen ORF-Chefin Ingrid Thurnher, nachdem er Einblick in den Strobl-Sondervertrag genommen hatte, eine Sachverhaltsdarstellung wegen „mutmaßlicher Untreue und Bilanzfälschung“ einzubringen. Die Oberstaatsanwaltschaft prüft gegenwärtig einen Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft Wien. Ob es ein Ermittlungsverfahren geben wird, ist damit noch offen.

Spitzenverdiener im ORF

Aber auch für den Fall, dass seine Pension etwas niedriger als von ihm erwartet ausfallen sollte, trifft es Strobl wohl nicht sonderlich hart. Laut ORF-Transparenzbericht für 2025 ist er mit 469.000 Euro Bruttojahresgehalt der Spitzenverdiener im öffentlich-rechtlichen Medienhaus. Seinen Vertrag vereinbarte Wrabetz. Und der erklärte dem Standard kürzlich, dass Strobl 2021 in Pension gehen wollte. Da sei das 300 Millionen Euro schwere Sanierungsprojekt des ORF-Zentrums am Küniglberg, das Strobl managte, aber noch lange nicht abgeschlossen gewesen. „Mir war wichtig, dass er das Projekt abschließt“, so Wrabetz. So kam es dann auch, wobei Kosten- und Zeitplan eingehalten wurden.

Vom Waisenkind zum rastlosen Kommunikator

Geboren wurde Strobl am 28. Juni 1956. Er wuchs als Waisenkind in Mattersburg im Burgenland auf und startete seine Berufslaufbahn zunächst als Gendarm. Bald engagierte er sich politisch — zunächst bei der SPÖ, anschließend bei den Grünen, die er mitgründete. Dort betätigte er sich als Pressechef und von 1988 bis 1990 neben Johannes Voggenhuber als Bundesgeschäftsführer. Anschließend arbeitete er als Vorstand in der Conwert Immobilien Invest und gründete Mitte der 90er-Jahre eine eigene Event- und Marketingagentur.

Wien hat dem rastlosen Kommunikator zahlreiche Events zu verdanken, die heute noch das Stadtbild prägen: Strobl erfand etwa den Weihnachtsmarkt am Spittelberg und den „Eistraum“ vor dem Rathaus. Dazu betätigte er sich noch Jahre vor der „EURO 2008“ als Pionier in Sachen Public Viewing. In frühen Jahren hatte sich Strobl auch schon publikumswirksam mit der Justiz angelegt. Er ließ sich wegen Wehrdienstverweigerung zu einer Haftstrafe verdonnern.

Dem ORF näherte er sich zunächst von 1989 bis 1998 auf Ticket der Grünen in seiner Funktion als Mitglied des ORF-Kuratoriums, das inzwischen zum Stiftungsrat umgetauft wurde. Strobl war während dieser Zeit maßgeblich an der Wiederwahl Gerd Bachers zum ORF-Generalintendanten sowie der Abwahl von Programmintendant Ernst Wolfram Marboe beteiligt. 2004 zog Strobl dann für die Grünen neuerlich in den ORF-Stiftungsrat ein, wo er als einer der Baumeister der „Regenbogenkoalition“ fungierte, die Alexander Wrabetz auf den Schild des ORF-Chefs hob. Wrabetz engagierte ihn in der Folge als Kommunikationschef des öffentlich-rechtlichen Senders.

Der „Mann fürs Grobe“ als Kommunikationschef

Strobl galt als „Mann fürs Grobe“ und hielt seinem Chef extern und intern den Rücken frei. Zu Journalisten pflegte er ein enges Verhältnis, verlieh diesen gegenüber seinen Wünschen aber auch gerne starken Nachdruck. Sein Auftrag an eine Mitarbeiterin, Direktorengespräche mit Journalisten am Rande einer Sitzung des ORF-Stiftungsrats mitzuschneiden, brachte ihn 2010 ins Stolpern. Er trat nach einer Woche öffentlicher Dauerkritik zurück, womit Wrabetz seinen wichtigsten Mitstreiter und engsten Vertrauten verlor.

In den Folgejahren war Strobl im Beratergeschäft tätig, für den ORF organisierte er auf Konsulentenbasis die HD-Umstellung und den Smart-Card-Tausch. 2014 holte ihn Wrabetz als Eventmanager für den 2015 in Wien abgehaltenen Eurovision Song Contest (ESC) zurück. Daran anschließend wurde er als Projektmanager für die Sanierung und den teilweisen Neubau des ORF-Zentrums beschäftigt. 2018 übernahm er zudem die Leitung des ORF-Facility-Managements. Auch als Corporate-Social-Responsibility-Chef war Strobl tätig — bis er Anfang Juni nach zahlreichen bei der ORF-Compliance-Stelle eingegangenen Hinweisen zu möglichem Fehlverhalten freigestellt wurde. Gegenüber der APA hielt er fest, dass ihm keine Gründe und Begründungen bekannt gemacht wurden.

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