Heinz Sichrovsky verteidigt Kunst und Kultur: ORF III in Not – Bachmann hoffentlich nicht (03.07.2026)
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Lieber Heinz Sichrovsky,
wie soll man mit dieser ewig wiederkehrenden Debatte zum Thema ORF III
und RSO umgehen? Ich hatte die Hoffnung, dass diese Debatte erst ab 2029
losgehen würde. Schließlich hieß es doch vom Vizekanzler, der ORF habe
sich sein Orchester und ORF III bis zum Ende der Legislaturperiode 2029
zu leisten. Leider weit gefehlt. Angesichts der Budgetnöte ist das
Thema schon jetzt aktuell und Sorge berechtigt. Wenn man bedenkt, dass
Vizekanzler Babler seinem Finanzminister eine Halbierung der
Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmitte abgerungen hat und diese
unsägliche, ineffektive Maßnahme der Körnchenzählerei zum großen Wurf
erklärt, kann man kaum erwarten, dass er als Medien und - Kunstminister
das Grundnahrungsmittel "Kultur" großzügig behandelt. Noch ist Ingrid
Thurnher Generalintendantin und ich habe ihre Äußerung aus dem Jahr
2022 im Gedächtnis: "auf Ö1 mehr Content, weniger Köchel-Verzeichnis".
Diese Gesinnung scheint sich durchzusetzen. Wobei man dem RSO eine
Fixierung auf das Köchelverzeichnis wahrlich nicht vorwerfen kann. Es
dürfte kaum ein vielseitigeres Orchester in Österreich geben. Die
Debatte um seinen Fortbestand ist so ermüdend wie frustrierend. Nun
tritt der großartige Markus Poschner seinen Posten als Chefdirigent an
und hält heute im Kurier ein hoffnngsvolles Plädoyer für das RSO. Es
endet mit den Worten"Wir sind kein Luxusartikel, wir sind kein
Orchideenfach, von dem man sagt, das ist etwas, das wir uns nur hier und
da gönnen wollen". Womit ich wieder beim Grundnahrungsmittel "Kultur"
wäre und wieder bei Babler, aber auch beim Bildungsminister und bei der
Wissenschaftsministerin.
Ich grüße Sie wie immer herzlich, alles Liebe Riki Pacik
Danke, Lieber Herr Sichrovsy, für die klugen manchmal auch bissigen Newsletter .. vor allem für den Kaschnitz/Tipp ...Ihre Irene Suchy
Heinz Sichrovskys Spitzentöne: Ein bedeutender Künstler hat das letzte Wort behalten (01.07.2026)
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 27/2026 erschienen.
Sehr geehrter Herr Sichrovsky,
ich muss gestehen, dass mich Ihr Beitrag einigermaßen berührt hat, habe ich doch aus gewisser Ferne auch beobachten könne, wie die "Gegenständlichen" nach dem Krieg in der öffentlichen Wertschätzung stark unter die Räder kamen.
Georg Werthgarner, hauptberuflich Lehrer in OÖ, hat hauptsächlich bei Ludwig Rösch (1865-1936) und Fritz Lach (1868-1933) in der Zwischenkriegszeit malen gelernt und diese Profession auch zeitlebens neben seinem Beruf ausgeübt.
Nachdem Wethgarner unserer Familie lange Jahre eng verbunden war, durfte ich ihm auch oft beim Malen (er war Aquarellist) über die Schulter schauen, was mich dazu verleitete, ebenfalls zum Aquarellpinsel zu greifen. Im Familienbesitz befanden und befinden sich noch Werke aller 3 Künstler und ich konnte über die vielen Jahrzehnte, die mich diese Erde schon (er)trägt, den laufenden Verfall sowohl der Preise als auch der Wertschätzung für die Werke dieser Künstler verfolgen. Und ich habe auch mit gewissem Entsetzen festgestellt, wie schlecht z.B. die Aquarelle von F. Hundertwasser aus den späten 40er-Jahren verglichen mit jenen der genannten Künstler sind.
Vor einigen Jahren habe ich dem NÖ Landesmuseum ein Bild von Rösch angeboten (Bachgasse in Weissenkirchen), weil ich gesehen habe, dass dort eine größere Ansicht desselben Motivs vorhanden ist. Den Ausgang können Sie sich vorstellen - kein Interesse!
Die selektive Fokussierung des öffentlichen Kunstbetriebes auf bestimmte Formen künstlerischen (auch nachhaltigen?) Ausdrucks (oder ev. doch nur kommerziellen Erfolges) und die Negierung aller anderen ärgert, ja bedrückt mich schon lange. Mein Massstab ist eher, wie oft und wie radikal ein Künstler in der Lage war, seinen Stil zu ändern, um authentisch zu bleiben!
Ihre ehrenden Worte über Ihren Schwiegervater haben mich dazu verleitet, Sie mit meiner unerheblichen Meinung über den offiziellen Wertschätzungskatalog bildender Kunst in Österreich zu belästigen.
Mit der Bitte, mir dies zu verzeihen, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,
Ihr R. Köck
