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Burschen unter sich

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Degenglocken in den Burschenfarben Rot-Gold-Blau der Katholisch Österreichischen Hochschulverbindung Pannonia.

©IMAGO / INSADCO
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Übertriebene Fortschrittlichkeit kann man der FPÖ nicht nachsagen. Während alle anderen Parteien ihren Frauenanteil im neu zusammengesetzten Nationalrat erhöht haben, bleiben FPÖ-Politikerinnen weiter die Minderheit. Dafür setzt sich die blaue Mannschaft gleich zur Hälfte aus Burschenschaftlern zusammen.

Sie tragen lustige Hüte, bunte Schärpen, spitze Säbel und manchmal auffällige Narben im Gesicht. Ihre Treffen finden in versteckten Vereinslokalen statt, in der Öffentlichkeit sieht man sie nur zu bestimmten Anlässen und dann in großen, uniformierten Gruppen. Was sie tun und was sie wollen, entzieht sich zumeist der Kenntnis der breiten Öffentlichkeit.

Das hat auch damit zu tun, dass Korporierte in Österreich eine Minderheit darstellen. Und laut Schätzungen des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) sind es gerade einmal 3.000 bis 4.000 von diesen, die sich hierzulande zu deutschnationalen Verbindungen zusammengeschlossen haben. Ihre Merkmale sind unter anderem: autoritäres Führerprinzip, Antifeminismus, Rassismus und Ablehnung der österreichischen Nation. Diese Einstellung lässt sich auf den Homepages der Burschenschaften Olympia und Albia leicht nachlesen, die dort offen gegen "Genderwahn und Political Correctness" wettern.

Umso bemerkenswerter, dass sich von den 51 FPÖ-Abgeordneten gleich 20 Personen solchen Verbindungen zuordnen lassen. 16 zählen laut dem DÖW-Experten Wolfgang Schellenbacher zu schlagenden Burschenschaften, die ihre Mitgliedschaft auch gerne öffentlich durch Narben (sogenannte Schmisse) auf der Wange beweisen. "Zwei dieser Verbindungen -Olympia und Teutonia -kann man klar als rechtsextrem einstufen", sagt Schellenbacher.

Prominente Brüder

Doch es sind nicht nur die Hinterbänkler, die sich dieser Art von Vereinsleben hingeben, sondern auch prominente Blaue wie Parteiobmann Heinz-Christian Strache (Vandalia Wien), Nationalratspräsident Norbert Hofer (Marko-Germania Pinkafeld) und der Parlamentsrückkehrer Martin Graf (Olympia Wien). Klubobmann Walter Rosenkranz ist Mitglied bei Libertas Wien: "Ich finde es hervorragend, dass es so viele Burschenschaftler im Parlament gibt." Immerhin würde man bei Verbindungen lernen, "zu leiten und zu lenken". Außerdem, so Rosenkranz, erfahren junge Menschen, "wie man Verantwortung übernimmt und demokratische Strukturen funktionieren". Letzteres stellt Rechtsextremismusforscher Bernhard Weidinger in Abrede: "In gewissem Sinn lernt man die politischen Abläufe, allerdings in einem nicht pluralistischen Umfeld." Das bedeutet, so der DÖW-Forscher: "Man lernt Politik, aber keine Demokratie."

Ein besonderes Problem der Burschenschaftler ist ihr staatsbürgerliches Verständnis. So bezeichnet sich selbst Dieter Derntl, Obmann der als vergleichsweise unauffällig eingeschätzten Libertas, im "ORF-Report" als Deutscher anstatt als Österreicher, "da der Kulturkreis nicht an der Staatsgrenze endet".

Sicher ist auch, dass Verbindungsbrüder einander nicht nur im privaten Bereich, sondern auch karrieretechnisch gegenseitig unterstützen -auch wenn das öffentlich kaum zugegeben wird. "Beruflich habe ich noch nichts von meiner Mitgliedschaft gehabt", sagt der 55-jährige Abgeordnete Rosenkranz. "Im Beamtenbereich sind die Verbindungen zu wenig verankert, und im freiberuflichen Bereich gibt es sie gar nicht." Doch wie weit spielt das radikale Frauenbild der deutschnationalen Burschenschaftler tatsächlich in die Linie der FPÖ hinein? Neben den 20 Verbindungsbrüdern dürfen nur zwölf Mandatarinnen im neuen Parlamentssaal Platz nehmen. "Unter den von FPÖ und Burschenschaftlern vertretenen Positionen gibt es zwei Konstanten: Militarismus und Männlichkeitskult auf der einen und Frauenverachtung auf der anderen Seite", sagt Buchautor Hans-Henning Scharsach. "Den Herren der Schöpfung ist Schutz und Führung zu übertragen, die Frauen haben zu dienen und für Mann und Kind verfügbar zu sein." Aus diesem Grund würden "Küche, Kochen und Kindererziehung als ,naturgegebene' Aufgaben der Frau glorifiziert und Forderungen nach politischer, wirtschaftlicher und sozialer Gleichberechtigung als Verschwörung von Linken und Feministinnen lächerlich gemacht".

Rosenkranz bestreitet das: "Für Frauen ist es nun einmal nicht so einfach, sich zeitgerecht um ihre Parteikarriere zu kümmern." Dennoch: "Qualität setzt sich immer durch", so der freiheitliche Parlamentarier. Frauenförderung scheint im FPÖ-Klub aber kein großes Thema zu sein: "Die Forderung nach Gleichberechtigung von Frauen wird mit Spott, Verachtung und Aggression beantwortet", analysiert Scharsach. Ein FPÖ-Bezirksrat hat gar ein Buch geschrieben, in dem es heißt: "Jede Organisation verliert an Ansehen, je höher der Frauenanteil dort ist."

