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„Greenxit“: Als Grönland Nein zu Europa sagte

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Grönland

©Imago / Henricus Lüschen

Heute fordert das Europaparlament eine EU-Beitrittsstrategie für die von Trump begehrte Arktisinsel.

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Lange vor dem Brexit hat Grönland ein Referendum abhalten, das 1985 zum Austritt der zu Dänemark gehörenden Arktisinsel aus der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) geführt hat. Als Dänemark 1973 der EWG – dem Vorläufer der heutigen EU – beitrat, wurde auch Grönland Mitglied, nachdem eine Mehrheit der Dänen, aber nur eine Minderheit der Grönländer für den Beitritt gestimmt hatte. 1982 stimmten sie dann in einem Referendum gegen den Verbleib in der EWG.

53 Prozent stimmten 1982 für Austritt aus EWG

Im Zuge des britischen Brexit-Referendums von 2016 und des EU-Austritts Großbritanniens 2020 wurde der grönländische Austritt aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bisweilen als „Greenxit“ bezeichnet. In Grönland war der EWG-Beitritt unpopulär, weil die Bevölkerung (derzeit rund 57.000 Menschen) auf einer vollen Kontrolle ihrer Fischereiressourcen bestand. Überdies verlieh die Ablehnung der EWG der Insel auch einen wichtigen Schub hin zu mehr Unabhängigkeit von Dänemark: Grönland erhielt 1979 in dem Königreich eine Selbstverwaltung, die Autonomie wurde 2009 ausgeweitet. Die Selbstverwaltung ermöglichte das Referendum von 1982, bei dem 53 Prozent der grönländischen Wahlberechtigten für den Austritt aus der EWG votierten.

Nach dem Austritt Grönlands aus der EWG im Jahr 1985 wurde Grönland ein über Dänemark assoziiertes Überseegebiet. Anders als Grönland waren die ebenfalls zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln nie Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der EU.

EU-Schiffe erhalten Fischereirechte gegen Geld und Marktzugang

Die wichtigsten Kooperationsbereiche zwischen der Europäischen Union und Grönland sind Fischerei, Bildung und seit Kurzem auch grünes Wachstum. Die Fischereibeziehungen sind seit 1985 folgendermaßen geregelt: EU-Schiffe dürfen gegen einen finanziellen Beitrag in grönländischen Gewässern fischen. Die Union gewährt im Gegenzug grönländischen Fischereiprodukten zollfreien Zugang zum EU-Markt. Darüber hinaus ist Grönland mit Abstand der größte Empfänger von EU-Mitteln für überseeische Länder und Gebiete.

Nach Angaben des EU-Parlaments beträgt der jährliche Finanzbeitrag der EU für Grönland 17,3 Millionen Euro, davon 14,1 Millionen Euro für den Zugang zu den grönländischen Fischereiressourcen und 3,2 Millionen Euro zur Unterstützung des grönländischen Fischereisektors. Die EU tauscht einen erheblichen Teil der von Grönland erhaltenen Fangquoten mit Norwegen. Die verbleibenden Quoten werden derzeit Deutschland, Dänemark und Frankreich zugeteilt.

Seit 2024 EU-Büro in Nuuk

Die EU hat ihr Engagement in Grönland zuletzt verstärkt, indem sie im März 2024 ein Büro in der grönländischen Hauptstadt Nuuk eröffnete und im November 2023 eine Absichtserklärung für eine strategische Partnerschaft zur Entwicklung nachhaltiger Rohstoffwertschöpfungsketten unterzeichnete.

Vor dem Hintergrund der Annexionsdrohungen von US-Präsident Donald Trump hat das Europäische Parlament im November 2025 in einer Entschließung eine EU-Beitrittsstrategie für Grönland gefordert. Demnach sei „jede mögliche Initiative der Regierung Grönlands zur Stärkung seiner politischen, institutionellen und wirtschaftlichen Beziehungen zur EU zu begrüßen, zumal die Bedeutung Grönlands für die Sicherheit in der Arktis und in Europa zunimmt und auch die Unterstützung der Bevölkerung Grönlands für einen EU-Beitritt steigt, was in Umfragen zum Ausdruck kommt, wonach rund 60 Prozent der grönländischen Bevölkerung den Wiedereintritt in die EU befürworten“, heißt es in der Resolution der EU-Abgeordneten.

Die Europaparlamentarier legten der EU nahe, „vertiefte strategische und wirtschaftliche Partnerschaften einzugehen, auch im Zusammenhang mit einem möglichen Beitritt, sofern und sobald die grönländische Bevölkerung darum ersucht“. In diesem Zusammenhang hob das Europaparlament hervor, dass Grönland durch eine EU-Mitgliedschaft auch Zugang zu den europäischen Satellitensystemen Iris und Galileo erlangen würde, sowie Mittel zum Schutz seiner Ökosysteme und zur Entwicklung der Infrastruktur im Zuge der Entstehung neuer nördlicher Handelsrouten erhielte.

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