Der derzeitige APA-Chef galt im Vorfeld als großer Favorit. Er wird seine Funktion als Generaldirektor der öffentlich-rechtlichen Sendungsanstalt mit 1. Jänner 2027 antreten.
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Es wurde letztlich der erwartete Favoritensieg: APA-CEO Clemens Pig ist Freitagnacht zum ORF-Generaldirektor ab 2027 gewählt worden. Er folgt mit 1. Jänner auf die gegenwärtige ORF-Chefin Ingrid Thurnher, die nicht erneut kandidierte.
Der 51-jährige Tiroler erreichte im ORF-Stiftungsrat nach einer gut fünfzehnstündigen Marathonsitzung 21 von 35 Stimmen und kam damit auf die erhoffte Mehrheit.
Stundenlange Hearings
Die stundenlangen Hearings im Vorfeld mögen auch auf die starke Konkurrenz für den designierten ORF-Chef zurückzuführen sein – und einer besonderen Gewissenhaftigkeit angesichts des neuerdings geltenden Europäischen Medienfreiheitsgesetzes.
So hatten sich unter anderen der einstige ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer und der ehemalige HBO-Manager Johannes Larcher beworben, die allesamt mehrere Stimmen auf sich vereinten. Eine Stimme ging auch an ORF III-Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz. In Summe waren neun Personen zum Hearing direkt vor der Wahl im ORF-Zentrum geladen.
Das Abstimmungsergebnis
Clemens Pig – 21 Stimmen
Johannes Larcher – 6 Stimmen
Markus Breitenecker – 4 Stimmen
Lisa Totzauer – 3 Stimmen
Kathrin Zierhut-Kunz – 1 Stimme
Ein Tiroler erklimmt die Spitze
Am Karrierebeginn beobachtete er den ORF und dessen Sendungen, ab 2027 wird er ihn führen: APA-CEO Clemens Pig.
Er will das größte Medienhaus des Landes vom Rundfunk zur "Plattform der Gesellschaft" machen und Vertrauen zurückgewinnen. Kernthese: "Der ORF muss digital stärker, publizistisch klarer, organisatorisch einfacher und öffentlich überprüfbarer werden."
Der Verbinder
Pig gilt als Verbinder – nicht zuletzt, da er als CEO der APA – einer Genossenschaft im Eigentum des ORF (46 Prozent) und vieler österreichischer Tageszeitungen – mit beinahe allen größeren Medien im Land regelmäßig im Austausch stand.
Er will gemäß seiner Aussagen den ORF in den kommenden Jahren nun nicht nur als glaubwürdigste Infoquelle des Landes erhalten und das öffentlich-rechtliche Medienhaus zur führenden österreichischen digitalen Medienplattform ausbauen, sondern auch zum Partner des gesamten Medienstandorts machen.
Von MediaWatch zur APA
Geboren wurde Pig am 6. Juli 1974 in Innsbruck. Er gründete noch während seines Studiums der Politikwissenschaft MediaWatch und analysierte damit Nachrichtensendungen des ORF. Die APA übernahm 2001 den Großteil der Anteile am Marktführer für Medienbeobachtung.
Als Mittdreißiger wechselte Pig im Jahr 2008 in die Geschäftsleitung der APA, wo er etwa Marketing und Verkauf und das Tochterunternehmen APA-DeFacto leitete. 2014 wurde er unter dem Vorsitz von Peter Kropsch zum Geschäftsführer der APA-Gruppe bestellt und übernahm 2016 den Vorsitz der Geschäftsführung von ihm.
Wirtschaftlich erfolgreiche Bilanz
Zehn Jahre später kann Pig in für die Medienbranche finanziell äußerst turbulenten Zeiten auf eine wirtschaftlich erfolgreiche Bilanz verweisen. Die Nachrichtenagentur landete unter ihm konstant in der Gewinnzone und steigerte ihren Umsatz markant. Er trieb die digitale Transformation, Innovationsfähigkeit und internationale Vernetzung voran – so ist die APA in der Schweiz mittlerweile auch größter Aktionär der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Erst Ende 2024 wurde Pig von den APA-Gremien für eine weitere fünfjährige Funktionsperiode als Vorsitzender der APA-Geschäftsführung bestätigt. Seinen Vertrag beendete er vorzeitig. Das erklärte er damit, sich nicht aus einem aufrechten Dienstverhältnis bewerben zu wollen, um nicht zuletzt auch die Integrität der APA zu wahren und sein Commitment zu belegen.
Redaktionelle Mitte und Expertenmonitoring
Er verspricht in seinem Bewerbungskonzept die redaktionelle Unabhängigkeit des ORF zu sichern, Vertrauen zurück zu erarbeiten und mit einer klaren Vision für Veränderung zu sorgen. Die publizistische Kernleistung dürfe nicht ausgehöhlt werden, wobei er für eine "ORF-Redaktion der demokratischen Mitte" sorgen will, die aller Kritik standhält. Perspektiven müssten ausgewogen abgebildet und kontroverse Themen fair gerahmt werden. Er will ein Experten- und Quellenmonitoring aufbauen, um zu veranschaulichen, welche Stimmen wie oft vorkommen und wo neue Expertise erschlossen werden sollte.
Der 51-Jährige will österreichischen Content in allen Genres stärken und für bessere Auffindbarkeit regionaler Inhalte sorgen. ORF On müsse stärker in Themenwelten, Dossiers und Empfehlungen gedacht werden, meint er. Auf ORF.at soll Video und Audio besser eingebunden und für eine klarere Themenstruktur gesorgt werden.
Mutiger im digitalen Raum agieren
Für junge Zielgruppen sollen unter Einbindung junger Programmpersönlichkeiten neue Formate und für Social Media eine klare Strategie entwickelt werden – "ohne sich von Plattformaffekten steuern zu lassen", schreibt Pig. Generell will er im digitalen Raum strategisch mutiger agieren.
Als "unbequeme Wahrheit" führt er u.a. an, dass bei Unterhaltungsformaten klar begründet werden müsse, warum sie im öffentlich-rechtlichen Portfolio stehen. Er überlegt zudem eine strukturelle Überführung von ORF III – das "Public Value at its best" produziere – ins Haupthaus, um Verantwortung zu bündeln und Doppelgleisigkeiten zu reduzieren. Die Marke solle aber erhalten bleiben.
Bezeichnung "Systemkandidat" als "bodenlose Frechheit"
Kolportiert wurde, dass Pig auf die Unterstützung der Regierung bzw. der ihr nahestehenden ORF-Stiftungsräte zählen konnte, was noch vor Bewerbungsschluss ein schiefes Bild vermittelte. Als "bodenlose Frechheit" wies Pig die Bezeichnung als "Systemkandidat" zurück und betonte, sein ganzes Leben politisch unabhängig gewesen zu sein.
"Ich kandidiere für den ORF und ganz bestimmt nicht für eine Partei", sagte er im Rahmen einer Diskussion. Die APA stehe für Glaubwürdigkeit und Ausgewogenheit. Niemand, der politisch irgendeine Nähe aufweise, würde dort zehn Jahre an der Spitze aushalten.
Von seiner Tätigkeit als APA-CEO wisse er auch, was Interventionen sind und wie man damit umgehe: "Höflich im Ton, hart in der Sache". Wie er beweisen wolle, dass er niemandem etwas schuldet? Mit einer "modernen Direktionsstruktur" und der Personalauswahl, sagte Pig.