Haus und Herd

Tatsächlich sind die Namen der wenigen FPÖ-Politikerinnen vergleichsweise unbekannt. Prominent ist just eine, die sich vor dieser Nationalratswahl von der FPÖ losgesagt hatte: Barbara Rosenkranz. In ihren Publikationen zeigt die langjährige freiheitliche Politikerin das Frauenbild der Blauen dennoch in aller Deutlichkeit auf. Rosenkranz stellt darin die beiden sich vermeintlich widersprechenden Pole "Emanzen-Unwesen" und "echte Weiblichkeit" und "Mutterrolle" gegenüber. Für die zehnfache Mutter stellt auch die zunehmende Kinderlosigkeit der Gesellschaft ein "Virus" dar. Rosenkranz zählt zu den "Alibifrauen", wie Autor Scharsach sie nennt:

"Es ist eine Taktik der FPÖ, in rein männlichen Gremien eine einzelne Frau zur Stellvertreterin zu machen." Diese muss keine echte Macht innehaben, sondern habe lediglich die Funktion, "das Bild abzurunden".

"Territorium Frau"

Diese Beschreibung könnte auch auf Anneliese Kitzmüller zutreffen. Die weitgehend unbekannte oberösterreichische Politikerin war von Parteichef Strache völlig überraschend in die Steuerungsgruppe für die ÖVP/FPÖ-Regierungsverhandlungen berufen worden. Dass sie der akademischen Mädelschaft Iduna Linz - und damit ebenfalls dem Verbindungsspektrum -angehört, könnte ihr dabei geholfen haben. Zudem gibt die zweifache Mutter, die seit neun Jahren für die FPÖ im Parlament sitzt, als Berufsbezeichnung "Hausfrau" an. Mit diesen Parametern entspricht die 58-Jährige der FPÖ-Wunschvorstellung von weiblicher Begleitung. Die zahlreichen jungen Wahlkampfhelferinnen verstärken den Eindruck von Frauen mit eher passiven Rollen. "Es herrscht ein starker Paternalismus", sagt Rechtsextremismusforscher Weidinger. "Die Frau wird als ,Erhalterin des Volkes' stark idealisiert, dabei aber auch als eine Art ,erweitertes Territorium' betrachtet, das von Männern gegen fremde Einflüsse verteidigt werden muss."

Bei den Wählerinnen kommt diese Einstellung nicht so gut an: "Frauen haben bei der heurigen Nationalratswahl überdurchschnittlich für SPÖ und Grüne, Männer hingegen für ÖVP und FPÖ gestimmt", analysieren die Forscher des Meinungsforschungsinstitutes Sora. Wer das Frauenbild der FPÖ nicht teilt, interessiert sich auch nicht für ihr Wahlprogramm und kommt auch nicht in die Verlegenheit, sie zu wählen. Dennoch: 22 Prozent der Frauen haben für die Blauen gestimmt.

Zudem finden sich auch immer ausreichend viele Nachwuchspolitikerinnen, die sich gut vorstellen können, für die Freiheitlichen politische Funktionen zu übernehmen. Das liegt vor allem an den sich gleichenden "Weiblichkeitsvorstellungen", so Weidinger: "Sie fühlen sich gut behandelt. Burschenschafter geben sich galant, beschützend und halten einer Frau auch die Tür auf." Von den Funktionärinnen seien zudem Argumente wie "die lassen mich Frau sein" zu hören.

Keine schönen Zeiten

Sollten die aktuellen türkis-blauen Regierungsverhandlungen zu einem guten Abschluss kommen - wovon zum jetzigen Zeitpunkt auszugehen ist -, wird auch die Partei FPÖ auf eine höhere Ebene gehoben. Es ist allerdings nicht zu erwarten, dass die Freiheitlichen auf der Regierungsbank ihr Frauenbild plötzlich ändern werden. Ganz im Gegenteil, Autor Scharsach geht von einer "Schwächung der Frauenpositionen" aus: "Die FPÖ ist gegen Frauenhäuser, sie ist auch gegen Sexualerziehung. Für Frauen brechen ganz sicher keine schönen Zeiten an." Auch Frauenquoten sind ein rotes Tuch, wie FPÖ-Sicherheitssprecher Rosenkranz bestätigt: "Bei uns spielt das Geschlecht keine Rolle, die Quote aber genauso wenig."

Auch die Koalition mit der Volkspartei würde künftige antifeministische Maßnahmen nicht vollkommen unterdrücken: "In der ÖVP gibt es zwei Flügel: Da gibt es sehr moderne und zeitgemäß demokratisch agierende Frauen, die die Stellung der Frauen lautstark und entschieden vertreten", sagt Scharsach. "Aber es gibt auch den rechten und zum Teil rechtsklerikalen Flügel, der mit dem Frauenbild der freiheitlichen Partei durchaus sympathisiert."

Die Verbindungsbrüder im Parlament begünstigen diese Entwicklungen, sind aber nicht der alleinige Faktor für die freiheitliche Sicht der Dinge, sagt Experte Weidinger: "Die FPÖ steht nicht nur wegen der Burschenschaften dort, wo sie steht." Freilich sind es dennoch genau diese 20 korporierten Parlamentarier, die das rechte Eck salonfähig machen.

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