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Neue (Un-)Ordnung: Die Welt als Spielfeld der Großmächte

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War Venezuela nur der Anfang? Trump, Putin und Xi Jinping stecken ihre Einflusssphären ab. Verliert das Völkerrecht an Bedeutung und erlebt die Machtpolitik ein Comeback? Was bedeutet das für die NATO? Wem die Supermächte drohen und was sie sich davon erhoffen.

von Maria Mayböck

Aus europäischer Perspektive gelten die USA unter Präsident Trump nicht länger als verlässlicher Partner. Russland und China verfolgen ihre geopolitischen Ambitionen seit Jahren. Nun deutet vieles darauf hin, dass auch Washington seine Einflusssphäre neu absteckt.

USA

In seiner zweiten Amtszeit setzt Präsident Trump seinen konfrontativen außenpolitischen Kurs fort: willkürliche Strafzölle auch gegen Verbündete, die Abkehr von internationalen Abkommen und eine kompromisslose Durchsetzung nationaler Wirtschaftsinteressen. Mit dem militärischen Eingreifen in Venezuela zeichnet sich für viele Beobachter eine neue Richtung ab – eine Trump’sche Neuauflage der Monroe-Doktrin. Eine „Donroe-Doktrin“ also: Der US-amerikanische „Hinterhof“ soll sich den Regeln Washingtons fügen, notfalls mit Gewalt.

Doch Venezuela könnte nur der Anfang gewesen sein. Auch Grönland reklamieren Trump und seine Administration wiederholt für die USA – wegen seiner strategischen Lage in der Arktis und der reichen Vorkommen an seltenen Erden. Eine Intervention in der autonom regierten, zu Dänemark gehörenden Insel würde die NATO vor ein bislang ungekanntes Dilemma stellen und die Bündnissolidarität fundamental infrage stellen. Öffentliche Drohungen mit Interventionen in Mexiko und Kolumbien begründet Trump mit der angeblich unzureichenden Bekämpfung von Drogenkartellen. Kuba sieht Trump nach dem Wegfall venezolanischer Unterstützung vor dem Scheitern.

Selbst Verbündete geraten unter Druck: Kanada wird mit Strafzöllen belegt und als möglicher „51. Bundesstaat“ bezeichnet, Panama mit der Drohung konfrontiert, den Panama-Kanal „zurückzuholen“. Außerhalb der westlichen Hemisphäre rückt zudem der Iran in Trumps Visier: Inmitten massiver Proteste schottet das Regime das Land mit einem Internet-Blackout ab, Berichte sprechen von Hunderten Toten und Inhaftierten. Trump hatte zuvor erklärt, die USA stünden bereit einzugreifen, sollte Teheran gewaltsam gegen Demonstrierende vorgehen – politischer Rückenwind und Eskalation zugleich?

China

China verfolgt seine Expansionspolitik subtiler. Durch wirtschaftliche Verflechtung, Investitionen und politische Einflussnahme macht sich Peking in vielen Ländern zu einem unverzichtbaren Partner. Seinen Anspruch auf Taiwan jedoch formuliert Peking zunehmend offen. Großangelegte Militärmanöver, die eine Übernahme der Insel simulieren, sollen militärische Stärke demonstrieren – und Taiwan dauerhaft unter Druck setzen.

Russland

Präsident Putin arbeitet seit Jahren offen daran, Russlands Einflusszone auszudehnen und ehemalige sowjetische Gebiete wieder unter Moskaus Kontrolle zu bringen. Am deutlichsten zeigt sich das im Angriffskrieg gegen die Ukraine, der inzwischen fast vier Jahre andauert. Doch auch Moldau und Georgien sehen sich immer wieder politischem Druck, Destabilisierungsversuchen oder direkter Einflussnahme aus Russland ausgesetzt. Zugleich testet Russland zunehmend die Reaktionsfähigkeit und Entschlossenheit der NATO. Im vergangenen Jahr drang Moskau wiederholt mit Drohnen in den NATO-Luftraum ein.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 03/2026 erschienen.

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