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Das Werk ist eigentlich "eine Reihe von Erzählungen aus dem Kleinstadtleben Ohios", wie es im Untertitel heißt, doch die Short Storys sind nicht nur mit ihrem Schauplatz, sondern auch mit ihrem Personal so miteinander verbunden, dass die einzelnen Geschichten zwar für sich gelesen werden können, einander aber auch zu einem zusammenhängenden Ganzen ergänzen - einem Roman also. "Anderson bringt das Kunststück zustande, dass die Geschichten in der Kombination mysteriöser wirken als für sich allein", schreibt Daniel Kehlmann in seinem Nachwort, in dem er auch darauf hinweist, dass er Anderson nicht nur in der US-Literatur Spuren hinterlassen hat, sondern auch im US-Film: Von Robert Altmans "Short Cuts" über Paul Thomas Andersons "Magnolia" bis zu Paul Haggis' "L.A. Crash" fände sich das Erzählprinzip wieder, aus einzelnen Mosaikstücken ein großes Bild entstehen zu lassen.
Glücklich scheinen die Menschen in Winesburg freilich nicht, weder der junge Lokalreporter George Willard, der die Geschichten seiner Mitbürger sammelt, noch die vielen Einsamen, vom Schicksal Gebeutelten, die von den unterschiedlichsten Dingen aus der Bahn geworfen wurden. Die Tragik, die Sherwood Andersons (1876-1941) in "Winesburg, Ohio" versammelte, zeichnete laut Kehlmann auch das Lebensende des Schriftstellers aus: Auf einer Schiffsreise nach Südamerika verschluckte er den Zahnstocher, der in der Olive seines Martinis steckte, und perforierte sich damit die Magenwand.
(S E R V I C E - "Winesburg, Ohio" von Sherwood Anderson, Übersetzt von Eike Schönfeld, mit einem Nachwort von Daniel Kehlmann. Manesse, 384 Seiten, 24,70 Euro)
FRANKFURT AM MAIN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/Manesse Verlag






